MMA

"Mich wird man niemals in einem langweiligen Kampf sehen"

Kajan Johnson als Kind beim Karate - mit der UFC hat damals noch niemand gerechnet. (Foto: Kajan Johnson).

Der Wendepunkt in Kajan Johnsons MMA-Karriere kündigte sich mit einem lauten Knacken an. „Ragin“ wusste instinktiv, dass der Schlag, der gerade während einer Sparringseinheit im Tristar Gym in seinem Gesicht gelandet war, ernsthaften Schaden angerichtet haben musste; er konnte damals nur noch nicht wissen, dass es mehrere Jahre dauern würde, bis er wieder in einen Käfig steigen könnte und dass es sich dabei um das Octagon der UFC handeln würde.

Johnson wird sein Debüt am 14. Juni im Vorprogramm von UFC 174 in der Rogers Arena in Vancouver, Kanada geben. Noch vor ein paar Monaten hatte er sich große Hoffnungen auf den Sieg der „The Ultimate Fighter: Nations“-Staffel gemacht, bis er im letzten Kampf vor dem Finale aus dem Turnier eliminiert wurde. Das große Ziel, um den TUF-Titel zu kämpfen, glitt ihm so durch die Finger, aber überhaupt in den Käfig steigen zu können, geschweige denn ins Octagon der UFC – das schien noch vor wenigen Jahren ein ganzes Stück zu weit weg zu sein.

Der komplizierte Jochbeinbruch hielt ihn ein ganzes Jahr über von den Matten im Gym fern und machte das Kämpfen noch länger unmöglich. Das Timing hätte dabei kaum schlechter sein können, war „Ragin“ doch gerade dabei, eine Menge Rückenwind in der kanadischen Szene aufzubauen. Als Kind zweier Tänzer war Johnson schon immer physisch begabt und darüber hinaus ein talentierter Kämpfer, der aber nach dem Start seiner Mixed Martial Arts-Karriere schnell feststellen musste, dass natürliche Gabe und Haudrauf-Training nicht immer genug waren.

Unstete Anfänge
„Ich habe in einem Ort namens Prince George trainiert. Wir hatten überhaupt keine Ahnung von Kampfsport. Wir wussten, wie man hart arbeitet und wir waren hart im Nehmen, aber das war es dann auch schon. Das funktionierte einfach nicht mehr, sobald wir gegen Typen in den Ring gestiegen sind, die etwas vom Ringen verstanden.“ Johnson realisierte, dass er, wenn er in diesem Sport Erfolg haben wollte, dieselben Fähigkeiten lernen musste, die ihm die meisten seiner Niederlagen beigebracht hatten. Aus diesem Grund verlegte er gleich zwei Mal seinen Lebensmittelpunkt – erst von Prince George ins nahe Vancouver und dann quer durchs ganze Land nach Montreal. Diese Entscheidung stellte sich als schwierig heraus, denn Johnson ist ein Black Foot-Indianer und weiß genau, wie die Situation seines Volkes in seiner Heimatprovinz und generell im ganzen Land aussieht: „Die indigenen Völker haben mit allerlei Problemen zu kämpfen, beispielsweise Landrechten, und die werden in diesem Land nicht angesprochen, sondern unter den Tisch gekehrt. Aus diesem Grund will ich so viel tun wie ich kann, um zu helfen.“

Um sich einen Namen zu machen und damit später für Unterstützung sorgen zu können, musste Johnson seine Heimat jedoch verlassen und 4000 Kilometer von Zuhause noch einmal ganz von vorne anfangen: „Ich bin nach Vancouver gezogen, weil ich in Prince George mehr oder weniger rausgewachsen bin, und dann bin ich zu Tristar gegangen, weil ich in Vancouver rausgewachsen bin. In Van City gibt es eine Menge gutes Training, aber wir hatten zu wenige Sparringspartner; wir hatten keinen zentralen Ort, an dem man Zugriff auf Top-Leute oder wirklich gute Trainer hatte, die auf hohem Level unterrichten konnten. Daher bin ich für ein Trainingscamp zum Tristar Gym gegangen und es hat mir so gefallen, dass ich dort eingezogen bin.“

