MMA

Norways Best Fighter - Die neue Reality Show

Die Teilnehmer von NBF (Foto: norgesbestefighter.com)

Norwegen startet durch, denn scheinbar will man sich nicht mit Reality-Shows wie "The Contender“ oder „The Ultimate Fighter“ aus dem Ausland zufrieden geben, sondern selbst Hand anlegen. Genau dies geschah vor wenigen Wochen, als das Projekt „Norway's Best Fighter“ ins Leben gerufen wurde.

Hierbei soll es zum Teil ähnlich ablaufen wie bei den eben genannten Sendungen, jedoch auch völlig anders, denn neue hungrige Talente im MMA sollen gefunden werden. Man nehme Kämpfer aus ihren einzelnen Sportarten, wie z.B. Ringen, Jiu Jitsu, Boxen, Taekwondo, Muay Thai etc. und bilde diese als MMA-Athleten aus. Voraussetzung dafür ist, dass man keinerlei MMA-Erfahrung hat, somit ist Norwegen auf der Suche nach frischen, unverbrauchten Talenten. Es erinnert an die ersten UFC-Tage, wo verschiedene Stile aufeinandertrafen, bis komplette MMA-Kämpfer ausgebildet wurden.

Woche für Woche wird gekämpft und der Verlierer nach Hause geschickt, bis am Ende ein Mann und eine Frau übrig bleiben. Das Konzept ist klar: Wer das neu erlernte MMA-Wissen am schnellsten verbinden und umsetzen kann wird der neue Star, darf sich als „Norwegens bester Kämpfer“ betiteln und bekommt, neben einer Gage von knapp 33.000 Euro, einen Vertrag bei der schwedischen Organisation „Rumble of the Kings".

Die Serie wurde vor kurzem abgedreht und läuft inzwischen im norwegischen Fernsehen. Online ist die Sendung auf der offiziellen Internetpräsenz Norgesbestefighter zu finden.

Anna Tatjana Lie (Foto: Santina Croll)

Eine der weiblichen Teilnehmerinnen aus dem aktuellen Starterfeld stand GroundandPound im Exklusiv-Interview Rede und Antwort. Bei ihr handelt es sich um Anna Tatjana Lie, eine 20-jährige Muay Thai Kämpferin aus Oslo. Wie weit sie im Turnier kommt, bleibt abzuwarten, denn das durfte die junge Norwegerin noch nicht vorwegnehmen, aber so viel sei verraten: In der ersten Sendung war sie vorzeitig durch TKO erfolgreich. In den weiteren Sendungen darf man auf ihren nächsten Kampf gespannt sein.

GroundandPound: Hallo Anna, erzähle unseren Lesern ein kleinen wenig wie man sich die Show vorstellen muss.
Anna Tatjana Lie: Gerne, acht Männer und sieben Frauen aus verschiedenen Kampfsportarten wurden für die Sendung ausgewählt. Diese reisen allesamt nach Phuket, in Thailand, um dort MMA zu kämpfen und eben „Norwegens bester Fighter“ zu werden. Die einzige Voraussetzung dafür war, dass man keinerlei MMA-Hintergrund besitzen darf.

Worin liegt der Unterschied zu Sendungen wie “The Contender” oder “TUF”?
NBF ist sehr ähnlich, jedoch wird es eher als Doku aufgebaut, und nicht so sehr als eine Reality Show. Sie ist eben dazu gedacht, Leuten einen Denkanstoß zu geben und MMA gesellschaftlich akzeptiert zu machen. Die Regierung Norwegen hat jegliche professionelle Kampfsportarten verboten.

Gibt es eine Erklärung dafür?
Ich denke es liegt allein daran, dass man nichts über bestimmte Sportarten weiß und von vornherein mit negativen Vorurteilen an die Sache geht. Es wird nicht als Sport, sondern als Gewalt angesehen.

Ist das der Grund, weshalb die Dreharbeiten in Thailand stattgefunden haben?
Sehr gut kombiniert, Sherlock (lacht).

Anna Tatjana Lie mit dem traditionellen Muay Thai Mongkol Kopfschmuck (Foto: Anna Tatjana Lie Facebook)

Welche bekannten Sportler oder Sportarten sind in der Staffel vertreten?
Mit dabei sind Weltmeisterinnen wie Fatima Pinto (Muay Thai), Tonje Sørlie (Kickboxen) und Margaret Aase (BJJ). Bei den Männern sind Joakim Aardalen (Ringen - griechisch römisch), Petter Juuhl (Thaiboxen und K-1) oder Daniel Nordaas (Kickboxen und K1) dabei, um nur einige zu nennen.

