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UFC 109: Relentless - Der Bericht

Zwei Hall of Famer im Octagon: Randy Couture vs. Mark Coleman.

Los ging es mit dem Debüt von Gracie-Clan-Sprössling Rolles Gracie. Dieser verlor seinen ersten Auftritt in der UFC via TKO gegen Joey Beltran. Aus einer Backmount in Runde eins konnte Gracie nicht viel machen und zog den Kürzeren im Standup. In Runde zwei ging ihm nach einigen fehgeschlagenen Takedownversuchen offenbar die Luft aus und er ließ sich von Beltran aus der Backmount verprügeln, bis Herb Dean dazwischen ging.

Rolles Gracie verliert sein Debüt.

Im zweiten Fight konnte Chris Tuchscherer sich geteilt nach Punkten gegen Tim Hague durchsetzen. Hague war ob dieser offensichtlichen Fehlentscheidung fassungslos, entschied er Runde eins und drei doch sowohl im Stand, als auch am Boden für sich. Das Publikum quittierte die Entscheidung mit pfiffen und Buhrufen.

Auch der nächste Kampf ging über alle drei Runden. In diesem Fall war die Entscheidung jedoch eindeutig und Phil Davis setzte sich einstimmig gegen Brian Stann durch. Davis schien in der ersten Runde bemerkt zu haben, dass er am Boden leichtes Spiel haben würde und startete in der Zweiten direkt mit einem schnellen Takedown. Von da ab hatte er die volle Kontrolle, konnte den Fight jedoch nicht beenden. Auch in Runde drei hatte er überwiegend die Mount, schaffte aber dennoch kein vorzeitiges Finish.

Phil Davis ständig in Kontrolle.

Phillipe Nover machte in seinem Fight gegen Rob Emerson von Beginn an eine gute Figur, versuchte einige Male mit der Guillotine zum Sieg zu kommen, kontrollierte Emerson und ließ ihm wenig Raum zum arbeiten. Der wehrte sich dennoch gut, so dass es ein enger Fight zu werden schien. In der zweiten Runde lief es daher auch genau anders herum und Emerson hatte die Oberhand, schaffte zwei Takedowns. Nach einer mehr als knappen dritten Runde sicherte sich Emerson schließlich auch den einstimmigen Punktentscheid.

Zeit für den immer unterhaltsamen Melvin Guillard. Der hatte zuletzt gegen Nate Diaz weniger Glück, will nun seine Niederlage wieder ausbügeln. Sein Gegner hieß: Ronnys Torres. Leider schien Guillard kein geeignetes Mittel gegen die Takedowns von Torres zu finden, kam zwar oft recht schnell wieder auf die Beine, entkam Submissions, konnte den Kampf aber nicht richtig aufbauen. Nachdem die Ecke von Torres in der Pause einen Eimer voller Eis umgeschüttet hatte, dauerte es eine Weile bis der Boden wieder gesäubert war. Rogan fand das ganze alles andere als lustig. Als der Fight schließlich weiterging begann Torres wieder direkt mit einem Takedown, wobei er Guillard fast aus dem Käfig warf. Den  nächsten Shoot verteidigte Guillard jedoch gut, verpasste Torres sogar noch ein Knie. Dieser wurde nun vorsichtiger, bereitete Takedowns besser vor und machte auch im Stand keine schlechte Figur. Nach einem erneuten Shoot von Torres hatte dieser im Stand den Rücken von Guillard, doch der rollte sich gekonnt aus der Umklammerung und landete in der Guard, konnte sweepen. In Runde drei ein ähnliches Spiel. Torres blieb weiterhin gnadenlos mit seinen Takedowns, kontrollierte Guillard nun aber auch länger am Boden. Dort passierte allerdings nichts Nennenswertes. Nach einem schwungvollen Double-Leg kurz vor Ende, konnte Guillard die Energie seines Gegners mitnehmen, ihn sweepen und aus der Mount hart pounden, bis kurz darauf die Sirene ertönte. Die Punktrichter entschieden einstimmig für Guillard – er musste zwar viele Takedowns hinnehmen, konnte aber auch viele verteidigen und war allgemein aktiver, hatte die härteren Treffer.

Zurück auf der Siegerstraße: Melvin Guillard.

