MMA

Rory MacDonald vs. Tarec Saffiedine bei UFC Halifax

Rory MacDonald und Tarec Saffiedine wollen am Samstag Ansprüche auf einen Titelkampf erheben (Foto: Zuffa LLC).

Zum dritten Mal gastiert die UFC momentan in Kanada, und für ihren ersten Event in Halifax, Nova Scotia hat die Organisation einen hochkarätigen Weltergewichtskampf aufgefahren, in dem sich der nächste Herausforderer auf den Titel manifestieren könnte.

Rory MacDonald stand vor einem knappen Jahr bereits kurz vor einem Titelkampf, verlor bei UFC 167 jedoch knapp gegen Robbie Lawler, der später an seiner Stelle die Chance auf den Gürtel bekam. Im zweiten Anlauf soll es daher nun funktionieren, auch der Belgier Tarec Saffiedine ist allerdings heiß auf den UFC-Gürtel. Ansprüche auf einen Titelkampf wird voraussichtlich auch der Sieger des Co-Hauptkampfes zwischen den Bantamgewichten Raphael Assuncao und Bryan Caraway erheben können, am Samstag könnte also einige Bewegung in diese beiden Gewichtsklassen kommen.

Die UFC Fight Night 54 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab monatlich 5,99 Euro auf ufc.tv erhältlich ist.

Rory MacDonald vs. Tarec Saffiedine
„Weit offen“ ist momentan wohl die beste Umschreibung für die Situation an der Spitze der Weltergewichtsklasse der UFC. Nachdem Langzeit-Champion Georges St-Pierre sich Ende des letzten Jahres in den potentiellen Ruhestand verabschiedet hat, gibt es eine ganze Reihe Kämpfer, die das Potential haben, sich seinen alten Gürtel zu sichern. Mit Johny Hendricks gibt es zwar bereits einen offiziellen Nachfolger, „Big Rigg“ sah zuletzt aber schlagbar aus und hat u.a. mit Robbie Lawler, Rory MacDonald, Hector Lombard, Gunnar Nelson und nicht zuletzt Tarec Saffiedine eine mörderische Schlange an Herausfordern vor sich.

In Halifax wird sich am Samstag entscheiden, ob Rory „Ares“ MacDonald (17-2) oder Tarec „Sponge“ Saffiedine (15-3) einen gewaltigen Schritt näher an Hendricks Thron rücken werden. Vor allem MacDonald, der in der offiziellen Ranglist momentan auf Nummer 2 steht, hätte mit einem weiteren Sieg beste Chancen, auf den Sieger des Rückkampfes zwischen Hendricks und Lawler zu treffen, die im Dezember bei UFC 181 kämpfen werden. Da die UFC für März 2015 eine Rückkehr in MacDonalds Wahlheimat Montreal plant, hätte man dafür auch schon direkt einen passenden Schauplatz – nach Siegen gegen BJ Penn, Jake Ellenberger, Demian Maia und Tyron Woodley könnte man einen Titelkampf vor heimischem Publikum definitiv rechtfertigen.

Dazu muss MacDonald am Samstag aber erst einmal an Tarec Saffiedine vorbei, was keine leichte Aufgabe ist. Der Belgier debütierte 2010 bei Strikeforce und sackte bis 2012 fünf Siege in sechs Kämpfen ein, was ihm einen Titelkampf gegen Nate Marquardt einbrachte. Im letzten Kampf in der Geschichte der Organisation gewann der haushohe Underdog den Strikeforce-Gürtel mit einer dominanten Punktentscheidung, an deren Ende Marquardts Bein nach einer endlosen Reihe an Lowkicks einem Dönerspieß ähnelte. Aufgrund von Verletzungen stand der Muay Thai-Spezialist seitdem lediglich ein Mal im Käfig, und zwar in seinem UFC-Debüt, das er im Januar gegen Hyun Gyu Lim gewann. Mit einem Sieg gegen einen hoch respektierten Namen wie MacDonald soll nun das nötige Momentum her, um sich auch in der UFC den Gürtel zu schnappen.

Raphael Assuncao vs. Bryan Caraway
Im Co-Hauptkampf des Abends könnte sich einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf einen Bantamgewichtstitelkampf herauskristallisieren. Raphael Assuncao (22-4) hätte eigentlich bereits im Mai auf Ex-Champion Renan Barao treffen sollen, konnte den Kampf wegen einer noch nicht verheilten Rippen-Verletzung jedoch nicht annehmen. Stattdessen nahm TJ Dillashaw seinen Platz ein. Mit wohlbekanntem Ergebnis – der haushohe Underdog nahm dem dominanten Champion seinen Gürtel ab, indem er ihn kurz vor Ende eines ziemlich einseitigen Kampfes auf die Bretter schickte.

