MMA

MMA in Prag statt Weihnachtsschmaus

Sebastian Baron (l.) in Aktion. (Alle Fotos: ExtraRound.cz)

Sauerbraten mit Rotkohl und Knödeln, das alljährliche Tiramisu, Spekulatius und Schokolade, oder doch lieber nur ein paar trockene Kartoffeln und die Feiertage diszipliniert durchtrainieren, während alle um einen herum sich die Bäuche vollschlagen? Für uns gar keine Frage, für Sebastian Baron ebenso.

Nur, dass der 38-Jährige lieber trainiert und sich in der Weihnachtszeit in der heißen Phase der Kampfvorbereitung befand, während wir uns jetzt den Kopf zerbrechen, wie wir die lästigen Pfunde wieder loswerden. Die „Goldene Stadt“ hatte die „Pusteblume“ gelockt.

Genau gesagt kämpfte der Wuppertaler am 28. Dezember bei der Prager Veranstaltung Heroes Gate gegen den Lokalmatador Jaroslav Poborsky. Mit großem Erfolg, wie der Gründer und Chef des Alligator Rodeo Teams uns im Interview erzählt.

Sowohl im Stand...

GroundandPound: Wie schwer ist es dir gefallen, auf das ganze Weihnachtsessen zu verzichten?

Sebastian Baron: Das ist mir schwer gefallen. Die ganze Sippe war versammelt, es gab die leckersten Sachen, und ich durfte quasi an allem mal riechen. Na ja, fast. Etwas habe ich schon gegessen, dafür aber auch am 24. und am 25. noch voll trainiert.

Aber immerhin - dank MMA hab' ich mich zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht überfressen an Weihnachten. Obwohl ich es mir immer vorgenommen hatte, ergab sich das irgendwie jedes Mal zwangsläufig.

Poborsky hatte 50 Profikämpfe auf dem Buckel. Was bewegte dich dazu, dem Kampf kurzfristig zuzusagen?

Genau das: die große Anzahl an Kämpfen! Normalerweise sage ich nie etwas so kurzfristig zu. Ich kriege die verrücktesten Angebote - manchmal klingelt freitags das Telefon, und ich werde gefragt, ob ich samstags kämpfen will. Die Überlegung ist da immer die gleiche: Wenn ich fit wäre, würde ich wohl samstags schon woanders kämpfen.

Na ja, aber in diesem Fall waren ja noch zehn Tage Zeit Gas zu geben, und ich habe mich zum einen sehr geehrt gefühlt, gegen jemanden mit so einer großen Erfahrung kämpfen zu können, zum anderen hielt ich es für absolut machbar, da ich ihn schon live gesehen hatte und auch einige Videos kannte. Technisch passte es für mich, allein vom Körpertyp war ganz klar für beide, wo die Reise hingehen sollte.

Wie ist der Kampf aus deiner Sicht verlaufen? Mit welchem Fazit kehrst du aus Prag zurück?

Ich hatte im Stand die besseren Treffer, der Gameplan ging voll auf! Danke an dieser Stelle an Laurens Thijssen und Rainer Prang, die sich hingesetzt und Videos geschaut haben und mir beide wertvolle Tipps gegeben haben. Rainer kam sogar noch in mein Gym und hat mit mir trainiert!

Nach einem Niederschlag lag Jaroslav flach, aber dummerweise halb aus dem Ring, so dass es einen Restart in der Mitte gab, allerdings im Stehen. Nachdem ich mir den Bodyclinch gesichert hatte, konnte ich ihn mit einem Seatbelt werfen und mounten, nach kurzem Ground and Pound in die Backmount wechseln, und ihn dort mit einem Rear Naked Choke zum Tappen bringen.

Der Kampf lief insgesamt überraschend gut für mich, ich war keinmal am Seil und nur auf dem Rücken, als ich schon die Backmount hatte. Ich hatte das Gefühl, dass der Kampf nach den ersten Treffern zu meinen Gunsten gekippt ist, jedenfalls hatte mein Gegner danach arge Probleme mit dem Timing, davon konnte ich profitieren.

