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Pascal Krauss Exklusiv-Interview

Pascal Krauss

Mit einer hervorragenden Kampfbilanz von acht vorzeitigen Siegen in acht Kämpfen gehört Pascal Krauss zu den hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten Deutschlands. Am 10. April wird der 22 Jahre alte Freiburger sein Debüt im Weltergewicht geben. Vorher jedoch stellte er sich den Fragen von GroundandPound.

GroundandPound: Hallo Pascal, erzähl unseren Lesern doch zu Beginn etwas von deiner Laufbahn im Kampfsport. Wie hast Du angefangen und wie bist Du schließlich beim MMA-Sport gelandet?
Pascal Krauss: Hallo zusammen! Also los ging es mit 14 mit klassischem Boxen, das habe ich dann ungefähr fünf Jahre gemacht. Als mir das zu langweilig wurde, habe ich angefangen, mit den Ringern zu trainieren. In Amerika habe ich dann The Ultimate Fighter mit Michael Bisping gesehen. Da wusste ich: Das will ich machen. Dann dauerte es noch ein bisschen, bis ich 2007 zum Glück angefangen habe, bei Gregor Herb BJJ und MMA zu trainieren. 2008 folgte dann der erste Kampf...  tja, und jetzt sind wir hier.

Pascal KraussDu trainierst regelmäßig mit deutschen Spitzenkämpfern wie Peter Sobotta und natürlich Deinem eben erwähnten Coach Gregor Herb. Welchen Einfluss haben solche erfahrenen Sportler auf Deine Entwicklung?
Wie heißt es so schön: „Iron shapes iron“. Gute Trainer und Trainingspartner sind absolute Grundvorrausetzung, wenn man sich entwickeln und besser werden will. In dem Atemzug danke an alle Trainingspartner, die selbst vielleicht nicht im Käfig oder Ring und somit Rampenlicht stehen, aber ohne die der Erfolg nicht möglich wäre.

Hast Du als Kämpfer irgendwelche Vorbilder?
Klar. GSP ist eines meiner Vorbilder. Ich versuche, wie er möglichst vielseitig zu sein und alle Bereiche – Stand, Übergang und Boden – gleich gut zu beherrschen und sie wie GSP kombiniert im MMA umzusetzen. Außerdem beeindruckt mich seine Athletik und Disziplin und seine work ethic.

Im Gegensatz zu einigen Deiner Kollegen, die einfach in den Ring oder Käfig steigen und drauf los kämpfen, verfolgst Du meist eine bestimmte Kampfstrategie. Wie gezielt bereitest Du Dich auf Deine Gegner vor?
Je professioneller es wird, desto mehr Informationen hast du über deinen nächsten Gegner. Warum sollte man die dann nicht nutzen. Ich überlege mir vorher, in welchen Bereichen ich mich im Vorteil sehe und in welchen mein Gegner besser ist und dann versuche ich logischerweise, meine Stärken zu nutzen und seine zu umgehen.  

Warum schläft der Franco denn jetzt bei Orhan?
Haha, diese Antwort wurde auf Grund des Jugendschutzes zensiert. Nein, im Ernst, das ist ein bis heute ungeklärtes Rätsel der Geschichte der Menschheit. Ich habe sie aber Worte wie „Revolution“, „Gewalt“, „rosa Elephanten“ und „Weltherrschaft“ murmeln hören. Ich glaube die haben einen Plan!

Krauss in action bei Shooto Switzerland.

Als MMA-Kämpfer ist man hierzulande noch weit davon entfernt, einmal Dagobert Duck zu sein. Am Besten ist, macht man nebenher auch etwas „Vernünftiges“, Du studierst Sportwissenschaften. Wie bekommst Du Dein Studium und Deine sportliche Karriere unter einen Hut?
Das geht schon! Als (Sport-)Student hat man – außer in Prüfungszeiten – eigentlich genug Zeit zum Trainieren. Klar, in der Wettkampfvorbereitung ist es viel, zweimal am Tag trainieren und zwischendurch Uni, aber ich glaube, jeder normal Arbeitende mit einer 40-Stunden-Woche hat es schwerer.

