MMA

UFC 174 mit Johnson, Bagautinov, Woodley und Arlovski

Im Hauptkampf von UFC 174 geht es um den Titel, während im Co-Hauptkampf die nächste Chance auf das Gold auf dem Spiel steht (Foto: Zuffa LLC).

Am Samstag wird in der UFC-Fliegengewichtsklasse Bestandsaufnahme gemacht – zum ersten Mal seit Einführung der Gewichtsklasse vor knapp zwei Jahren wird ein Pay-Per-View-Event von einem Titelkampf bis 56 Kilo angeführt.

Damit wagt sich die UFC in bislang ungewohntes Terrain, denn bisher wurden Demetrious Johnson und co. stets auf Fox oder kleineren Fight Nights aufgebaut – nun soll eine Bezahlveranstaltung von ihnen getragen werden. Unterstützt werden sie dabei am Samstag allerdings durch eine Reihe schwerer Jungs – in drei (Halb-) Schwergewichtskämpfen dürfte es ordentlich krachen, genau wie im Weltergewichts-Co-Hauptkampf zwischen Rory MacDonald und Tyron Woodley, die den nächsten Herausforderer auf Johny Hendricks Titel unter sich ausmachen wollen.

UFC 174 kann über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der zum monatlichen Abopreis von 5,99 Euro (bei 12-monatiger Laufzeit) auf ufc.tv erhältlich ist. Während das Vorprogramm ohne weitere anfallende Gebühren übertragen wird, ist das Hauptprogramm ab 15,99 Euro zu haben.

Demetrious Johnson (c) vs. Ali Bagautinov
Um die 700 Kilo Kampfgewicht werden auf dem Hauptprogramm von UFC 174 insgesamt ins Octagon steigen – nur knapp ein siebtel davon entfällt auf den Hauptkampf, der jedoch die tendenzielle Entwicklung einer ganzen Gewichtsklasse verdeutlichen wird. Viel Hype hat der Kampf angesichts dieses Hintergrunds nicht bekommen – ob er an der Kasse ein Erfolg wird, ist daher eine spannende Frage, deren Antwort es in den kommenden Tagen abzuwarten gilt.

Demetrious „Mighty Mouse“ (19-2-1) hatte im Bantamgewicht einen recht guten Start in der UFC – „Kid“ Yamamoto und Miguel Torres schlug Johnson nach Punkten und sicherte sich damit einen Titelkampf gegen Dominick Cruz. In Cruz bis dato letztem Kampf verlor Johnson dann jedoch selbst eine Punktentscheidung. Wenige Monate später wurde die 56-Kilo-Klasse in der UFC eingeführt – Johnson ging runter und erkämpfte gegen Ian McCall ein Unentschieden im Vier-Mann-Turnier um den noch vakanten Titel. Im Rückkampf schlug er „Uncle Creepy“ dann umso eindeutiger und sicherte sich den Gürtel später mit einem Punktsieg gegen Joseph Benavidez. Seitdem hat „Mighty Mouse“ John Dodson ausgepunktet, John Moraga zur Aufgabe gezwungen und zuletzt Benavidez in ihrem Rückkampf nach wenigen Minuten ausgeknockt.

So langsam wird Johnson zu einem waschechten Star – etwas, womit noch vor recht kurzer Zeit niemand so wirklich gerechnet hatte. Nachdem er Benavidez bereits zwei Mal besiegt hat und in nächster Zeit ein Rückkampf gegen Dodson anstehen könnte, gehen Johnson mittlerweile die Herausforderer aus.

Sämtliche solcher Zukunftsplanungen umwerfen will am Samstag Ali „Puncher“ Bagautinov (13-2), der sich innerhalb weniger Monate vom Debütanten zum Titelherausforderer vorgearbeitet hat und nun der erste russische Champion in der UFC werden will. Bagautinov debütierte im vergangenen September in der UFC und gewann seine ersten drei Kämpfe – gegen Marcos Vinicius konnte er zunächst seine vielgepriesene Schlagkraft unter Beweis stellen und den Brasilianer vor heimischem Publikum ausknocken, bevor er mit Punktsiegen gegen Tim Elliott und John Lineker den Titelkampf einsackte.

