MMA

UFC Abu Dhabi: Nogueira vs. Nelson im Hauptkampf

Im Hauptkampf der 39. UFC Fight Night könnte es zwischen Rodrigo Nogueira und Roy Nelson ordentlich krachen.

Eigentlich hätte es schon viel früher an der Zeit sein sollen, vier Jahre nach UFC 112 und Anderson Silvas unrühmlicher Titelverteidigung gegen Demian Maia kehrt die UFC aber schlussendlich tatsächlich zurück an die Ferrari World nahe der Formel 1-Strecke am Persischen Golf.

Im Gepäck haben Dana White und Co. dabei u.a. zwei Fan-Favoriten aus dem Schwergewicht, einen langhaarigen Chatoen sowie den Stuttgarter Alan Omer, der am Freitag sein Debüt im Octagon geben wird. Rodrigo Nogueira, Roy Nelson und Clay Guida werden in Abu Dhabi die Hauptverantwortlichen für eine gelungene Show sein, können sich dabei aber auf schlagstarke Unterstützung verlassen – neben den Hauptkämpfern stehen u.a. John Howard, Ramsey Nijem, Andrew Craig und – nicht zu vergessen – Omer auf dem Program, die am Freitag für einige spannende Kämpfe sorgen dürften.

Der Event kann vollständig über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der im Abo zum monatlichen Preis von 7,99€ auf ufc.tv erhältlich ist.

Antonio Rodrigo Nogueira vs. Roy Nelson
Hauptattraktion in Abu Dhabi  werden am Samstag die Schwergewichte sein: Mit Antonio Rodrigo “Big Nog” Nogueira (34-8-1) und Roy “Big Country” Nelson (19-9) führen zwei schlagstarke, in der UFC etablierte Kämpfer die Veranstaltung an, die nach Niederlagen in ihren letzten Kämpfen wieder zurück in die Spur finden müssen.

Antonio Rodrigo Nogueira ist seit knapp 15 Jahren ein fester Teil der MMA-Welt und gilt mittlerweile als Legende des Sports. Unvergessen bleiben vor allem seine unzähligen Schlachten in Japan, vor allem bei Pride FC: in der später von der UFC aufgekauften Organisation baute Nogueira sich mit Kämpfen gegen Dan Henderson, Mirko CroCop, Ricco Rodriguez oder Fedor Emelianenko eine riesige Fanbasis auf – nicht zuletzt dadurch, dass er in seinen Kämpfen oft Bomben kassiert hat, aber trotzdem weiter nach vorne marschiert ist.

Seitdem „Big Nog“ in der UFC kämpft, gelingt ihm dies nicht mehr so eindrucksvoll wie früher. Zwar konnte er sich zwischenzeitlich den Interims-Titel im Schwergewicht erkämpfen, verlor diesen jedoch gegen Frank Mir, der Nogueira die erste T.K.o.-Niederlage seiner Karriere beibrachte. Siegen gegen Dave Herman, Randy Couture und Brendan Schaub stehen seitdem vorzeitige Niederlagen gegen Mir (2x), Fabricio Werdum und Cain Velasquez gegenüber. In seinem letzten Kampf, im Mai des letzten Jahres, stand Nogueira Werdum gegenüber, der ihn in der zweiten Runde per Armbar zur Aufgabe zwang. Nogueira war seitdem nicht mehr im Octagon zu sehen und wird am Freitag versuchen, seinen ersten Sieg seit August 2011 einzufahren.

In Abu Dhabi wird er dabei auf Roy Nelson treffen. Auf dem Papier sind die beiden sich recht ähnlich – Boxer mit gutem BJJ – tatsächlich könnten ihre Kämpfe aber nicht unterschiedlicher aussehen. Während Nogueira sich im Stand eher auf Technik verlässt und seine Kämpfe früher oder später immer auf der Matte landen, fokussiert „Big Country“ sich weitestgehend auf wilde Einzelschläge und nutzt sein BJJ meist nur dann, wenn er selbst zu Boden gebracht wird. Das hat in der Vergangenheit oft hervorragend funktioniert, solange Nelson nicht gegen Top-Kämpfer angetreten ist. Weder gegen Junior dos Santos oder Werdum, noch gegen Stipe Miocic und Daniel Cormier konnte „Big Country“ allzu viel zeigen und wurde stattdessen von der ersten bis zur letzten Minute dominiert. Das sollte ihm am Freitag nicht passieren, um die dritte Niederlage in Folge zu verhindern.

Clay Guida vs. Tatsuya Kawajiri
Im Co-Hauptkampf werden zwei Veteranen im Federgewicht aufeinandertreffen. Während Clay „The Carpenter“ Guida (30-14) seit 2006 im Octagon mal für Furore, mal für enttäuschte Gesichter sorgt, ist Tatsuya „Crusher“ Kawajiri (33-7-2) erst seit Anfang dieses Jahres Teil der UFC.

