MMA

St. Pierre: Doping ist ein großes Problem im Sport

Georges St. Pierre (Foto: Elias Stefanescu/Groundandpound.de)

Georges St. Pierres legte sein Gold im Weltergewicht nach einer weiteren erfolgreichen Titelverteidigung bei UFC 167 nieder (GnP berichtete). Zuvor konnte der Kanadier zwölf Siege in Folge feiern und gehörte zu den besten Kämpfern seiner Zeit. Sein Abschied vom aktiven Geschehen sei zum Teil als Protest gegen die Einstellung der UFC zu Dopingtests gedacht gewesen, erklärte er nun in einem Interview.

„Das hat mich extrem gestört und ist einer der Gründe, warum ich mich vom Sport zurückgezogen habe“, so St. Pierre gegenüber Pressevertretern in Montreal. „Ich habe interne Informationen. Ich weiß, was hinter den Kulissen passiert. Ich bin ein Sportler und habe vieles mitbekommen – und das hat mich richtig traurig gemacht.“

Vor dem Kampf gegen Johny Hendricks bei UFC 167 forderte St. Pierre einen Dopingtest nach Regeln der „Voluntary Anti-Doping Association“ (VADA). Das VADA-Konzept sieht freiwillige und umfangreiche Dopingtests vor, denen sich teilnehmende Kämpfer ohne Vorwarnung an mehreren Terminen, während ihres gesamten Trainingscamps stellen. Hendricks bestand dagegen auf Standard-Tests der "World Anti-Doping Agency" (WADA) und nahm schlussendlich gar nicht am Testprogramm teil, nachdem man sich nicht auf eine Institution einigen konnte. Lediglich St. Pierre wurde während seiner Vorbereitung und ebenso nach dem Kampf von VADA getestet.

„Ich habe etwas versucht, um den Sport zu verändern“, so der der 32-Jährige weiter. „Leider war ich auf mich allein gestellt, da sich die Anderen dagegen entschieden haben. Aus welchen Gründen auch immer. Womöglich aus finanziellen, oder aus Angst, dass der Kampf ausfällt, oder für das Image des Sports. Wenn du jeden vernünftig testen würdest, wie viele würden erwischt werden? Ich will hier keine Zahlen oder Namen nennen, aber nur so viel sei gesagt: Das Ansehen des Sports würde einen ordentlichen Knacks bekommen.“

Unabhängig von St. Pierres Worten hat die UFC in den letzten Wochen ihre Anti-Doping-Tests erhöht, beispielweise im Schwergewichtskampf zwischen Travis Browne und Josh Barnett, bei UFC 168. Dort verlangte die weltweit größte MMA-Organisation einen Dopingtest von beiden Athleten, bevor die Kampfverträge unterschrieben wurden. Ebenso werden Athleten, die sich einer Testosteron-Ersatztherapie (GnP berichtete) unterziehen, regelmäßig überprüft. Zudem muss sich jeder, der einen Vertrag mit der UFC unterschreibt, vorher einem Dopoingtest unterzeihen. Dies reicht St. Pierre jedoch nicht.

„Jeder weiß nun mal wer, wann, wo und wie man getestet wird. Es gibt dort Leute und Ärzte, die sehen dann alle das Gleiche. Das ist in allen Sportarten so. Wenn Geld im Spiel ist, gibt es genug Wege, um zu betrügen. Der MMA-Sport ist recht jung. Es gibt nur eine Organisation, die das Monopol besitzt, somit haben einzelne Kämpfer keine Macht. Sie können nicht wirklich darüber reden, sonst werden sie bestraft. Ich glaube, dass man regelmäßige Dopingtests einführen muss, wenn man will, dass der Sport weltweit akzeptiert wird, wie Basketball, Eishockey, Fußball und so weiter.

Ich sage das, weil ich denjenigen helfen will, die diesen Sport ehrlich betreiben. Ob ihr es glaubt oder nicht, ich habe noch nie leistungssteigernde Substanzen eingenommen. Ich lasse mich von jedem Arzt testen, mir ist es ganz gleich. Ich bin absolut für Anti-Dopings-Tests. Ich denke, dass Doping ein großes Problem im Sport ist.

Ich bin sehr enttäuscht. Niemand will über Drogen im MMA-Sport reden, aber ich denke, das muss man tun. Es ist nun mal ein aktuelles Problem. Ihr könnt euch denken, dass ich viel mehr sagen will, doch ich kann das nicht tun, ich muss mich zurückhalten. Ich stehe in der Öffentlichkeit.“

Auf die Frage hin, ob man GSP wieder im Octagon sehen wird, antwortete der frühere Champion: „Ich bin mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Wenn sich die Dinge in Zukunft ändern sollten, werde ich zurückkehren.“