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Nandor Guelmino mit dem lang erwarteten UFC-Debüt

UFC 165 ist bereits der dritte Event, der im Schatten des CN Towers im Air Canada Centre abgehalten wird (Foto: Secondarywaltz/Creative Commons).

Es geht wieder los: Nach schon beinahe ungewohnt langen zweieinhalb Wochen ohne die UFC wird das Octagon wieder aufgebaut: Im kanadischen Toronto wird am Samstag der dritte Event in weniger als zwei Jahren im 19.000 Zuschauer fassenden Air Canada Centre stattfinden.

Bevor es auf dem Hauptprogramm mit Namen wie Jon Jones, Alexander Gustafsson, Renan Barao, Matt Mitrione oder Costa Philippou zur Sache geht, finden weitere sieben Kämpfe auf dem Vorprogramm statt. Auch hier dürfen spannende Kämpfe erwartet werden – u.a. sind Mike Ricci, Ivan Menjivar, John Makdessi und natürlich der Österreicher Nandor Guelmino im Einsatz.

Der Event kann in Deutschland, wie gewohnt, zum Teil via ufc.tv (Hauptprogramm und zweiter Teil Vorprogramm) sowie über Facebook (erste vier Vorkämpfe) verfolgt werden. 

Mike Ricci vs. Miles Jury
Der letzte Kampf des Vorprogramms könnte darüber entscheiden, welches junge Talent es als nächstes in die relevanten Regionen der Leichtgewichtsklasse schafft. Mike „The Martian“ Ricci (8-3) trainiert im Tristar Gym in Montreal neben Georges St-Pierre, Rory MacDonald, Francis Carmont u. A., und schaffte es im vergangenen Jahr in die „Ultimate Fighter“-Reality-Serie. Ricci hat die Zeit im Haus nach eigener Angabe gehasst, nutzte den Frust aber als Motivation und schaffte es bis ins Staffel-Finale, wo er nach drei auf dem Rücken verbrachten Runden eine Punktentscheidung an Colton Smith abgab.

Bei UFC 158 sicherte er seinen Platz in der UFC mit einem Punktsieg gegen Colin „Freakshow“ Fletcher und sieht sich jetzt einem harten Test gegenüber.
Miles „Fury“ Jury (12-0) wurde schon von Trainingspartner und UFC-Veteran Jeremy Stephens öffentlich gepriesen, lange bevor er zum ersten Mal im Octagon stand. Als es endlich soweit war und „Fury“ Jury es ins TUF-Haus geschafft hatte, machte ihm eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung, sodass sich das Debüt im Octagon verschob.

Die verlorene Zeit holte der 24-Jährige dann aber im Laufe der letzten 15 Monate im Schnelldurchlauf auf, in denen er nacheinander Chris Saunders, Michael Johnson und Ramsey Nijem besiegte. Der vielseitige BJJ-Braungurt könnte mit einem Sieg gegen Ricci beim nächsten Mal auf dem Hauptprogramm landen.

Ivan Menjivar vs. Wilson Reis
Es passiert nicht allzu oft, dass ein erfahrener UFC-Veteran einen –Neuling vor die Fäuste bekommt. In diesem Fall ließen Verletzungen der UFC aber keine andere Wahl, als im Bantamgewicht Ivan „The Pride of El Salvador“ Menjivar (25-10) gegen Wilson Reis (16-4) anzusetzen, nachdem „Kid“ Yamamoto verletzt absagen musste.

Menjivar, der im Jahr 2002 der erste Gegner von Weltergewichtschampion (!) Georges St-Pierre war, kämpfte bereits in der WEC und trat nach einer Niederlage gegen Bart Palaszewski vom MMA zurück. Das war im 2006, vier Jahre später sollte der BJJ-Braungurt, der hauptberuflich als Sicherheitsangestellter am Montréaler Flughafen arbeitet, in den Käfig zurückkehren. Obwohl er bei WEC 53 gegen Brad Pickett verlor, wurde er von dort in die UFC übernommen, wo er mit drei aufeinanderfolgenden Siegen auf sich aufmerksam machte. Zuletzt strauchelte er zwar mit Niederlagen gegen Mike Easton und Urijah Faber, ist aber durch Erfahrung, Zähigkeit und Versiertheit am Boden immer noch einer der gefährlichsten Veteranen der Bantamgewichtsklasse.

Reis wird sich vermutlich freuen, überhaupt im Octagon zu stehen. Eigentlich hätte der Grappling-Experte am 4. September bei der UFC Fight Night 29 auf Hugo Viana treffen sollen, der Kampf wurde allerdings wenige Tage vor dem Event wegen einer Verletzung Vianas abgesagt. Zweieinhalb Wochen später und 8000 Kilometer weiter nördlich darf er nun schlussendlich doch noch ins Octagon steigen, falls bis Samstag nicht wieder etwas schief geht. Eine einfache Aufgabe hat er mit dem Veteranen Menjivar zwar nicht, aber im Erfolgsfall dürfte sich das hohe Risiko mehr als lohnen.

