MMA

UFC 175: Weidman vs. Machida und Rousey vs. Davis

UFC 175 wird am Samstag im Mandalay Bay Events Center ausgetragen. (Foto: Zuffa LLC)

Der 4. Juli ist in den Vereinigten Staaten so etwas wie hierzulande der Tag der deutschen Einheit, allerdings mit dem Unterschied, dass die Amerikaner jenes Wochenende tatsächlich Jahr für Jahr mit ungebrochener Begeisterung feiern. Passend dazu findet seit langem alljährlich ein großer UFC-Event in Las Vegas statt.

Auch dieses Jahr haben die Matchmaker Joe Silva und Sean Shelby wieder einige große Geschütze aufgefahren: Chris Weidman muss gegen Lyoto Machida beweisen, dass er tatsächlich der legitime König der Mittelgewichtsklasse ist, nachdem mit Ronda Rousey ein allseits bekannter Superstar das Octagon mit Herausforderin Alexis Davis teilen wird.

Das Hauptprogramm von UFC 175 kann zum Preis von 15,99 Euro (SD) bzw. 17,99 Euro (HD) auf ufc.tv bestellt werden, während das Vorprogramm über den UFC Fight Pass verfolgt werden kann, der ab 7,99 Euro monatlich auf derselben Website zu haben ist.

Chris Weidman vs. Lyoto Machida
Zufall? Können? So wirklich anerkannt wird Chris „The All American“ Weidman (11-0) als UFC-Mittelgewichtschampion noch nicht, obwohl er innerhalb der letzten 365 Tage den wohl besten Kämpfer der Welt gleich zwei Mal vorzeitig besiegt hat. Anderson Silva galt seit 2006 als unschlagbar – sechzehn Kämpfe am Stück hatte der Brasilianer in der UFC gewonnen, die meisten davon Titelverteidigungen. Weidman setzte im Juli 2013 bei UFC 162 einen Schlussstrich unter diese Serie, als er den Champion in der zweiten Runde mit einem linken Haken bewusstlos auf die Bretter gehen ließ. Auch ein Anderson Silva kann im Octagon nicht übermütig werden, hieß es danach, denn Silva hatte, wie so oft vorher, Spielchen gespielt und seine Deckung absichtlich offen gelassen – in einem Rückkampf würde „The Spider“ sicherlich nicht den gleichen Fehler machen und Weidman auseinandernehmen. Bei UFC 168 im Dezember schien Weidman jedoch erneut das Ruder in die Hand zu nehmen, bevor ein geblockter Lowkick dem Kampf ein unrühmliches Ende setzte: Silva ging mit gebrochenem Schienbein zu Boden und Weidman blieb Champion. Gerade wegen dieser Verletzung sind viele Fans immer noch nicht überzeugt vom 30-jährigen New Yorker.

Eigentlich hätte Weidman seinen Titel im Mai bei UFC 173 gegen Vitor Belfort aufs Spiel setzen sollen, verletzte sich jedoch am Knie und musste sich einer kleineren Operation unterziehen, während Belfort wegen Lizensierungsproblemen aus dem Kampf genommen. Ob ihn diese Verletzung am 5. Juli noch beeinträchtigen wird, bleibt abzuwarten – interessant in diesem Zusammenhang ist jedenfalls, dass Weidman schon seit Jahren Knieprobleme hat und wohl erst seit knapp zwei Monaten wieder ohne Einschränkungen trainieren kann.

Für Belfort jedenfalls sprang ein anderer brasilianischer Top-Star ein: Lyoto „The Dragon“ Machida (21-4) nahm das UFC-Halbschwergewicht 2007 mit sechs aufeinanderfolgenden Siegen, u.a. gegen Rameau Thierry Sokoudjou, Tito Ortiz und Thiago Silva im Sturm, bevor er seinen imposanten Lauf bei UFC 98 mit einem K.o. gegen den damaligen Champion, Rashad Evans, krönte. Zwar ging die von Kommentator Joe Rogan voreilig ausgerufene „Machida-Ära“ schneller zu Ende, als sie angefangen hatte, als Machida im Mai 2010 von „Shogun“ Rua ausgeknockt wurde und im Halbschwergewicht war der „Dragon“ seitdem nie mehr so dominant wie früher, sein Wechsel ins Mittelgewicht stellte sich im vergangenen Jahr jedoch als Glücksgriff heraus. Im Oktober schickte Machida zunächst einen überforderten Mark Munoz per Headkick auf die Bretter, bevor er im Februar Gegard Mousasi in einem harten und technischen Fünf-Ründer nach Punkten bezwang. Nun bekommt Machida nach dem Verlust des Halbschwergewichtsgürtels seine zweite Chance, sich einen UFC-Titel zu sichern und könnte der erst dritte Kämpfer in der Geschichte der Organisation werden, der Titel in zwei Gewichtsklassen gehalten hat. Neben ihm haben dies nur BJ Penn und Randy Couture geschafft, die Machida ironischerweise beide geschlagen hat.

