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Pickett, Guillard, Garcia u.v.a. steigen vor Silvester in den Käfig

Brad Pickett blickt auf den dritten Sieg in Folge. (Foto: Dorian Szücs/GroundandPound)

Wie in jedem Jahr, wird auch das vermeintliche Schicksalsjahr 2012 von der UFC in Las Vegas mit einem großen Actionfeuerwerk verabschiedet. Doch nicht nur das Hauptprogramm von UFC 155 sieht zumindest auf dem Papier sehr vielversprechend aus - auch für das Vorprogramm haben sich vierzehn Kämpfer gefunden, die bereit waren, auf sämtliche (Vor-) Weihnachtsschmäuse zu verzichten, um sich kurz vor dem Jahreswechsel mit einem anderen Mann in einem Käfig zu prügeln.

Wie üblich, werden die Vorkämpfe zum Teil auf ufc.tv und zum Teil auf der offiziellen Facebook-Präsenz der UFC übertragen. Zuschauer aus Deutschland können das gesamte Programm natürlich wieder kostenlos verfolgen.

Brad Pickett vs. Eddie Wineland
Die Tatsache, dass diese beiden Bantamgewichtler zuletzt auf dem Hauptprogramm überzeugend durch K.o. gewonnen haben und sich hier nun trotzdem in den Vorkämpfen wiederfinden, zeigt bereits die Klasse des bevorstehenden Events: Mit Brad „One Punch“ Pickett (22-6) und Eddie Wineland (19-8-1) haben Joe Silva und co. zumindest auf dem Papier eine sehr gelungene Einstimmung auf die fünf danach stattfindenden Hauptkämpfe sichergestellt.

Pickett kam nach einer illustren Karriere in der WEC im November 2011 in die UFC. Gegen den aktuellen Interimschampion Renan Barao hätte der Kampf bei UFC 138 in Picketts Heimatland der perfekte Einstieg für den begeisterten Boxer sein können. Barao schickte Pickett allerdings mit einem Kniestoß und einem daraus resultierenden Rear Naked Choke nach wenigen Minuten bereits als Verlierer zurück in die Umkleide. Nach dieser herben Enttäuschung durfte Pickett sich von seinen nicht ganz unberechtigten Titelambitionen fürs erste verabschieden - ein Aufgabesieg gegen Damacio Page und ein böser Uppercut, der im September Yves Jabouin auf die Bretter schickte, brachten „One Punch“ allerdings schnell wieder dahin zurück, wo er sich selbst sieht – in die brandheißen Regionen im Ranking der Bantamgewichtsklasse. An diesem Wochenende wird Pickett die Chance auf einen gelungenen Abschluss des Jahres bekommen und dabei zum ersten Mal seit seinen WEC-Tagen wieder in den USA ins Octagon steigen. 

Dort wird dann bereits Eddie Wineland auf ihn warten. Wineland kommt ebenfalls aus der WEC, wo er sich mit einem Headkick-K.o. gegen Antonio Banuelos im Jahr 2006 sogar den Titelgürtel sichern konnte. Wie Pickett, zog allerdings auch Wineland in seinem UFC-Debüt den Kürzeren, das mit einem Co-Hauptkampf gegen Urijah Faber bei UFC 128 ebenfalls kein leichtes war. Wineland verlor allerdings auch seinen nächsten Kampf, und stand damit im Juni gegen Scott Jorgensen mit dem Rücken zur Wand. Von vielen Beobachtern bereits im Vorfeld für chancenlos erklärt, strafte Wineland allerdings alle seine Kritiker Lügen, indem er Jorgensen als erster Kämpfer überhaupt K.o. schlug – eine beeindruckende Leistung, die ihm diese Möglichkeit auf einen weiteren wichtigen Sieg im Jahr 2012 eingebracht hat. Falls er sie nutzen kann, dürfte das seine beiden Misserfolge aus dem nun schon beinahe vorletzten Jahr mehr oder weniger vergessen machen und Wineland ein halbes Jahr nach seiner Beinahe-Entlassung wieder in den oberen Regionen der Gewichtsklasse positionieren.

