MMA

Respect.FC International Amateur Championships 2013

Respect.FC International Amateur Championships 2013

Nach dem Erfolg der nationalen Amateurgala vom Dezember 2012 startete Respect.FC am gestrigen Samstag die internationale Variante. Teams aus sechs Ländern schickten ihre Starter ins Rennen und bewiesen mit ihren Leistungen, dass der Amateursport, oft noch ein ungeliebtes Kind in den Mixed Martial Arts, eine sehr solide Basis hat. Die Finalkämpfe fanden im Vorprogramm der Ruhr Fighting Championship statt, die gestern ihr Debüt feierte.

Tag der Überraschung: -60kg Frauen

„Och herm, wie süß!“, mag so mancher gedacht haben, als Aitek Emadi vom Combat Club Cologne den Ring erstmalig betrat. Klein, schmächtig, schüchtern, eine „Kämpferin“ stellt man – speziell „Mann“ - sich anders vor. Im Ring strafte sie alle Kritiker Lügen und traf ihre Gegnerin Isabelle van den Ouderaa mit derart harten und präzisen rechten Konterhaken, dass einem Angst und Bange wurde. Der Punktsieg war sicher. Das Publikum begeistert – und verblüfft.

Van den Ouderaa trat im Halbfinale erneut an und siegte gegen Marina Dormans mit einer Energieleistung nach Punkten. So kam es im Finale zum erneuten Showdown. Emadi ließ aber nichts anbrennen und crosste, sprawlte und kniete sich den Weg zum ungefährdeten Punktsieg und Amateurtitel. Beurteilt eine Kämpferin nie nach ihrem Äußeren. Eine längst überfällige Lektion gelernt.

Der schmale Grat zwischen Granate und Gräte: -65kg

Dass man russisch-stämmige Kämpfer vom Combat Club Cologne nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, ist spätestens seit den Erfolgen von Abus Magomedov kein Geheimnis mehr. Mansour Samsuradov, jung, dürr aber grätig-austrainiert bis in die letzte Faser, ist die neue Generation dieser Erkenntnis.

Drei Kämpfe, drei Submissions, darunter zwei gegen deutsche Topteams, Planet Eater und Alligator Rodeo Team, sprechen eine deutliche Sprache. Im Finale bezwang er sein etwas bärtigeres Look-a-Like Ayton de Paepe aus Belgien, der brillant im Halbfinale gekämpft hat, ohne Probleme. Nur 40 Sekunden brauchte Granate Samsuradov, um dem Combat Club Cologne den zweiten Titel des Abends zu sichern.

Drehtritt, Teil 1: Rainer Benjatschek (r.) gegen Charlie Wegener. (Alle Fotos via: Valentino Kerkhof)

Scheck gelöst: -70kg

Ob es am langen Rückweg gelegen hat, dass Michael Deiga-Scheck in seinen Kämpfen kurzen Prozess machte, ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass der Münchner sowohl Sinan Tataroglu als auch dem bärenstarken Norweger Kamil Podlaszewski keine Chance ließ. Im Finale setzte Deiga-Scheck mit seinem 22-Sekunden-Fußhebel den Bestwert für die schnellste Submission des Abends.

Und das mit der Hose! -75kg

Geschätzte 1,95 Meter Größe waren ein Faustpfand für den Norweger Joachim Tollefsen auf dem Weg zum Titel. Im Stand waren seine Reichweite und harten Lowkicks kaum zu knacken, während der Mann mit der uralten, zerfransten Thaiboxhose sich am Boden mit seinen langen Beinen ebenfalls als Gefahr entpuppte. Im Finale stoppte er Mario Pautz, der ihn schön zu Boden gebracht und kontrolliert hatte, mit einem Triangle Choke.

Adel verpflichtet: -82kg

„Und dat is der Adlige?“, erkundete sich ein Ruhrpott-Original, als Tobias Meyer zu Westram den Ring betrat. Adel hin oder her, Meyer trainiert bei Sparta Essen und zeigte gestern Abend, dass ihm Kämpfen mehr liegt als Kaviar. Sein Finalticket löste das sowohl am Boden als auch im Stand souverän kämpfende Kraftpaket gegen Charlie Wegener mit einer Submission 13 Sekunden vor Ende denkbar knapp.