Ronda Rousey vs. Alexis Davis
Der laut UFC-Präsident Dana White größte Star der Organisation hat bereits ein hektisches erstes halbes Jahr 2014 hinter sich, und am Samstag geht es mit Vollgas weiter für Ronda „Rowdy“ Rousey (9-0). Seit sie im ersten Frauenkampf der UFC-Geschichte im Februar 2013 Liz Carmouche mit ihrem patentierten Armbar schlug, ist die 27-Jährige tatsächlich zu einem der absoluten Top-Stars der UFC geworden. Werbeverträge, öffentliche Auftritte und Filmrollen wie zuletzt in ‚The Expendables 3’ haben den Bekanntheitsgrad der ehemaligen Judoka in für einen MMA-Kämpfer unermessliche Höhen schnellen lassen.

Wundert es daher irgendjemanden, dass Alexis „Ally-Gator“ Davis (16-5) in den letzten Monaten von allen Seiten gekonnt ignoriert wurde? Wohl kaum, und die nächste Herausforderin auf Rouseys Titel hat nichts dagegen: „Es stört mich nicht wirklich. Für mich ist das okay“, gab die 29-Jährige am Montag während er offiziellen Telefonkonferenz zu UFC 175 zu Protokoll, zu der Groundandpound eingeladen war. „Ich trainiere genauso wie sonst. Was im Octagon passieren soll, wird passieren. Da ist es egal, was die Leute sagen.“

Die Bilanz, um den Titelkampf zu rechtfertigen, hat die Kanadierin jedenfalls: seit 2010 hat Davis lediglich gegen Sarah Kaufman durch mehrheitlichen Punktentscheid verloren und ansonsten alle anderen acht ihrer Gegnerinnen besiegt, drei davon in der UFC. Nach einem erfolgreichen Debüt gegen Rosi Sexton mussten auch Liz Carmouche und Jessica Eye Punktentscheidungen an Davis abgeben. Nun muss sie diese Erfolgsserie auch gegen die härteste Gegnerin von allen weiterführen. Ronda Rousey war bis letztes Jahr als Königin des Erstrunden-Armbar bekannt. Jede einzelne ihrer sieben Gegnerinnen hatte Rousey bis dahin innerhalb der ersten fünf Minuten mit dem Griff zur Aufgabe gezwungen – jeder wusste, was kommen würde, aber niemand konnte es stoppen.

Erst ihre Erzrivalin Miesha Tate, der sie 2012 bereits den Strikeforce-Titel abgenommen hatte, schaffte es im vergangenen Dezember bei UFC 168 in die dritte Runde, wo sie letztendlich aber auch im Armbar abklopfen musste. Im vergangenen Februar zeigte „Rowdy“ Rousey dann, dass sie sich in allen Bereichen des Sports weiterentwickelt, als sie Sara McMann mit einem Knie zum Körper technisch K.o. schlug. Aufbaugegner oder Kryptonit? Am Samstag werden wir erfahren, was Alexis Davis der dominantesten Kämpferin des Bantamgewichtes entgegenzusetzen hat.

Stefan Struve vs. Matt Mitrione
Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass Stefen ”Skyscaper” Struve (25-6) am Samstag wieder ins Octagon steigt. Der 2,13 Meter große Holländer war zum letzten Mal im März 2013 in Aktion zu sehen, als ein Schlag Mark Hunts ihm den Kiefer brach. Zu allem Überfluss wurde bei Struve einige Monate später auch noch eine angeborene Herzkrankheit festgestellt und im Oktober erlag sein Vater einer schweren Krankheit. Kurz gesagt: Stefan Struves Karriere schien im Alter von 26 Jahren vorbei zu sein.