Diese Entscheidung mag nicht die einfachste gewesen sein, hat sich seitdem aber im großen Stil ausgezahlt, denn Johnson sammelte ungefähr ein dutzend Siege bei nur zwei Niederlagen und einem Unentschieden an, nachdem er das Niveau seines Trainings um mehrere Level auf einmal nach oben katapultiert hatte. Je mehr Siege er einfuhr, desto realistischer schien ein UFC-Vertrag zu werden, wobei „Ragin“ nie allzu große Zweifel gehegt hatte, dass es früher oder später dazu kommen würde: „Ich weiß seit längerem, dass ich dort hingehöre“, erklärt er. Ende 2011 stand er dann auch wohl tatsächlich kurz davor, Trainingspartnern wie Rory MacDonald, Francis Carmont oder Georges St-Pierre in die UFC zu folgen.

Kurz vor dem Durchbruch
Der letzte Abschnitt dieses Weges schien für ihn jedoch durchgehend geblockt zu sein. Nachdem seine Jochbein-Verletzung ausgeheilt war, war es nicht mehr Johnsons Gesundheitszustand, der ihn aus dem Käfig fernhielt, sondern eine frustrierende Unmöglichkeit, Gegner zu finden: „Das ganze letzte Jahr über habe ich vergebens versucht, Kämpfe zu bekommen. Ich dachte, wenn ich ein paar Mal gewinne, könnte ich es in die UFC schaffen; aber wenn du keine Kämpfe bekommst, kannst du dir auch keine Siege holen. Daher habe ich es bei TUF probiert, und zum Glück wurde ich angenommen.“

Dank einer cleveren Strategie stellte Johnson im Haus auch gleich sicher, dass er bessere Chancen als alle anderen hatte, das Finale zu erreichen. Indem er sich freiwillig für den ersten Kampf der Staffel meldete, würde er später einen Vorteil haben, da er für seinen zweiten Kampf die längste Pause haben würde, dachte sich Johnson. Zu Anfang ging diese Strategie bestens auf, denn „Ragin“ bahnte sich mit einem Aufgabe-Sieg in der ersten Runde gegen Brendan O’Reilly seinen Weg ins Halbfinale.

Das nächste Hindernis präsentierte sich jedoch in Form von Chad Laprise. Laprise ist nicht nur ein langjähriger Trainingspartner Johnsons im Tristar Gym, mit dem er viele denkwürdige Sparrings-Einheiten hatte. Er ist ebenso ein vielseitiger und erfahrener Standkämpfer, der Johnsons Stärken und Schwächen in- und auswendig kannte. Nach einigen ausgeglichenen Minuten kam Laprise schließlich mit einer harten Rechten durch, die Johnson umgehend auf die Matte sacken ließ. Zusätzlich zum Schmerz seiner ersten K.o.-Niederlage brach der Schlag auch noch Johnsons Kiefer und zwang ihn zu einer weiteren zweimonatigen Pause vom Training. „Ich hasse Verlieren mehr als alles andere“, so Johnson. „Aber ich akzeptiere es – leider kann das immer passieren. Jeder verliert, es ist nur eine Frage der Zeit. Aber ja, ich hasse es, zu verlieren.“

Die TUF-Krone rutschte ihm so aus den Händen, was also plant „Ragin“ für die Zukunft? In der Rogers Arena in seiner alten Heimatstadt, Vancouver, wird er gegen den koreanischen Thaibox-Spezialisten Tae Hyun Bang ins Octagon steigen. Es war nicht der Kampf, den er sich als sein Comeback gewünscht hatte, aber einer, der sein Ticket in eine Zukunft bei der UFC darstellen könnte – wahrscheinlich ein One-Way-Ticket: „Ich bin so was von durch mit den regionalen Shows“, beschreibt Johnson die Entschlossenheit, seine Besuche im Käfig auf das Octagon der UFC zu reduzieren. Angenommen also, er würde zwei Kämpfe in Folge verlieren – wäre seine Kämpferkarriere dann vorbei? „Darüber müsste ich wirklich hart nachdenken, ich habe keine Ahnung. Ich sehe mittlerweile aber keine wirkliche andere Option für mich als die UFC.“

