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One on One mit Benjamin Nüßle

Benjamin Nüßle

Mit German Vale Tudo steht Deutschland nun die erste richtige internationale Amateurliga im MMA bevor. Im Januar fällt der Startschuss für ein Projekt, das den Amateuren und Neuen in unserem Sport die Möglichkeit bieten soll, sich nach einem einheitlichen Regelwerk zu messen und wertvolle Ringerfahrung zu sammeln. Viele der heutigen Stars, gingen diesen Weg, wie z.B. Franco De Leonardis, Gregor Herb oder Thorsten Kronz. Allesamt kämpfen sie heute auf höchstem internationalen Niveau und repräsentieren unser Land weltweit.

In Hinblick auf das bevorstehende Event am 24. Januar in Stuttgart wollen wir nun vorab immer wieder Kämpfer vorstellen, die bei GVT Contenders in den Ring steigen. In Form eines kurzen Interviews geben wir exklusiv den Lesern auf GroundandPound.de Einblick in die Vorbereitung, das Training und die Einstellung zum Kämpfen dieser Sportler. Unser erster Interviewpartner in dieser Reihe ist der Dettinger Benjamin "Oni" Nüßle vom German Top Team. Dem ein oder anderen ist dieser Name hier schon geläufig, da Benjamin im vergangenen Sommer das "Fight 2 Finish" Grapplingturnier in München in der Absolute Class gewinnen konnte (GnP berichtete) und zuletzt bei der luxemburgischen Show "Fight Fever" siegreich war. Doch so erfolgreich war Benjamin nicht von Anfang an, wie Ihr hier lesen werdet.

GroundandPound: Hallo Benjamin, es freut mich, dass wir Dich für ein Interview gewinnen konnten. Stelle Dich doch einmal ganz kurz in der Person und in Bezug auf Deinen Background im Kampfsport unseren Lesern vor.
Benjamin Nüßle: Mein Name ist Benjamin Nüßle, geboren am 17.04.1983, also 26 Jahre jung. Ich arbeite als Werkzeugmechaniker in einem Automobilzuliefererbetrieb und absolviere derzeit ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre B.A. Ich trainiere seit zwei Jahren Kampfsport, allerdings effektiv und regelmäßig erst seit Februar dieses Jahres aufgrund meiner Schichtarbeit und der Eröffnung der German Top Team Akademie in Metzingen. Mein Training ist breit gefächert und beinhaltet Grappling, BJJ, MMA und Kickboxen.

Wenn man sich Deinen Kampfrekord so ansieht, ist er alles andere als optimal, wenn wir es mal nett formulieren. Wie siehst Du Deinen Rekord und was sagt er über Dich aus?
Es ist schwer einen so besch... Kampfrekord zu kommentieren (2-5 Amateur, 0-1 Profi). Eines im Voraus: Ich möchte da nichts rechtfertigen oder gar schönreden. Ich wusste von Anfang an, auf was ich mich eingelassen habe. Meine ersten beiden MMA-Kämpfe absolvierte ich auf der Amateur-Veranstaltung "This is Shido 3" 2008 nach viermonatigem Training, welches im 14-tägigen Rhythmus aufgrund meiner Schichtarbeit stattfand. Davor hatte ich keinerlei Kampfsport Background. Meine ersten Gegner waren José Aquinho, ein BJJ Black-Belt, und Gregor Herb, den wohl jeder MMA-Fan in Deutschland kennt. Sechs Wochen später trat ich dann gegen Thorsten Kronz an, mein Idol und wohl meiner Meinung nach der MMA-Profi in Deutschland mit dem meisten Potenzial. In Holland bei den Shooto Europameisterschaften dieses Jahr verlor ich gegen den BJJ-Europameister. Ich bereue und bedaure keine einzige Niederlage, die ich im Amateur- und Profi-MMA erlitten habe. Für mich zählt nicht, wie die Leute mich oberflächlich wegen meines Kampfrekords beurteilen. Ich hatte gute Gegner, aber leider zu wenig Erfahrung. Ich bin auf fast jeden Kampf stolz. Durch Niederlagen lernt man am meisten.