Seitdem hat sich der Holländer langsam aber stetig zurückgearbeitet. Schritt für Schritt ging es zurück zu voller Stärke, die er bei UFC 175 an Matt „Meathead“ Mitrione (7-3) demonstrieren will. Das allein ist schon ein großer Erfolg für Struve, der trotzdem nur mit einem großen Sieg zufrieden sein wird. Vor der Niederlage gegen Hunt hatte der „Skyscraper“ vier Kämpfe nacheinander gegen Pat Barry, Dave Herman, Lavar Johnson und Stipe Miocic gewonnen und damit zum ersten Mal in seiner UFC-Karriere die Konsistenz gezeigt, die man mit Titelambitionen braucht. An diesem Wochenende soll also nicht einfach „nur“ wieder der „Skyscraper“ ins Octagon steigen, er will es mit einem restlos überzeugenden Sieg in der Tasche auch wieder verlassen.

Einen überzeugenden Sieg braucht auch Matt Mitrione, denn der aus der zehnten „The Ultimate Fighter“-Staffel (TUF) bekannte „Meathead“ hat ein paar Mal zu oft verloren, seitdem er regelmäßiger Gast auf UFC-Hauptprogrammen ist. Nachdem er seine Karriere, die er bisher ausschließlich in der UFC verbracht hat, mit fünf Siegen in Folge, u.a. gegen „Kimbo Slice“ Kevin Ferguson und Joey Beltran, beeindruckend gestartet hatte, läuft es seit drei Jahren nicht mehr so gut für den ehemaligen Football-Spieler. Cheick Kongo, Roy Nelson und Brendan Schaub haben Mitrione seitdem besiegt, während er lediglich Phil De Fries und Shawn Jordan bezwingen konnte. Am Samstag soll gegen Stefan Struve also ein Sieg gegen einen namhaften Gegner her, um nicht ins Niemansland des Schwergewichtes abzurutschen.

Uriah Hall vs. Thiago Santos
Im Mittelgewicht werden Uriah ”Primetime” Hall (8-4) und Thiago ”Marreta” Santos (9-2) versuchen, dem Pay-per-View-Publikum eine erinnerungswürdige Show zu liefern.
Hall erschien Anfang 2013 mit der 17. Staffel der „The Ultimate Fighter“-Reality-Serie auf der Bildfläche und sorgte von Anfang an für offene Münder. Vielversprechende Talente sind in den meisten Staffeln zu sehen, aber Hall hievte das Wort ‚Potential’ auf ein neues Level, als er einen Gegner nach dem anderen mit markerschütternden Knockouts aus dem Weg räumte. Sogar vom nächsten Anderson Silva war die Rede, nachdem Hall in der ersten Runde des Turniers Adam Cella mit einem Spinning Heel Kick so hart auf die Bretter schickte, dass dieser erst nach Minuten wieder auf die Beine kam und vom Käfig aus direkt ins Krankenhaus gefahren wurde. Hall indes plagte noch Tage später ein schlechtes Gewissen.

Der harte Kerl mit dem weichen Kern schien alles Potential der Welt zu haben, um nach Ausstrahlung der Staffel mit Vollgas in der UFC durchzustarten, bevor im „echten“ Octagon die herbe Ernüchterung folgte. In geteilten Punktniederlagen gegen Kelvin Gastelum und John Howard ließ Hall all das vermissen, was ihn im TUF-Haus zum Star gemacht hatte. Wie Sparrings-Kämpfe wirkten die beiden Auftritte Halls, der keinerlei Siegeswillen oder Killerinstinkt zeigte und dafür harsche Kritik von Dana White erntete. Seinen Kampf gegen Chris Leben im vergangenen Dezember startete Hall dann gleich mit einem eingesprungenen Kniestoß, der sauber auf dem Kinn des Veteranen landete. Leben ging zwar nicht zu Boden, wurde die folgenden fünf Minuten lang aber weiter von Hall bearbeitet und gab in der Rundenpause auf. Ein wichtiger Erfolg für Hall, der aber immer noch auf den ersten spektakulären Knockout in der UFC wartet, um die Vorschusslorbeeren aus dem TUF-Haus endlich zu legitimieren – am Samstag bekommt er eine weitere Chance, wenn er im Octagon auf Thiago Santos trifft.

