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Super-Kampf am Super-Bowl-Wochenende

José Aldo wird bei UFC 156 seinen Federgewichtstitel gegen den früheren Leichtgewichtschampion Frankie Edgar verteidigen.

Es ist wieder Super-Bowl-Wochenende und für die UFC daher an der Zeit, einmal mehr einen großen Event in „Sin City“ Las Vegas abzuhalten. UFC 156 könnte dabei gut und gerne einer der Events des Jahres werden.

José Aldo, Frankie Edgar, Rashad Evans, Rogerio Nogueira, Alistair Overeem, Antonio Silva, Jon Fitch, Demian Maia, Joseph Benavidez und Ian McCall bilden zusammen eines der vielversprechendsten und bedeutendsten Hauptprogramme der letzten Monate. Neben dem Titelkampf könnte dieser Kampfabend bis zu drei neue Herausforderer auf den Mittel-, Schwer- sowie den Fliegengewichtstitel hervorbringen, man darf also gespannt sein.

Die Hauptkämpfe können in Deutschland wie immer auf ufc.tv verfolgt werden. Das Vorprogramm wird zum Teil ebenfalls auf ufc.tv, zum Teil via Facebook übertragen.

José Aldo vs. Frankie Edgar
Anderson Silva gegen Georges St-Pierre, Junior dos Santos gegen Alistair Overeem, Fedor Emelianenko gegen Brock Lesnar und Jon Jones gegen Anderson Silva – in den letzten Jahren hätte es unzählige Male zu „Super-Kämpfen“ zwischen zwei Champions verschiedener Gewichtsklassen oder zwei noch aktiven Legenden kommen können. Stattgefunden hat bis heute keine einzige dieser Traum-Ansetzungen. Im letzten Jahr eröffnete sich dafür allerdings durch Siege des einen, Niederlagen des anderen, diverse Verletzungen und schlichte Zufälle eine neue Möglichkeit, die an diesem Wochenende tatsächlich Realität wird.

Für José Aldo (21-1) wird der Kampf gegen Edgar das erste Mal seit über einem Jahr sein, dass er das Octagon betritt. Nach einem imposanten Erstrundenknockout gegen Chad Mendes hätte er eigentlich im Sommer 2012 gegen Erik Koch antreten sollen, stieg jedoch einige Wochen zuvor verletzungsbedingt aus. Im Oktober musste dann auch seine nächste Titelverteidigung abgesagt werden, da Aldo sich bei einem kleineren Motorradunfall den Fuß verletzte, weiter trainierte und sich dadurch eine Infektion zuzog – die Reaktion von UFC-Präsident Dana White auf den erneuten Ausfall kann man sich ausmalen…

Frankie „The Answer“ Edgar (15-3-1) steckte in den vergangenen Monaten von Fanseite einiges an Kritik ein, da er den Titelkampf direkt nach zwei Niederlagen im Leichtgewicht bekommen hat und andere Kämpfer, die zuletzt im Federgewicht erfolgreich waren, damit außen vor bleiben. Tatsächlich waren die beiden Titelkämpfe gegen Ben Henderson aber äußerst knapp, und vor allem basierend auf dem letzten Kampf sehen viele Fans ihn immer noch als legitimen Weltmeister im Leichtgewicht. Letztendlich hält er den Gürtel aber nicht mehr und befindet sich damit in einer etwas merkwürdigen Position innerhalb des UFC-Kaders – theoretisch könnte Edgar sowohl im Leicht- als auch im Feder- und sogar Bantamgewicht antreten. Im Leichtgewicht war er zwei Jahre lang Champion, verlor dann allerdings zwei Mal hintereinander und steht nun dem Federgewichts-Weltmeister gegenüber. Falls er gewinnt – gut für ihn. Aber wie geht es für ihn weiter, wenn er verliert? Entlassen würde er trotz dreier aufeinanderfolgender Niederlagen wohl kaum, aber einen weiteren Titelkampf im Feder- oder Bantamgewicht könnte man dann nicht mehr so schnell ansetzen. Für Edgar steht also einiges auf dem Spiel – Hohes Risiko, hohe Belohnung?