Du gehörst nun zu den Pionieren der ersten Staffel und versuchst, mit deinen Teamkollegen, etwas zu verändern. Macht dich das stolz?
Auf jeden Fall! Ich bin sehr stolz. Besonders darauf, dass ich noch gar nicht so lange Kampfsport betreibe, aber diese Möglichkeit bekommen habe und mit Leib und Seele dabei bin. Ebenfalls sensationell ist es, dass ich mit den besten Frauen und Männern Norwegens trainieren kann.

Wie lange wird die Staffel dauern und konntest du mit dem Druck umgehen?
Es wird sechs Wochen lang Dreharbeiten geben, während es jeden dritten Tag einen Kampf gibt. Folglich wird dann jeden dritten Tag eine Episode fertiggestellt. Das ist natürlich ein großer Druck, aber das hat wohl jeder der Teilnehmer so empfunden. Ich konnte es etwas entspannter angehen als die Weltmeister, denn ich denke von denen wird erwartet, dass sie gewinnen.

War es schwer, auf MMA umzusteigen, da du bekanntlich aus dem Muay Thai kommst?
Ich bin noch nicht so lange im Geschäft, weniger als zwei Jahre, darum konnte ich bestimmte Dinge schnell adaptieren. Natürlich habe ich meinen größten Fokus auf den Bodenkampf gelegt.

Was war die größte Herausforderung bisher, in den Wochen in denen du dort warst?
Das Gewicht war die größte Schwierigkeit, denn der Energielevel um eine gute Leistung zu bringen, beim stetigen Hungern, war wirklich sehr nervtötend. Zweimal am Tag wurde trainiert, sechs Tage die Woche. Ich laufe normalerweise mit knapp 60 Kilo herum und kämpfe in der 57 Kilo-Klasse. In der Show musste man sich bei 55 Kilo halten – und da du nie weißt, ob du als nächstes ran musst, willst du dein Gewicht bewahren.

War es schwierig, für so viele Wochen von Familie, Freunde und Verwandten abgeschnitten zu sein, ohne Kommunikationsmöglichkeit?
Ich habe meinen Fokus auf die Show gelegt, also habe ich versucht, nicht viel über meine Lieben daheim nachzudenken. Ohne Internet, Handy etc. war es schon etwas unangenehm. Es war natürlich toll alle wiederzutreffen, nach den sechs Wochen.

Seid ihr euch im NBF-Haus auch mal in die Quere gekommen, schließlich waren 15 Leute jeden Tag im gleichen Haus?
Es war in Ordnung, denn mir kam es vor wie ein langes Trainingscamp, zudem hatte jeder seine Vorbereitung im Kopf und da wir viel zusammen gemacht haben wurde es eine kleine Familie.

Anna Tatjana Lie bei ihrem ersten Fotoshoot (Foto: KDesign.com)

Wie war deine Erfahrung? Was hast du bereits jetzt für deine anstehende Karriere gelernt?
Ich habe es sehr genossen und ich denke, ich werde es nie wieder vergessen. Die einfache Sache ist das Kämpfen. Die Schwierigkeit bestand darin, neue Techniken zu erlernen und auch umzusetzen. Für meinen weiteren Werdegang habe ich mitgenommen, dass harte Arbeit, Entschlossenheit, Fokus und ein bisschen Glück dafür sorgen können, dass du deine Träume erreichst, egal wie schwer und weit sie dir erscheinen.

Würdest du es wieder tun, wenn sich die Möglichkeit ergeben würde?
Auf jeden Fall, ohne Zweifel (lacht).

Wirst du jetzt zum Muay Thai zurückkehren oder im MMA starten?
Fürs Erste lege ich meinen Fokus aufs Muay Thai, da demnächst ein Kampf ansteht, aber ich kann mir eine Zukunft im MMA sehr gut vorstellen.

Ich danke dir für deine Zeit und die Einblicke in NBF.
Ich habe zu danken. Ich will mich außerdem bei all meinen Supportern bedanken, meiner Familie, Freunde und auch Fans. Ich werde weiterhin hart arbeiten um meine Träume zu erfüllen und eines Tages Weltmeisterin zu werden. Ich würde mich außerdem freuen wenn ihr meinen Blog ab und an besucht: AnnaTatjana.blogspot.com. Dankeschön.

Elias Stefanescu berichtet über Mixed Martial Arts (MMA), K-1 und Boxen auf GroundandPound.de. Für noch mehr News, Gerüchte und Meinungen, folgt ihm auf Twitter oder Facebook.