MMA

Michael Bisping: "Cung Le kann mich mal am Arsch lecken!"

Michael Bisping war schon immer für sein flottes Mundwerk bekannt. (Foto: Florian Sädler/Groundandpound.de)

Michael „The Count“ Bisping (24-6) war noch nie dafür bekannt, öfter als nötig ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Grund genug für eine große Klappe hat der britische UFC-Veteran jedenfalls, immerhin hat er im Octagon bisher 14 von 20 Kämpfen gewonnen und steht dank seiner polarisierenden Art stets kurz vor einem Titelkampf.

Nach einer einjährigen, durch eine Augenverletzung verursachten Pause wurde Bisping im April jedoch von Tim Kennedy fünf Runden lang kontrolliert und braucht daher am 23.8. im Hauptkampf der 48. UFC Fight Night in Macau, China dringend einen Sieg, um auch weiterhin auf dem höchsten Level relevant zu bleiben. Wir haben uns im Vorfeld dieses Kampfes mit dem „Count“ über Cung Le, seine hartnäckige Augenverletzung, Vitor Belforts veränderten Körperbau und vieles mehr unterhalten:

Hallo Michael, du wirst am 23. August in Macau gegen Cung Le antreten – wie ist dein Trainingscamp gelaufen?
Michael Bisping: „Mein Trainingscamp ist super gelaufen. Ich fühle mich besser als je zuvor und bin bereit, jemanden auseinanderzunehmen.“

Was hältst du von Le als Gegner?
„Er ist ein guter Gegner, er ist sehr gefährlich mit seinen Kicks, und deshalb habe ich mich entsprechend vorbereitet. Er ist ein harter Gegner, aber ich denke auch, dass ich der bessere Kämpfer bin.“

Wie du schon sagst, ist er für seine Fähigkeiten im Stand bekannt. Heißt das für dich, dass du den Kampf auf den Beinen lieber vermeiden willst, oder wirst du versuchen, gerade dort ein Statement zu setzen?
„Ich versuche jedes Mal, durch K.o. zu gewinnen, mein Freund. Jeder Kampf ein Knockout. Ich habe erst gestern einen Typen im Sparring mit einem linken Headkick ausgeknockt, und das ist auch mein Plan für den Kampf: Cung Le wird auf die Bretter gehen, soviel ist sicher.“

Der Kampf wird in Macau stattfinden, dir steht also eine lange Reise bevor. Kämpfst du gerne an exotischen Orten wie China oder vor einigen Jahren Australien, oder würdest du der Einfachheit halber lieber ausschließlich in den Staaten antreten?
„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich die UFC rund um die Welt repräsentieren kann. Ich habe dadurch die Möglichkeit bekommen, einige unglaubliche Orte zu erleben – ich habe die Welt gesehen. Am Ende des Tages ist es ohnehin egal, ob du in Deutschland, Australien oder China kämpfst. Sobald sich die Käfigtür schließt, gibt es nur noch dich und deinen Gegner.“

Man ist von dir oft einiges an Trash Talk gewohnt. Im Vorfeld dieses Kampfes dagegen ist es bisher ziemlich ruhig zugegangen. Hast du dich aus Respekt vor Le zurückgehalten, oder können wir in den verbliebenen Tagen bis zum Kampf noch etwas erwarten?
„Ich versuche eigentlich nie, jemanden mit Trash Talk aus der Reserve zu locken – ich will mich einfach nur auf meinen Kampf fokussieren können. Wobei mir Cung Le ehrlich gesagt auch ziemlich egal ist. Wir haben diese Presse-Tour zusammen gemacht, während der ich ziemlich freundlich und respektvoll war. Scheinbar hat er danach selbst ein bisschen mit dem Trash Talk angefangen, was mir aber vollkommen egal ist. Cung Le kann mich also mal am Ar*** lecken, denn ich werde so oder so die Sch**** aus ihm herausprügeln – hier habt ihr es zuerst gehört. Nur eine Person kann gewinnen, und das werde ich sein – Ende der Diskussion.“

Dein letzter Kampf gegen Tim Kennedy lief nicht so wie geplant. Was ist an diesem Abend falsch gelaufen?
„Etwas ganz simples: Ich wurde fünf Mal am Auge operiert und habe ein Jahr lang in meinem Wohnzimmer auf der Couch verbracht, weil ich nicht trainieren konnte. Und als ich dann vom Arzt endlich die Freigabe zum Kämpfen bekommen hatte, habe ich die UFC angerufen, und sieben Wochen später habe ich in einem Hauptkampf gegen einen Top Ten-Gegner gekämpft. Im Rückblick hätte ich mir einfach ein paar zusätzliche Monate gönnen sollen, um den Ringrost im Gym wieder ein wenig abzubröckeln und meine Technik auf den neuesten Stand zu bringen. Ich wollte aber nun mal so schnell wie möglich wieder zurück ins Octagon und habe den Preis dafür gezahlt.“

Wo du gerade von deiner Augenverletzung sprichst: Im Internet liest man häufig, dass dein Auge immer noch nicht ganz gesund aussähe. Ist es mittlerweile komplett verheilt, oder hast du immer noch Probleme damit?
„Mein Auge ist zu hundert Prozent verheilt. Es sieht immer noch ein wenig anders aus als zuvor, was aber völlig normal ist. Ich würde nicht wieder kämpfen, wenn es anders wäre.“

