Allgemein

Roxanne Modafferi Exklusiv-Interview

GroundandPound: Zuerst einmal, danke für das Interview, Roxanne. Wie geht es dir?
Roxanne Modafferi: Alles OK, danke.

Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie du zu den gemischten Kampfkünsten gekommen bist?
Ich fand kämpfende Superhelden wie im japanischen Anime „Dragon Ball Z“ einfach cool und wollte auch die bösen Jungs verprügeln. Nachdem ich Tae Kwon Do und Kempo in der Mittelschule versucht habe, wollte ich etwas physischeres machen, also habe ich Judo und Brazilian Jiu Jistu in der High School versucht. Meine Trainingspartner mochten die UFC und luden mich zu sich nach Hause ein, um sie anzusehen. Ich habe mich entschieden, mein Training auf das nächste Level zu bringen und als ich auf das College kam, habe ich alles zusammen gebracht und mit dem MMA-Training begonnen. Ich debütierte in Japan, als ich 21 war, während meinem ersten Jahr auf dem College, bei „Smack Girl“.

Gab es einen gewissen Kämpfer, weiblich oder männlich, der dich inspiriert hat, Kampfsportlerin zu werden?
Piccolo. Gut, er ist ein erfundener Charakter aus „Dragon Ball Z“, aber er war so hart, stark und cool. Was richtige Kämpfer betrifft, war Aaron Riley eine große Inspiration für mich, nachdem ich seinen Kampf gegen Robbie Lawler gesehen habe. Er ist einfach stetig nach vorne gegangen und obwohl er schon stark angeschlagen war, gab er nie auf. Ich fand auch die Technik von Matt Serra überaus beeindruckend und ich liebe es, seine Kämpfe anzusehen.

Wie haben deine Familie und Freunde die Entscheidung aufgenommen, eine Kämpferin zu werden?
Sie haben mich alle unterstützt und sie wollen, dass ich  meinen Traum verfolge und tue, was mich glücklich macht. Es ist besonders hart für meine Eltern, weil sie sich wegen meiner Sicherheit sorgen machen. Ich würde sagen, meine Mutter ist eher daran gewöhnt, weil sie mich als Kind zum Training gebracht hat. Meine Eltern sind geschieden, also herauszufinden, dass ich begonnen habe, professionell zu kämpfen, war wahrscheinlich ein Schock für meinen Vater, welcher letztendlich sagte: „Ich wünschte, du würdest das nicht tun…“. Heute schickt er mir Mails über Athleten die Gehirnschäden davontrugen, zeigt aber zur selben Zeit seinen Arbeitskollegen meine Kämpfe.

Wer sind derzeit deine Trainingspartner?
Ich bin unabhängig, also gehöre ich zu keinem Gym. Aber ich trainiere viel beim AACC [Abe Ani's Combat Club] in Japan. Ich trainiere mit den Abu Dhabi [Combat Club (ADCC)]- Teilnehmerinnen Megumi Fuji und Sayaka Shioda, um ein paar zu nennen. Der Trainer dort ist Hiroyuki Abe. Ich nehme auch Stunden bei Trainer Kiuma Kunioku in einem anderem Gym. Außerdem besuche ich das K-Taro Dojo, welches von Miyazawa und Keita Nakamura geleitet wird. In den letzten Monaten lebt Celine Haga aus dem norwegischen Team von Joachim Hansen bei mir und wir trainieren täglich.

Wie lange bereitest du dich auf einen Kampf vor und wie sieht dein Training aus?

Ich trainiere immer sehr, sehr hart, bis zum Punkt, an dem ich krank werde. Vor dem Kampf versuche ich also, mein Training etwas herunterzuschrauben um nicht krank oder verletzt zu werden, was oft passiert. Mein Training ist eine Mischung aus Techniken und Sparring und in meinen Privatstunden, mache ich mit Kunioku sehr viel Training mit speziellem Fokus auf bestimmte Gegner. Dazu betreibe ich noch viel Konditionstraining.

Was ist dein übergeordnetes Ziel im MMA?
Jede Frau der Welt in meiner Gewichtsklasse besiegen und die erste Frau werden, die in der UFC kämpft.

Wer oder was war bisher deine größte Herausforderung?
Tara LaRosa, damals 2007. Ich fand mich vorher noch nie in einer Mount wieder und wurde durch eine Position so dominiert, wie in diesem Kampf. Ich werde mich revanchieren.

In deinem letzten Kampf hast du Molly Helsel bei der King of the Cage-Veranstaltung in Japan besiegt. Erzähle uns bitte etwas über den Kampf.

Es hat Spaß gemacht. Ich habe eine Super-Roxy-Spinning-Backfist und einen Super-Woman-Punch durchgebracht. Ich habe auch viel über meinen eigenen Kampfstil gelernt und wie ich ihn weiter verbessern sollte.

Was hast du seit dem Kampf gemacht?
Trainiert wie eine Wahnsinnige.

Kennst du bereits deine nächste Gegnerin?
Tara LaRosa, am 21. Mai in Massachusetts, USA. Das ist gut, da Tara die #1 auf meiner Liste von Leuten ist, gegen die ich antreten will. Ich will mich dafür revanchieren, dass sie mich eineinhalb Runden lang nur gemountet hatte. Sie ist die #1 in meinem Kopf, sie zu besiegen bringt mich daher näher an mein Traumziel.

Letztes Jahr bist du bei Strikeforce gegen Marloes Coenen angetreten, was denkst du über die Organisation?
Ich finde, Strikeforce macht einen wundervollen Job, indem sie talentierten Frauen einen Platz bieten, um zu kämpfen und ihre Fähigkeiten vor der ganzen Welt zu zeigen. Ich weiß, es geht in erster Linie ums Geschäft, aber Strikeforce ist eine großartige Organisation. Ich hoffe ich kämpfe bald wieder dort.

Wo siehst du „Frauen MMA“ in zehn Jahren?
Mehr Frauen kämpfen auf dem höchsten Level und mehr Männer akzeptieren es, dass Frauen im MMA-Sport kämpfen.

Was sind die Chancen und Risiken für Frauen im MMA?

Es gibt weniger weibliche Kämpfer als männliche, also ist die Chance größer, bekannt zu werden. Risiken gelten, wie bei den Männern, denke ich. Verletzungen und ein enormer Zeitaufwand.

Was findest du, muss verbessert werden, um „Frauen MMA“ auf die nächste Stufe zu bringen?
Weibliche Kämpferinnen brauchen mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit durch Übertragungen und durch die Medien. Webseiten machen einen großartigen Job mit Interviews und Berichterstattung, aber wir brauchen auch mehr Mainstream-Quellen, wie große Nachrichtenagenturen oder Zeitungen.

Hast du abschließend eine Nachricht für deine Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Danke für die Unterstützung über dem Ozean. Ich möchte euch irgendwann besuchen und bei euch kämpfen.