Chris Clements vs. Stephen Thompson
Im Weltergewicht kommt es zum Duell zweier unterhaltsamer Standkämpfer im Weltergewicht. Chris „The Menace“ Clements (11-4-0(1)) debütierte mit einem Punktsieg gegen Keith Wisniewski in der UFC, der ihm, neben diversen Verletzungen anderer Kämpfer, einen Platz auf dem Hauptprogramm von UFC 149 einbrachte. Im „Fight of the Night“ jenes Abends lieferte er sich mit Matt Riddle einen unterhaltsamen Kampf, in dessen dritter Runde er allerdings einem Arm Triangle Choke zum Opfer fiel. Seitdem war „The Menace“ verletzungsbedingt nicht mehr aktiv.

Dieses Problem ist Stephen „Wonderboy“ Thompson (7-1) nur allzu bekannt. Der mit 57 Siegen ungeschlagene Kickboxer debütierte bei UFC 143, damals auch im MMA noch unbesiegt, mit einem imposanten Headkick-Knockout gegen Dan Stittgen. Der aufsehenerregende Erfolg brachte ihm keine drei Monate später einen Kampf gegen Matt Brown ein, den „Wonderboy“ jedoch verlor. In diesen drei Runden wurden Schwächen im ringerischen Bereich offensichtlich, an denen Thompson seitdem akribisch arbeitet. Nachdem ein Kampf gegen Besam Yousef verletzungsbedingt ins Wasser fiel, kehrte Thompson erst im vergangenen Mai wieder in den Käfig zurück, wo er mit einem Punktsieg gegen Nah-Shon Burrell wieder zurück in die Spur fand.
Man kann nur hoffen, dass sich bis Samstag niemand mehr verletzt, denn die Ansetzung zwischen diesen beiden könnte für jede Menge Action sorgen.

Mitch Gagnon vs. Dustin Kimura
Mit Mitch Gagnon (9-2) und Dustin „The Diamond“ Kimura (10-0) hat die UFC zwei vielversprechende und unterhaltsame Bantamgewichtler aufeinander angesetzt. Gagnon debütierte im Juli 2012 gegen Bryan Caraway im Octagon und sah anfangs sehr gut aus, brach dann allerdings konditionell ein und wurde vom Veteranen zur Aufgabe gezwungen. Nur sieben Wochen später stand er wieder im Käfig, und beim zweiten Anlauf in der UFC war Kondition nicht einmal vonnöten, denn nach nur 69 Sekunden klopfte Walel Watson in Gagnons Rear Naked Choke ab.

Kimura debütierte erst im Februar dieses Jahres im Octagon, als er bei UFC 156 Chico Camus per Rear Naked Choke in Runde drei besiegte. Der 24-Jährige behielt damit eine weiße Weste – Kimura gewann jeden seiner bis dahin neun Kämpfe, acht davon vorzeitig.

Vorprogramm (Facebook)
Auch im bekannten sozialen Netzwerk wird es am Samstag wieder zur Sache gehen – ganze vier Kämpfe spendiert die UFC auf ihrer offiziellen Facebook-Präsenz.

Kampf Nummer vier wird an diesem Abend ein interessantes stilistisches Duell im Leichtgewicht bieten, wenn Standkampf-Spezialist John „The Bull“ Makdessi (11-2) auf den Grappling-Experten Renee Forte (8-2) trifft.

Makdessi könnte sich am Samstag seinen fünften Sieg in der UFC sichern. Nach zwei Siegen in den Jahren 2010 und 2011 musste der Kanadier mit libanesischen Wurzeln zwar Misserfolge gegen Dennis Hallman und Anthony Njokuani wegstecken, konnte seitdem allerdings überzeugende Punktentscheidungen gegen Sam Stout und Daron Cruickshank gewinnen. Der 28-Jährige scheint zuversichtlich zu sein, auch den nächsten Kampf zu gewinnen: „Schaltet alle ein, denn es wird Feuerwerke geben“, so Makdessi im GnP-Interview über den anstehenden Kampf.

Forte, der Anfang dieses Jahres aus dem Weltergewicht abkochte, kämpft um seinen zweiten UFC-Sieg. Während der ersten brasilianischen TUF-Staffel konnte er nicht wirklich überzeugen und wurde in seinem ersten offiziellen UFC-Kampf von Sergio Moraes zur Aufgabe gezwungen. Als er im vergangenen Februar in London gegen den Engländer Terry Etim antrat, hatte ihn deshalb verständlicherweise kaum jemand auf der Rechnung. Forte allerdings hatte offensichtlich eine Menge Arbeit im Gym investiert, profitierte darüber hinaus vom Gewichtsklassenwechsel und kegelte Etim mit einer dominanten Leistung aus der UFC.

