MMA

Takedown: The DNA of GSP

Georges St-Pierre (Foto: Lighthouse Home Entertainment).

"Takedown" – es gibt wohl kaum einen Namen, der besser zu einer Dokumentation über die Karriere von Ex-UFC-Weltergewichtschampion Georges St. Pierre passen würde. Aber kann das Werk der  Filmemacher Kristian Manchester und Peter Svatek auch abseits des Covers überzeugen?

Kurz gesagt: Ja. Die Filmemacher haben einen eigenwilligen, aber durchaus gelungenen Ansatz verfolgt, um einen der populärsten Kämpfer der UFC zu portraitieren. Anstatt St. Pierres Karriere chronologisch abzuarbeiten, wird sich auf Schlüsselereignisse fokussiert, während der Rest nur kurz angeschnitten oder ganz übersprungen wird. Das ist manchmal schade, angesichts der begrenzten Lauflänge aber völlig verständlich. Gleichzeitig muss man sagen, dass die Verantwortlichen einen guten Job gemacht haben, den Karriereverlauf trotz dieser zeitlichen Einschränkung in einen stimmigen und nachvollziehbaren Rahmen zu fassen – der mit einer stark visualisierten Wolf-Analogie eine ganz eigene Note erhält.

Rückblicke in GSPs Kindheit, seine Trainingsanfänge oder den Start seiner Profi-Karriere runden das Gesamtbild ab und verraten das ein oder andere Detail, das in dieser Form bisher vielleicht noch nicht bekannt war. Dazu muss man wissen, dass die Filmemacher St. Pierre zwischen seiner ersten Knieverletzung und dem Kampf gegen Nick Diaz begleitet haben, also zwischen Mitte 2011 und Anfang 2013. Der Hendricks-Kampf sowie der vorläufige Ruhestand sind also nicht mehr Teil des Films, während für die Jahre zuvor Material der UFC oder private Aufnahmen verwendet wurden.

Die ausführlicher beleuchteten Abschnitte wurden wirklich stimmig in Szene gesetzt, zum Teil mit bisher völlig unbekannten Aufnahmen wie beispielsweise unmittelbar vor und nach der Knie-OP oder die letzten Minuten vor St. Pierres Comeback-Kampf gegen Carlos Condit.
Ich war bei diesem Kampf selbst in der Halle, und die Filmemacher haben die Atmosphäre im Bell Centre punktgenau eingefangen – von der Unsicherheit, ob das gerade erst verheilte Knie durchhalten würde, über die ohrenbetäubende Lautstärke während St-Pierres Walkout bis hin zu Condits Beinahe-K.o. durch einen unerwarteten Headkick stellt diese Sequenz für mich ganz klar eine der stärksten und beeindruckendsten Abschnitte der Dokumentation.

Womit "Takedown" außerdem punkten kann, ist die Nähe zum Protagonisten, die der Film beibehält, obwohl es zwischendurch in einzelnen Szenen immer wieder so scheint, als wenn St. Pierre jetzt gerade lieber keine Kameras direkt vor seiner Nase haben würde. Üblicherweise ist der Ex-Champion einer der bestbehütetsten Kämpfer des gesamten UFC-Kaders; Bild- oder gar Video-Rechte werden nur höchst selektiert gewährt – der "All Access"-Ansatz der Doku macht sie dadurch zu etwas Besonderem.

Zusammengefasst kann man sagen, dass "Takedown: The DNA of GSP" sich für Fans des Frankokanadiers und auch des MMA-Sports im Allgemeinen definitiv lohnt. GSP-Anhänger bekommen einen bisher noch nie dagewesenen Einblick in eine kritische Phase seiner Karriere, während für Fans des Sports selbst vor allem die bildhaft interpretierte Psychologie hinter dem vielleicht besten Kämpfer aller Zeiten interessant sein dürfte. Klare Kaufempfehlung!