Dort stand ihm der niederländische Gracie-Jiu-Jitsu-Stylist Sebastiaan Mook gegenüber, der in seinen Kämpfen den Gegnern mit seinem starken Guard Game den Zahn gezogen hatte. Meyer benötigte eine Runde Zeit, um sich auf das unorthodoxe, aber gefährliche Striking Mooks einzustellen, gab dann aber Gas. Ein schöner Superman-Punch hier, ein wuchtiger Haken da. 37 Sekunden in Runde drei stoppte der Ringrichter den Kampf. Sparta Essen sicherte sich damit nach Karl Höffkes' Triumph vom Dezember den zweiten Amateurtitel.

Zu früh gefreut: -90kg

Nur zwei Starter in der Klasse bis 90 Kilogramm. Nur zwei! Die Enttäuschung war groß, doch wurde sie von der Schlacht zwischen dem Polen Patryk Nowak und dem Niederländer Andy Peters kompensiert. Der deutlich kleinere Nowak ging geduckt mit Doppeldeckung nach vorn und ließ Peters' Kombinationen ins Niemannsland laufen. Wuchtige Haken – ein Knockdown in Runde zwei inklusive – und starke Takedowns sicherten ihm einen komfortablen Vorsprung bis Ende der zweiten Runde.

Der Freudensalto im Ring kam aber zu früh. Nowak musste noch eine Runde kämpfen. Und Peters hatte keine Lust, sich vorführen zu lassen. Er trieb den um Luft ringenden Polen mit knackigen Kombinationen und drei aufeinanderfolgenden Lebertritten vor sich her, wurde aber von Nowak gegen Ende der Runde zu Boden gebracht. Peters' Aufholjagd kam zu spät. Nowak gewann den packenden Kampf via Split Decision.

Drehtritt, Teil 2: Damian Thomann (l.) gegen Gergely Toth.

Tradition verpflichtet: +100kg

Wie schon im Dezember zeigte sich auch gestern, dass es im Schwergewicht gerne krachend endet. War im letzten Jahr noch Martin Pierscinski der alles ausknockende Koloss, schlug gestern die Stunde von Damian Thomann. Im Halbfinale zerlegte er Gergely Toth, den mit 135 Kilogramm schwersten Kämpfer der Respect-Geschichte, nach Hin und Her in zwei Minuten.

Im Finale sorgte Thomann dann für den Paukenschlag. Ein einziger Schlag genügte, um den niederländischen Hünen Ymco Brijker nach 13 Sekunden in den Ringstaub zu schicken. Das Publikum tobte. Das Schwergewicht ist und bleibt die Königsklasse des Kampfsports. Für das Team X-Fight unter Ronny Egermann war es wie bei Les Herdens Spartanern ebenfalls der zweite Amateurtitel.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

Respect.FC International Amateur Championships 2013
29. Juni 2013
Sprockhövel

-60kg Frauen Viertelfinale

Aitek Emadi (DE) bes. Isabell van den Ouderaa (NL) einstimmig nach Punkten (3-0)

-60kg Frauen Halbfinale

Isabelle van den Ouderaa (NL) bes. Marian Dormans (NL) einstimmig nach Punkten (3-0)

-60kg Frauen Finale

Aitek Emadi (DE) bes. Isabell van den Ouderaa (NL) einstimmig nach Punkten (3-0)

-65kg Viertelfinale

Mansour Samsuradov (DE) bes. Alexander Garschin (DE) via Armbar nach 1:06 in Runde 1
Urs Geßler (DE) bes. Semir Piric (DE) via Guillotine Choke nach 4:00 in Runde 1

-65kg Halbfinale

Mansour Samsuradov (DE) bes. Urs Geßler (DE) via Guillotine Choke nach 0:24 in Runde 1
Ayton De Paepe (BE) bes. Eirik Ottesen (NO) geteilt nach Punkten (2-1)

-65kg Finale

Mansour Samsuradov (DE) bes. Ayton De Paepe (BE) via Triangle Choke nach 0:40 in Runde 1