In der UFC zu kämpfen und nach einer handvoll Niederlagen entlassen zu werden; auf diese Möglichkeit ist Johnsons Fokus aber ohnehin nicht gerichtet – seine Karriere-Ziele hat er weitaus höher gesteckt: „Ich bin gerade 30 Jahre alt geworden, also werde ich der Champion – der UFC-Champion, wohlgemerkt, weil das der einzige Gürtel ist, der mir etwas bedeutet – spätestens mit 35 oder 36 sein müssen. Falls ich dann nahe dran wäre, würde ich weiterkämpfen. Aber wenn es aussichtslos ist, würde ich meine Handschuhe gerne zwischen 35 und 37 an den Nagel hängen.“

Mit Trommelwirbel an die Spitze
Nachdem er die Folgen von Diskriminierungen an den indigenen Völkern aus erster Hand erlebt hat, die meisten Knochen in seinem Kopf mindestens einmal gebrochen wurden, er lange Zeit über nicht in der Lage war, Kämpfe zu finden um seine Rechnungen zu begleichen und somit über ein Jahr lang im Gym lebte, fühlt Johnson sich bereit für alles, was ihn als Teil der prestigeträchtigsten MMA-Organisation der Welt erwarten wird. Um herauszufinden, was das sein könnte, muss Johnson allerdings am 14. Juni sein Debüt in Vancouver gewinnen.

Um im Kampf Unterstützung zu genießen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und einfach, um einen erinnerungswürdigen Moment zu kreieren, hat Johnson vor Kurzem seine Fans via Facebook gebeten, Handtrommeln zum Event mitzubringen und damit einen einzigartigen Soundtrack zu generieren, wenn er in den Käfig steigt: „Das ist ein traditioneller Herzschlag. Ich hoffe wirklich, dass wir das durch kriegen und sie das nicht bei den Sicherheitskontrollen platzen lassen. Das wird ein epischer Moment, und genau solche Momente will ich erleben.“

Noch ein weiterer epischer Moment könnte sich in derselben Nacht materialisieren, falls „Ragin“ vor heimischem Publikum Tae Hyun Bang bezwingen kann. Von derartigen monumentalen Tagträumen allerdings will Johnson sich nicht seine Pläne durchkreuzen lassen, eine Nacht zu erleben, die all den Schmerz der letzten drei Jahre Wert ist – die Priorität Nummer eins liegt darauf, Tae Hyun Bang zu besiegen: „Er ist ein sehr guter Kämpfer. Sehr erfahren, hart im Nehmen und er hat Dampf in den Fäusten. Ich kann nicht in die Zukunft schauen und daher weiß ich nicht, was passieren wird. Aber ich glaube, dass ich sowohl am Boden als auch im Stand Waffen habe, mit denen ich ihn vorzeitig stoppen kann.“

Wie auch immer dieser Kampf enden wird – Johnson plant, dem Publikum Feuerwerke zu liefern, während er den ersten Schritt auf dem Weg zu einem UFC-Titelgürtel geht: „Ich werde nie in einem langweiligen Kampf stehen. Wenn ich ich selbst bin, glaube ich nicht, dass irgendjemand mich schlagen kann. Von daher mache ich mir über meinen Gegner nicht allzu viele Sorgen, mein Fokus liegt auf mir selbst.“



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“I will never be in a boring fight”
UFC 174’s Kajan Johnson finally arrives at the big show.

The turning point of Kajan Johnson’s MMA career came with a cracking sound. “Ragin” instantly knew that the punch that had just connected with his face during sparring at Montreal’s Tristar Gym had done some significant damage; he just couldn’t have guessed it would take multiple years to step into a cage again and that it would actually be the UFC’s Octagon when it was ‘that time’ again.

