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Nick Hein Exklusiv-Interview

Award-Übergabe an Nick Hein

Nick Hein hat sich vor kurzem dazu entschlossen, dem Judo, in dem er überaus erfolgreich war (2x Deutscher Meister, Europameister U23), den Rücken zu kehren und seine ganze Energie in die Mixed Martial Arts zu stecken. Obwohl Hein noch nicht allzu lange im MMA mitmischt, hat er schon bewiesen, dass er jemand ist, mit den man rechnen muss. Das Nick Hein ein unglaubliches Talent ist, haben zudem die GroundandPound-Leser bestätigt, da ihr ihn zum "Besten Neuling national" gewählt habt. Aber lest selbst was Nick euch zu sagen hat.

Nick Hein freut sich über seinen Award

GroundandPound: Hallo Nick, wie war das eigentlich für dich, als du erfahren hast, das du in der Kategorie "Bester Neuling national " nominiert worden bist?

Ich war gerade mit der Nationalmannschaft in Österreich im Trainingslager und habe abends im Internet gesurft, als ich durch Zufall darauf gestoßen bin. Ich habe mich tierisch gefreut und sofort meinen Trainer Mike Cüppers angerufen, aber der wusste auch von nix. Auch nicht, dass unser Verein nominiert war. Tja, das war 3 Tage vor Wahlende. Ich hab dann gleich versucht, mich selber mehrmals zu wählen, aber das ging ja leider nicht. (lacht)

Nick mit seinem Trainer Mike Cüppers

Hast du damit gerechnet, den Preis zu gewinnen?

Also, fest gerechnet hab ich damit nicht und wenn ich ehrlich bin, hab ich auch so getan, als würde es mich gar nicht so sehr interessieren. Aber als die Wahl zu Ende war, habe ich non-stop die Seite aktualisiert, um zu sehen wer gewonnen hat. Ich saß quasi auf heißen Kohlen.

Was bedeutet für dich ganz speziell dieser Award?

Eigentlich mache ich mir nicht so viel aus Preisen oder Nominierungen. Aber der hier bedeutet mir schon etwas, gleich aus mehreren Gründen. Ich hab den Award zu einer Zeit bekommen, in der ich mich entscheiden musste was ich im Leben eigentlich möchte. Wie ihr wisst, habe ich meine Karriere im Judo ja vor knapp einem Monat beendet. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber die Aufmerksamkeit die ich von euch und der MMA-Szene bekommen habe, hat mir diesen Schritt dann doch erleichtert. Zum anderen habe ich mir eure Seite schon vor der Nominierung jeden Tag angeschaut... da macht mich der Award natürlich stolz.

GroundandPound konnte bei der Award-Abstimmung 2009 eine neue Rekordteilnahme verbuchen. Unsere Awards werden ja durch die Fans ermittelt. Wie fühlt sich das an, wenn tausende von Menschen für einen gevotet haben?

Ich finde das einfach nur geil. Ehrlich, als ihr mir bei der Übergabe die Anzahl der Wähler verraten habt, war ich schon etwas baff. Ich bin dann nach dem Training nach Hause, hab mich in Ruhe hingesetzt und mit 'nem Taschenrechner und anhand der Prozentzahl meine Stimmen ausgerechnet. Danach bin ich mit nem breiten Grinsen ins Bett gegangen.

Das Jahr hat schon wieder gut bei dir begonnen, mit dem Sieg über Stefan Heber beim Halbfinale der Deutschen Meisterschaft der FFA in Berlin. Du wirst im Finale auf Salameham Beisajew treffen. Was weißt du über ihn? Und wie bereitest du Dich auf ihn vor?

Ich weiß nicht wirklich viel über ihn, hab' ihn beim Halbfinale auch zum ersten Mal gesehen. Unsere Vorbereitung ist aber Top Secret.

Du bist Polizist und somit Staatsdiener und außerdem ein überaus erfolgreicher Judoka. Wie glaubst du können Vorzeigeathleten wie du die Meinung der Öffentlichkeit und der Politiker über den Sport MMA ändern?

