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Ross Pearson: „Mein wahres Ich ist zurück“

Ross Pearson in Aktion (Foto: Valentino Kerkhof/Groundandpound.de).

Der 14. März wird für Ross „The Real Deal“ Pearson (16-8-0(1)) einen Wendepunkt darstellen: Immer wieder stand der 30-jährige Brite in der Vergangenheit kurz vor dem Durchbruch an die Spitze des UFC-Leichtgewichts, kurz vor dem Ziel hagelte es aber stets Rückschläge. Nach einem beeindruckenden K.o.-Sieg, einer kontroversen Punktniederlage, einem No Contest und einer bitteren vorzeitigen Niederlage in seinen letzten vier Kämpfen will „The Real Deal“ am kommenden Wochenende den Grundstein für eine neue Siegesserie legen. Auf dem Vorprogramm von UFC 185 im American Airlines Center in Dallas, Texas wird er auf den Kanadier Sam Stout treffen, ebenfalls ein zäher Veteran, der zurück auf die Siegerstraße muss.

Wir haben uns eineinhalb Wochen vor dem großen Abend noch einmal mit ihm unterhalten.

Groundandpound: Hallo Ross, wie geht es dir so kurz vor dem Kampf und bist du schon in die USA gereist?
Ross Pearson: Ich bin hier in San Diego und mir geht es blendend. Ich habe hier die letzten sieben Wochen über mein Trainingscamp bestritten. Ich bin eigentlich sowieso die meiste Zeit des Jahres hier drüben und werde wohl demnächst hier hinziehen, vielleicht sogar für den Rest meines Lebens. Wir haben das Gym hier, Alliance MMA. Wir sind hier wie eine Familie. Familie, Freunde, Gym – hier gibt es alles, was ich brauche.

Du stehst nach dem No Contest gegen Melvin Guillard und der kontroversen Punktniederlage gegen Diego Sanchez momentan an einer merkwürdigen Position in deiner Karriere – man könnte sagen, dass du seit Mitte 2012 nur ein Mal legitim verloren hast. Gleichzeitig ist es faktisch aber auch richtig, dass du nur einen deiner letzten vier Kämpfe gewonnen hast.
Ja, das letzte Jahr war eine Achterbahnfahrt. Ich hatte etwas Pech mit dem Sanchez-Kampf und auch schon davor gegen Guillard, ich habe aber auch ein paar gute Kämpfe abgeliefert. Ich glaube trotz alldem, dass ich im Leichtgewicht einer der besten Kämpfer der Welt bin, wenn ich hier bei Alliance das Training und die Trainer bekomme, die ich brauche und die mentale Einstellung habe, in der ich gerade bin. Mit meinem Team im Rücken kann ich mit dem Wissen in diese Kämpfe gehen, dass ich das Ding gewinnen kann. Ich bin ein Top Ten-Kämpfer und ein paar vorzeitige Siege sollten mich direkt an die Spitze hieven.

Konntest du aus den wilden letzten Monaten etwas für die Zukunft mitnehmen?
Definitiv, man lernt immer weiter. Wenn du das nicht tust, dann solltest du mit diesem Sport aufhören. Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler und lerne daraus. Die Sache mit mir ist: Ich bin ein Kämpfer. Ich komme immer wieder zurück und will mehr. Egal, ob du mich ausknockst, zur Aufgabe bringst oder auf die Matte wirfst, mich kriegst du nicht klein, ich werde nicht aufgeben. Das definiert mich als Kämpfer – ich akzeptiere meine Niederlagen wie ein Mann, arbeite härter als vorher und komme zurück, um die beste Leistung meines Lebens aufs Parkett zu legen.

MMA-Fans vergessen schnell – man ist immer nur so gut wie sein letzter Kampf. Hast du das Gefühl, dass du dich bei UFC 185 erst wieder neu beweisen musst?
Um ehrlich zu sein, geht es für mich in diesem Kampf um mich selbst. Ich bin extrem enttäuscht über die Art und Weise, wie der letzte Kampf verlaufen ist. Das war an diesem Abend nicht der echte Ross Pearson. Ich will keine Ausreden suchen, Al Iaquinta hat mich fair und ohne Kontroverse besiegt. Aber in diesem nächsten Kampf will ich es mir selbst beweisen. Diese Dinge, die ich im letzten Trainingscamp falsch gemacht habe, die in diesem Kampf falsch gelaufen sind – all diese Dinge will ich für mich persönlich wieder richten.

