MMA

Mobbing-Kultur und Demütigungen bei Team Roufusport?

Team Roufusport gilt seit Jahren als Top-Adresse für MMA und Kickboxen in Milwaukee (Foto: Roufusport).

Roufusport MMA gilt seit Jahren als Top-Adresse für ambitionierte Kämpfer. Neben UFC-Leichtgewichtschampion Anthony Pettis trainieren dort u.a. Ben Askren, Dustin Ortiz und der Freiburger Pascal Krauss. Nachdem im März ein Amateurkickboxer des Teams wohl an den Folgen eines harten Gewichtscuts und einer Reihe Fehler von Offiziellen eines vom Gym organisierten Events verstarb, haben sich nun jedoch einige ehemalige, teils namhafte Teammitglieder äußerst negativ zu ihrem ehemaligen Gym geäußert.

Allen voran gingen UFC-Strohgewicht Rose Namajunas und Ex-UFC-Kämpfer Eric Schafer hart mit Cheftrainer Duke Roufus ins Gericht. Demnach herrsche in dem Gym in Milwaukee, Wisconsin eine extrem angsterfüllte Atmosphäre, vor allem bedingt durch unverhältnismäßige Schimpftiraden und Machtspielchen von Roufus selbst. Der Standkampf-Experte sorge dafür, dass eine ganze Reihe an Kämpfern entweder mittels zu harten Sparrings aus dem Gym vertrieben, verbal gedemütigt oder unter systematisch unter Kontrolle gehalten würden. Lediglich Top-Stars wie Anthony Pettis seien von derartigen Maschen verschont geblieben.

Ans Licht kamen die Anschuldigungen, nachdem eine Kommission den Tod des jungen Amateurkickboxers Dennis Munson Jr. untersucht und dabei diverse Fahrlässigkeiten bei der Durchführung des von Roufusport organisierten Events festgestellt hatte. Munson war nach einem scheinbar harten Gewichts-Cut in den Ring gestiegen und zeigte, wie auf einem veröffentlichten Video deutlich zu sehen ist, schon früh im Kampf Anzeichen von körperlicher Schwäche, die nicht durch Schlagwirkung verursacht zu sein schien. Ab Runde zwei stolperte Munson mehr oder weniger durch den Ring, schien völlig unkoordiniert und musste in den Pausen von seinen Betreuern aufrecht gehalten werden, während der Ringrichter ständig in eine andere Richtung schaute und der Ringarzt mit seinem Handy beschäftigt war. Nach Kampfende kollabierte Munson schließlich und wurde, wegen Missverständnissen und fehlender Versorgungsmöglichkeiten erst stark verspätet, ins Krankenhaus eingeliefert. Dort verstarb der 24-Jährige wenig später, als Todesursache wurde eine traumatische Gehirnverletzung festgestellt.

In diesem Licht ging Namajunas nun mit einigen Chat-Verläufen an die Öffentlichkeit, in denen diverse Kämpfer ihre unschönen Erfahrungen mit Roufus und seinem Gym beschreiben. Eric Schafer dagegen, UFC-Veteran und einige Zeit lang Grappling-Trainer in Milwaukee, postete seinen Unmut im amerikanischen Underground-Forum. Demnach sei Roufus „ein Mobber, ein Lügner und einer der schlechtesten Menschen“, denen er je begegnet sei.

„Ich war nie von einer giftigeren Atmosphäre umgeben als zu meiner Zeit als Grappling-Trainer und Kämpfer in diesem Gym. Ich habe gesehen, wie Teammitglied über Teammitglied wie ein Stück Scheiße behandelt wurden. Leuten wurde gesagt, sie sollten Schwächere im Training verprügeln, die nur helfen wollten. UFC-Kämpfer sollten andere UFC-Niveau-Kämpfer verprügeln, damit sie nicht mehr wiederkamen. Verbaler Missbrauch, Gewalt, Lügen über anstehende Kämpfe und so weiter. Ich habe Chatverläufe und Unterhaltungen mit beinahe allen Kämpfern aus meiner Zeit dort. Von seinen UFC-Stars bis zu seinem Trainerstab, und in allen geht es darum, wie schlecht sie behandelt wurden. Ich werde sie nicht outen, aber sie kennen die Wahrheit.“

Dazu muss gesagt werden, dass Schafer seit ca. 2010 nicht mehr bei Roufussport gearbeitet hat. Roufus selbst gab später an, dass es zu dieser Zeit viel hartes Sparring gab, sich die Gym-Kultur seitdem jedoch grundlegend geändert habe, Munsons Tod „sehr tragisch“ sei, er die Anschuldigungen jedoch nicht nachvollziehen könnte. Außerdem äußerte er seine Verwunderung darüber, dass Namajunas noch nach Munsons Tod zum Training nach Milwaukee gereist sei.

Letzten Endes stehen in diesem Fall scheinbar einmal mehr Aussage gegen Aussage und Fakten gegen Fakten. Sicher scheint lediglich, dass sich wohl niemals abschließend herausstellen wird, was genau in Milwaukee passiert oder nicht passiert ist.