Guida hatte quer durch die USA bereits in kleineren Organisationen sowie bei Strikeforce und der WEC gekämpft und sich eine Bilanz von 20 Siegen bei sechs Niederlagen erkämpft, als er bei UFC 64 im Oktober 2006 sein Debüt im Octagon gab. Seitdem ging es auf und ab für den quirligen „Carpenter“, der mal ein paar Kämpfe hintereinander gewann, dann wieder einige verlor, dabei aber stets unterhaltsam war. Vor allem dank Schlachten gegen Ben Henderson oder Diego Sanchez hat sich Guidas wehende Mähne während wilder Schlagabtäusche ins Gedächtnis vieler Fans eingebrannt. Dieses Image allerdings hat in den letzten zwei Jahren durch Kämpfe gegen Gray Maynard und Hatsu Hioki gelitten, in denen Guida merklich passiver war als gewohnt und die in unbefriedigenden Punktentscheidungen endeten, von denen der „Carpenter“ eine verlor und eine gewann. Im vergangenen August wurde Guida dann von Chad Mendes zum ersten Mal in seiner Karriere ausgeknockt und hat damit drei seiner letzten vier Kämpfe verloren.

Am 11. April wird er auf Tatsuya „The Crusher“ Kawajiri (33-7-2) treffen. Der Japaner ist ein erfahrener Veteran der internationalen MMA-Szene, was aber eher an seinen Gegnern liegt und weniger an weltweiten Auftritten, da seine Kämpfe sich größtenteils in Asien abgespielt haben. Aus diesem Grund ist der „Crusher“ den meisten Fans außerhalb Asiens kein wirklicher Begriff, was sich in diesem Jahr ändern könnte. Bereits im Januar legte der mittlerweile 35-Jährige den Grundstein dafür, indem er auf der ersten UFC-Veranstaltung in Singapur Sean Soriano nach Punkten schlug. Den ersten Schritt hat er somit hinter sich gebracht – jetzt heißt es, jede Chance zu nutzen und in den vermutlich wenigen Jahren, die ihm noch im Käfig bleiben, so viel wie möglich zu erreichen. Sein Sprungbrett dazu könnte an diesem Freitag Clay Guida sein – ein Sieg gegen den Veteranen würde ihn zwar aller Voraussicht nach nicht einmal in die Top 10 – 15 befördern, könnte dank Guidas Popularität aber der Schlüssel für weitere Kämpfe gegen bekannte Namen sein. Ob der „Crusher“ den „Carpenter“ einstampfen kann? Am Freitag werden wir es erfahren.

John Howard vs. Ryan LaFlare
Im Weltergewicht kommt es auf Yas Island zu einem Duell zweier Kämpfer, die mit einem weiteren Sieg endgültig auf sich aufmerksam machen wollen. John „Doomsday“ Howard (22-8) war bereits zwischen 2009 und 2011 Teil der UFC und konnte seine ersten vier Kämpfe gewinnen, wurde nach Niederlagen gegen Jake Ellenberger, Thiago Alves und Matt Brown jedoch entlassen. Sechs Siege später stand die Rückkehr der UFC nach Boston an, Howards Heimatstadt. „Doomsday“ brachte sich zunächst mit dem Angebot ins Gespräch, umsonst anzutreten, solange er dort kämpfen dürfe, musste diesen Schritt letztlich aber doch nicht gehen – nachdem mehrere Gegner für „The Ultimate Fighter“-Finalist Uriah Hall abgesagt hatten, ergriff Howard seine Chance auf einen zweiten Anlauf im Octagon und sprang kurzfristig ein.

Als haushoher Underdog konnte er nach drei Runden eine geteilte Punktentscheidung mit nach Hause nehmen, das Risiko hatte sich also gelohnt. Im Dezember manifestierte Howard seinen Job in der UFC mit einem weiteren Punktsieg gegen Siyar Bahadurzada. Am Samstag wird der Thaiboxspezialist nun versuchen, gegen Ryan LaFlare (10-0) den zehnten K.o.-Sieg seiner Karriere einzufahren. Der Allrounder aus Long Island, New York dagegen will nach drei beeindruckenden Siegen auf dem Vorprogramm zum ersten Mal vor größerem Publikum überzeugen und seine Arbeitgeber darin bestärken, dass er auch weiterhin aufs Hauptprogramm gehört. Nach sieben vorzeitigen Siegen in der Ring of Combat-Organisation debütierte LaFlare vor einem knappen Jahr in Schweden gegen Ben Alloway in der UFC. Einem dominanten Punktsieg folgte ein weiterer gegen Santiago Ponzinibbio im vergangenen November und knapp einen Monat später ein dritter Punktsieg gegen TUF-Sieger Court McGee, gegen den LaFlare kurzfristig eingesprungen war.