-70kg Viertelfinale

Sinan Tataroglu (DE) bes. Awat Seuki (DE) einstimmig nach Punkten (3-0)
Kamil Podlaszewski (NO) bes. Tolga Özgün (DE) geteilt nach Punkten (2-1)
Elwin Teymurov (NL) bes. Zakaria El Harras (BE) via Guillotine Choke nach 0:42 in Runde 1

-70kg Halbfinale

Michael Deiga-Scheck (DE) bes. Sinan Tataroglu (DE) via Guillotine Choke nach 2:43 in Runde 1
Kamil Podlaszewski (NO) bes. Elwin Teymurov (NL) einstimmig nach Punkten (3-0)

-70kg Finale

Michael Deiga-Scheck (DE) bes. Kamil Podlaszewski (NO) via Foot Lock nach 0:22 in Runde 1

-75kg Achtelfinale

Marcel Reitz (DE) bes. Alexander Poppeck (DE) einstimmig nach Punkten (3-0)
Joachim Tollefsen (NO) bes. Egor Navornov (BE) via Rear Naked Choke nach 2:04 in Runde 1
Bart Santing (NL) bes. Nepomuk Minarek (DE) geteilt nach Punkten (2-1)
Simon Thode (NL) bes. Erik Schröders (NL) via Guillotine Choke nach 2:02 in Runde 1

-75kg Viertelfinale

Mario Pautz (DE) bes. Lukasz Zielonka (DE) einstimmig nach Punkten (3-0)
Mehmet Nurioglu (DE) bes. Patrick Ambroziak (DE) einstimmig nach Punkten (3-0)
Joachim Tollefsen (NO) bes. Marcel Reitz (DE) via Triangle Choke nach 2:17 in Runde 1
Simon Thode (NL) bes. Bart Santing (NL) via K.o. (Uppercut) nach 3:10 in Runde 1

-75kg Halbfinale

Joachim Tollefsen (NO) bes. Simon Thode (NL) einstimmig nach Punkten (3-0)

-75kg Finale

Joachim Tollefsen (NO) bes. Mario Pautz (DE) via Triangle Choke nach 2:27 in Runde 1

-82kg Achtelfinale

Christof Bergner (DE) bes. Rob Heidenrijk (NL) einstimmig nach Punkten (3-0)
Theo Liontos (DE) bes. Ivan Milardovic (DE) geteilt nach Punkten (2-1)
Charlie Wegener (DE) bes. Rainer Benjatschek (DE) geteilt nach Punkten (2-1)
Mariusz Andrukaitis (PL) bes. Dennis M. Weber (US) via Side Choke nach 3:57 in Runde 1
Jan Quayehaeghens (BE) bes. Rae Peterson (NL) via Triangle Choke nach 2:24 in Runde 1

-82kg Viertelfinale

Tobias Meyer zu Westram (DE) bes. Christof Bergner (DE) einstimmig nach Punkten (3-0)
Charlie Wegener (DE) bes. Theo Liontos (DE) via Rear Naked Choke nach 2:55 in Runde 1
Jan Quayehaeghens (BE) bes. Mariusz Andrukaitis (PL) via Rear Naked Choke nach 4:30 in Runde 1
Sebastian Mook (NL) bes. Ian Bachus (NL) via Rear Naked Choke nach 4:50 in Runde 1

-82kg Halbfinale

Tobias Meyer zu Westram (DE) bes. Charlie Wegener (DE) via Guillotine Choke nach 4:47 in Runde 1
Sebastian Mook (NL) bes. Jan Quayehaeghens (BE) via Triangle Choke nach 3:26 in Runde 1

-82kg Finale

Tobias Meyer zu Westram (DE) bes. Sebastian Mook (DE) via T.K.o. (Ref Stoppage) nach 0:37 in Runde 3

-90kg Finale

Patryk Nowak (PL) bes. Andy Peters (NL) geteilt nach Punkten (2-1)

+100kg Halbfinale

Damian Thomann (DE) bes. Gergely Toth (DE) via T.K.o. (Ref Stoppage) nach 2:20 in Runde 1
Ymco Brijker (NL) bes. Filip Brdaric (DE) einstimmig nach Punkten (3-0)

+100kg Finale

Damian Thomann (DE) bes. Ymco Brijker (NL) via K.o. (Punch) nach 0:13 in Runde 1