Assuncao ist somit tatsächlich der einzige von Dillashaws bisherigen Gegnern, der ihn besiegen konnte. Die Punktentscheidung Ende 2013 war zwar alles andere als eindeutig, trotzdem hält der Brasilianer damit ein Ass im Ärmel, das er nun ausspielen will. Falls er sich gegen Bryan „Kid Lightning“ Caraway (19-6) seinen siebten Sieg in Folge holen kann, hat sich der 32-Jährige seine Titelchance tatsächlich mehr als verdient. Das heißt aber bekanntermaßen nicht, dass er den Kampf gegen Dillashaw auch sofort bekommen wird, denn mit Dominick Cruz ist erst Ende des letzten Monats der im Octagon noch ungeschlagene Ex-Champion aus seiner ewig langen Verletzungspause zurückgekehrt und wird vermutlich den nächsten Titelkampf bekommen – für Assuncao hieße es daher entweder warten oder noch mal kämpfen. 

Über solche Dinge sollte er sich momentan allerdings gar keine Gedanken machen, denn mit Caraway steht ihm ein nicht zu unterschätzender Test bevor. In der UFC konnte der 30-Jährige bisher vier von fünf Kämpfen gewinnen, wobei die Punktniederlage gegen Takeya Mizugaki aus dem Frühjahr 2013 äußerst knapp war. Die restlichen Kämpfe hat Caraway allesamt durch Aufgabe gewonnen – falls ihm das in Halifax auch gegen Assuncao gelingen sollte, könnte sich ein weiterer Kandidat ins heiß umkämpfte Titelrennen einmischen.

Chad Laprise vs. Yosdenis Cedeno
Im Leichtgewicht wird der Weltergewichts-Sieger von „The Ultimate Fighter: Nations” zum ersten Mal seit Abschluss der Staffel ins Octagon zurückkehren. Chad „The Disciple“ Laprise (8-0) ist aus der Reality-Serie neben seinem tiefen Glauben – tatsächlich will er nach seinem Karriereende eine Kirche mit eingebautem MMA-Gym eröffnen – vor allem für seine Expertise im Standkampf in Erinnerung geblieben. Der Knockout gegen Teamkollege Kajan Johnson, der für letzteren mit einem gebrochenen Kiefer im Krankenhaus endete, spricht Bände über die Gefahr, die der 28-Jährige auf den Beinen ausstrahlt. Mit einem weiteren Knockout gegen Yosdenis „Pink Panther“ Cedenos (10-3) will Laprise seine K.o.-Quote am Samstag nun auf über 50 Prozent hieven.

Der Kubaner dagegen hat andere Pläne. Nach einer knappen Punktniederlage in seinem UFC-Debüt kehrte der 29-Jährige im Juli wieder auf die Siegerstraße zurück, indem er Jerrod Sanders besiegte. Zuvor hatte der „Pink Panther“ bereits sechs Gegner am Stück abgefertigt, wodurch er mit einer Menge Momentum in diesen Kampf gehen dürfte.

Elias Theodorou vs. Bruno Santos
Auch der TUF: Nations-Sieger im Mittelgewicht wird am Samstag wieder im Octagon zu sehen sein. Elias „The Spartan“ Theodorou (9-0) mag auf den ersten Blick wie jemand wirken, dem seine Haarpracht wichtiger als alles andere ist, tatsächlich ist er aber vor allem ein sehr talentierter MMA-Kämpfer. Eine ungeschlagene Bilanz mit neun Erfolgen am Stück spricht Bände für den Mann aus Toronto, der dieses Resümee am Wochenende gegen Bruno „Carioca“ Santos (14-1) aufs Spiel setzen wird.

Santos verlor sein UFC-Debüt im Dezember nach 13 Siegen in Folge gegen Krzysztof Jotko, kehrte im Juli jedoch mit einem Punktsieg gegen Chris Camozzi auf die Siegerstraße zurück. Nach zwölf Punktentscheidungen am Stück soll nun zum ersten Mal seit 2008 wieder ein vorzeitiger Sieg her, ein ähnliches Ziel verfolgt jedoch auch Theodorou, der sich mit einem weiteren Erfolg einen Namen in der UFC machen will.