Erik Perez vs. Byron Bloodworth
Bantamgewichtler Erik Perez (12-4) debütierte im Mai in der UFC, wo er John Albert in der ersten Runde zur Aufgabe zwingen konnte, allerdings auch etwas Kontroverse verursachte, da Albert vehement behauptete, nicht abgeklopft zu haben . Eventuelle Zweifler brachte Perez dafür im August zum Schweigen, als er Ken Stone in 17 Sekunden bewusstlos schlug. Mit einem Sieg am Samstag kann der quirlige Mexikaner seine Präsenz weiter ausbauen und einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung innerhalb der noch recht dünn besetzten Gewichtsklasse gehen.

Byron Bloodworth (6-2) debütierte mit einer 6-1-Statistik im Rücken bei der inzwischen eingestellten UFC on Versus-Eventreihe gegen Mike Easton in der UFC, verlor allerdings in der zweiten Runde durch T.K.o. Dieser Kampf fand im Oktober 2011 statt, und seitdem war Bloodworth verletzungsbedingt nicht mehr im Octagon zu sehen.

Melvin Guillard vs. Jamie Varner
Eigentlich hätte dieser Kampf bereits seit etwa zwei Wochen Vergangenheit sein sollen, eine Erkrankung Varners am Tag des Kampfes sorgte während des Finales der letzten „Ultimate Fighter“-Staffel allerdings dafür, dass diese Begegnung um 14 Tage nach hinten verschoben werden musste.

Melvin „The Young Assassin“ Guillard (30-11-2(1)) war schon immer einer der talentiertesten Kämpfer in der UFC und konnte durch diese Gabe zahllose Kämpfe gewinnen, einige andere Dinge standen ihm aber stets im Weg, wenn er versuchte, es bis ganz nach oben zu schaffen. Egal ob Probleme mit seiner Disziplin im Training, durchzechte Nächte oder seine suspekten Fähigkeiten am Boden – irgendetwas wurde Guillard an bestimmten Punkten seiner Karriere immer zum Verhängnis. Zuletzt wurde er von Donald Cerrone kalt mit einem Headkick erwischt und steht nun gegen Jamie Varner (20-7-1(2)) unter enormen Erfolgsdruck.

Der ehemalige WEC-Champion Varner weiß ebenfalls, was es heißt, hoch zu klettern und tief zu fallen. Mit dem Verlust des WEC-Gürtels gegen Ben Henderson nach zwei erfolgreichen Titelverteidigungen ging es für Varner steil bergab – nur ein Mal konnte er in seinen nächsten fünf Kämpfen gewinnen; zuletzt verlor er nach seiner Entlassung aus der WEC sogar in regionalen Organisationen. Varner fasste sich jedoch ein Herz, startete durch und gewann zwei Kämpfe vorzeitig, was ihm kurz vor UFC 146 im vergangenen Mai eine langersehnte Möglichkeit einbrachte: Varner konnte kurzfristig gegen Edson Barboza einspringen, gewann den Kampf als haushoher Underdog und war buchstäblich mit einem Schlag wieder oben mit dabei. Eine Niederlage gegen Joe Lauzon dämpfte die Euphorie zwar im August, der Kampf wurde jedoch als „Fight of the Night“ ausgezeichnet und dürfte Varner damit nicht allzu weit zurückgeworfen haben.

Michael Johnson vs. Miles Jury
Ebenfalls im Leichtgewicht, geht es für Michael „The Menace“ Johnson (12-6) und Miles Jury (10-0) am Wochenende darum, ihren Status in der Leichtgewichtsklasse weiter zu verbessern. Für Johnson stellt Jury das letzte Hindernis auf dem Weg zu einem perfekten Kämpfer-Jahr dar – mit einem Sieg gegen ihn hätte er von vier Kämpfen in diesem Jahr ebenso viele gewonnen.

Für Jury hingegen wäre es nach einem Aufgabe-Sieg gegen Chris Saunders im Juni der zweite Erfolg seiner UFC-Karriere, gleichzeitig aber auch der elfte insgesamt – Niederlagen musste der Schützling von UFC-Kämpfer Jeremy Stephens bisher noch nicht hinnehmen.

