MMA

UFC Fight Night 47 mit Bader, OSP, Perason und Maynard

Ryan Bader und Ovince St. Preux werden am Wochenende ihren ersten UFC-Hauptkampf bestreiten. (Foto: Zuffa LLC)

Nach seinem „ersten Urlaub seit langem“ wird White am Samstag in seiner alten Heimat in Bangor, Maine an die Arbeit zurückkehren. Zu sehen bekommen wird er dabei einen Halbschwergewichtskampf zwischen Ryan Bader und Ovince St. Preux, die in der Rangliste momentan auf Platz acht bzw. zehn stehen und sich mit einem Sieg weiter vorarbeiten wollen.

Außerdem auf dem Programm stehen u.a. Ross Pearson, Gray Maynard, Tim Boetsch, Brad Tavares sowie die Top-Fliegengewichte Jussier Formiga und Zach Makovsky. Die UFC Fight Night 47 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der für 5,99 monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Ryan Bader vs. Ovince St. Preux
Den nächsten Titelherausforderer auf Jon Jones Titel wird man am Samstag in Bangor, Maine nicht zu Gesicht bekommen, da sich in Form von Daniel Cormier und Alexander Gustafsson mittlerweile eine ansehnliche Warteschlange gebildet hat. Mit einem möglichst beeindruckenden Sieg könnten sich Ryan „Darth“ Bader (17-4) und Ovince „OSP“ St. Preux (16-5) aber in greifbare Nähe der Top 5 bringen.

Bader ist einer dieser Kämpfer, die unbestreitbares Potential haben, in den kritischen Momenten aber ein ums andere Mal gegen eine Wand gerannt ist. So eröffnete „Darth“ Bader seine UFC-Karriere mit dem Gewinn der achten „The Ultimate Fighter“-Staffel (TUF) gegen Vinny Magalhaes und vier weiteren Siegen gegen Carmelo Marrero, Eric Schafer, Keith Jardine und Antonio Rogerio Nogueira. Nach diesem vielversprechenden Beginn wurde Bader auf ein anderes, aufstrebendes Talent angesetzt, um den nächsten Neuzugang an der Spitze der 93-Kilo-Klasse zu ermitteln. Unglücklicherweise hieß dieses andere Talent Jon Jones und zwang einen chancenlosen Bader in der zweiten Runde zur Aufgabe. Seitdem ging es auf und ab für Bader, der u.a. „Rampage“ Jackson, Anthony Perosh und Rafael Cavalcante schlagen konnte, aber auch vorzeitig gegen Tito Ortiz, Lyoto Machida und Glover Teixeira verlor.

Ovince musste kurzzeitig ähnliche Kritik einstecken wie sein Gegner, hat seit seinem UFC-Debüt im April 2013 aber durchgehend überzeugt. Schon bei Strikeforce hat „OSP“ bis auf eine Punktniederlage gegen Gegard Mousasi jeden seiner sieben Kämpfe gewonnen, schien sein Potential aber nicht immer vollends auszureizen. In der UFC kann man ihm dies nicht vorwerfen – seine bisher vier Kämpfe im Octagon hat er allesamt vorzeitig beendet. Einem etwas unglücklich abgebrochenen Kampf gegen Gian Villante, der nach einem versehentlichen Fingerstich in die Augen nicht mehr weiterkämpfen konnte, folgten Erstrundensiege durch K.o. bzw. Aufgabe gegen Cody Donovan und Nikita Krylov sowie zuletzt ein T.K.o.-Sieg gegen Ryan Jimmo – mit einem Sieg gegen einen Namen wie Bader könnte „OSP“ am Samstag den Durchbruch schaffen.

Gray Maynard vs. Ross Pearson
Im Co-Hauptkampf werden zwei Leichtgewichtsveteranen aufeinandertreffen, die sich an einer Art Wendepunkt ihrer jeweiligen Karriere befinden. Gray „The Bully“ Maynard (11-3-1(1)) war 2011 zwei Mal um Haaresbreite davon entfernt, sich den Titelgürtel zu sichern, musste gegen Frankie Edgar jedoch ein Unentschieden hinnehmen, bevor er im Rückkampf überraschend K.o. geschlagen wurde, nachdem er den damaligen Champion in beiden Kämpfen selbst am Rand einer vorzeitigen Niederlage hatte.