Nordine Taleb vs. Jingliang Li
Im Weltergewicht wird der Frankokanadier Nordine Taleb (9-2) versuchen, gegen den Chinesen Jingliang „The Leech“ Li (9-2) seinen zweiten UFC-Sieg einzufahren. Taleb debütierte nach semi-erfolgreichen Anläufen sowohl bei TUF: Nations als auch bei TUF 19 im April in der UFC und konnte dort Vik Grujic einstimmig nach Punkten schlagen. Nun soll der Weg des für das Weltergewicht extrem stark gebauten Taleb an die Spitze gegen Jingliang Li fortgesetzt werden.

Auch „The Leech“ will allerdings in Halifax seinen zweiten UFC-Sieg einfahren, nachdem er im Mai bereits in Las Vegas David Michaud nach Punkten bezwingen konnte. Nach zuletzt drei Punktentscheidungen in seinen letzten vier Kämpfen soll gegen den Lokalfavoriten Taleb nun wieder ein vorzeitiger Sieg her.

Mitch Gagnon vs. Roman Salazar
Im ersten Kampf des Hauptprogramms hätte Mitch Gagnon (11-2) eigentlich auf Aljamain Sterling treffen sollen, der sich jedoch verletzte, anschließend von Rob Font ersetzt wurde, der sich allerdings ebenfalls verletzte. Letztlich sprang auf diese Weise Roman „El Gallito“ Salazar (9-2) ein, der in Halifax extrem kurzfristig sein UFC-Debüt geben wird.

Gagnon, der aufgrund von Visa-Problemen bislang lediglich in Kanada für die UFC antreten kann, hat jedoch das Beste aus dieser Einschränkung gemacht, indem er drei von vier Kämpfen im Octagon für sich entschieden hat. Nach einer Aufgabe-Niederlage gegen Bryan Caraway in seinem Debüt schlug er Walel Watson und Dustin Kimura vorzeitig, bevor im April eine einstimmige Punktentscheidung gegen Tim Gorman folgte.

Roman Salazar dagegen hat erst vor knapp zwei Wochen zum letzten Mal gekämpft und gegen Jose Carbajal seinen vierten Sieg in Folge eingefahren. Mit lediglich zwei Niederlagen in elf Kämpfen und drei Mal so vielen vorzeitigen Siegen wie Punktentscheidungen hätte der 26-Jährige aus Arizona vermutlich früher oder später sowieso seinen Weg in die UFC gefunden, nun bekommt er die Chance aber doch etwas früher als erwartet und unter verschärften Umständen.

Vorprogramm
Auf den letzten Kampf des Vorprogramms sollte man ein Auge haben, denn mit Daron „Detroit Superstar“ Cruickshank (15-5) und Anthony „The Assassin“ Njokuani (16-8) werden im Leichtgewicht zwei Standspezialisten aufeinandertreffen, die jeweils aus einer Niederlage kommen und damit hoch motiviert in dieses Duell gehen dürften.

Während Cruickshank zu Beginn dieses Jahres zunächst Mike Rio und Erik Koch jeweils mit einem Headkick auf die Bretter gehen ließ, wurde das Momentum des Taekwondo-Spezialisten im Sommer durch Jorge Masvidal gestoppt. Njokuani dagegen hat in seiner mittlerweile dreieinhalb Jahre andauernden UFC-Karriere stets einen Kampf gewonnen und seinen nächsten verloren – nach diesem Schema müsste der Thaibox-Experte am Samstag wieder gewinnen, nachdem er im Mai eine Punktentscheidung an Vinc Pichel abgegeben hat.

Was die beiden zu ihrem Duell zu sagen hatten und warum man unbedingt einschalten sollte, haben sie uns in exklusiven Interviews verraten, die ihr hier und hier nachlesen könnt.

Zuvor wird mit Olivier Aubin-Mercier (4-1) ein junger Kanadier ins Octagon steigen, dem das Potential nachgesagt wird, der nächste Georges St-Pierre zu werden. Obwohl er mit einem starken Judo-Hintergrund, einem scheinbar unaufhaltsamen Rear Naked Choke und einem unverwechselbar frankokanadischem Akzent definitiv so einige Voraussetzungen mitbringt, hakt es für den 25-Jährigen noch im Stand, was ihm im April gegen Teamkollege Chad Laprise zum Verhängnis wurde, der ihn im Finale der TUF: Nations-Staffel nach Punkten schlug. Gegen Jake „The Librarian“ Lindsey (9-1) soll es nun daher wieder zurück auf Spur gehen. Der Amerikaner gab sein UFC-Debüt im vergangenen Juni, klopfte jedoch in der dritten Runde unter Jon Tucks Groundandpound ab. Zuvor konnte Lindsey dagegen neun Kämpfe hintereinander gewinnen, sieben davon durch Aufgabe oder (T.)K.o.