Zuvor treffen, ebenfalls im Leichtgewicht,   Jesse „The Body Snatcher“ Ronson (13-2) und Michel Prazeres (16-1) aufeinander. Ronson, der im Adrenaline Training Center zusammen mit den UFC-Veteranen Sam Stout und Mark Hominick trainiert, geht mit einer Siegesserie von acht Erfolgen am Stück in den Kampf, von denen fünf vorzeitig zustande kamen. Für Prazeres ist es der zweite Auftritt im Octagon. Der Brasilianer sprang im vergangenen Mai kurzfristig für einen Kampf gegen Paulo Thiago ein und konnte sogar die erste Runde für sich entscheiden, gab den Kampf aber letztendlich nach Punkten ab.

Im Bantamgewicht könnte es im zweiten Kampf des Abends krachen, wenn Roland Delorme (9-1) und Alex „Bruce Leeroy“ Caceres (8-5-0(1)) aufeinandertreffen. Delorme nahm an der 14. TUF-Staffel teil und hatte seitdem gemischten Erfolg. Einem spektakulären Aufgabe-Sieg gegen Nick Denis folgte eine K.o.-Niederlage gegen Francisco Rivera, bevor er beinahe ein Jahr lang von Verletzungen ausgebremst wurde. Bei UFC 161 schließlich bog der Kanadier mit einem Punktsieg gegen Edwin Figueroa wieder auf die Siegerstraße ein.

Alex Caceres, landläufig als „Bruce Leeroy“ bekannt, kennt das auf und ab einer MMA-Karriere nur zu gut. Als eine der schillerndsten Figuren der 12. TUF-Staffel debütierte er im März 2011 „offiziell“ in der UFC, wurde jedoch erst von Mackens Semerzier, und dann von Jimy Hettes zur Aufgabe gebracht. Einer überzeugenden Leistung gegen Cole Escovedo folgte eine kontroverse Punktniederlage gegen Edwin Figueroa, nach der Caceres wieder zwei Kämpfe gewann. Und es hätten sogar drei Siege in Folge sein können, wäre „Bruce Leeroy“ nach UFC on Fuel TV 8 nicht positiv auf Marijuana getestet worden.

Der erste Kampf des Abends wird zwischen dem Österreicher Nandor „The Hun“ Guelmino (11-4-1) und dem Polen Daniel Omielanczuk (15-3-1) ausgetragen. Guelmino kämpfte im vergangenen Januar bereits einmal für ZUFFA, als er Josh Barnett auf der finalen Strikeforce-Veranstaltung via Arm Triangle Choke unterlag. Gegen einen früheren UFC-Champion zu verlieren, ist natürlich keine Schande, und so bekommt der Österreicher (seht hier seinen Trainings-Blog) am kommenden Samstag eine zweite Chance.

Für Daniel Omielanczuk ist der Kampf bei UFC 165 das ZUFFA-Debüt. Der gebürtige Pole hat im Oktober 2009 seine Profi-Karriere begonnen und seitdem 15 Siege eingefahren, davon allein neun im vergangenen Kalenderjahr. Omielanczuk ist jünger und schwerer als Guelmino und kann darüber hinaus auf dem Papier eine bessere Statistik vorweisen, allerdings ist das Rampenlicht der großen amerikanischen Arenen noch völliges Neuland für ihn. Guelmino ist zwar gegen Barnett untergegangen, hatte seitdem aber ein dreiviertel Jahr Zeit, um sich neu aufzustellen und zu verbessern. Welcher der beiden Europäer eine Zukunft in der UFC vor sich hat, werden wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab null Uhr sehen.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 165: Jones vs. Gustafsson
Samstag, 21. September 2013
Air Canada Centre in Toronto, Ontario, Kanada

Halbschwergewichtstitelkampf (ufc.tv)
Jon Jones (c) vs. Alexander Gustafsson

Bantamgewichts-Interimstitelkampf (ufc.tv)
Renan Barao (ic) vs. Eddie Wineland

Hauptprogramm (ufc.tv)
Brendan Schaub vs. Matt Mitrione
Costa Philippou vs. Francis Carmont
Pat Healy vs. Khabib Nurmagomedov

Vorprogramm (ufc.tv)
Mike Ricci vs. Miles Jury
Ivan Menjivar vs. Wilson Reis
Chris Clements vs. Stephen Thompson
Mitch Gagnon vs. Dustin Kimura

Vorprogramm (Facebook)
John Makdessi vs. Renee Forte
Jesse Ronson vs. Michel Prazeres
Roland Delorme vs. Alex Caceres
Nandor Guelmino vs. Daniel Omielanczuk