Ramsey Nijem vs. Beneil Dariush
Im Leichtgewicht startet in Abu Dhabi Kapitel zwei eines bisher sehr ereignisreichen Jahres für Ramsey „Stripper“ Nijem (8-4) und Beneil „“ Dariush (7-0). Beide standen erst Mitte Januar zum letzten Mal im Octagon, wo Nijem mit einem Punktsieg gegen Justin Edwards seine UFC-Karriere rettete, während Dariush gegen UFC-Veteran Charlie Brenneman höchst erfolgreich mit einem Erstrunden-Aufgabe-Sieg im Octagon debütierte.

Nijem stieg Mitte 2011 als Favorit in den Käfig, als er gegen Tony Ferguson seine Chance auf den TUF-Titel im Weltergewicht erhielt. Der „Stripper“ wollte sich an diesem Abend jedoch etwas zu lange im Stand mit Fergusons harten Fäusten messen und wurde prompt auf die Bretter geschickt. Seitdem konnte sich Nijem mit Siegen gegen Danny Downes, C.J. Keith und Joe Proctor in der UFC etablieren, musste im vergangenen Jahr aber Rückschläge gegen Myles Jury und James Vick hinnehmen, denen er sich via K.o. bzw. Guillotine Choke geschlagen geben musste. Mit dem Punktsieg gegen Justin Edwards sicherte Nijem im Januar fürs erste seine Karriere in der UFC, muss am Samstag aber an Beneil Dariush vorbei, um nicht gleich wieder am Abgrund zu stehen.

Dariush gewann in seinem Profi-Debüt Ende 2009 eine geteilte Punktentscheidung, hat seitdem aber jeden seiner Kämpfe vorzeitig beendet. Drei mal durch Aufgabe und zwei Mal durch Knockout hat der gebürtige Iraner seine Gegner aus dem Käfig gefegt, bevor er im Januar in der UFC debütierte. Dort legte er einen überaus überzeugenden Einstand hin, indem er den UFC-Veteranen Charlie Brenneman in der ersten Runde zunächst niederschlug und dann im Rear Naked Choke abklopfen ließ.

Vorprogramm
Das dank des kurzfristigen Ausfalls eines Fliegengewichtskampfes zwischen Alptekin Ozkilic und Dustin Ortiz nur fünf Kämpfe umfassende Vorprogramm wird in Abu Dhabi im Schwergewicht beendet. Jared „Big Show“ Rosholt (9-1) und Daniel Omielanczuk (16-3-1) debütierten im vergangenen Jahr in der UFC und konnten ihren ersten Kampf gewinnen. Jared Rosholt stieg im November zum ersten Mal für die UFC in den Käfig und punktete dort Walt Harris fünfzehn Minuten lang aus, womit er sich den fünften Sieg in Folge sicherte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Daniel Omielanczuk seinen ersten Kampf im Octagon bereits seit zwei Monaten hinter sich. Über zweieinhalb Runden lieferte er sich mit dem Österreicher Nandor Guelmino einen relativ ausgeglichenen Kampf, konnte ihn im dritten Durchgang dann aber spektakulär ausknocken. Mit einem erfolgreichen Debüt im Rücken kann Omielanczuk etwas entspannter in seinen zweiten Kampf gehen, gleiches gilt allerdings auch für Jared Rosholt – wer von beiden die Nerven behält, könnte im weiteren Verlauf des Jahres einige größere Kämpfe vor sich haben, man darf also gespannt sein.

Zuvor werden im Bantamgewicht Rani Yahya (19-8) und Johny „Brutal“ Bedford (19-10-1) aufeinandertreffen. Schon bevor Yahya in der UFC debütierte, war klar, was man dort von ihm erwarten würde: technisch beeindruckendes Grappling. Bisher konnte der Brasilianer im Octagon nicht an alte WEC-Erfolge anknüpfen, wo er vier Aufgabe-Siege einfuhr, u.a.gegen Mark Hominick. Obwohl drei über die Distanz gingen, kann Yahya bisher vier UFC-Siege sein eigen nennen, die bisher noch von Niederlagen gegen Chad Mendes und Tom Niinimäki überschattet werden. Gegen Johny Bedford soll nun also ein imposantes Statement her, ein solches braucht aber auch „Brutal“. Der 31-Jährige aus Ohio debütierte nach seiner Zeit im „The Ultimate Fighter“-Haus Ende 2010 mit einem T.K.o.-Sieg gegen Louis Gaudinot in der UFC, stand seitdem verletzungsbedingt jedoch nur zwei Mal im Octagon: einem K.o.-Sieg gegen Marcos Vinicius folgte vor etwa einem Jahr eine Aufgabe-Niederlage gegen Bryan Caraway, die Bedford an diesem Wochenende endgültig vergessen machen will.