Angenommen, du schlägst Cung Le überzeugend: Wie nahe an einem Titelkampf wärst du dann deiner Meinung nach? Würde ein Kampf gegen Luke Rockhold Sinn machen, mit dem du dich auf Twitter in letzter Zeit ziemlich gefetzt hast?
„Drücken wir die Daumen, dass ich Cung Le schlage. Und danach? Wer weiß, es könnte definitiv Luke Rockhold werden. Es gibt offensichtlich ein Interesse an diesem Kampf – er hat gesagt, dass er gegen mich kämpfen will und ich wäre ebenfalls nicht abgeneigt. Es wäre sicherlich ein guter Kampf, da momentan jeder denkt, dass er einer der Top-Kämpfer im Mittelgewicht ist. Luke Rockhold kann auf Twitter über mich schreiben, was er will. Nichts davon hat einen Einfluss auf mich, nichts davon stört mich. Aber wenn er einen Kampf gegen mich will, ist das sicherlich ein guter Weg.“

Du hast zuletzt häufig im Reign Training Center trainiert, das von Mark Munoz geleitet wird. Was sind deine bisherigen Erfahrungen dort, wie ist dein Verhältnis zu Munoz und würdet ihr immer noch gegeneinander Kämpfen wollen, nachdem ein geplantes Duell im vergangenen Oktober wegen deiner Augenverletzung nicht stattfinden konnte?
„Ja, ich habe in letzter Zeit häufig im Reign Training Center trainiert und die Zeit dort wirklich genossen. Ich bin dort drei Mal in der Woche – montags, dienstags und freitags – um ein paar neue Dinge zu lernen, und bisher hat es sich definitiv bezahlt gemacht. Mark war ehrlich gesagt die letzten Monate über kaum im Gym, weil er sich in seinem letzten Kampf (in Berlin gegen Gegard Mousasi, d. Red.) am Knie verletzt hat und operiert werden musste. Mark und ich haben aber tatsächlich darüber gesprochen, und wenn es so kommen sollte – super – dann soll es eben so sein. Ich werde mich dann so lange von seinem Gym fernhalten, dann soll der bessere Mann gewinnen, und am Ende werde ich weiter dort trainieren.“

Chris Weidman hat vor Kurzem eine Art Vorher-Nachher-Bild von Vitor Belfort gepostet, das ihn einmal mit und einmal ohne TRT-Unterstützung zeigt – ohne das zusätzliche Testosteron sieht er viel schmaler aus. Was hältst du davon und würdest du jetzt, wo er höchstwahrscheinlich sauber ist, gerne einen Rückkampf gegen ihn bekommen?
„Absolut – man kann ganz klar die Auswirkungen der Steroide sehen, die er genommen hat. Er sieht jetzt aus wie ein komplett anderer Mensch. Sein Nacken ist merklich dünner geworden, genau wie seine Schultern – er sieht im Vergleich einfach aus wie ein schwächerer Mann, und das stört mich ganz gewaltig. Ich habe in meinem ganzen Leben nie auch nur eine verbotene Substanz eingenommen. Ich betrüge nicht, ich habe das alles auf die harte Tour erreicht, nämlich durch harte Arbeit, Schweiß und Zielstrebigkeit. Und dann kommen diese Typen, die ihre Körper künstlich aufputschen – das ist mir während meiner UFC-Karriere mehrmals passiert. Ja, ich würde gerne noch einmal gegen Vitor Belfort antreten. Ich glaube, dass er als gebrochener Mann in den Käfig zurückkehren wird. Steroide machen dich körperlich ebenso von ihnen abhängig wie psychologisch, und deswegen wird er garantiert nicht derselbe Kämpfer sein, der er bis vor Kurzem war. Er wird auch nicht gegen Chris Weidman kämpfen, wie Luke Rockhold bereits gesagt hat. Er wird wahrscheinlich früher oder später absagen, weil er sich verletzt hat. Und wenn er doch gegen Chris Weidman kämpfen sollte, wird der mit ihm den Boden wischen. Genau wie ich oder Luke Rockhold, wenn wir noch einmal gegen ihn kämpfen würden. Vitor Belfort ist am Ende.“

Bis auf einige wenige haben alle deine Gegner, gegen die du in der UFC verloren hast, von TRT profitiert, und jetzt ist jeder von ihnen in irgendeiner Form auf dem absteigenden Ast. Freust du dich, dass sie jetzt die Quittung bekommen, oder hast du vielleicht sogar etwas Mitleid mit ihnen?
„Ich freue mich nie, wenn ein Mann seinen Job verliert. Aber auf der anderen Seite sind wir alle erwachsene Männer und verantwortlich für unser Handeln. Sie haben diese Entscheidung getroffen und haben den Preis gezahlt. Sie betrügen in dem Sport, den ich liebe. Ich würde einfach gerne gegen jeden von ihnen noch einmal antreten und sie besiegen, dieses Mal unter fairen Bedingungen.“

Zu guter Letzt: Warum sollte man deinen Kampf am 23.8. auf keinen Fall verpassen?
„Am Anfang meiner Karriere habe ich alle meine Gegner in der ersten Runde ausgeknockt, und das ist der Stil, zu dem ich zurückkehren werde. Cung Le ist in der besten Form seines Lebens, es werden also zwei der besten Kämpfer der Welt versuchen, sich gegenseitig K.o zu schlagen. Der Co-Mainevent ist ebenfalls ein Hammer – Dong Hyun Kim gegen Tyron Woodley – dieser Kampf hätte genauso gut ein Hauptkampf sein können. Wenn ihr MMA-Fans seid und Knockouts liebt, solltet ihr diese Show nicht verpassen.“