Was war Dein härtester Kampf bisher und warum?
Gegen Thomas Polledri bei "Fight Fever" in Luxemburg im Oktober dieses Jahres. Ich hatte dieses Jahr sehr wenige Kämpfe, eine schlechte Kampfbilanz und der Druck, unter welchen ich mich setzte, war enorm. Vor fast ausschließlich französischsprachigem Publikum gegen einen französischen Gegner anzutreten, war für mich eine Herausforderung. Herauszufinden, wo man gerade mit seiner Leistung steht und ob sich das harte Training ausbezahlt hat... und dann noch zu gewinnen, das war ein großer Erfolg für mich nach den letzten Niederlagen.

Welchen Kampf hast Du in bleibender Erinnerung und warum?
Gegen Thorsten Kronz. Überhaupt den Kampf vorzuschlagen (Benjamin selbst, Anm. d. R.) war verrückt. Ich wollte einfach wissen, wie das Gefühl ist, gegen so einen berühmten, vielseitigen und erfolgreichen Kampfsportler anzutreten. Ich ging mit der festen Annahme in den Käfig, bei diesem Kampf auf jeden Fall KO zu gehen. Aber ich denke, Thorsten war gnädig mit mir. Und als noch Wochen danach mich fremde Leute wegen dieses Kampfes bewundernd ansprachen, blieb mir der Kampf dennoch positiv in Erinnerung.

Du startest im kommenden Jahr bei der Contenders-Serie von German Vale Tudo. Wie siehst Du das Event, die Regeln und Deinen Weg bei diesen Kämpfen?
Es ist eine perfekte Möglichkeit, für Unerfahrene oder gar Anfänger erste Kontakte mit dieser Art von Kampfsport zu machen. Die Regeln sind einfach, die Verletzungsgefahr wird minimiert. Auch wenn das die meisten wegen ihres Egos nicht zugeben wollen, aber was bringt es, sich nach Profi-Regeln ohne Technik dilettantisch zu prügeln und sich vielleicht sogar zu verletzen, oder sich wie bei GVT kontinuierlich an die Grenzen des MMA-Sports hinzuarbeiten und nach jedem Kampf die eigenen Schwächen systematisch analysieren und auszumerzen. Wer absoluter Anfänger ist, sollte erst einmal fünf bis zehn Amateurkämpfe absolvieren, um für die Profi-Ebene gerüstet zu sein. Viele erfolgreiche deutsche MMA-Profis mit großem Kampfsport-Background waren sich dafür nicht zu schade und haben am Anfang den einen oder anderen Amateurkampf gemacht.

Kannst Du uns verraten, wie Du Dich auf diese Kämpfe vorbereitest? Wie sieht Dein Training aus und mit wem bereitest Du Dich vor?
Ich trainiere mit einem sehr erfolgreichen und europaweit bekannten MMA-Profi vier- bis fünfmal pro Woche zwei Trainingseinheiten á 1,5 Stunden. Ich versuche Grappling, BJJ, Kickboxen und MMA gleichermaßen zu trainieren. In diesen Einheiten kommen dann in der Kampfvorbereitung spezielle Konditionsdrills noch hinzu. Zudem sind meine Trainingspartner fast durchweg auf einem sehr hohen technischen Level. Und wenn dann mal gar nix mehr geht, der Akku und Kopf leer ist, das Training miserabel lief, muntert und ermuntert mich meine wunderbare Frau zu Hause wieder auf. Sozusagen als mein Mentaltrainer.

Hast Du ein erklärtes Ziel in sportlicher Hinsicht im kommenden Jahr?
Ich möchte in meinen Kämpfen das, was ich im Training gelernt habe vollständig umsetzen können und das Beste geben. Den Turniersieg in meiner Gewichtsklasse bei GVT erringen und damit in Richtung Profi-MMA gehen und vielleicht einen Amateurkampf im Ausland, wenn es sich ergibt.

Möchtest Du unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Da fällt mir spontan nicht viel ein. Außer dass ich ganz aufgeregt bin weil ich jetzt bei "GroundandPound" im Internet stehe. (grinst) Ach doch: Die MMA-Gemeinde – wenn ich sie mal so nennen darf – sollte sich etwas konstruktiver Verhalten, die Kämpfer etwas an Arroganz ablegen, sich weniger gegenseitig dissen und immer schön auf dem Boden bleiben. Und die Fans, die außen am Ring oder Käfig stehen, sollten manche Dinge für sich behalten und den Akteuren, denen sie zuschauen, überlassen.