MMA

Miocic vs. Maldonado in Sao Paulo

Der Kampf zwischen Stipe Miocic und Fabio Maldonado könnte eine Schlacht werden.

MMA-Fans werden am kommenden Samstag auf ihre Kosten kommen – nicht nur in der Berliner o2 World steht am 31. Mai das Octagon der UFC, sondern auch im brasilianischen Sao Paulo.

Nur wenige Stunden nach dem Hauptkampf in Deutschland startet die Fight Pass-Übertragung des „The Ultimate Fighter: Brazil“-Finales, das von einem Schwergewichtskampf zwischen Stipe Miocic und Fabio Maldonado angeführt wird.
Außerdem finden die beiden Finalkämpfe der TUF-Staffel statt und einige bekannte Gesichter wie Demian Maia oder Paulo Thiago werden ebenfalls ins Octagon steigen.

UFC 173 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der zum monatlichen Abopreis von 7,99€ auf ufc.tv bezogen werden kann. Nach der Registrierung wird das Vorprogramm kostenlos übertragen, während das Hauptprogramm noch einmal 17,99€ (HD) bzw. 15,99€ (SD) kostet.

Stipe Miocic vs. Fabio Maldonado
Dieser Event hätte vermutlich eine Menge Kritik für seinen Mangel an bekannten Namen einstecken müssen, wenn mehr Menschen mitbekommen hätten, dass er überhaupt stattfindet. Ursprünglich war eine ganze Menge mehr Star-Power für die Veranstaltung eingeplant, zumindest im Hauptkampf: Wanderlei Silva gegen Chael Sonnen sollten hier ihre lang anhaltende Rivalität auskämpfen, bevor nach der Verschiebung des Kampfes auf UFC 175 als Ersatzansetzung Junior dos Santos gegen Stipe Miocic antreten sollte. Der frühere Schwergewichtschampion fiel jedoch mit einer gebrochenen Hand aus, sodass wegen der Visa-Bestimmungen kurzfristig ein anderer Brasilianer her musste, der noch keinen Kampf geplant hatte und zumindest die untere Grenze des Schwergewichtslimits erreichen konnte.

Für solche Spezialaufträge hat Joe Silva mit Fabio „Caipira de Aco“ Maldonado (21-6) genau den richtigen Mann an der Hand – das Halbschwergewicht mit den Erfahrungen als Profi-Boxer sorgt immer für einen guten Kampf und hat sich damit in den vergangenen Jahren eine solide Fanbasis aufgebaut. Sein unterhaltsamer Kampfstil und ironischerweise eine Niederlagenserie von drei verlorenen Kämpfen am Stück sind dafür hauptverantwortlich, denn neben zwei kontroversen Punktniederlagen demonstrierte Maldonado bei UFC 153 ein riesiges Kämpferherz gegen Glover Teixeira. Der spätere Titelherausforderer verprügelte Maldonado nach Strich und Faden, der jedoch nie auch nur einen Gedanken ans Aufgeben verschwendete, Teixeira für einen kurzen Moment selbst auf wacklige Beine stellte und noch protestierte, als der Ringrichter den Kampf nach zwei Runden gnädigerweise abbrach. Seitdem hat Maldonado jeden seiner Kämpfe gewonnen – Roger Hollett, Joey Beltran und zuletzt Gian Villante gaben Punktentscheidungen an den Brasilianer ab, der nun mit nur wenigen Wochen Vorbereitung vor dem größten Test seiner Karriere steht.