Es war ein guter Test für meinen nächsten Kampf - ich denke, dass mein Gegner bei GMC (Djamil Chan, d. Red.) zwar nicht härter schlägt, aber vielleicht doch besser trifft. Ich muss also auf der Hut sein.

Auf jeden Fall möchte ich nochmal sagen, dass ich Jaroslav sehr respektiere - er hat ein großes Herz, lässt sich nicht unterkriegen, und er hat schon mit allem gewonnen und allem verloren. Ich wünsche ihm viel Erfolg bei seinen nächsten Kämpfen!

...als auch am Boden...
Was kannst du uns über die Veranstaltung und die Stadt erzählen?

Es war von vorne bis hinten alles perfekt organisiert. Alle waren sehr freundlich, aber zurückhaltender als anderswo, sehr angenehm. Ich schiebe das auf die Mentalität der Tschechen. Ansonsten war es ja ohnehin nur ein Kurztripp, so dass wir von der Stadt nicht viel gesehen haben. Aber das war ja auch nicht der Zweck der Reise.

2012 war nach mehreren Pleitenjahren erstmals nur "voller Siege" für dich. Jucken dich so Statistiken überhaupt?

Ach, so voll war das gar nicht, es waren ja nur zwei. Als ich nach meinem Sieg im Juli ins Auto stieg, erhielt ich einen Anruf mit einer Todesnachricht, da ist man ganz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen. Meine Freude dauerte also nur eine halbe Stunde. Und als ich vorgestern aus Prag zurück kam, habe ich meine Kinder zu mir geholt und genieße die Zeit mit ihnen.

Die Statistik ist mir relativ egal. Es ist nur amüsant, wer einem alles so gratuliert, neben den echten Freunden. Leute, die sonst auf einen pfeifen! Marc Coleman hat es mal so schön gesagt: "They treat you better, when you win!"

...machte die Pusteblume eine gute Figur.
Womit und wie kannst du deinem nächsten Gegner bei GMC 3, dem jungen Djamil Chan, der von den Anlagen sehr an Paul Daley erinnert, gefährlich werden?

Ich werde ihn mit einer sauberen Boxkombination ausknocken! (lacht) Nein, ehrlich: Dazu äußere ich mich jetzt nicht. Natürlich habe ich Ideen zu diesem Kampf im Kopf, aber es ist eine Sache von Gefühl und Technik. Das kann man weder gut in Worte fassen, noch hat man die Gewähr, dass es so aufgeht, wie man es sich vorher überlegt.

Man braucht Glück in der Vorbereitung, damit man ohne Verletzungen und ohne anderen Stress da durch kommt, beides ist sehr wichtig. Und dann ist es Tagesform, aber von zwei Leuten. Wie heißt es so schön? "Jeder hat eine Strategie – bis ihn die erste Faust im Gesicht trifft.“

Was willst du 2013 erreichen?

Ich will alle meine Lieferanten von Boxhandschuhen, Bandagen und Fightshorts dazu bringen, den Kram nicht mehr in Knallfolie einzupacken! Die Gefahr, dass diese Sachen beim Transport zerbrechen, sehe ich nämlich nicht. Aber dass unsere Kinder und Enkel auf einem total vermüllten Planeten leben, will keiner.

Und man muss bei sich selber anfangen, nicht nur auf die Industrie schimpfen und alles einfach immer so hinnehmen und fleißig wegschmeißen! Getränke und Marmeladen kaufe ich auch nur noch im Glas, und nicht mehr in Plastik.

Nächster Halt: GMC 3 in Herne.
Danke für das Interview, und alles Gute für die Zukunft!

Ich danke meiner Freundin Alexandra Buch, die eine ganz ausgezeichnete Ernährungsberaterin ist und mich in Prag ganz alleine betreut und gecoacht hat! Ich hoffe, sie gewinnt ihren Kampf im Februar gegen Jorina Baars.

Und ich danke meinem Team, besonders den Trainern: Siggie Bredenbach und Oliver Winter beim Thaiboxen, Sven Wegscheider beim BJJ, Artur und Öscan beim Boxen und Alex Mossessian beim Sambo! Gute Truppe! Weiter so in 2013!