Weiter ging es mit TUF-Sieger und Vegatarier Mac Danzig. Er trifft auf Justin Buchholz, aus dem kalten Alaska. Es ging um viel, der Verlierer darf sich aller Wahrscheinlichkeit nach seine Papiere abholen. Runde eins verlief ausgeglichen. Danzig begann stark, wurde dann aber von einem Haken niedergestreckt. Er erholte sich schnell, doch war nicht mehr so dominant wie zuvor. In Runde zwei versuchte er deshalb den Double-Leg, doch Buchholz verteidigte gut. Nach kurzen Schlagabtauschen shootete er erneut, dieses Mal erfolgreich. Danzig  passierte in die Half-Guard und verteidigte einen Kimura. Ihm gelang der Pass in die Mount, versuchte von dort einen Armbar, doch Buchholz befreite sich, war nun oben, allerdings nicht für lang. Die Runde endete mit Danzig in der Mount, 12-nach-6 Ellenbogen schlagend. Buchholz beschwerte sich darüber und Danzig wurde ermahnt. Nachdem er am Boden recht erfolgreich war, versuchte er in Runde drei sein Glück erneut dort. Zunächst ohne große Wirkung, der Ref stellte beide wieder auf die Beine. Kurz vor Schluss schien Danzig allerdings noch einmal seine letzten Kräfte zu mobilisieren und ließ ein Feuerwerk auf Buchholz los. Aus allen möglichen Positionen poundete Danzig auf seinen Gegner herab und beendete den Kampf fast noch via Mata Leon. Keine Frage, der Punktsieg ging an Danzig.

Mac Danzig ist zurück.

Es wurde Zeit für die Hauptkämpfe. Trigg vs. Serra stand auf dem Programm. Für Trigg ist es der zweite Fight nach seiner Rückkehr in die UFC. Sein Comeback verlor er gegen Weltklasse-Weltergewicht Josh Koscheck, verliert er gegen Serra erneut, wird es eng. Serra kam mit dem Rocky-Theme in die Halle. Trigg wirkte zu Beginn ein wenig zu vorsichtig, Serra sah im Stand weitaus besser aus. Als beide sich auf einen Schlagabtausch einließen, traf Serra mit einer krachenden Overhand-Right und schickte Trigg auf die Matte. Er setzte nach und Trigg war out. Der Ref ging dazwischen, Trigg beschwerte sich über den Abbruch, doch der war klar berechtigt.

Matt Serra setzt nach.

Als nächstes war Grappling-Zauberkünstler Demain Maia an der Reihe. Er traf auf Dan Miller, der ebenfalls alles andere als ein Grünschnabel auf der Matte ist. Maia schien sein Standup verbessert zu haben, shootete aber dennoch zügig. Miller verteidigte allerdings gut. Nach einem erfolgreichen Takedown kam Miller sofort wieder auf die Füße, musste aber ein Knie in die Weichteile nehmen. Als er sich erholt hatte ging es weiter. Nach kurzer Phase im Stand shootete Maia erneut, wieder erfolgreich, doch wieder kam Miller schnell zurück auf die Beine. Die komplette zweite Runde spielte sich im Stand ab. Überraschenderweise hatte Maia hier die Oberhand, schlug einige schöne Konter und brachte diverse akkurate Kombinationen ins Ziel. Dennoch passierte in dieser Runde zu wenig, was die Zuschauer zu Buhrufen animierte. Obwohl das Standup für Maia gut funktioniert hatte, versuchte er es zu Beginn von Runde drei sofort wieder mit dem Double-Leg. Miller verteidigte und erwischte Maia dabei noch mit einer Rechten. Der schnappte sich ein Bein Millers und  brachte ihn zu Boden. Dort ging es hin und her, Maia behielt die Kontrolle, konnte aber nichts Nennenswertes zustande bringen. Millers Defense war bemerkenswert. Die Fans sahen das anders und buhten erneut. Den einstimmigen Punktsieg bekam dennoch Maia, da er schlicht aktiver war, mehr Druck machte und den Kampf über weite Strecken kontrollierte.

Demian Maia überrascht im Standup.

Weiter ging’s mit Mike Swick gegen Paulo Thiago. Swick will nach seiner Niederlage gegen Dan Hardy wieder zurück auf den Pfad in Richtung Titel. Mit BJJ-Spezialist Thiago hatte er vorher aber eine schwere Hürde zu meistern. Nach langer Abtastphase versuchte Thiago es mit dem Highkick, den Swick blocken konnte. Swick schlug akkurate Kombinationen, doch auch Thiago wirkte sehr selbstbewusst im Standup. So selbstbewusst, dass Swick kurz vor Ende der ersten Runde überraschenderweise sogar zum Takedown shootete. In den verbleibenden 30 Sekunden passierte jedoch nichts mehr. In Runde zwei besann sich Swick wieder aufs Standup, verfolgte Thiago jedoch zu offen. Ein krachender linker Konterhaken schlug ein und Swick musste zu Boden, wo Thiago mit einem Anaconda Choke den Sack zu machte.