Stipe Miocic (11-1) debütierte 2011 nach sechs vorzeitigen Siegen in der regionalen Szene in der UFC, wo er Joey Beltran nach Punkten schlug. Zwei (T.)K.o.-Siege gegen Phil de Fries und Shane del Rosario später stand der Amerikaner mit kroatischen Wurzeln bereits im Hauptkampf von UFC Nottingham, wo er auf Stefan Struve traf. Der lange Holländer schlug Miocic an jenem Abend jedoch K.o. und verfrachtete ihn damit für ein knappes dreiviertel Jahr auf die Ersatzbank. Bei UFC 161 im Juni 2013 kehrte Miocic jedoch höchst überzeugend mit einem sehr dominanten Punktsieg gegen Roy Nelson zurück, bevor er im Januar Gabriel Gonzaga auspunktete und somit wieder in den oberen Regionen der Gewichtsklasse ankam. Dort hätte er eigentlich gegen Junior dos Santos die zweite Chance zum Durchbruch bekommen sollen – nachdem sich der Ex-Weltmeister jedoch die Hand brach, muss Miocic nun mit Maldonado vorlieb nehmen. In diesem Kampf zweier versierter Boxer dürfte es darauf ankommen, wer in den anderen Bereichen die Nase vorne hat, und das dürfte zum großen Teil Miocic sein, der mit seiner Ringer-Erfahrung ein Ass im Ärmel hat. In der Praxis schafft es Maldonado jedoch meist, jeden Kampf zu einer Stand-Schlacht werden zu lassen und das wird er wohl auch am Samstag gegen Miocic versuchen. Ob er damit Erfolg haben wird? Nur wenige Stunden nach UFC Berlin werden wir es erfahren.

Antonio Carlos Junior vs. Vitor Miranda
Im Schwergewicht wird es zum letzten Mal zum direkten Aufeinandertreffen von Team Sonnen und Team Wanderlei kommen, wenn Antonio Carlos „Carea de Sapato“ Junior (3-0) und Vitor „Lex Luthor“ Miranda (9-3) den TUF-Titel unter sich ausmachen.

Antonio Carlos Jr. hat zwar erst drei Profi-Kämpfe auf dem Buckel, konnte diese jedoch allesamt in der ersten Runde durch Aufgabe gewinnen und hat im Alter von 24 Jahren auch noch massig Zeit, um sich zu entwickeln. Im TUF-Haus zumindest hat er bereits einiges an Potential gezeigt, als er Edgard Castaldelli in der ersten Runde T.K.o. schlug, bevor er Marcos Rógerio ebenso schnell zur Aufgabe zwang.

Am Samstag wird ihm mit dem 35-jährigen Vitor Miranda ein weitaus erfahrenerer Gegner gegenüberstehen, der als Trainingspartner der Nogueira-Brüder hochklassige Vorbereitung genießen durfte und in seiner Karriere zwei Mal mit Fabio Maldonado über die Distanz ging. Er gewann beide seiner TUF-Kämpfe durch technischen Knockout, am Samstag darf man im Schwergewichtsfinale also eine Menge Action erwarten.

Warlley Alves vs. Marcio Alexandre Junior
Im Mittelgewichtsfinale werden zwei Kämpfer aus Chael Sonnens Team gegeneinander um die TUF-Krone antreten. Warlley Alves (6-0) geht dabei mit der beeindruckenderen Bilanz aus dem Haus in den Käfig – er konnte beide seiner Kämpfe in der ersten Runde gewinnen. Mit diesen Ergebnissen bestätigte Alves den Eindruck, den er schon in seiner bisherigen Profi-Karriere hinterlassen hat: der erst 23-Jährige ist noch ungeschlagen und konnte vier seiner sechs Siege vorzeitig einfahren.

Marcio „Lyoto“ Alexandre Junior (12-0) dagegen kann als Profi die doppelte Erfahrung von Alves vorweisen, hat dafür aber im TUF-Haus nicht derartig überzeugt – der Trainingspartner von Thiago Tavares gewann seine beiden Kämpfe auf dem Weg ins Finale durch geteilten Punktentscheid.

Demian Maia vs. Alexander Yakovlev
Ebenfalls in Sao Paulo will BJJ-Experte Demian Maia (18-6) zurück in die Erfolgsspur finden. Noch vor einem Jahr stand Maia kurz vor einem Titelkampf gegen Georges St-Pierre, nun ist der Champion zurückgetreten und Maia hat zwei Kämpfe hintereinander verloren.

Nach Siegen gegen Dong Hyun Kim, Rick Story und Jon Fitch gab der Brasilianer eine knappe Punktentscheidung an Jake Shields und dann eine deutlichere an Rory MacDonald ab. Maia führt damit eine Angewohnheit weiter, die ihm seit seinem Debüt in der UFC anhaftet – Maia hat seine Zeiträume, in denen er beinahe unschlagbar wirkt, bevor er wenige Monate später deutliche Schwächen offenbart. Das ist ihm vor einigen Jahren im Mittelgewicht passiert, wo nach einigen spektakulären Aufgabe-Siegen ein Titelkampf gegen Anderson Silva eine Negativ-Serie einläutete und nun auch im Weltergewicht, wo die drei aufeinanderfolgenden Siege nach dem Gewichtsklassenwechsel das massive Potential offenbart haben, das der Brasilianer bis 77 Kilo besitzt.