In den Kampf gegen Johnson wird er als klarer Underdog gehen, was ihn jedoch nicht besonders stören dürfte – unter anderem deshalb, weil er es vermutlich gar nicht mitbekommen hat. Sein Marktwert wird momentan noch dadurch niedrig gehalten, weil er kaum ein Wort Englisch spricht. Bagautinov hat vor, das zu ändern und vor allem Johnson am Samstag zu enttrohnen. Falls er beides schafft, könnte es in Zukunft der „Puncher“ sein, der sich anstelle von Johnson an der Spitze des Fliegengewichts zum Star entwickelt.

Rory MacDonald vs. Tyron Woodley
Im Weltergewicht könnte sich in Vancouver entscheiden, wer im Herbst bzw. Winter die nächste Chance auf Johny Hendricks Titelgürtel erhält. Mit Rory „Ares“ MacDonald (16-2) und Tyron „The Chosen One“ Woodley (13-2) hat die UFC zwei ihrer besten Männer aufeinander angesetzt, die mit einigem Momentum in den Kampf gehen werden.

MacDonald debütierte Anfang 2010 im Alter von nur 20 Jahren in der UFC – Mike Guymon überstand an jenem Abend nur viereinhalb Minuten,  bevor er in einem Armbar abklopfen musste. Nur wenige Monate später folgte der mit weitem Abstand größte Kampf seiner Karriere bis zu diesem Punkt. In seiner alten Heimat Vancouver – in derselben Arena, in der auch dieser Kampf stattfinden wird – traf der junge, pickelige Mann mit dem Spitznamen „Waterboy“ im ersten Kampf des Hauptprogramms von UFC 115 auf Carlos Condit.

Entgegen der allgemeinen Erwartungen legte MacDonald stark los und brachte Condit tatsächlich in Bedrängnis – zwei der drei Punktrichter hatten den Kampf kurz vor Ende an den Jungspund gegeben, sie kamen allerdings nicht mehr dazu, ihre Punktkarten an Bruce Buffer zu geben, denn Condit drehte auf und zwang den Ringrichter sieben Sekunden vor Kampfende zum Abbruch durch technischen Knockout. 

Nach diesem dramatischen Kampf verschwand MacDonald für ein knappes Jahr von der Bildfläche, zog nach Montreal, um dort Mit Georges St-Pierre u.a. zu trainieren und kam bei UFC 129 in einer neuen Version zurück. Vor der größten Kulisse, die die UFC bis heute bieten konnte, slammte der Kanadier in Toronto Nate Diaz immer wieder auf die Matte und sicherte sich einen einstimmigen Punktsieg. Mit Siegen gegen Mike Pyle und Che Mills etablierte sich „Ares“ später in der UFC, bevor er mit weiteren Erfolgen gegen BJ Penn und Jake Ellenberger die Ranglisten bis ganz nach oben empor kletterte. Von einer Punktniederlage gegen Robbie Lawler kehrte MacDonald im Februar mit einem Sieg gegen Demian Maia zurück und will sich nun gegen Tyron Woodley einen Titelkampf sichern.

Woodley selbst hat jedoch das gleiche Ziel und will sich so kurz vor dem Ziel selbstverständlich nicht aus der Bahn werfen lassen. Sein Potential zeigte der erfolgreiche High School- und College-Ringer zwischen 2009 und 2012 bereits bei Strikeforce, wo er acht Kämpfe gewinnen konnte, bevor er im Duell um den Weltergewichtsgürtel von Nate Marquardt gestoppt wurde.

Kurze Zeit später wurde Strikeforce von der UFC übernommen, in der Woodley im Februar 2013 sein Debüt gab – Jay Hieron wurde vom „Chosen One“ dabei keine Chance gelassen und nach nur 36 Sekunden spektakulär ausgeknockt. Diesen imposanten ersten Eindruck konnte Woodley im Anschluss daran jedoch nicht bekräftigen, als er bei UFC 161 einige Monate später eine höchst unspektakuläre Punktentscheidung an Jake Shields abgab.

UFC 167 im vergangenen November markierte daher einen Wendepunkt für Woodley – wenn er weiter als Top-Talent gelten wollte, musste er an Josh Koscheck vorbei. Genau das tat er, indem er den früheren Titelherausforderer mit einer rechten Bombe auf die Bretter schickte. Im März bezwang Woodley dann Carlos Condit – zwar wurde der Kampf abgebrochen, weil Condit sich am Knie verletzt hatte, Woodley hatte das Duell bis dahin jedoch dominiert und konnte an jenem Abend den größten Sieg seiner bisherigen Karriere sichern. Am Samstag soll der womöglich letzte Schritt in Richtung eines Titelkampfes folgen – man darf gespannt sein, ob MacDonald oder Woodley sich in Vancouver für eine Chance auf Johny Hendricks Gürtel empfehlen können.