Rashad Evans vs. Rogerio Nogueira
Den Co-Hauptkampf werden am Wochenende zwei populäre Veteranen bestreiten, die beide eine längere Pause hinter sich haben. Rashad „Suga“ Evans (17-2-1) löste mit dem Gewinn der zweiten „Ultimate Fighter“-Staffel im Schwergewicht sein Ticket in die UFC und sicherte sich dort nach Siegen gegen Michael Bisping, Chuck Liddell einen Titelkampf gegen Forrest Griffin, den er durch T.K.o. gewann. Lange hielt das Glück jedoch nicht, denn gegen Lyoto Machida sah Evans in seiner ersten Titelverteidigung kaum Land und verlor den Gürtel schließlich in der zweiten Runde durch K.o. Nachdem er neben seinem Titel auch seine bis dahin perfekte Bilanz verlor, kam Evans allerdings mit einer Reihe an beeindruckenden Siegen gegen Thiago Silva, „Rampage“ Jackson, Tito Ortiz und Phil Davis einen weiteren Kampf um den Halbschwergewichtsgürtel, den dann schon sein ehemaliger Trainingspartner Jon Jones sein Eigen nennen konnte. Als der lange geplante Kampf im April 2012 schließlich stattfand, konnte „Suga“ aber nicht viel von dem umsetzen, was er in den Monaten zuvor angekündigt hatte. Nach einem recht ausgeglichenen Start und sogar ein, zwei guten Treffern drehte Jones auf und malträtierte Evans mit einigen harten Ellbogen, die anscheinend den Willen seines Gegners brachen und Evans für die verbliebene Kampfzeit in die Defensive drängten. Nach fünf Runden wurde Jones der einstimmige Punktsieg zugesprochen, und ein sichtlich enttäuschter Evans verabschiedete sich für beinahe ein Jahr aus der MMA-Öffentlichkeit. In den Monaten nach seiner Niederlage dachte er nach eigener Aussage mehrfach darüber nach, seine Karriere zu beenden, seine Liebe zum Wettkampf verhinderte letzten Endes aber doch ein frühes Ende seiner Laufbahn.

An diesem Wochenende wird er auf einen Gegner treffen, der noch länger als er außen vor war. Antonio Rogerio „Little Nog“ Nogueira (20-5) war zum letzten Mal im Dezember 2011 im Octagon zu sehen, als er Tito Ortiz souverän besiegte. Dieser Erfolg, der eine zwei Kämpfe andauernde Negativserie beendete, hätte Nogueira eigentlich eine Position im Hauptkampf der ersten UFC-Veranstaltung in Schweden eingebracht, er verletzte sich jedoch und war seither nicht mehr aktiv. Für ihn ist dieser Kampf gegen Evans daher immens wichtig. Eine Niederlage würde die dritte Niederlage in seinen letzten vier Kämpfen bedeuten, was ihn wohl für lange Zeit aus dem Geschehen an der Spitze der Gewichtsklasse fernhalten würde. Da das wohl kaum dem Anspruch des hoch dekorierten Brasilianers entsprechen würde, ist ein Sieg Pflicht. Und falls er wirklich Erfolg haben sollte, wäre er mit einem Sieg gegen einen bekannten Namen wie Evans schnell wieder oben mit dabei.

Alistair Overeem vs. Antonio Silva
In diesem heiß erwarteten Schwergewichtskampf geht es für den „Demolition Man“, Alistair Overeem (36-11-0(1)), darum, sich die nächste Titelchance gegen Cain Velasquez zu sichern.
Overeem kam nach jahrelanger Ungewissheit Ende des Jahres 2011 schließlich doch in die UFC. Schon damals war allseits bekannt, dass der holländische Hüne möglichst schnell eine Titelchance bekommen sollte. Mit einem schnellen T.K.o.-Sieg gegen Brock Lesnar schien Overeem seinen Teil des Projektes „Titelkampf“ erledigt zu haben, bis er nach der Pressekonferenz unvorbereitet einem Dopingtest unterzogen wurde und prompt durchfiel. 

Neun Monate sind seitdem vergangen, in denen man kaum etwas vom sonst recht präsenten Overeem gehört hat. Trotzdem hat die UFC vor Kurzem angekündigt, dass Overeem seinen Titelkampf bekommen wird, falls er in Vegas an Silva vorbeikommt.

Antonio „Big Foot“ Silva (17-4) machte sich schlagartig einen Namen mit einer dominanten Leistung gegen Fedor Emelianenko, dem er die zweite seiner drei aufeinanderfolgenden Niederlagen in seiner letzten Zeit bei Strikeforce beibrachte. Lange hielt das Hoch des Brasilianers jedoch nicht, denn in seinem nächsten Kampf wurde er von Daniel Cormier ausgeknockt und in seinem darauffolgenden UFC-Debüt von Cain Velasquez abgefertigt.
Etwas überraschend kam daher die Ankündigung, „Big Foot“ würde gegen den bis dahin ungeschlagenen Travis Browne die Rückkehr der UFC nach Minneapolis im Oktober des letztens Jahres anführen. Kaum jemand traute Silva den Sieg zu, und der Kampf endete genauso schnell, wie es vorhergesagt wurde. Zur Überraschung aller war es aber Browne, der zu Boden ging, und nicht sein Kontrahent. Genauso schnell, wie Silva nach seiner Niederlage gegen Velasquez abgeschrieben wurde, war er damit wieder präsent. An diesem Wochenende wird sich entscheiden, in welche Richtung sich die UFC-Karriere des Hünen mittelfristig entwickeln wird.