Einem unspektakulären Punktsieg gegen Clay Guida folgten 2013 zwei weitere T.K.o.-Niederlagen gegen TJ Grant und Nate Diaz, nach denen Gerüchte um einen möglichen Rücktritt die Runde machten. Nach einer längeren Auszeit ist „The Bully“ nun aber zurück und will sich mit einem Sieg gegen Ross „The Real Deal“ Pearson (15-7) wieder seine alte Position in der Gewichtsklasse zurückholen.

Der Brite hat selbst seit Anfang 2013 keinen Kampf mehr gewonnen, wobei ihm selbst dabei kaum ein Vorwurf gemacht werden kann. Nach einem semi-erfolgreichen Ausflug ins Federgewicht kehrte der TUF 9-Sieger Ende 2012 wieder ins Leichtgewicht zurück und schlug dort George Sotiropoulos und Ryan Couture durch T.K.o., woraufhin Pearson im vergangenen Oktober in Manchester gegen Melvin Guillard angesetzt wurde. Nach nicht einmal zwei Minuten Kampfzeit erwischte Guillard ihn jedoch mit einem illegalen Kniestoß, der einen großen Cut auf Pearsons Stirn öffnete und den Kampf höchst unbefriedigend beendete. Nachdem er eine Knieverletzung ausgeheilt hatte, kehrte „The Real Deal“ im Juni gegen Diego Sanchez in den Käfig zurück und schien den TUF 1-Sieger recht deutlich zu besiegen, bevor zwei der drei Punktrichter den Kampf an Sanchez gaben – nach diesem frustrierenden Ergebnis wird Pearson besonders motiviert sein, sich gegen Maynard endgültig zu rehabilitieren.

Tim Boetsch vs. Brad Tavares
Im Mittelgewicht werden zwei Kämpfer aus dem Grenzbereich der Top 15 aufeinandertreffen, die ihre letzten Kämpfe verloren haben und sich mit einem Sieg vor dem Ranglistenabsturz bewahren wollen. Tim „The Barbarian“ Boetsch (17-7) hatte als Halbschwergewicht in der UFC nur manchmal Erfolg, schien mit einem Wechsel ins Mittelgewicht aber eine Karriere-Renaissance eingeleitet zu haben.

Siege gegen Kendall Grove und Nick Ring brachten ihm einen Kampf gegen Ex-Titelherausforderer Yushin Okami ein, der ihn zwar zwei Runden lang dominierte, im dritten Durchgang aber von einem wild entschlossenen Boetsch auf die Bretter geschickt wurde. Nach einem ebenso überraschenden wie unspektakulären Punktsieg gegen Hector Lombard folgten jedoch Niederlagen gegen Costas Philippou, Mark Munoz und Luke Rockhold, unterbrochen nur von einem kontroversen Punktsieg gegen C.B. Dollaway.

Brad Tavares (12-2) machte erstmals 2011 auf sich aufmerksam, als er Kult-Figur Phil Baroni mit einem Headkick auf wacklige Beine stellte und den „New York Badass“ mit einem Kniestoß auf die Bretter gehen ließ. Zwar wurde das Momentum einige Monate später von einer Punktniederlage gegen Aaron Simpson zerstört, danach schlug Tavares jedoch nacheinander Dongi Yang, Tom Watson, Riki Fukuda, Bubba McDaniel und Lorenz Larkin nach Punkten, bevor der Serie im April von Yoel Romero Einhalt geboten wurde. Mit einem Sieg gegen Boetsch will Tavares nun am Samstag seinen Platz in den Top 15 sichern.

Seth Baczynski vs. Alan Jouban
Im Weltergewicht wird es zwischen Seth „The Polish Pistola“ Baczynski (19-11) und Alan „Brahma“ Jouban (9-2) zur Sache gehen. Baczynski ist ein Veteran in der UFC, der zunächst Simeon Thoresen, Clay Harvison und das jetzige Top Ten-Weltergewicht Matt Brown vorzeitig und Lance Benoist nach Punkten besiegen konnte. Seitdem hagelte es allerdings Niederlagen gegen Mike Pierce, Brian Melancon und zuletzt Thiago Alves, unterbrochen nur von einem Punktsieg gegen Neil Magny im vergangenen November.

