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Siver, Leben, Tibau, Bahadurzada u.v.m.

Der große Rückkampf am Ende des Abends wird von sechs gut besetzten Kämpfen im Vorprogramm unterstützt.

Passend zum wohl größten Event des Jahres – für den die UFC in Amerika den Kaufpreis der Pay-per-View-Übertragung sogar einmalig um fünf Dollar erhöht hat – haben die UFC-Matchmaker Joe Silva und Sean Shelby ein bestens besetztes Vorprogramm aufgefahren.

Von Chris Leben und Uriah Hall über Siyar Bahadurzada oder Gleison Tibau bis hin zum Deutschen Dennis Siver, der gegen Manny Gamburyan von seiner Niederlage gegen Cub Swanson zurückkommen will, sind die sechs ersten Kämpfe des Abends allesamt mit bekannten Namen und/oder vielversprechenden Ansetzungen gespickt.

Der Event kann in Deutschland, wie gewohnt, kostenlos über ufc.tv (Hauptprogramm und zweiter Teil Vorprogramm) beziehungsweise Facebook (erste zwei Vorkämpfe) verfolgt werden.

Chris Leben vs. Uriah Hall
‚Loser leaves Town’ ist im Show-Wrestling seit langem eine Tradition – der Verlierer eines Matches verlässt im Anschluss an die Niederlage die Organisation. Im MMA sieht man solche Kämpfe seltener, zumindest werden die Zukunftsaussichten des unterlegenen Kämpfers im Vorhinein selten konkret festgemacht. Anders in diesem Fall: wie für den Kampf zwischen den zuletzt wenig erfolgreichen Schwergewichten Frank Mir und Alistair Overeem, die im Februar bei UFC 169 um ihren Verbleib in der UFC kämpfen werden, hat UFC-Präsident Dana White auch im Vorfeld dieses Duells angekündigt, dass entweder Chris „The Crippler“ Leben (22-10) oder Uriah „Prime Time“ Hall (7-4) das Jahr 2014 nicht mehr als UFC-Kämpfer erleben werden.

Leben ist schon seit 2005 Teil der UFC, als er als Teil der ersten „Ultimate Fighter“-Staffel (TUF) mitverantwortlich für den Aufstieg der Organisation in eine Art Vorstufe des Mainstream war. Seit Ausstrahlung der Reality-TV-Serie lief es für Leben, sowohl inner- als auch außerhalb des Octagons, allerdings nicht immer gut. Im Laufe von zwölf Siegen und neun Niederlagen war Leben mal beinahe Titelherausforderer, mal Kandidat für eine Entlassung, mal Comeback-Story und mal Drogenwrack. Letzteres Problem hat der „Crippler“, zeitweise stark abhängig von Schmerzmitteln, die ihm nach so manchem Kampf im Blut nachgewiesen wurden, mittlerweile zum Glück in den Griff bekommen, dafür hapert es momentan an den Resultaten innerhalb des Käfigs.

Nachdem er im Laufe des Jahres 2011 lediglich einen Sieg gegen Wanderlei Silva einfahren konnte und daneben von Brian Stann und Mark Munoz vorzeitig durch T.K.o. gestoppt wurde, krempelte der lange auf Hawaii lebende Veteran sein Leben um. Entzug, Heirat, Umzug nach San Diego an der amerikanischen Westküste – ein Jahr nach der traurigen Niederlage gegen Munoz mit anschließendem positiven Drogen-Test schien nach dem Comeback außerhalb des Octagons auch innerhalb des Käfigs alles für eine Rückkehr zu alter Form vorbereitet zu sein. Gegen Strikeforce-Import Derek Brunson zeigte sich jedoch ein langsamer, ausgelaugter Leben, der nach drei spannungsarmen Runden nach Punkten verlor. Im Juli folgte gegen Andrew Craig dann der dritte Misserfolg nacheinander, weshalb gegen Uriah Hall unbedingt ein Sieg her muss. Laut Leben wird am Samstag ein runderneuerter „Crippler“ auftauchen, dem harten Training im Alliance MMA-Team mit Phil Davis, Ross Pearson, Dominick Cruz u.a. sei Dank. Ob das tatsächlich der Fall sein wird, oder ob Leben seinen Versprechen ein weiteres Mal keine Taten folgen lassen kann, werden wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag sehen.