Anstelle von Gegnern wie Johny Hendricks wird Maia am Samstag nun jedoch auf den UFC-Debütanten Alexander „Bad Boy“ Yakovlev (21-4) treffen. Yakovlev stieg 2004 zum ersten Mal in den Ring und hat seitdem 21 Siege eingefahren, 16 davon vorzeitig. Mit einer Punktentscheidung gegen Paul Daley aus dem vergangenen November sicherte der Russe sich seinen Platz in der UFC und bekommt mit Demian Maia auf dem Hauptprogramm der Veranstaltung gleich einen harten Test vor die Fäuste.

Rony Jason vs. Robbie Peralta
Eröffnet wird das Hauptprogramm in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit einem Federgewichtskampf, der das Potential hat, sich zu einer höchst unterhaltsamen Schlacht zu entwickeln.

Rony „Jason“ Mariano Bezerra (14-4) ist, seit er 2012 die erste brasilianische TUF-Staffel im Federgewicht gewonnen hat, auf einem guten Weg, ein Star in seinem Heimatland zu werden. Der 30-Jährige aus dem Team Nogueira kennt kaum etwas anderes als den Vorwärtsgang und gewann dadurch seine ersten drei UFC-Kämpfe, zwei davon vorzeitig gegen Sam Sicilia und Mike Wilkinson. Gegen Jeremy Stephens jedoch ging Jason bereits in der ersten Runde Schlafen, als „Lil Heathen“ ihn mit einem krachenden Headkick auf die Bretter schickte. Von diesem Rückschlag kam Jason im Februar zurück, als er Steven Siler in der ersten Runde niederschlug und der Ringrichter den Kampf, nach Ansicht einiger Fans etwas zu früh, abbrach.

In Sao Paulo wird er auf Robbie „Problems“ Peralta (17-4) treffen, der seinem Spitznamen in der UFC bisher mehr als ein Mal gerecht geworden ist – mit Ausnahme einer Punktniederlage gegen Akira Corassani konnte der 28-jährige Kalifornier jeden seiner Kämpfe in der UFC gewinnen. Jason Young und zuletzt Estevan Payan gingen dabei vorzeitig auf die Bretter, und genau dieses Ergebnis will Peralta auch am Samstag erreichen.

Vorprogramm:
Im letzten Kampf des Vorprogramms wird Rodrigo Damm (12-6) im Leichtgewicht versuchen, gegen Rashid Magomedov (16-1) seinen vierten Sieg in der UFC einzufahren. Damm hat in der Vergangenheit in den verschiedensten Organisationen bereits gegen einige bekannte Namen gekämpft, u.a. Gilbert Melendez und Jorge Masvidal. In der UFC ist eine geteilte Punktniederlage bisher der einzige Fleck auf seiner ansonsten weißen Weste – nach zuletzt zwei Punktsiegen will er den Kampf gegen Magomedov wieder vorzeitig zu Ende bringen.

Magomedov dagegen will zum zweiten Mal im Octagon gewinnen, nachdem er bei UFC 169 im Februar bereits Tony Martin nach Punkten schlagen konnte. Die sechs vorherigen Jahre verbrachte der Dagestani in diversen europäischen Organisationen wie M-1, wo er neben einer geteilten Punktniederlage jeden seiner Kämpfe gewinnen konnte.

Im Leichtgewicht bekommt Elias „Xuxu“ Silveiro (10-0) die Chance, seine UFC-Bilanz auf drei Siege ohne Niederlage zu verbessern. Der 27-Jährige aus Sao Paulo konnte bisher Joao Zeferino und Isaac Vallie-Flagg im Octagon schlagen und wird nun in seiner Heimatstadt auf Ernest „EJ“ Chavez (7-0) treffen. Der Kalifornier gewann bisher jeden seiner Profi-Kämpfe, zuletzt eine geteilte Punktentscheidung gegen Yosdenis Cedeno bei UFC 170.