Was konkret ist falsch gelaufen?
Alles. Vor dem Hintergrund, dass ich einen hochkarätigen Kampf in der UFC bestritten habe, ist wirklich nichts so gelaufen, wie es hätte müssen. Ich war mental unvorbereitet, ich war körperlich unvorbereitet, ich war emotional nicht bereit. Der Hunger und das Verlangen waren nicht da. Ich habe nicht mit den besten Kämpfern und den besten Coaches der Welt trainiert. Alles ist falsch gelaufen. Aber wie gesagt: Ich will damit nicht Al Iaquintas Leistung schmälern. Er hat den Ross Pearson völlig fair geschlagen, der an diesem Abend vor ihm stand. Ich will jetzt davon zurückkommen und zeigen, was der echte Ross Pearson drauf hat.

Wann hast du realisiert, dass du nicht in der richtigen Verfassung für diesen Kampf warst? Schon vorher, mittendrin oder erst im Nachhinein?
Eigentlich schon vor dem Kampf. Ich habe den Kampf mit relativ wenig Vorbereitungszeit angenommen, ungefähr fünf Wochen. Ich hatte gerade erst geheiratet. Nichts war wirklich fest, wir sind ständig hin und her durch die Welt gereist. Ich habe den Kampf hauptsächlich deshalb angenommen, weil er in Sydney stattgefunden hat und auch wegen des Geldes. Das waren die falschen Gründe. Ich habe nicht gekämpft, weil ich kämpfen wollte. Aus diesem Grund waren die Leidenschaft und der Wille nicht da. Das war das, was dieser Kampf mir gebracht hat: Er hat das Feuer wieder entfacht, das ich brauchte, um wieder zum alten Ross Pearson zu werden. Ich musste wieder die Dinge tun, die ich zuvor getan hatte. Ich musste mich durch die Hölle quälen, um bereit für die besten Kämpfer der Welt zu sein.

Als nächstes steht für dich ein Kampf gegen Sam Stout an. Dieser Name steht seit Jahren für wilde Schlachten. Würdest du dich mit ihm auf einen solchen Kampf einlassen oder geht es dir darum, um jeden Preis zu gewinnen?
Ich will nicht einfach nur gewinnen. Ich will auf beeindruckende Art und Weise gewinnen. Ich will, dass die Fans wieder wissen, wozu Ross Pearson wirklich in der Lage ist. Ich glaube, dass Sam Stouts Kampfstil perfekt für Ross Pearson ist. Seine Offensive ist wirklich gut, aber seine Defensive nicht. Ich denke, dass ich im Stand präziser bin und weniger Lücken in meiner Verteidigung habe. Ich gehe davon aus, die harten Treffer landen zu können, die ich brauche, um Sam auf die Bretter zu schicken.

Sam Stout hat zuletzt drei von fünf Kämpfen verloren und wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal glatt ausgeknockt. Glaubst du, dass er immer noch ein so gefährlicher Gegner ist wie vor einigen Jahren oder hat er seitdem bereits etwas abgebaut?
Ich glaube, dass ihn seine aktuelle Situation sogar gefährlicher macht. Er kämpft um seine Karriere, er kämpft für sich selbst und ich denke, dass er den Kampf aggressiv angehen wird. Ich stelle mich auf den besten Sam aller Zeiten ein. Ich gehe davon aus, dass er in der ersten Runde ordentlich Druck machen wird, also habe ich mich darauf vorbereitet. Ich bin in der Lage, den Kampf in genau diejenigen Situationen zu verlagern, in denen ich gewinnen werde.

Was wird dieser Kampf für dich karrieremäßig tun? Sowohl mit einem Sieg als auch im Falle einer Niederlage?
Ich muss eine Top-Ten-würdige Leistung abliefern, um mich in den Top Ten zu platzieren. Wenn ich diesen Kampf nur nach Punkten gewinne, wird mir das rein gar nichts bringen. Wenn ich allerdings spektakulär durch K.o. gewinne, wird mich das sofort zurück in die Ranglisten katapultieren. Das ist es also, was ich vorhabe: Ich werde da reingehen, den Kampf vorzeitig beenden und gleich zurück in die Top Ten stürmen.