Jon Fitch vs. Demian Maia
Neben den vielen Standkämpfern, die den späteren Teil des Hauptprogramms bevölkern, wird das Programm durch zwei Grappling-Asse im Weltergewicht abgerundet. Neben ihren außerordentlichen Fähigkeiten im Ringen bzw. BJJ haben sowohl Jon Fitch (24-4-1-(1)) als auch Demian Maia (17-4) eine Menge Erfahrung in der UFC und konnten in ihrem jeweils letzten Kampf überzeugen.

Anfang des Jahres 2012 dagegen sah es für beide nicht besonders gut aus – Fitch wurde Ende 2011 nach einem Unentschieden gegen BJ Penn und einigen Verletzungen in nur 12 Sekunden vom linken Dampfhammer des Johny Hendricks ausgeknockt, während Maia nach einer Punktniederlage gegen Mark Munoz auch gegen Chris Weidman den Kürzeren zog.
Im späteren Verlauf des Jahres rissen beide sich aber öffentlichkeitswirksam zusammen. Während Maia seinen Wechsel ins Weltergewicht ankündigte und dort sowohl Dong Hyun Kim als auch Rick Story in der ersten Runde stoppte, legte Fitch als Underdog gegen den jungen Senkrechtstarter Erick Silva den Kampf des Abends hin und erntete neben einer saftigen Bonuszahlung auch den Respekt der Fans. Der perfekte Zeitpunkt also, um die beiden Veteranen gegeneinander antreten zu lassen.

Joseph Benavidez vs. Ian McCall
Eröffnet wird das Hauptprogramm im Fliegengewicht zwischen zwei Kämpfern, die in der jüngeren Vergangenheit nur gegen den aktuellen Champion der 125-Pfünder, Demetrious Johnson, verloren haben.

Beide waren neben Johnson und Yasuhiro Urushitani Teil des Vier-Mann-Turniers zur Bestimmung des ersten UFC-Titelträgers im Fliegengewicht. Joseph Benavidez (16-3) sicherte sich mit einem Knockout gegen Urushitani schnell seine Finalteilnahme, der zweite Finalist ließ sich dagegen nur mit einiger Anstrengung bestimmen – der Kampf zwischen Johnson und Ian "Uncle Creepy" McCall (11-3-1) endete kontrovers in einem Unentschieden. Prompt wurde als ein Rückkampf angesetzt, den Johnson schließlich für sich entschied, damit zum zweiten Finalisten wurde und sich einige Monate später schließlich den Titel sicherte. Für McCall ist die ganze Geschichte damit besonders bitter, denn er war vor etwa einem Jahr nur eine Haaresbreite davon entfernt, an Johnson vorbei selbst ins Finale des Turniers zu ziehen.

Mit Beginn des Jahres 2013 haben sich die Kräfteverhältnisse allerdings wieder verschoben, und nachdem sowohl Benavidez als auch McCall im vergangenen Jahr an Johnson gescheitert sind und dieser mit John Dodson den einzigen übrigen Herausforderer am letzten Wochenende besiegt hat, dürfte der Sieger dieses Kampfes sich in kürzester Zeit erneut als Nr. 2 in den Ranglisten wiederfinden.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 156: Aldo vs. Edgar
Samstag, 2. Februar 2013
Mandalay Bay Events Center in Las Vegas, Nevada, USA

Federgewichts-Titelkampf (ufc.tv)
José Aldo (c) vs. Frankie Edgar

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rashad Evans vs. Rogerio Nogueira
Alistair Overeem vs. Antonio Silva
Jon Fitch vs. Demian Maia
Joseph Benavidez vs. Ian McCall

Vorprogramm (ufc.tv)
Gleison Tibau vs. Evan Dunham
Tyron Woodley vs. Jay Hieron
Jacob Volkmann vs. Bobby Green
Yves Edwards vs. Isaac Vallie-Flagg

Vorprogramm (Facebook)
Chico Camus vs. Dustin Kimura
Edwin Figueroa vs. Francisco Rivera