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Reif für das Gold?

Demian trifft im April auf Champion Anderson Silva. Hat er eine Chance?

UFC Matchmaker Joe Silva beneidet sicher niemand um seinen Job. Sicher, er hat tagein tagaus mit den größten Stars des MMA-Sports zu tun, ist verantwortlich für unzählige legendäre Kämpfe, produziert Klassiker dieses Sports. Doch die Kehrseite der Medaille besteht aus kurzfristigen Kampfabsagen, verletzten Sportlern und mittleren Katastrophen, wie Rampages Amokfahrt im Sommer 2008. Dann heißt es für Silva: „Ran an die Buletten!“ Auch wenn das Handy mitten in der Nacht klingelt, Silva muss in kürzester Zeit Höchstleistungen vollbringen.

Besonders kritisch wird es für die UFC – und damit auch für Silva – wenn ein Kämpfer ausfällt, der für einen zukünftigen UFC-Hauptkampf vorgesehen ist. Reichen Kerle wie Brock Lesnar, GSP oder Rampage Jackson ihren Krankenschein ein, befindet sich der Matchmaker am Rande einer Herzattacke. So geschehen sicher auch vor wenigen Tagen, als Vitor Belfort über seinen Manager Fabiano Farah verkünden ließ, er müsse sich einer Schulteroperation unterziehen und könne daher nicht am 10. April, beim Abu Dhabi-Debüt der UFC, gegen Mittelgewichtskingpin Anderson Silva antreten. Ein Riesenfight – der erste seit langem, in dem ein glaubwürdiger Titelherausforderer mit der Spinne im Achteck steht – ist geplatzt.

Der wenige Tage zuvor bestimmte Herausforderer Nummer eins, Team Quest Haudegen Chael Sonnen, leckt sich bis dahin noch die Wunden aus seiner Schlacht gegen Nate Marquardt. Was also tun, um den Scheichs einen ernsthaften Mittelgewichtstitelkampf bieten zu können? Ganz einfach: Man bedient sich der guten alten Striker vs. Grappler-Nummer und stellt den besten Muay Thai-Striker der Liga gegen den größten BJJ-Spezialisten. Heraus kommt etwas wie Anderson Silva vs. Demian Maia – doch ist Maia schon bereit für einen Titel?

Die Mehrheit der Fans ist mehr als unzufrieden mit dieser Ansetzung. Und das ist verständlich. Belfort, der sich momentan auf einem Allzeithoch befindet, ist der erste Fighter seit langem, der Silva gefährlich werden könnte, sogar in einem Standduell. Nun erwartet die Zuschauer das typische Striker vs. Grappler-Szenario. Wie „spannend“ das sein kann, vor allem wenn Anderson Silva in dieses Spielchen involviert ist, bewies die Titelverteidigung gegen Thales Leites. Doch wenden wir uns der Frage zu, mit der sich dieser Artikel eigentlich befassen soll. Von der Attraktivität des Kampfes einmal ganz abgesehen: Kann ein Demian Maia Anderson Silva schlagen?

Die Vergangenheit  hat gezeigt, dass der Grappling-Spezialist unter Umständen Probleme mit Strikern haben könnte. Seine ungetrübte UFC-Bilanz konnte er an den Nagel hängen, nachdem Nate Marquardt ihn in nur 21 Sekunden bewusstlos schlug. Vielerorts hörte man Gerede über Glück und einen Lucky Punch, doch wer ehrlich zu sich selbst ist, der muss zugeben, dass Maias Fähigkeiten im Standkampf limitiert sind. Mit seinem Punktsieg gegen Dan Miller fand er wieder auf den Weg des Erfolges zurück und legitimierte sich – unfassbar – somit für eine Titelchance. Gegen den deutlich überforderten Miller probierte er sich mehr und mehr im Schlagen und Treten aus, daher wohl auch kein schneller Submissionsieg. Kommentator Joe Rogan kam dabei nicht umhin, den Zuschauern einzuschärfen, wie offensichtlich Maias Verbesserungen im Stand waren. Da mag er recht haben. Doch wir sprechen hier von einem Kampf gegen Anderson Silva, einem der besten Thaiboxer im MMA-Sport.

Aber richtig, wir befinden uns im MMA, einem Sport, in dem alles passieren kann. Welche unglaublichen Upsets es allein in den letzten Jahren gegeben hat, muss an dieser Stelle nicht aufgezählt werden und würde den Rahmen wahrscheinlich auch sprengen. Nehmen wir an, Maia gelingt das undenkbare und er submittet die Spinne oder schlägt sie gar KO (wir erinnern uns: sein Muay-Thai verbessert sich täglich). Was dann? Ist das BJJ-Wunder reif für einen Titel in der größten MMA-Promotion auf dem Planeten?

Wer würde denn als Herausforderer warten? Da wäre zunächst einmal Chael Sonnen, der Maia-Knockouter Nate Marquardt bei UFC 109: Relentless nach Strich und Faden vermöbelt hat. Da wäre Marquardt selbst, dessen 21 Sekunden-Powerpunch für einen Titelkampf, gegen den Grappler aus São Paulo, Reputation genug sein dürfte. Vor allem beim teils undurchsichtigen System der UFC, was Ranglisten und die Verteilung von Titelkämpfen angeht. Bisping, Akiyama und Okami sind keine würdigen Herausforderer und verkaufen, mit Demian Maia im Main Event, in den USA auch kein einziges Pay-Per-View. Wanderlei Silva schon, doch der ist Maias Trainer. Wer bleibt dann noch als schlagbarer Herausforderer übrig?

Ach ja, Georges St. Pierre denkt ja bereits über einen Wechsel ins Mittelgewicht nach. Na dann…