Mit Alan Jouban wird er nach dem Ex-Titelherausforderer Alves nun wieder ein kleineres Kaliber vor die Fäuste bekommen. Der RFA-Veteran hat zwar jeden bis auf zwei seiner bisherigen Gegner besiegt – die meisten durch (T.)K.o. – die beiden Niederlagen gehen allerdings auf das Konto von Chidi Njokuani und Mike Rhodes, neben Strikeforce- und UFC-Veteran Chris Spang die einzigen beiden einigermaßen bekannten Kämpfer auf seinem Resümee.

Shawn Jordan vs. Jack May
Auch die schweren Jungs werden im Cross Insurance Center ins Octagon steigen – Shawn „The Savage“ Jordan (15-6) und Jack „The Outlaw“ May (7-1) brauchen in Bangor allerdings dringend einen Sieg, um auch weiterhin beim Branchenprimus unter Vertrag zu bleiben.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Duell über die Distanz geht, ist dabei recht gering, denn nur sechs von zusammengerechnet 21 Profi-Kämpfen der beiden ging bisher über die Distanz – normalerweise werden die Kämpfe der beiden durch einen Knockout beendet, wobei sie entweder selbst auf die Bretter gehen oder ihren Gegnern die Lichter ausknipsen.

Jordan ist auf der großen Bühne der Erfahrenere der beiden – nach vier Kämpfen bei Bellator und zwei bei Strikeforce kam er 2012 in die UFC und gewann drei seiner ersten vier Kämpfe durch T.K.o. gegen Oli Thompson, Mike Russow und Pat Barry. Seitdem verlor er jedoch gegen Gabriel Gonzaga und Matt Mitrione, und zwar jeweils in der ersten Runde. Jack May war erst ein Mal in der UFC und auch zuvor nie in größeren Organisationen zu sehen. Eine Erstrundenniederlage durch technischen K.o. gegen Derrick Lewis setzt den „Outlaw“ nun unter Druck, gegen Shawn Jordan seinen ersten UFC-Sieg einzufahren.

Thiago Tavares vs. Robbie Peralta
Im Federgewicht wollen Thiago Tavares (18-5-1) und Robbie “Problems” Peralta (18-4) eine Siegesserie starten. Tavares, ein UFC-Veteran seit 2007, hat sich im Laufe der Zeit einige solide Siege erarbeitet, schaffte es dank einer Reihe schlecht getimter Niederlagen aber nie in Titelnähe. In die Quere gekommen ist dem BJJ-Spezialisten, der zwölf Aufgabe-Siege sein Eigen nennen kann, bisher vor allem sein etwas fragiles Kinn, das für drei (T.)K.o.-Niederlagen in seinen letzten vier verlorenen Kämpfen verantwortlich ist.

Das ist keine gute Voraussetzung für einen Kampf gegen Robbie Peralta, der 13 seiner 18 Siege durch (T.)K.o. gewonnen hat und in der UFC bis auf eine überraschende Punktniederlage gegen Akira Corassani noch ungeschlagen ist. Neben Knockouts gegen Jason Young und Estevan Payan schlug „Problems“ im Octagon bisher Mike Lullo und zuletzt Rony Jason nach Punkten.

Vorprogramm
Wer sich für das Titelgeschehen im Fliegengewicht interessiert, sollte den letzten Kampf des Vorprogramms nicht verpassen, in dem Jussier „Formiga“ da Silva (16-3) auf Zach „Fun Size“ Makovsky (18-4) treffen wird. Formiga, einst als bestes Fliegengewicht der Welt gehandelt, hatte nach einer beeindruckenden Karriere in kleineren Organisationen bisher gemischten Erfolg in der UFC – Siegen gegen Scott Jorgensen und den aktuellen Titelherausforderer Chris Cariaso stehen T.K.o.-Niederlagen gegen John Dodson und Joseph Benavidez gegenüber. Gegen Makovsky will der Brasilianer nun also seine erste Siegesserie im Octagon und damit einen Anlauf auf Demetrious Johnsons Gürtel starten.

