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Shields, Woodley, Stout u.v.m. bei UFC 161

Das MTS Centre in Winnipeg wird am Samstag zum ersten Mal das Octagon beherbergen (Foto: Wpg guy/Creative Commons).

Für das kommende Wochenende ist die UFC mal wieder nach Norden gezogen, um ihre Expansion im Nachbarland Kanada weiter voranzutreiben und mit Winnipeg, Manitoba, eine weitere Stadt zu ihrem immer umfangreicher werdenden Portfolio hinzuzufügen.

Das ursprünglich sehr starke Programm wurde zwar durch diverse Verletzungen dezimiert, einige spannende Kämpfe haben aber überlebt und werden am Samstag das MTS Centre zum Kochen bringen - unter anderem werden Jake Shields, Tyron Woodley, Sam Stout und Yves Jabouin zu sehen sein.

Der gesamte Event kann, wie gewohnt, in Deutschland kostenlos über ufc.tv (Hauptprogramm und zweiter Teil Vorprogramm) bzw. die offizielle Facebook-Präsenz der UFC (die ersten beiden Vorkämpfe) verfolgt werden.

Jake Shields vs. Tyron Woodley
Kurz vor Beginn des Hauptprogramms werden zwei hochkarätige Weltergewichtler das Vorprogramm abschließen. Jake Shields (27-6-1(1)) galt lange als einer der besten Kämpfer der Welt – Siege gegen Kämpfer wie Carlos Condit, Yushin Okami, Paul Daley, Dan Henderson und viele andere sprechen nun mal eine deutliche Sprache. Seitdem er Ende 2010 in der UFC antritt, konnte er diesen Ruf allerdings nicht wirklich manifestieren. Nach einem knappen bis kontroversen Punktsieg gegen Martin Kampmann bei UFC 121 wurde Shields der versprochene Titelkampf gegen Georges St-Pierre gewährt. Shields allerdings fand in diesem Kampf, wie so viele vor ihm, kein effektives Mittel gegen den Weltergewichts-Champ und gab nach fünf Runden eine einstimmige Punktentscheidung ab. An für sich keine Schande, einige Monate später spitzten sich Umstände für Shields allerdings zu – nur drei Wochen, nachdem sein Vater überraschend gestorben war, stieg Shields im September 2011 gegen Jake Ellenberger ins Octagon. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt hat, denn nach nur 53 Sekunden lag der BJJ-Experte bewusstlos auf dem Rücken, nachdem ihm die Lichter von Ellenbergers Kniescheiben ausgeknipst wurden. Einem knappen und wenig aussagekräftigen Punktsieg gegen Yoshihiro Akiyama folgte seitdem ein Sieg gegen Ed Herman, der jedoch nach einem positiven Dopingtest aus der Wertung genommen wurde. Für Shields geht es an diesem Wochenende also um nicht weniger als das letzte bisschen Relevanz, das ihm geblieben ist.

Für Tyron „T-Rex“ Woodley (11-1) hingegen läuft es momentan sehr gut. Lange als langweiliger Ringer verschrien, hatte der im American Top Team trainierende 31-Jährige vor einem knappen Jahr seinen Durchbruch in einem Strikeforce-Titelkampf gegen Nate Marquardt. Obwohl er in der vierten Runde durch K.o. verlor, beeindruckte Woodley in diesem Kampf mit einer beherzten Leistung – auch Marquardt stand im Laufe der vier Runden mehrfach kurz vor dem K.o. Von der Niederlage hat Woodley sich mittlerweile anscheinend auch mehr als erholt, wie ein Erstrundenknockout gegen Jay Hieron, bei UFC 156 im Februar, eindrucksvoll gezeigt hat. Falls er am Wochenende auch Shields bezwingen kann, dürfte ihn das in der dicht besetzten Spitze der Gewichtsklasse ein wertvolles Stück nach oben hieven.