Ryan Bader vs. Rafael Cavalcante
Im Halbschwergewicht suchen mit Ryan „Darth“ Bader (16-4) und Rafael „Feijao“ Cavalcante (12-4-0(1)) zwei schlagstarke Ringer/Grappler nach der Konsistenz, die ihnen bisher den Durchbruch an die Spitze des Sports verwehrt hat.

Bader startete 2008 mit einem T.K.o.-Sieg gegen Vinny Magalhaes in der UFC durch, der ihm den Sieg der achten „The Ultimate Fighter“-Staffel brachte. Vier Siege später, u.a. gegen Keith Jardine und Rogerio Nogueira, kam jedoch zum ersten Mal „Darth“ Baders großer Fluch zum Vorschein: gegen Top-Kämpfer zieht er stets den Kürzeren, und so wurde er bei UFC 126 im Februar 2011 von Jon Jones nach Strich und Faden dominiert und schließlich per Aufgabe abgefertigt. Das ist natürlich keineswegs eine Schande – weitaus schwerwiegender war wenige Monate später eine Erstrundenniederlage gegen Tito Ortiz, die Bader bis heute verfolgt. Ortiz hat Jahre vor und Jahre nach diesem Kampf keinen Kampf mehr gewonnen und ließ Bader somit in den Ranglisten dramatisch abstürzen. 

Dieses Schema hat sich seitdem fortgesetzt: gegen Vladimir Matyushenko, Jason Brilz, Anthony Perosh und einen alternden „Rampage“ Jackson gewann Bader, gegen Lyoto Machida und Glover Teixeira dagegen wurde er ausgeknockt. Am Samstag soll gegen Cavalcante daher der zweite Sieg in Folge her, um in diesem Jahr aus dem frustrierenden Rhythmus ausbrechen zu können.

Gleiches plant jedoch auch „Feijao“, dessen vier (T.)K.o.-Siege bei Strikeforce, u.a. gegen Mohammad Lawal und Yoel Romero, von Niederlagen gegen Mike Kyle und Dan Henderson überschattet werden. Auch in der UFC ging es bisher in diesem Stil weiter – einer (T.)K.o.-Niederlage in Runde eins gegen Thiago Silva steht ein eben solcher Sieg gegen Igor Pokrajac gegenüber. Am Samstag wird sich zeigen, welches der beiden Halbschwergewichte den zweiten Sieg in Folge einfahren und sich auf den Weg hin zu den wirklich wichtigen Kämpfen machen kann.

Andrei Arlovski vs. Brendan Schaub
Wer hätte das gedacht – sechs Jahre nach seinem letzten Auftritt im Octagon erscheint der frühere UFC-Schwergewichtschampion Andrei „Pitbull“ Arlovski (21-10) wieder auf der Bildfläche, wo er gegen Brendan „The Hybrid“ Schaub (10-3) eine neue Chance auf der großen Bühne bekommt.

Arlovski hat bereits zwischen 2000 und 2008 in der UFC gekämpft und sich 2005 den Schwergewichtstitel gesichert, den er jedoch gegen Tim Sylvia verlor. Nach einem weiteren verlorenen Kampf gegen Sylvia gewann Arlovski drei Mal in Folge, verließ dann jedoch die UFC. Nach K.o.-Siegen gegen Ben Rothwell und Roy Nelson bei Affliction und EliteXC heuerte er schließlich bei Strikeforce an. Eine K.o.-Niederlage gegen Fedor Emelianenko läutete im Anschluss daran allerdings eine zwei Jahre andauernde Negativserie ein, während derer er neben Emelianenko gegen Brett Rogers, „Bigfoot“ Silva und Sergei Kharitonov verlor. Nachdem er Strikeforce verließ, hat der „Pitbull“ jedoch von acht Kämpfen nur einen verloren – zuletzt schlug er den Koblenzer Andreas Kraniotakes in der zweiten Runde T.K.o.