Zuvor wird mit Paulo Thiago eines der bekannteren brasilianischen Gesichter der UFC ins Octagon steigen, das zuletzt jedoch weniger Erfolg hatte. Der wegen seines Hauptjobs als Elite-Polizist in Brasilien höchst populäre Thiago debütierte 2009 in London in der UFC, wo er den haushoch favorisierten Josh Koscheck überraschenderweise mit einem Aufwärtshaken auf die Bretter schickte. Seitdem konnte er jedoch nur vier von zehn Kämpfen gewinnen und braucht gegen Gasam „Cobra“ Umalatov (14-3) daher dringend einen Sieg. Der Russe kam nach einem Sieg gegen Gregor Herb in die UFC, wo er im Februar Neil Magny nach Punkten unterlag. Auch die „Cobra“ steht daher am Samstag unter Zugzwang.

Im Federgewicht wird Mark Eddiva (6-0) zum zweiten Mal ins Octagon steigen. Nach seinem Punktsieg gegen Jumabieke Tuerxun im März in China musste der von den Philippinen stammende Eddiva nun nach Brasilien reisen, wo er auf den dort beheimateten Edimilson „Kevin“ Souza (14-3) treffen wird. Der 29-Jährige aus Salvador de Bahia hat um einiges mehr Erfahrung als Eddiva, die er im vergangenen September gegen Felipe Arantes ausspielte, den er nach Punkten schlug.

Im Schwergewicht kommt es zum Duell zwischen Team Silva und Team Sonnen, wenn Marcos „Pezao“ Rogerio de Lima (11-2-1) auf Richardson „Rick Monstro“ Moreira (7-1) trifft. Beide schafften es bei TUF Brazil 3 bis ins Halbfinale, mussten sich dann jedoch den zwei Finalisten geschlagen geben und kämpfen nun den undankbaren dritten Platz unter sich aus.

Auch im Mittelgewicht bekommen zwei Kämpfer der letzten TUF Brazil-Staffel ihre zweite Chance auf einen Platz in der UFC: Ricardo „Demente“ Abreau (4-0) und Wagner „Wagnao“ Silva (3-0) traten beide in Wanderlei Silvas Team an und schafften es ebenfalls beide bis ins Halbfinale, mussten sich dort jedoch den Finalisten geschlagen geben.

Auf den ersten Kampf des Abends sollte man ein Auge haben, denn mit Pedro „The Young Punisher“ Munhoz (10-1) und Matt „The Crowbar“ Hobar (8-1) treffen im Bantamgewicht zwei äußerst talentierte Newcomer aufeinander. Munhoz verlor zwar sein UFC-Debüt im vergangenen Februar, gab die Punktentscheidung jedoch an Raphael Assuncao ab – wenn Munhoz ihm nicht in ihrem Kampf eine Rippe gebrochen hätte, wäre Assuncao am vergangenen Samstag anstelle von TJ Dillashaw gegen Renan Barao um den Titel angetreten. Die Chance zur Wiedergutmachung bekommt Munhoz an diesem Wochenende gegen Matt Hobar. Der Texaner verlor bisher nur ein Mal durch eine Armverletzung und revanchierte sich später für diese Niederlage. Knapp ein Jahr nach seinem letzten Kampf bekommt er nun seine große Chance in der UFC.


Anbei das gesamte Programm:

The Ultimate Fighter Brazil 3 Finale
Samstag, 31. Mai 2014
Ginásio do Ibirapuera in Sao Paulo, Brasilien

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Stipe Miocic vs. Fabio Maldonado
Warlley Alves vs. Marcio Alexandre Junior
Antonio Carlos Junior vs. Vitor Miranda
Demian Maia vs. Alexander Yakovlev
Rony Jason vs. Robbie Peralta

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Elias Silverio vs. Ernest Chavez
Paulo Thiago vs. Gasan Umulatov
Kevin Souza vs. Mark Eddiva
Rodrigo Damm vs. Rashid Magomedov
Ricardo Abreu vs. Wagner Silva
Marcos Rogerio de Lima vs. Richardson Moreira
Perdo Munhoz vs. Matt Hobar