Uriah Hall braucht ebenfalls um jeden Preis einen Sieg. Während der 17. TUF-Staffel hat Hall mit jeder fortschreitenden Woche mehr Angst in den anderen Teilnehmern gesät, denn alle seine Gegner landeten im Anschluss an ihren Kampf im Krankenhaus. Während Andy Enz und Dylan Andrews einen gebrochenen Arm bzw. eine gebrochene Nase erlitten, wurde Adam Cella mit einem Spinning Hook Kick dermaßen übel K.o. getreten, dass Dana White vom „übelsten Knockout“ in der Geschichte der Reality-TV-Serie sprach, während der benommene Cella im Krankenwagen vom Set transportiert wurde. Der obligatorische Bonus für den K.o. der Staffel war nach diesem Kampf nur noch Formsache…

Der Lauf im TUF-Haus schien Hall für eine imposante Karriere innerhalb der ‚richtigen’ UFC zu prädestinieren, unter dem Scheinwerferlicht der großen Arenen konnte Hall bisher allerdings nicht überzeugen. Zunächst musste er im April als haushoher Favorit gegen Kelvin Gastelum eine Punktentscheidung und damit den Final-Sieg der Staffel abgeben, was ihm allgemein noch als einmaliger Ausrutscher verziehen wurde. Vier Monate später jedoch folgte gegen John Howard ein weiterer Stinker, in dem Hall nichts von der brillanten Aggressivität und technischen Finesse zeigte, die ihn im TUF-Haus zum Albtraum seiner Wettbewerber gemacht hatte. Sämtliches Gerede vom ‚nächsten Anderson Silva’ war damit dahin, sodass Hall am Samstag eine groß angelegte Image-Bereinigung durchzuführen hat.

Gleison Tibau vs. Michael Johnson
Im Leichtgewicht könnte sich hier zeigen, wer im kommenden Jahr die Chance bekommen wird, sich in die wirklich relevanten Regionen der Ranglisten vorzuarbeiten.

Gleison Tibau (28-9) ist eines der physisch stärksten Leichtgewichte der UFC. Sein Kampfgewicht von bis zu 82 Kilo allein reicht oft schon, um ihm einen kampfentscheidenden Vorteil zu bringen. Die 13 UFC-Siege des BJJ-Schwarzgurtes sind sicherlich nicht nur darauf zurückzuführen, aber in seinen Kämpfen ist immer wieder zu beobachten, wie Gegner der schieren Masse des Brasilianers nachgeben müssen. In diesem Jahr mussten John Cholish und Jamie Varner sich Tibau bereits geschlagen geben, nachdem Evan Dunham im Februar eine knappe Punktentscheidung sichern konnte. In den vorherigen Jahren lief es ähnlich – gegen Top-Kämpfer wie Jim Miller und Khabib Nurmagomedov zog Tibau den Kürzeren, während er alle anderen mal mehr, mal weniger deutlich bezwingen konnte. Am Samstag bekommt er die Chance, das Jahr 2013 mit drei aufeinanderfolgenden Siegen abzuschließen und mit ordentlich Rückenwind ins neue Jahr zu starten.

Ähnliche Pläne hat Michael „The Menace“ Johnson (13-8), zunächst muss der Kämpfer aus dem Blackzilians-Team um Rashad Evans und Vitor Belfort allerdings an Tibau vorbei. Erfolg und Misserfolg werden für ihn voraussichtlich zum größten Teil davon abhängen, welche Version Johnsons am Samstag in der MGM Grand Garden Arena aufläuft. Der Michael Johnson, der gegen Jonathan Brookins mit jeder Runde schwächer wurde, von Miles Jury dominiert und von Reza Madadi zum Abklopfen gebracht wurde, dürfte gegen Tibau ein harter Abend bevorstehen. Die Version seiner selbst allerdings, die Edward Faaloloto und Danny Castillo K.o. schlug, Tony Ferguson und zuletzt Joe Lauzon technisch auseinandernahm, könnte Johnson einen weiteren beeindruckenden Sieg einbringen.