Sam Stout vs. James Krause
Ebenfalls im MTS Centre werden im Leichtgewicht Sam „Hands of Stone“ Stout (20-8-1) und James Krause (19-4) aufeinandertreffen. Stout ist ein klassischer Allrounder: Gut in allem, allerdings in keinem Bereich herausragend, beschreibt seine UFC-Karriere bisher eine wunderschöne Sinus-Kurve – wenn Stout kämpft, kann man sich nie sicher sein, welche Version seiner selbst aufläuft. Gerade, als Stout diese Unstetigkeit mit zwei überzeugenden Siegen scheinbar langsam verlor, riss ihn im Sommer 2011 der Tod seines Trainers und Mentors, Shawn Tompkins, wieder aus der Bahn. Stout sagte zunächst einen Kampf gegen Dennis Siver ab und kehrte Anfang 2012 gegen Thiago Tavares zurück in den Käfig, musste jedoch eine knappe Punktentscheidung abgeben. Ein Punktsieg im letzten Kampf seiner Trilogie mit Spencer Fisher rückte seine Bilanz wieder gerade, auf den eine weitere Punktniederlage gegen John Makdessi und ein Punktsieg gegen Caros Fodor folgten. In manchen dieser Kämpfe zeigte Stout stark verbesserte Ringer-Fähigkeiten (Stout vs. Fisher 3), in anderen die Unfähigkeit, sich an eine gut zurechtgelegte Strategie seines Gegners anzupassen (Stout vs. Makdessi) und dann schlägt der für unterhaltsame Drei-Ründer bekannte Kanadier seinen Gegner plötzlich kurzerhand K.o. (Stout vs. Edwards) – wer gerne wettet, sollte diesen Kampf also vielleicht lieber links liegen lassen.

Was allerdings zum Teil auch an Stouts Gegner für dieses Wochenende liegt: James Krause hat zwei Mal in der WEC und ein Mal für Bellator gekämpft und zog jedes Mal den Kürzeren. Seitdem er wieder für weniger renommierte Organisationen antritt, konnte er dagegen acht von neun Kämpfen gewinnen. Am Wochenende wird sich also zeigen, ob der mit 1,88m sehr große Leichtgewichtler über die Jahre genug dazugelernt hat, um schlussendlich doch auf der großen Bühne zu bestehen.

Sean Pierson vs. Kenny Robertson
Auch dieser Weltergewichtskampf hätte eigentlich in anderer Besetzung stattfinden sollen – Sean Pierson (13-6) sollte ursprünglich BJJ-Ass TJ Waldbuger vor die Fäuste bekommen, muss sich nun aber mit Kenny Robertson (12-2) begnügen, der nach seinem Sieg bei UFC 157 kurzfristig eingesprungen ist.

Pierson, der vor einigen Jahren wegen seiner MMA-Karriere und vor allem wegen seines damaligen Spitznamens, “Pimp Daddy”, eine Karriere bei der Polizei von Toronto aufgeben musste, kämpft hier um Relevanz in der Weltergewichtsklasse. Im Alter von 37 Jahren könnte das sein letzter Anlauf in Richtung größerer Kämpfe sein. Seine UFC-Karriere begann er mit einem unterhaltsamen Punktsieg gegen Matt Riddle, wurde dann jedoch nacheinander von Jake Ellenberger und Dong Hyun Kim abgefertigt. In seinem Comeback-Kampf gegen Jake Hecht wirkte der sonst eher aggressive Pierson beinahe ängstlich, sicherte sich jedoch den Punktsieg. Auch gegen Lance Benoist setzte Pierson sich im vergangenen Jahr durch, sodass er sich mittlerweile wieder etwas Luft verschafft hat.

Robertson hätte eigentlich bei UFC 122 in Oberhausen als erster Gegner von Pascal Krauss fungieren sollen, verletzte sich jedoch und konnte erst Monate später ins Octagon steigen, aus dem er nach einer T.K.o.-Niederlage gegen Mike Pierce direkt wieder gefeuert wurde. Ein Sieg gegen Lucio Linhares und eine der vielen Verletzungen des Jahres 2012 sorgten dann allerdings dafür, dass Robertson sich bei UFC on Fuel TV 4 auf dem Hauptprogramm wiederfand, wo er gegen Aaron Simpson den Kürzeren zog und eine Punktentscheidung abgeben musste. Seine wahrscheinlich letzte Chance auf einen UFC-Sieg ließ Robertson im Februar dieses Jahres dann allerdings nicht sausen und konnte sich mit einer seltenen Variation eines Kniehebels neben einem Sieg auch gleich noch 50.000 Dollar Bonuszahlung einsacken.