Swick schläft tief und fest im Anaconda Choke.

Langsam näherte sich die Veranstaltung dem Main Event. Nate Marquardt und Chael Sonnen kämpften um die Chance, Anderson Silva seinen Titel abnehmen zu können. Beide Kämpfer verschwendeten keine Zeit, landeten aber schnell clinchend am Käfig. Sonnen gelang schließlich ein Takedown in der Mitte des Octagons und sofort prügelte er aus Marquardts Guard heraus drauf los. Böses Ground and Pound, gegen das Marquardt kein rechtes Mittel zu finden schien. Wieder auf den Beinen versuchte es Marquardt mit einem Flying Knee, verfehlte Sonnen aber, landete schlecht und fand sich erneut auf dem Rücken wieder, wo Sonnen das Ground and Pound munter fortsetzte. In der zweiten Runde brachte Sonnen seinen Gegner sofort wieder zu Boden und setzte die aus Runde eins bewährte Strategie weiter um. Dabei wurde er von einem Ellenbogen Marquardts gecuttet, behielt jedoch weiterhin die Kontrolle und konnte sich sogar die Backmount sichern. Lediglich finishen konnte er nicht, verpasste Marquardt aber dennoch eine niederschmetternde Abreibung. Runde drei verlief nach demselben Muster. Sonnen kontrollierte den Bodenkampf aus der Top-Position heraus und zermürbte seinen Gegner. Lediglich die letzten 1:30 Minuten brachten Abwechslung. Marquardt zwang Sonnen in eine wirklich enge Guillotine, doch der befreite sich gerade so. Daraufhin sweepte Marquardt seinen Gegner und poundete wie ein Wahnsinniger bis die Sirene ertönte. Gereicht hat es dennoch nicht, Sonnen gewann einstimmig alle drei Runden.

Ein blutiger Chael Sonnen demütigt Nate Marquardt.

Zeit für den Hauptkampf des Abends. Die Schlacht zweier Mitglieder der UFC Hall of Fame: Randy Couture vs. Mark Coleman. Coleman ist nach eigener Aussage in der Form seines Lebens, hat zum ersten ein professionelles Kraft-Ausdauer-Camp absolviert, inklusive Herz-Monitoring und allem was dazugehört. Beide verbrachten die Hälfte der ersten Runde im mit Abtasten. Couture hatte dabei die meisten Treffer, Coleman jedoch die härteren. Dann konnte Couture jedoch einen harten Haken landen, der Coleman rockte. Couture setzte mit dem Thai-Clinch und zwei Kniestößen nach, bearbeitete Coleman an der Käfigwand mit Dirty Boxing. Trotz harter Treffer blieb der „Hammer“ jedoch stehen. In Runde zwei zunächst dasselbe Bild: Dirty Boxing am Cage. Couture gelang ein Takedown, die Mount und er begann zu pounden. Danach sicherte er die Backmount und den Mata Leon. Coleman bewies Herz und klopfte nicht sondern schlief ein. Damit feierte Randy Couture mit 46 Jahren seinen 18. Sieg.

Der zweite Choke des Abends und der zweite in Coutures Karriere - Coleman musste schlafen.

Erwähnenswert ist vielleicht noch Tito Ortiz, der mit einer beleidigenden Bemerkung über Colemans Leistung dessen Post-Fight-Interview unterbrach. Coleman antwortete, indem er ihm anbot jederzeit überall gegen ihn anzutreten.

Anbei die Ergebnisse im Überblick:

UFC 109: Relentless
06. Februar 2010
Mandalay Bay Events Centre, Las Vegas, Nevada, USA


Hauptkämpfe
Randy Couture besiegte Mark Coleman via Mata Leon (Rd. 2)
Chael Sonnen besiegte Nate Marquardt nach Punkten (einstimmig)
Paulo Thiago besiegte Mike Swick via Anaconda Choke (Rd. 2)
Demian Maia besiegte Dan Miller nach Punkten (einstimmig)
Matt Serra besiegte Frank Trigg via KO (Rd.1)

Vorkämpfe
Mac Danzig besiegte Justin Buchholz nach Punkten (einstimmig)
Melvin Guillard besiegte Ronnys Torres nach Punkten (einstimmig)
Robert Emerson besiegte Phillipe Nover nach Punkten (einstimmig)
Phil Davis besiegte Brian Stann nach Punkten (einstimmig)
Chris Tuchscherer besiegte Tim Hague nach Punkten (split)
Joey Beltran besiegte Rolles Gracie via TKO (Schläge, Rd. 2)

Photos: Sherdog.com & mmaweekly.com