Wenn alles glatt geht – wo siehst du dich in einem Jahr? Welche Ziele hast du und gibt es einen Zeitplan, in dem du sie erreichen willst?
Das Ziel ist immer das gleiche. Ich kämpfe in der UFC, weil ich den Titel gewinnen will. Ich will der Beste der Welt werden. Aber ich will mich auch weiterhin konstant verbessern, weiter beeindrucken und weiter die Fans mit richtigen Kämpfen unterhalten, weißt du? Egal, was passiert – Sieg, Niederlage oder Unentschieden – ich werde einen Kampf abliefern. Wenn ich ausgeknockt oder zur Aufgabe gebracht werde, dann ist das eben so, aber ich werde weitermachen. Ich bin ein Kämpfer – ich wurde so geboren, das ist meine Persönlichkeit. Ich werde niemals aufgeben. Ich bin immer gefährlich und ich will richtige Kämpfe für die Fans abliefern, die sie genießen können. Sie sollen wissen, dass ich da reingegangen bin und 110 Prozent gegeben habe.“

Du hast gut dokumentierte Verbindungen nach Australien. Im November wird die UFC zum ersten Mal in Melbourne veranstalten, aller Voraussicht nach wird es eine große Stadion-Show werden. Reizt dich die Vorstellung, dort zu kämpfen?
Diese Stadion-Shows sind die Events, auf denen man kämpfen will. Also ja, definitiv. Wenn die UFC mich dort auf das Programm setzen würde, wäre ich überwältigt. In Melbourne zu kämpfen, wäre eine tolle Chance. Aber lasst uns erstmal sehen, wie dieser Kampf ausgeht und wie sich meine Karriere das Jahr über weiterentwickelt. Ich will so viele Kämpfe bestreiten wie möglich, nicht nur zwei oder drei. Ich will vier oder fünf Mal kämpfen. Ich will in diesem Jahr beschäftigt und aktiv bleiben.“

Zu guter Letzt: Warum sollte man einschalten, wenn du am Samstag auf Sam Stout triffst?
Wenn ihr mich gerne kämpfen seht, dann solltet ihr diesen hier nicht verpassen, denn mein altes Selbst ist zurück. Ein zäher Brite, der einsteckt, um austeilen zu können. Der nicht aufhören wird, bevor er den Kampf beendet hat.“

Den Kampf zwischen Ross Pearson und Sam Stout könnt ihr in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Zuge von UFC 185 über den UFC Fight Pass verfolgen, der ab 5,99 monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.




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Ross Pearson: “My old self is back”
The hard-hitting Brit on rediscovering the fire ahead of UFC 185.

March 14th will mark a turning point for Ross “The Real Deal” Pearson (16-8-0(1)): Time and time again, the 30-year-old Brit has moved himself up in the rankings of the UFC’s ultra-competitive lightweight division but always got derailed just one step short of a major breakthrough. After one impressive Knockout victory, one highly controversial decision loss, one No Contest and one disappointing setback, “The Real Deal” plans on laying the foundation of a new winning streak at UFC 185. On the night’s preliminary card at American Airlines Center in Dallas, Texas he will meet Sam Stout, another durable veteran looking to get back on track.

We had a brief chat with him ahead of fight night:


Groundandpound: Hi Ross, how are you doing ahead of your fight and have you already travelled to the US?
Ross Pearson: „I’m doing good. We’re in San Diego, I’ve been out here for seven weeks of training camp. I’m here pretty much most of the year anyway and I might even settle down and potentially live out here for the rest of my life. We’ve got the gym, Alliance MMA. We’re family over here. Family, friends, gym – I’ve got everything that I need in San Diego.”

You’re in kind of a weird position in your career right now after the No Contest with Melvin Guillard and the controversial decision loss against Diego Sanchez. You could claim that you’ve only legitimately lost one fight since mid 2012 but at the same time, it would also be formally correct to say that you’ve only won one of your last four fights.
„Yeah, last year was a rollercoaster ride. I had some bad luck with the decision and the No Contest but I’ve also put on some good performances. I believe that I’m one of the best lightweights in the world when I’m getting the type of training I get here at Alliance with the right coaches and when I’m in the mental state that I’m in right now. Having my team supporting me, I can go into these fights just knowing that I can win. I’m a top ten fighter and with a few impressive finishes I think I can get right in the mix.” 

Did last year kind of feel like putting together the pieces of a puzzle? Could you take away something for the future during these wild months?
“Definitely, you’re always learning in this sport. If you stop doing that, you should retire. Listen, I’m a human being, I make mistakes and I learn from them. The one thing about me is that I’m a fighter, I’ll always come back and as for more. No matter if you knock me out, submit me, take me down. Whatever you do to me, I’ll always come back, you won’t make me quit. That’s just who I am – I take my losses like a man, I work harder in the gym and I come back with the performance of my life. Show the world the fighter that I am.”