Vorprogramm (Facebook)
Zu Beginn des Abends werden drei weitere Kämpfe über die offizielle Facebook-Präsenz der UFC ausgestrahlt. Angeführt wird dieser Teil des Programms von den beiden Schwergewichtlern Phil De Fries (9-1-0(1)) und Todd Duffee (7-2). Der für seine Fähigkeiten am Boden bekannte Engländer De Fries gab sein Debüt im vergangenen Jahr bei UFC 138 und kontrollierte dort seinen Landsmann Rob Broughton über drei Runden. Eine Niederlage und einen weiteren Sieg später befindet sich De Fries zurzeit noch im Mittelfeld der Schwergewichtsklasse, könnte seinen Status am Samstag gegen den gefährlichen American Kickboxing Academy-Kämpfer Duffee allerdings auf das nächste Level befördern.

Duffee ist ebenfalls kein Unbekannter in der UFC – nachdem er in seinem Debüt bei UFC 102 glatt einen (vorläufigen) Rekord aufstellte, indem er Tim Hague in nur sieben Sekunden K.o. schlug, sah es in seinem zweiten Kampf, im Mai 2010 gegen Mike Russow, für zwei Runden so aus, als hätte auch der zähe Polizist aus Chicago keine Chance gegen den entschlossen nach vorne marschierenden Muskelberg. In Runde drei allerdings reichte Russow eine einzige kleine Unachtsamkeit Duffees aus, um ihn in einem der spektakulärsten Comebacks des Jahres glatt K.o. zu schlagen. Nach dieser Niederlage wurde Duffee aus der UFC entlassen, was laut Dana White eher an Duffees Einstellung als an der Niederlage selbst lag. Seitdem gelangte der mittlerweile 27-Jährige hauptsächlich durch eine schnelle K.o.-Niederlage gegen Alistair Overeem in die Schlagzeilen, ein T.K.o.-Sieg über den UFC-Veteranen Neil Grove im verganenen April war es allerdings, was Duffee sein Ticket zurück auf die große Bühne einbrachte.

Auch vor den beiden Schwergewichtlern dürfte es actiongeladen zur Sache gehen, hier allerdings im Federgewicht. Mit Leonard „Bad Boy“ Garcia (15-9-1) wird am Samstag einer der unterhaltsamsten Kämpfer des gesamten UFC-Kaders ins Octagon steigen. Drei Niederlagen in seinen letzten drei Kämpfen dürften außerdem dafür sorgen, dass Garcia für diesen Kampf noch eine Extraschüppe Motivation mitbringen wird. Ob das für einen dringend benötigten Sieg reicht, ist allerdings alles andere als sicher, denn im Octagon wird ihm am Samstag ein sehr vielversprechender Jungspund in Max „Blessed“ Holloway (6-1) gegenüberstehen. Holloway verlor zwar Anfang dieses Jahres sein UFC-Debüt gegen den Beinahe-Herausforderer Dustin Poirier, nachdem er den Kampf kurzfristig angenommen hatte, kam allerdings im Sommer mit zwei vorzeitigen Siegen innerhalb von zwei Monaten spektakulär zurück.

Den Anfang werden am Samstag Chris Cariaso (14-3) und John Moraga (11-1) in der Fliegengewichtsklasse machen. Cariaso musste sich in der UFC bisher nur dem aktuellen Interimstitel-Herausforderer Michael McDonald geteilt nach Punkten geschlagen geben – seitdem hat er drei Kämpfe nacheinander für sich entschieden und könnte seine Position in der noch dünn besetzten Fliegengewichtsklasse mit einem erneuten Erfolg am Samstag entscheidend verbessern. Im Weg steht ihm dabei John Moraga, der in diesem Jahr mit einer Statistik von zehn Siegen bei nur einer Niederlage in die UFC kam und in seinem Debüt weniger als vier Minuten brauchte, um den ehemaligen Tachi-Palace-Fighting-Champion Ulysses Gomez K.o. zu schlagen.

Anbei das gesamte Programm der Veranstaltung:

UFC 155: dos Santos vs. Velasquez 2
Samstag, 29.12.2012
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Junior dos Santos (c) vs. Cain Velasquez
Joe Lauzon vs. Jim Miller
Tim Boetsch vs. Costa Philippou
Yushin Okami vs. Alan Belcher
Chris Leben vs. Derek Brunson

Vorprogramm (ufc.tv)
Brad Pickett vs. Eddie Wineland
Erik Perez vs. Byron Bloodworth
Melvin Guillard vs. Jamie Varner
Michael Johnson vs. Miles Jury

Vorprogramm (Facebook)
Phil De Fries vs. Todd Duffee
Leonard Garcia vs. Max Holloway
Chris Cariaso vs. John Moraga