Dennis Siver vs. Manvel Gamburyan
Auch der aus deutscher Sicht wohl interessanteste Kampf des Abends wird auf dem Vorprogramm stattfinden. Der Mannheimer Dennis Siver (21-9) wird in Las Vegas seinen zweiten Kampf in diesem Jahr bestreiten und versuchen, nach der bitteren Niederlage gegen Cub Swanson im Juli im selben Gebäude wieder zurück auf die Erfolgsspur zu finden. In ihrem Kampf bei UFC 162 konnte Siver Swanson zunächst einige Probleme bereiten, ihn zeitweise auf dem Boden kontrollieren und im Stand mithalten, bevor mit laufender Kampfzeit die Puste ausging – laut Siver ist er für diesen Kampf mit der Zeitumstellung und der Sommer-Hitze der Wüstenstadt nicht so gut wie gewohnt zurechtgekommen.

Die Niederlage war selbstverständlich bitter, hatte der früher noch eher eindimensionale Kickboxer im Laufe der letzten Jahre doch immer wieder gezeigt, dass er sich in einen in allen Bereichen versierten und gefährlichen Mixed Martial Arts-Kämpfer gewandelt hatte. Diese Entwicklung hatte ihm zwischen 2010 und 2012 Siege u.a. gegen Spencer Fisher, George Sotiropoulos, Matt Wiman und Diego Nunes eingebracht und ihn mit jedem Kampf näher an eine Titelchance gebracht. Die kann Siver nun zwar fürs Erste vergessen, gegen Manvel „The Anvil“ Gamburyan (13-7) bekommt er am Samstag aber die Chance, den wichtigen ersten Schritt zurück zu machen. "Ich werde alles dafür tun, den Kampf vorzeitig zu beenden - egal, ob durch K.o. oder Submission", verriet uns Siver vor einigen Wochen (das gesamte Interview ist im aktuellen Groundandpound Magazin nachzulesen).

Gamburyan ist ein langjähriger Kampfsport-Veteran, der bereits 1999 zum ersten Mal im MMA kämpfte und Schwarzgurte sowohl im Kyokushin Karate als auch im Judo sein Eigen nennen kann. 2007 machte er über die fünfte TUF-Staffel seinen Weg in die UFC, deren Finalkampf er gegen Nate Diaz verlor. Trotzdem blieb Gamburyan Teil der UFC und fuhr dort zwei vorzeitige Siege gegen Nate Mohr und Jeff Cox ein, bevor er nach Niederlagen gegen Rob Emerson und Thiago Tavares in die WEC wechselte. Erfolge gegen Leonard Garcia und Mike Brown brachten dem gebürtigen Armenier einen Titelkampf gegen José Aldo ein, den er jedoch durch K.o. verlor. Seit 2011 zurück in der UFC, lief es für ihn im Octagon seither moderat gut. Niederlagen gegen Tyson Griffin und Diego Nunes stehen Erfolge gegen Michihiro Omigawa und Cole Miller gegenüber, denen am Samstag gegen Dennis Siver ein dritter folgen soll.  

John Howard vs. Siyar Bahadurzada
Im Weltergewicht kommt es zu einem Duell zweier Standexperten mit einer Menge Dampf in den Fäusten, wenn John „Doomsday“ Howard (21-8) und Siyar „The Great“ Bahadurzada (21-5-1) aufeinandertreffen.

Howard machte sich zwischen 2009 und 2010 mit Punktsiegen über Chris Wilson und Tamdam McCrory sowie mit krachenden Knockouts gegen Dennis Hallman und Daniel Roberts einen Namen, verlor dann jedoch nacheinander gegen Jake Ellenberger, Thiago Alves und Matt Brown und wurde aus der UFC entlassen. Seitdem konnte der Bostoner, der übrigens einem der Bomben-Attentäter des Boston Marathons im Sparring die Nase brach, sechs Siege einfahren, fünf davon durch (T.)K.o. Als bekannt wurde, dass die UFC im August dieses Jahres wieder zurück nach Boston kommen würde, bot Howard seine Dienste sogar ohne Bezahlung an, um wieder in der UFC aufgenommen zu werden, ergatterte letztlich aber einen richtigen Vertrag, als Josh Samman verletzt von seinem Kampf gegen Uriah Hall zurücktreten musste. Howard nahm den Kampf an und bezwang den TUF 17-Kämpfer geteilt nach Punkten. Der Sieg war zwar nicht die beeindruckendste Leistung seiner Karriere, hat seinen zweiten Anlauf in der UFC aber mit einem Erfolg eingeleitet.