Thales Leites (22-4) gegen Trevor „Hotsauce“ Smith (22-4) ist eine etwas ungewöhnliche Ansetzung, da Smith zuletzt gegen Ed Herman verloren hat, den Leites vor einigen Monaten schlagen konnte – trotzdem könnte dieses Mittelgewichtsduell sich als spannender Kampf herausstellen.

Leites trat vor knapp vier Jahren gegen den damaligen Mittelgewichtschampion Anderson Silva um dessen Titel an, verlor jedoch unspektakulär nach Punkten – eine weitere Niederlage gegen Alessio Sakara später wurde er vor die Tür gesetzt. Nach einigen erfolgreichen Jahren außerhalb der UFC, in denen Leites u.a. Dean Lister, Jeremy Horn und Matt Horwich schlagen konnte, kehrte er im August des letzten Jahres zurück ins Octagon. Einem spannenden Punktsieg gegen Tom Watson folgte daraufhin der Sieg gegen Herman, sodass Leites mit einem weiteren Erfolg am Freitag wieder in etwas relevantere Regionen des Mittelgewichts vordringen könnte.

Dazu muss er an Trevor Smith vorbei, was auf dem Papier keine allzu große Herausforderung sein sollte – „Hot Sauce“ hat bisher gegen jeden einigermaßen namhaften Gegner verloren. Trotzdem könnte diese Ansetzung Unterhaltung versprechen, denn Smith ist trotz seiner drei vorzeitigen Niederlagen nicht einfach aus dem Weg zu räumen. Vor allem die Drei Runden-Schlacht mit Ed Herman aus dem vergangenen Jahr sticht dabei heraus, sodass man davon ausgehen kann, dass Smith wenn, dann mit fliegenden Fahnen untergehen wird.

Ebenfalls im Mittelgewicht werden sich in der du Arena Chris Camozzi (19-7) und Andrew „Highlight“ Craig (9-2) gegenüberstehen. Die beiden sind seit 2011 (im Falle von Carmozzi: wieder) in der UFC, mussten dort jedoch nach einigen Erfolgen zuletzt bittere Rückschläge hinnehmen. Während Camozzi, der zuvor nacheinander Dustin Jacoby, Nick Catone, Luiz Cane und Nick Ring schlagen konnte, gegen „Jacare“ Souza und Lorenz Larkin verlor, zog Craig im Oktober nach Siegen gegen Kyle Noke, Rafel Natal und Chris Leben gegen Luke Barnatt den Kürzeren. Beide sind für meist sehr unterhaltsame Kämpfe bekannt, für ihr Duell in Abu Dhabi könnte es sich also lohnen, einzuschalten.

Im ersten Kampf des Abends wird der erst fünfte deutsche UFC-Kämpfer sein Debüt im Octagon geben. Der Stuttgarter Alan Omer (18-3) stand bereits vor einigen Jahren auf der Wunschliste der UFC, bevor ihm medizinische Probleme einen Strich durch die Rechnung machen. Mehr als zwei Jahre und lediglich einen K.o.-Sieg gegen Dennis Tomzek im vergangenen Februar später wird Omer in Abu Dhabi nun endlich zum ersten Mal für die UFC in den Käfig steigen. Dort erwartet ihn in Form des bisherigen Cage Warriors-Federgewichtschampions Jim „The Beast“ Alers (12-1) keine leichte Aufgabe – falls Omer sie allerdings bestehen kann, wäre das zweifellos ein perfekter Einstand in eine vielversprechende Octagon-Karriere. Alers kann zurzeit eine Erfolgsserie von acht Siegen am Stück sein Eigen nennen, von denen sieben vorzeitig zustande gekommen sind. Zuletzt zwang „The Beast“ Graham Turner per North South-Choke zur Aufgabe – der Sieg markierte die zweite Verteidigung seines Gürtels, den er zuvor mit einem Triangle Armbar Joni Salovaara abgenommen hatte.

Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 39: Nogueira vs. Nelson
Freitag, 11. April 2014
du Arena, Abu Dhabi, UAE

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Antonio Rodrigo Nogueira vs. Roy Nelson
Clay Guida vs. Tatsuya Kawajiri
John Howard vs. Ryan LaFlare
Ramsey Nijem vs. Beneil Dariush

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Jared Rosholt vs. Daniel Omielanczuk
Rani Yahya vs. Johnny Bedford
Thales Leits vs. Trevor Smith
Chris Camozzi vs. Andrew Craig
Alan Omer vs. Jim Alers