Santos hat sich seit seinem Profi-Debüt im Oktober 2010 mit acht Siegen in neun Kämpfen in der brasilianischen Szene einen Namen gemacht. Nur drei Mal musste er dabei über die Distanz, der Rest dieser Kämpfe endete durch Aufgabe oder (T.)K.o. Im vergangenen August war es dann jedoch Santos, der nach nur 41 Sekunden in Cezar „Mutante“ Ferreiras Guillotine Choke abklopfen musste. Seinen ersten Sieg in der UFC fuhr Santos schließlich im April ein, als er in Brasilien seinen Landsmann Ronny Markes mit einem Kick zum Körper und Folgeschlägen auf die Bretter gehen ließ. Nun steht ihm in Las Vegas die größte Chance seiner Karriere bevor: Hall ist durch TUF ein sehr bekanntes Gesicht, und der Kampf findet auf dem Hauptprogramm einer der größten Veranstaltungen des Jahres statt – beste Voraussetzungen für Santos also, um seine eigene Karriere mit Vollgas auf das nächste Level zu bringen.

Marcus Brimage vs. Russel Doane
Der erste Kampf der Pay-per-View-Übertragung wird zwischen den beiden Bantamgewichtlern Marcus „The Bama Beast“ Brimage (6-2) und Russel „The Young Punisher“ Doane (13-3) ausgetragen.

Brimage, der am liebsten im Stand die Fäuste schwingt, wurde 2011 mit einem Platz im Teilnehmerfeld der 14. TUF-Staffel für diese Vorliebe belohnt. Im Haus scheiterte „The Bama Beast“ zwar an Bryan Caraway, sicherte sich jedoch auf der Finalveranstaltung mit einem Sieg gegen Stephen Bass seinen Vertrag mit der UFC. Viel wurde von Brimage im Allgemeinen nicht erwartet, der glühende Dragonball Z-Fan überraschte Fans und Medien jedoch mit Punktsiegen gegen Maximo Blanco und Jimy Hettes. Besonders der klare Sieg gegen Hettes brachte Brimage im Herbst 2012 einige Aufmerksamkeit ein, denn der BJJ-Experte ging als haushoher Favorit in ihren Kampf.

Dummerweise für Brimage hat sich seitdem jedoch vor allem das Bild des Knockouts in die Köpfe der meisten Fans eingebrannt, den er einige Monate später gegen Conor McGregor erlitt. Seit der bitteren Niederlage im Frühjahr 2013 war Brimage verletzungsbedingt nicht mehr im Käfig zu sehen, in den er jetzt als Bantam- anstatt als Federgewicht zurückkehrt.

Gegen Doane muss er nun zeigen, dass er immer noch in die UFC gehört. Der Hawaiianer kann Brimage überall gefährlich werden – besonders mit seinen Ellbogen, die ihm bereits drei seiner insgesamt sechs (T.)K.o.-Siege eingebracht haben, kann Doane eine Menge Schaden anrichten, aber auch auf der Matte ist nicht mit ihm zu Spaßen, wo er bisher sechs Kämpfe durch Triangle oder Rear Naked Choke beendet hat. Zuletzt schickte er in seinem UFC-Debüt im Januar Leandro Issa in der zweiten Runde Schlafen und will das Hauptprogramm eines der wichtigsten UFC-Events des Jahres nun mit einem weiteren spektakulären Sieg gebührend einleiten.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 175: Weidman vs. Machida
Samstag, 5. Juli 2014
Mandalay Bay Events Center in Las Vegas, Nevada, USA

Mittelgewichtstitelkampf (ufc.tv)
Chris Weidman (c) vs. Lyoto Machida

Bantamgewichtstitelkampf der Frauen (ufc.tv)
Ronda Rousey (c) vs. Alexis Davis

Hauptprogramm (ufc.tv)
Stefan Struve vs. Matt Mitrione
Uriah Hall vs. Thiago Santos
Marcus Brimage vs. Russel Doane

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Urijah Faber vs. Alex Caceres
Kenny Robertson vs. Ildemar Alcantara
Chris Camozzi vs. Bruno Santos
George Roop vs. Rob Font

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Luke Zachrich vs. Guilherme Vasconcelos
Kevin Casey vs. Bubba Bush