Am Samstag wird er auf Brendan Schaub treffen, der Erfahrung mit namhaften Gegnern hat, die ihren Zenit vermeintlich überschritten haben. Schaub wurde am Ende der zehnten TUF-Staffel von Roy Nelson ausgeknockt, konnte danach jedoch vier Siege in Folge einfahren, u.a. gegen die etablierten Gabriel Gonzaga und Mirko CroCop. Auf der Jagd nach dem dritten populären Skalp nacheinander wurde Schaub jedoch seine vermeintlich größte Schwäche zum Verhängnis, und zwar sein etwas suspektes Kinn. Ob seine Nehmerfähigkeiten wirklich so schlecht sind, wie oft behauptet, sei angesichts der rohen Kraft im Schwergewicht dahingestellt, trotzdem wurde der „Hybrid“ nacheinander von Rodrigo Nogueira und Ben Rothwell auf die Bretter geschickt. Mit Siegen gegen Lavar Johnson und Matt Mitrione befindet Schaub sich mittlerweile jedoch wieder auf Erfolgskurs und will am Samstag den nächsten bekannten Namen seinem Resümee hinzufügen, indem er Andrei Arlovski dessen Rückkehr in die UFC ordentlich versalzt.

Ryan Jimmo vs. Ovince St. Preux
Auch im ersten Kampf des Hauptprogramms stehen sich zwei recht schwere Jungs gegenüber – mit Ryan „Big Deal“ Jimmo (19-3) und Ovince „OSP“ St. Preux (15-3) hat Matchmaker Joe Silva zwei Halbschwergewichte aufeinander angesetzt, die den Durchbruch in die relevanten Gegenden der Ranglisten schaffen wollen.

Ryan Jimmo konnte eine Profi-Bilanz von 16 Siegen bei nur einer Niederlage sein Eigen nennen, als er 2012 von der UFC verpflichtet wurde. Auf dem Weg zu einem derartigen Kampfrekord hatte der gebürtige Kanadier jedoch hin und wieder derartige Stinker abgeliefert, dass es nur wenige Fans gab, die sich auf sein Debüt gegen Anthony Perosh bei UFC 149 wirklich freuten. Jimmo bewies an jenem Abend allerdings einmal mehr, warum er „Big Deal“ genannt wird und in einem Sport antritt, der als unberechenbar gilt, als er Perosh in nur sieben Sekunden mit dem ersten Schlag des Kampfes die Lichter ausknipste.

Seitdem hat der 32-Jährige in England gegen James Te-Huna und Jimi Manuwa verloren und in Kanada gegen Igor Pokrajac und zuletzt gegen Sean O’Connell gewonnen – demnach sollte am Samstag in Vancouver UFC-Sieg Nummer vier folgen. Etwas dagegen einzuwenden hat allerdings Ovince St. Preux, der seinerseits einen vierten Erfolg im Octagon feiern will.

„OSP“ verdiente sich seine Sporen bei Strikeforce, wo er vier Kämpfe nacheinander gewann, nur um dann an Gegard Mousasi zu scheitern. Anschließend verabschiedete der Amerikaner mit haitianischen Wurzeln sich mit einem T.K.o.-Sieg gegen T.J. Cook aus dem Hexagon, bevor er bei UFC 159 zum ersten Mal in das Octagon stieg, wo er Gian Villante besiegte. Seitdem knockte St. Preux außerdem Cody Donovan aus, bevor er im März bei UFC 171 Nikita Krylov mit einem seltenen Von Flue Choke zum Abklopfen zwang und dafür den „Performance of the Night“-Bonus einstrich.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 174: Johnson vs. Bagautinov
Samstag, 14. Juni 2014
Rogers Arena in Vancouver, British Columbia, Kanada

Bantamgewichtstitelkampf (ufc.tv)
Demetrious Johnson (c) vs. Ali Bagautinov

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rory MacDonald vs. Tyron Woodley
Ryan Bader vs. Rafael Cavalcante
Andrei Arlovski vs. Brendan Schaub
Ryan Jimmo vs. Ovince St. Preux

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Daniel Sarafian vs. Kiichi Kunimoto
Yves Jabouin vs. Mike Easton
Elizabeth Phillips vs. Valerie Letourneau
Kajan Johnson vs. Tae Hyun Bang

Roland Delorme vs. Michinori Tanaka
Jason Saggo vs. Josh Shockley