Ich bin der Meinung, das wir mehr Charaktere in unserem Sport brauchen. Gute Kämpfer, die auch vom Typ her interessant sind. Leute, die nach besonderen Leistungen die Lobby bekommen, etwas in der Öffentlichkeit zu sagen (in Interviews oder Shows). Dadurch könnte man endlich mit diesem Hooligan-Image aufräumen, dass dem Sport zu Unrecht schon viel zu lange anhaftet. Also ich bin jetzt knapp ein Jahr dabei und hab unter den Kämpfern fast nur clevere Jungs kennengelernt. Ich würde mal gerne eine Diskussionsrunde mit denen und dem Fernsehausschuss der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien organisieren [Der Behörde, die soeben die UFC-Veranstaltungen im DSF verboten haben, Anm. d. Red.]. Da die sich offensichtlich kaum mit dem Thema auskennen, würden wir die durch die Tür nach Hause zurück diskutieren.

Was hat dich dazu bewogen, von Judo in die Mixed Martial Arts zu wechseln?

Für mich sind MMA-Kämpfer die Elite des Kampfsports. Die Formel 1 der Martial Arts oder die Rockstars der Kampfsportszene, wenn ihr so wollt. Wenn ihr euch irgendwo bei Leuten vorstellt und sagt, ihr seid Mixed Martial Artist, dann habt ihr immer die volle Aufmerksamkeit eurer Zuhörer. Das ist nun mal so. Und wenn wir mal ehrlich sind: Keiner will Formel 3 Champion werden, oder? Judo hat mich und mein Umfeld sehr geprägt und ich bin dankbar für die Zeit. Es ist mir auch eine unbezahlbare Grundlage für das MMA, aber es war auch nur eine Stufe in meinem Leben. Nun ist Mixed Martial Arts mein Sport.

Wenn du die freie Wahl hättest, mit wem würdest du dich gerne mal messen? Also wer wäre Dein Wunschgegner?

Ich will sie alle, haha. Nein im Ernst, ich werde mich hüten hier irgendwen rauszufordern. Ich stehe jetzt erst am Anfang meiner Laufbahn und habe offensichtlich noch einige Lücken in meinem Stil. Ich möchte ein ausgeglichener aber vor allem spektakulärerer Kämpfer werden, um den Zuschauern ein paar klasse Kämpfe zu bieten. Daran arbeite ich jeden Tag mit voller Leidenschaft.

Hast du Dir ein bestimmtes Ziel in der Zukunft gesetzt, dass du im MMA erreichen möchtest?

Ich bin schon von Natur aus ein sehr ehrgeiziger Mensch. Aus diesem Grund will ich meinen Kopf nicht mit zusätzlichem Druck überlasten. Ich trainiere jeden Tag hart und versuche meine Schwächen zu Stärken zu machen. Wenn möglich will ich natürlich gegen viele gute Gegner kämpfen und erfolgreich sein indem was ich mache.

„Et kütt wie et kütt“, wie der Kölner so sagt.

Gibt es noch irgendetwas was du unseren Lesern und deinen Fans sagen möchtest?

Zuerst möchte ich mich natürlich bei allen bedanken, die für mich gestimmt haben und sagen, dass dies die absolut richtige Wahl war (lacht). Ich freue mich darüber sehr und es motiviert mich, noch härter zu arbeiten. Ich weiß lange Dankesreden langweilen alle, aber wer weiß wann ich wieder die Gelegenheit bekomme. Zuerst möchte ich meinen Trainern Rafael und Mike danken, die wirklich mit Herz bei der Arbeit sind und den Verein mit Schweiß und Blut aufgebaut haben. Dann will ich mich bei meinen Trainings-und Sparringspartnern bedanken. Bei Fatih und Farbod, die meine Vorbilder sind und mir eine Menge beibringen. Bei meinem „Zwillingsbruder“ Johannes, David „Coconut Kiss“ Feldkamp und Jonas „Kill Bill“ Stein, bei Ivan und Abus dem Supertalent. Danke auch an Ruben, der gerade in Amerika trainiert und unserem Mannschaftsarzt Florian Yves Wormland, der uns, wenn nötig, wieder zusammenflickt. Dank auch an Daniel Knebel für deine Kraftpläne und an meinen Vater, der mich trotz meiner Entscheidung für das MMA noch nicht enterbt hat.

Fatih Balci, Mike Cüppers und Nick Hein

Wir bedanken uns bei dir für das Interview und wünschen dir weiterhin viel Erfolg in der Zukunft!

Vielen Dank auch an euch. Hat Spaß gemacht.