Baharduzada debütierte nach einer langen Karriere, die er zum größten Teil in den Niederlanden verbracht hatte, im April 2012 in der UFC. Mit dem Veteranen Paulo Thiago bekam der erste gebürtige Afghane in der UFC gleich eine harte Nuss vorgesetzt, die er mit einem perfekt getimten Aufwärtshaken aber schon in der ersten Runde knackte und sich damit den fünften (T.)K.o.-Sieg in Folge sicherte. Dem vielversprechenden Start konnte Bahadurzada seitdem aber keine weiteren Siege folgen lassen. Geplante Kämpfe gegen Thiago Alves und Robbie Lawler fielen verletzungsbedingt ins Wasser, sodass „The Great“ erst im März dieses Jahres wieder in den Käfig steigen konnte, wo er drei Runden lang von Dong Hyun Kim kontrolliert wurde. Gegen den ebenfalls im Stand sehr versierten John Howard braucht der schlagstarke Wahl-Niederländer nun also einen Sieg, um die Karriere wieder Fahrt aufnehmen zu lassen.

Vorprogramm (Facebook)
Auch in den ersten beiden Kämpfen des Abends dürfte es ordentlich zur Sache gehen. Im Weltergewicht wird William Macario (6-1), Finalist der zweiten brasilianischen TUF-Staffel, auf Bobby Voelker (24-10) treffen. Macario bahnte sich mit drei T.K.o.-Siegen seinen Weg ins Finale dieser Staffel und sah dort in der ersten Runde gegen Leonardo Santos erneut gut aus, bevor er müde wurde und per Arm Triangle Choke zum Abklopfen gezwungen wurde. Voelker debütierte im März dieses Jahres bei UFC 158 im Octagon und unterlag in einem spannenden Kampf nach drei Runden hauchdünn Lokalmatador Patrick Coté. Im Juli sprang er kurzfristig gegen Robbie Lawler ein, der ihn jedoch zu Beginn der zweiten Runde per Headkick auf die Bretter schickte. Am Samstag bahnt sich in diesem Duell zweier schlagstarker Standkämpfer aller Voraussicht nach ein weiterer unterhaltsamer Kampf an, bei dem für beide die Zukunft in der UFC auf dem Spiel stehen könnte.

Zuvor wird Robbie „Problems“ Peralta (16-4-0(1)) im Federgewicht versuchen, seine überraschende Niederlage gegen Akira Corassani aus dem April wettzumachen. Zuvor konnte der 27-jährige Kalifornier unter dem ZUFFA-Banner bei Strikeforce und in der UFC bisher drei Siege einfahren, zuletzt einen K.o.-Sieg in nur 23 Sekunden gegen Jason Young. Bei UFC 168 wird er auf Estevan „El Terrible“ Payan (14-4-0(1)) treffen, der im Mai ebenfalls seine erste Niederlage unter ZUFFA hinnehmen musste, als er bei UFC 160 nach zwei Siegen bei Strikeforce eine klare Punktentscheidung gegen Jeremy Stephens abgeben musste.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 168: Weidman vs. Silva II
Samstag, 28. Dezember 2013
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Mittelgewichtstitelkampf (ufc.tv)
Chris Weidman (c) vs. Anderson Silva

Bantamgewichtstitelkampf der Frauen (ufc.tv)
Ronda Rousey (c) vs. Miesha Tate

Hauptprogramm (ufc.tv)
Josh Barnett vs. Travis Browne
Jim Miller vs. Fabrício Camoes
Dustin Poirier vs. Diego Brandao

Vorprogramm (ufc.tv)
Chris Leben vs. Uriah Hall
Gleison Tibau vs. Michael Johnson
Dennis Siver vs. Manvel Gamburyan
John Howard vs. Siyar Bahadurzada

Vorprogramm (Facebook)
William Macario vs. Bobby Voelker
Robbie Peralta vs. Estevan Payan