Das gleiche Ziel hat „Fun Size“ – der 32-Jährige sicherte sich 2010 mit einem Punktsieg gegen Ed West den Bellator-Bantamgewichtsgürtel, verlor jedoch später hintereinander gegen Eduardo Dantas und Anthony Leone, woraufhin Makovsky von Bellator entlassen wurde. Zwei Siege in der regionalen Szene und ein Wechsel ins Fliegengewicht zogen jedoch kurze Zeit später die Aufmerksamkeit der UFC auf ihn, die ihn Ende des letzten Jahres kurzfristig als Ersatz für einen Kampf gegen Scott Jorgensen unter Vertrag nahm. Jorgensen unterlag dem UFC-Neuling dabei genauso wie im Februar Josh Sampo, womit Zach Makovsky sich in eine vielversprechende Position im Fliegengewicht vorgearbeitet hat, die er am Samstag mit dem dritten Sieg in Folge noch weiter ausbauen will.

Zuvor wird mit Sara McMann (7-1) eine ehemalige Titelherausforderin in den Käfig steigen. Die Ringer-Olympionikin wurde von Ronda Rousey zwar im Februar nach nur 66 Sekunden mit einem Knie zum Körper auf die Bretter geschickt, konnte davor aber sieben Kämpfe in Folge gewinnen, u.a. ihr UFC-Debüt gegen die Deutsche Sheila Gaff. In Bangor wird McMann auf Lauren Murphy (8-0) treffen, die sich im vergangenen Dezember in ihrem dritten Kampf für Invicta FC den Bantamgewichtsgürtel der Organisation sichern konnte. Nun wird sie mit Sara McMann den bisher schwierigsten Test ihrer bisherigen Karriere vor die Fäuste bekommen, der ihr aber im Erfolgsfall gleich eine gute Position in der UFC einbringen könnte.

Im Mittelgewicht wird der populäre Brite Tom „Kong“ Watson (16-7) aller Voraussicht nach um seinen Job kämpfen, nachdem er von seinen ersten vier UFC-Kämpfen lediglich einen gewinnen konnte. Zwar sicherte er sich mit seinem T.K.o.-Sieg gegen Stanislav Nedkov im Februar 2013 sowohl den Bonus für den „Knockout of the Night“ als auch den für den „Fight of the Night“, die darauffolgenden Punktniederlagen gegen Thales Leites und Nick Catone haben „Kong“ jedoch in eine prekäre Situation gebracht. Für Sam „Smilin’“ Alvey (23-5) würde ein Sieg gegen den beliebten Veteranen aber dennoch große Bedeutung haben, denn für Alvey wird ihr Kampf am Samstag das UFC-Debüt sein. Der 28-Jährige aus Wisconsin kann auf eine Menge Erfahrung außerhalb der UFC zurückgreifen und geht dank einer Siegesserie von vier gewonnenen Kämpfen am Stück mit einigem Momentum in diesen Kampf – drei dieser Siege hat Alvey darüber hinaus durch (T.)K.o. eingefahren, u.a. gegen den UFC- und KSW-Veteranen Jay Silva.

Im ersten Kampf des Abends werden mit Nolan Ticman (4-1) und Frankie Saenz (8-2) zwei UFC-Debütanten aufeinandertreffen. Ticman stand erst fünf Mal als Profi im Käfig, konnte aber drei seiner vier Siege in der ersten Runde durch (T.)K.o. oder Aufgabe einfahren. In Bangor wird der 26-Jährige auf Frankie Saenz treffen, der seine letzten vier Kämpfe gewinnen konnte, drei davon vorzeitig.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 47: Bader vs. St. Preux
Samstag, 16. August 2014
Cross Insurance Center in Bangor, Maine, USA

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Ryan Bader vs. Ovince St. Preux
Gray Maynard vs. Ross Pearson
Tim Boetsch vs. Brad Tavares
Seth Baczynski vs. Alan Jouban
Shawn Jordan vs. Jack May
Thiago Tavares vs. Robbie Peralta

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Jussier Formiga vs. Zach Makovsky
Sara McMann vs. Lauren Murphy
Tom Watson vs. Sam Alvey
Nolan Ticman vs. Frankie Saenz