Roland Delorme vs. Edwin Figueroa
Im Bantamgewicht wird Roland „Stunning“ Delorme (8-1(1)) auf Edwin „El Feroz“ Figueroa (9-2) treffen. Delorme gelangte über TUF 14 in die UFC und beeindruckte mit vorzeitigen Siegen gegen Josh Ferguson und Nick Denis. Bei UFC 149, vor einem knappen Jahr in Calgary, wurde er jedoch nach minutenlangem Schlaghagel schließlich von Francisco Rivera ausgeknockt – ein herber Rückschlag für den jungen Kanadier, auch, wenn die Niederlage später wegen eines positiven Dopingtests Riveras nicht gewertet wurde.

Edwin Figueroa wurde in seinem letzten letzten Kampf ebenfalls von Rivera ausgeknockt und musste damit Hoffnungen auf den dritten UFC-Sieg in Folge begraben, nachdem er bereits Jason Reinhardt und Alex Caceres als Verlierer aus dem Käfig schicken konnte. Gegen Delorme sollte deshalb tunlichst wieder ein Sieg her. Dazu muss der der Thaibox-Liebhaber, der sich vor allem auf die Power hinter seinen Schlägen verlässt, wohl oder übel den Bodenkampf vermeiden, denn dort hat der 28-Jährige bisher klare Schwächen offenbart, die jemand wie Delorme höchstwahrscheinlich ausnutzen würde.

Vorprogramm (Facebook)
Aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle werden wir am Wochenende nur zwei Facebook-Vorkämpfe aus Winnipeg zu sehen bekommen. Die haben es dafür in sich.

John „The One“ Maguire (18-5) debütierte bei UFC 138, im November 2011, im Octagon. In diesem Kampf sowie im darauffolgenden überraschte der Brite mit Kompetenz auf der Matte und an der Käfigwand – Fähigkeiten, die europäischen Kämpfern bis dahin meist abgeschrieben wurden. Auf Siege gegen Justin Edwards und DaMarques Johnson folgten seitdem allerdings Punktniederlagen gegen John Hathaway und Matt Riddle, die Maguire zum Wechsel ins Leichtgewicht veranlasst haben.

Dort sollte er einen spürbaren körperlichen Vorteil gegenüber Mitch „Danger Zone“ Clarke (9-2) haben, der nach sieben vorzeitigen Siegen in den Käfigen der regionalen Szene seine ersten beiden UFC-Kämpfe verlor und damit ebenfalls mit dem Rücken zur Wand steht.

Zuvor werden im Bantamgewicht Yves „Tiger“ Jabouin (18-8) und Dustin „The Disciple“ Pague (11-7) aufeinandertreffen. Der vor allem auf Kicks spezialisierte Standkampf-Experte Jabouin verlor sein UFC-Debüt im Federgewicht, kochte eine Gewichtsklasse ab und legte prompt drei Siege am Stück hin. Seinen letzten Kampf begann er damit, Brad Pickett auszupunkten, nur, um dann wie aus dem Nichts durch einen Uppercut ausgeknockt zu werden. Etwas düsterer sieht es für Dustin Pague aus. Ehemals einer der Favoriten der 14. TUF-Staffel, verlor er nach der Zeit im Haus gegen John Albert, Ken Stone und Chico Camus. Ein Sieg ist also Pflicht für Pague, um seine UFC-Träume nicht platzen zu lassen.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 161 – Evans vs. Henderson
Samstag, 15. Juni 2013
MTS Centre, Winnipeg, Manitoba, Kanada

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rashad Evans vs. Dan Henderson
Roy Nelson vs. Stipe Miocic

Ryan Jimmo vs. Igor Pokrajac
Alexis Davis vs. Rosi Sexton

Pat Barry vs. Shawn Jordan

Vorprogramm (ufc.tv)
Jake Shields vs. Tyron Woodley
Sam Stout vs. James Krause

Sean Pierson vs. Kenny Robertson
Roland Delorme vs. Edwin Figueroa

Vorprogramm (Facebook)
Mitch Clarke vs. John Maguire
Yves Jabouin vs. Dustin Pague