Platz drei beim Kämpfer des Jahres, Platz zwei beim besten jungen Kämpfer und Platz eins bei der Mannschaft des Jahres bei den GnP Awards 2009. Damit kann man zufrieden sein, oder?
Na ja, ich will immer gewinnen, zufrieden bin ich also nicht. Aber z.B. Kämpfer des Jahres ging völlig verdient an Dennis Siver, der extrem stark gekämpft hat. Drei Kämpfe, drei Siege und zweimal „Knockout of the Night“ bei der populärsten MMA-Organisation der Welt. Respekt! Das muss ihm erstmal einer nachmachen.

Im letzten Jahr hast Du erstmals außerhalb Deutschlands gekämpft und dann gleich bei zwei der größten europäischen Veranstaltungen, Shooto Switzerland und WFC in Slowenien. Was hast Du da für Erfahrungen gemacht im Vergleich zu den kleineren Shows hier in der Gegend?
Es macht noch mehr Spaß, zu kämpfen, wenn das Drumherum auch stimmt und alles professionell abläuft. Das geht vom organisatorischen über die Betreuung bis hin zum Publikum. Außerdem macht es mir Spaß, rum zu kommen und ein paar Tage im Hotel zu leben.

Krauss vs. LipinskiWas war Dein bislang schwerster Kampf und warum?
Mein „gefühlt“ schwerster Kampf war beim Hamburger Käfig gegen Kamil Lipski. Guter Ringer und körperlich sehr stark. Der hatte mich zwischendurch in einem verdammt engen Würger, so dass ich kurz vorm Einschlafen war. Da hat echt nicht viel gefehlt und ich wäre weg gewesen, aber irgendwie bin doch noch raus gekommen und konnte das Blatt drehen.

Im April gehst Du vom Mittelgewicht runter ins Weltergewicht. Bis 85 Kilogramm hast Du einen Sieg nach dem anderen eingefahren, warum also der Gewichtsklassenwechsel?
Stimmt, jetzt wenn du es sagst, fällt es mir auch auf, also vergessen wir’s! Voll austrainiert bin ich bei ca. 83 Kilogramm, also recht leicht fürs Mittelgewicht, wenn man bedenkt, dass die Jungs da von über 90 Kilo runter kommen. Wenn ich ein bisschen auf meine Ernährung achte, muss ich vielleicht noch vier Kilogramm Gewicht machen und kann bis 77 kg „noch“ stärker sein.

Welche Ziele hast Du Dir für dieses Jahr gesetzt?
Ach, nichts Besonderes. Eigentlich das gleiche wie immer: Weiterentwickeln, kämpfen, gewinnen, Ruhm und Ehre, Millionen verdienen.

Zu guter letzt – wen würdest Du gerne mal vor die Fäuste bekommen? Egal ob MMA-Kämpfer oder Normalo...
Das kann ich jetzt nicht sagen, sonst ist ja der Überraschungseffekt weg, wenn ich ihn plötzlich angreife... Die Gegnerauswahl überlasse ich meinem Management, die einen sehr guten Job machen, und konzentriere mich lieber aufs Training.

Vielen Dank, Pascal, dass Du Dir für uns ein wenig Zeit genommen hast! Hast Du zum Abschluss noch irgendwelche letzten Worte?
Grüße und Danke an alle, die mich und den Sport unterstützen, an euch für die gute Berichterstattung, an alle GnP-Leser und and meinen neuen Sponsor TapouT-Germany. Ach ja, ich habe gehört, am 10. April soll eine gute Veranstaltung in Heilbronn stattfinden: Backstreet Fights 3. Mit Omer, Herb, etc.! Check that out!