MMA fans usually have a short-term-memory, you’re only as good as your last fight. Do you feel like you have to prove yourself once again at UFC 185?
“To be honest with you, it’s more personal this time, for myself. I’m so disappointed in the way this last fight went. That wasn’t the real Ross Pearson that night. I won’t make excuses, Al Iaquinta beat us fair and square. But in this fight, I want to prove it to myself. These things I did wrong in my last training camp, the things that went wrong in the fight – I want to make all these wrongs right and put on an impressive fight.”

What exactly went wrong?
„Everything went wrong. For fighting in the UFC, everything was wrong. Mentally, I wasn’t prepared. Physically, I wasn’t prepared. I wasn’t ready emotionally. The hunger and the desire weren’t there. I didn’t train with the best fighters in the world and the best coaches in the world. Everything went wrong but like I said, I don’t want to take anything away from Al Iaquinta. He beat the Ross Pearson that was in front of him that night, fair and square. I want to come back and show what the real Ross Pearson can do.”

When did you realize that something wasn’t right? Before the fight, during the fight or only in hindsight?
“No, it was basically before the fight. I took the fight kind of on short notice, around five weeks. I had just gotten married, everything was up in the air and we were travelling all around the world. I pretty much took the fight because I wanted to fight in Sydney and also the money is pretty nice when you fight and you win. I took the fight for the wrong reasons. I didn’t fight because I wanted to fight. That’s why the desire and the passion wasn’t there. The one thing that fight did was that it lit a fire underneath me to get myself back to being the old Ross Pearson and doing the things that I was doing before. Put myself through hell to get myself ready for the best fighters in the world.”

Next up for you is Sam Stout, who has made a name for himself over the years by getting into these wild brawls. Would you mind getting into that kind of fight with him or do you just want to get a win no matter what?
“I don’t just want to win. I want to win impressively. I want to the fans to know again what Ross Pearson can really do. I think Sam Sout’s style of fighting is perfect as an opponent for Ross Pearson. I think that his offense is really good but his defence is not. I think that I have the crisper striking and the tighter defence and that this will play a factor in this fight. I expect to land the big shots I need to put Sam away.”

He has lost three of his last five fights and most recently was knocked out for the first time. Do you feel like he is still as dangerous as he was a few years back or do you think that he might be on the decline a bit?
“I think it makes him more dangerous, the position that he’s in right now. I think he’s fighting for his career, I think he’s fighting for himself and I think that he’s going to come out hard. I expect Sam to be the best Sam he’s ever been. I expect him to bring the fight to me in the first round, so I’m prepared and I’m willing to take the fight anywhere it needs to go to win the fight.”

What will this fight do for your career, short-term? If you win and also in case of a loss?
“I’ll have to put on a top-ten performance to get myself inside the top ten. If I just win this fight by decision, it’s not going to do nothing for us. If I win this fight by impressive Knockout, it’s going to boost me right back up in the ranks. So that’s what I’m looking to do: I’ll go in there and get an impressive finish and get right back in the top ten in the world.”

Assuming everything goes well – which goals do you want to accomplish in your career and do you have a timeline to make it happen?
“The goal is always the same. I fight in the UFC because I want to get that belt, I want to be the best in the world. But I want to keep on improving and keep on impressing and I want to keep entertaining the fans with real fights, you know? No matter what happens – win, loose or draw – I’ll put on a fight. If I get knocked out, I get knocked out. If I get submitted, I get submitted but I’ll keep fighting. I’m a warrior – I’m born this way, this is the way I am and this is what I do. I’ll never give up and I’ll never quit. I’m always a dangerous fighter and I want to put on real fights for the fans that they’ll enjoy so they know that I came in and I gave 110 percent.”

You have well documented connections with Australia. In November, the UFC will hold their first event in Melbourne and it looks like it will be a huge stadium show. Would that be something that interests you?
“These stadium shows are the shows that you want to get on. So yeah, definitely, if the UFC wants to put me on that card I’d be overwhelmed. That would be an awesome opportunity to fight in Melbourne. But let’s see how this fight goes and how my career develops this year. I want to get in as many fights as I can this year, I don’t just want to have two or three fights, I want to have four or five. I want to stay really busy and active this year.”

Last but not least: Why should everyone tune in to watch your fight on Saturday?
“If you enjoy watching me fight then watch this one, because the old me is back. A hard-nosed brit that takes a shot to give a shot and who is not going to stop until he gets the finish.”