Mit Jason Saggo (10-1) wird in Halifax ein weiterer Kanadier ins Octagon steigen, der einiges an Potential bewiesen hat. Der in Prince Edwards Island lebende 28-Jährige hat kein bekanntes Team hinter sich, konnte bisher aber neun seiner zehn Kämpfe in der regionalen Szene sowie sein UFC-Debüt gewinnen. Josh Shockley ließ er dabei im Juni kaum eine Chance und bezwang ihn drei Sekunden vor Ende der ersten Runde durch technischen Knockout. Am Samstag wird er mit Paul „The Irish Dragon“ Felder (8-0) allerdings auf einen weiteren Kämpfer treffen, dem Niederlagen bisher wenig geläufig sind. Tatsächlich hat Felder jeden seiner Profi-Kämpfe gewonnen, die meisten davon vorzeitig und den letzten mit einem spektakulären Spinning Heel Kick gegen Craig Johnson.

Patrick „The Hooligan“ Holohan (10-0-1) hätte nach seinem spektakulären Erstrundensieg gegen Josh Sampo bei UFC Dublin im Juli eigentlich auf den etablierten Louis Gaudinot treffen sollen, der sich jedoch verletzte und kurzfristig ersetzt werden musste. Aufgrund der knappen Zeit kam dazu nur noch jemand aus der Gegend in Frage, und so wird Chris Kelades (7-1) am Wochenende ein kleines Stückchen Geschichte schreiben, wenn er als erstes kanadisches Fliegengewicht der UFC in deren Octagon steigen wird. Langfristig wird der 33-Jährige aus Nova Scotia jedoch höhere Ziele als derartige Statistiken haben, immerhin wird er mit nur einer Niederlage aus acht Kämpfen in der Organisation debütieren.

Im Weltergewicht werden zuvor Albert „Einstein“ Tumenov (13-2) und Matt Dwyer (7-1) aufeinandertreffen. Der erst 22-jährige Tumenov setzte sein UFC-Debüt im Februar gegen Ildemar Alcantara in den Sand, kehrte jedoch im Mai mit einem Erstrunden-K.o. gegen Anthony Lapsley zurück und will am Samstag den zehnten Sieg auf diese Weise einfahren. Der mit 24 Jahren ebenfalls noch sehr junge Matt Dwyer hat allerdings keinerlei Absichten, sich sein UFC-Debüt versalzen zu lassen, in das er mit fünf (T.)K.o.-Siegen im Rücken gehen wird. In Anbetracht der Tatsache, dass 15 von 23 Kämpfen der beiden mit einem Knockout geendet haben, sollte man den Bildschirm während dieses Duells zu keinem Zeitpunkt aus den Augen lassen.

Im ersten Kampf des Abends wird mit Pedro „The Young Punisher“ Munoz (11-1) ein vielversprechendes Talent im Bantamgewicht in den Käfig zurückkehren. Der Brasilianer debütierte im Februar ungeschlagen als kurzfristiger Ersatz gegen Raphael Assuncao im Octagon, musste sich jedoch nach Punkten geschlagen geben. Im Mai kehrte er dafür mit einem Erstrundensieg gegen Matt Hobar ins Octagon zurück und will dort nun Sieg Nummer zwei holen. Am Samstag wird Jerrod „J-Reazie“ Sanders (14-2) auf ihn warten, der sein UFC-Debüt im Juli gegen Yosdenis Cedeno verlor und damit seine Siegesserie von zwölf Erfolgen am Stück beendete.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 54: MacDonald vs. Saffiedine
Samstag, 4. Oktober 2014
Scotiabank Centre in Halifax, Nova Scotia, Kanada

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Rory MacDonald vs. Tarec Saffiedine
Raphael Assuncao vs. Bryan Caraway
Chad Laprise vs. Yosdenis Cedeno
Elias Theodorou vs. Bruno Santos
Nordine Taleb vs. Jingliang Li
Mitch Gagnon vs. Roman Salazar

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Daron Cruickshak vs. Anthony Njokuani
Olivier Aubin Mercier vs. Jake Lindsey
Jason Saggo vs. Paul Felder
Patrick Holohan vs. Chris Kelades
Albert Tumenov vs. Matt Dwyer
Pedro Munhoz vs. Jerrod Sanders