MMA

UFC 178: Die Underdogs

Chris Cariaso, Takeya Mizugaki, Dustin Poirier und Amanda Nunes (v.l.n.r.) melden sich zu Wort. (Fotos: Florian Sädler/Groundandpound.de)

UFC 178 gilt als eines der besten Events, das die UFC in diesem Jahr veranstaltet – zumindest auf dem Papier. Teil der Faszination sind vor allem Fliegengewichtschampion Demetrious Johnson, der (über-?) selbstbewusste Conor McGregor sowie die beiden Octagon-Rückkehrer, Cat Zingano und Dominick Cruz, von denen allesamt große Siege erwartet werden.

Was aber bewegt ihre Gegner (-in) vor ihrem großen Auftritt, der in der Theorie schon jetzt zum Scheitern verurteilt ist? Die vier Underdogs des Abends waren allesamt beim offiziellen Medientag vertreten, wo wir die Gelegenheit genutzt haben, uns kurz mit ihnen über ihre Pläne für Samstag zu unterhalten.

Wenig überraschend sind sich alle vier darin einig, dass sie am Samstag neben ihren Kontrahenten auch die Wettquoten schlagen werden. Das verwundert kaum, denn zum einen braucht man in diesem Sport natürlich ohnehin überaus großes Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten, zum anderen ist diese Situation für sie oft nichts neues. Hauptkämpfer und Titelherausforderer Chris Cariaso beispielsweise, mit zweistelligen Wettquoten gegen sich der größte Außenseiter seit langem in einem UFC-Titelkampf, hätte laut den Buchmachern so gut wie keinen Kampf in der UFC gewinnen dürfen: „Ich war immer der Underdog. Als ich in England gekämpft habe, als ich in Japan gekämpft habe, als ich in Brasilien gekämpft habe“, listet der Thaiboxspezialist auf. „Ich weiß, wozu ich fähig bin. All die Medienvertreter und Buchmacher da draußen sind nicht Teil meines Camps, sie tun nicht jeden Tag das, was ich tue. Und sie wissen nicht, was ich tue. Ich bin bereit, es ihnen zu demonstrieren.“

Einen Plan, um das zu realisieren, hat er auch schon: „Ich muss Demetrious überall schlagen. Ich muss die einzelnen Schlagabtausche für mich entscheiden und den Verlauf des Kampfes diktieren.“ Das ist natürlich einfacher gesagt als getan, das gleiche galt aber auch im Mai für TJ Dillashaw, der den scheinbar unantastbaren Bantamgewichtschampion Renan Barao viereinhalb Runden lang dominierte und schließlich kurz vor Schluss auf die Bretter schickte. „Sowas sorgt immer für Inspiration“, erklärt Cariaso, der dieses Kunststück am Samstag in der selben Arena wiederholen will. „Es ist immer großartig, wenn jemand als Underdog gilt und dann da raus geht und eine Rocky-Story hinlegt. Ich habe das definitiv für mich als Inspiration genutzt. 2014 ist das Jahr der Underdogs, von daher ist das jetzt eine gute Zeit für mich, um den Gürtel zu kämpfen.“

Um den Gürtel kämpfen will auch Takeya Mizugaki. Der 30-jährige Japaner hat in der UFC   fünf Kämpfe nacheinander gewonnen, war aber bisher nie wirklich im Gespräch um einen Kampf gegen den Champion. Jetzt will er seine Chance auf den Titel, und obwohl Dominick Cruz seinen früheren Gürtel nach den vielen Verletzungen nicht mehr trägt, wird er laut Mizugaki als Sprungbrett für seinen eigenen Titelkampf dienen: „Dominick Cruz hat seinen Gürtel nie verloren, und deswegen glaube ich, dass ein Sieg über ihn meinen Platz an der Spitze manifestieren wird.

„Für mich ist es das allerwichtigste, einen Titelkampf zu bekommen. Wer immer auch der Champion ist, ist für mich der beste Kämpfer der Welt in seiner Gewichtsklasse. Mir ist es egal, wer den Gürtel hat, ich will nur gegen ihn kämpfen.“

Wie Cariaso ist sich auch Mizugaki bewusst, dass die meisten Außenstehenden den Ex-Champion trotz seiner langen Verletzungspause als Favoriten sehen. Auch er wird daher mit dem Vorsatz in den Käfig steigen, es seinen Zweiflern richtig zu zeigen: „Ich bin mir bewusst, dass es ein harter Kampf werden wird, aber ich bin zuversichtlich, dass ich zeigen kann, was ich draufhabe.“

Dustin Poirier dagegen wird an diesem Punkt scheinbar hauptsächlich von Wut und Frust über seinen vorlauten Gegner motiviert. Anfangs noch cool und abblockend, wurde der 25-Jährige in den letzten Wochen zusehends emotionaler, verkündete offen seinen Hass gegen Conor McGregor und legte sich beim Wiegen mit den zahlreichen Fans des Iren an. „Ich mag den Typen nicht, er ist einfach ein Arschloch“, so Poirier über seinen Gegner. „Und ich weiß nicht, warum er all diese Aufmerksamkeit bekommt. Für mich sieht es so aus, als wenn es einige Leute gibt, die mich unterschätzen. Das ist ein Fehler.“ Dass McGregor nach nur drei Kämpfen in der UFC als Favorit gilt, obwohl Poirier sich über Jahre gegen meist hochkarätige Kontrahenten eine überaus respektable 8-2-Bilanz erarbeitet hat, kann dieser ebenfalls nicht verstehen: „Er ist zwar ein guter Kämpfer, aber er wird mich nicht schlagen. Es stört mich nicht wirklich, aber ich war schon etwas überrascht, als ich die Quoten gesehen habe.“

Im ersten Kampf des Hauptprogramms wird am Samstag die Brasilianerin Amanda Nunes auf Cat Zingano treffen. Zingano schlug im vergangenen Jahr Miesha Tate technisch K.o. und sollte anschließend eigentlich auf Ronda Rousey treffen. Schwere Knieverletzungen sowie der Selbstmord ihres Mannes warfen „Alpha“ allerdings aus der Bahn, weshalb sie seit eineinhalb Jahren nicht mehr im Octagon stand. Nun wurde ihr im Falle eines Sieges gegen Nunes nochmals der Titelkampf versprochen, Nunes dagegen hat keine derartigen Garantien. „Ich hoffe, nach diesem Kampf um den Titel antreten zu dürfen. Wenn ich gewinne, wird mir die UFC diesen Kampf sicherlich geben“, gibt sich die Brasilianerin dennoch zuversichtlich. „Ich bin im Stand gefährlich und in den übrigen Bereichen habe ich mich ebenfalls stark verbessert. Ich freue mich sehr auf diesen Kampf und werde ihn so schnell ich kann beenden.“