Johnson is set to make his UFC debut on June 14th at Rogers Arena in Vancouver, Canada, on the undercard of UFC 174. Just a few months back, he had his sights set on winning the title of the “The Ultimate Fighter: Nations” tournament, but was eliminated from the competition just one fight short of making it to the finale. He didn’t get the chance to compete for the TUF title, which obviously was the goal he had set for himself upon entering the house; but competing in the cage in general – let alone the UFC’s Octagon – is something that seemed a few too many miles away just a couple of years ago.

The badly fractured orbital placed him on the shelf for a full year in the training room and even longer in actual competition. The timing of it really couldn’t have been any worse, since “Ragin” was just picking up serious steam on the regional Canadian circuit. As a son of two dancers, Johnson has always been athletically gifted and also was a talented fighter, but after the start of his Mixed Martial Arts career he soon had to discover that natural ability and raw training just wasn’t always enough.

Shaky Beginnings
“I was at a place called Prince George. We had no Martial Arts skill whatsoever. We knew how to work real hard and how to be tough because we were scrappers, but that’s pretty much all we knew. It wouldn’t really work out when I would get in the ring against guys who knew how to wrestle and stuff.” Johnson knew that if he wanted to succeed in this sport, he would have to learn the skills himself that handed him most of his losses, and therefore moved twice – from Prince George to nearby Vancouver and then across the whole country to Montréal. That decision proved difficult because Johnson is a black foot Indian who knows exactly what the situation of his people is like in his home province – and not just there: “There is a lot of issues surrounding first nations, like land rights, that aren’t being addressed and that are being pushed under the table in this country, so I want to do as much as I can to help.”

To make a name for himself and later be able to support them, though, he had to leave and start all over again 6000 miles from home: “I moved to Vancouver because I pretty much topped out at Prince George and then I moved to Tristar because I topped out in Vancouver. Van City has a lot of good training, but we were lacking in sparring partners, we were lacking a single location where a whole bunch of top guys would be as well as a really good coach that had high level technique, so I went to Tristar for a training camp once and I liked it so much I just moved there.”

The decision to pack up might not have been the easiest one to make, but it certainly paid off as Johnson compiled around a dozen wins with just two losses and one draw once his training regimen got upgraded multiple levels at once. As the wins kept coming, a contract with the UFC seemed more and more realistic, even though “Ragin” had always had little doubt that it would happen sooner or later: “I’ve known that I belong there for quite some time now”, Johnson says. At the end of 2011, he might have been only a couple of fights away from following teammates like Rory MacDonald, Francis Carmont or Georges St-Pierre into the UFC. However, the only path to actually make it happen seemed to be constantly blocked for him. When his fractured orbital finally healed up, it wasn’t his damaged health anymore that kept him out of the cage, it was a frustrating inability to find willing opponents: “The last year when I was trying to get fights I wouldn’t get any. I thought if I get a few wins I could get in, but if you don’t get fights you can’t get wins. So I tried out for TUF, and thankfully I got in.”

Thanks to a smart strategy, Johnson inside the house quickly ensured he would have a good chance at making it all the way to the finale. By volunteering to take part in the first fight of the season, Johnson figured, he might have an advantage later on since he would have more time than the other competitors to recover and prepare for his second bout. At first, that strategy worked out perfectly, as “Ragin” made his way into the Semi-finals by submitting Brendan O’Reilly in the first round of their contest.

En route to a spot in the finals, though, Johnson had to take on Chad Laprise. Laprise not only is a longtime training partner of Johnson’s at Tristar – one whom Johnson had many memorable sparring scraps with – he also is a versatile and experienced striker who knew Johnsons strengths and weaknesses inside out. After a couple of evenly fought minutes, Laprise connected flush with a right hand that sent Johnson crushing to the mat. Adding to the pain of his first Knockout loss, the finishing punch also broke Johnsons jaw and forced him to take another two-months-break from training. “I hate losing more than anything”, Johnson assesses the defeat. “But I accept it – unfortunately, it’s always going to happen. Everybody is going to lose; it’s a matter of time. But yeah, I really hate losing.”

The TUF-Crown slipped out of his hands, so what does “Ragin” plan for the future? At the Rogers Arena in his old hometown of Vancouver, he will face off against Korean Thai boxing specialist Tae Hyun Bang. It isn’t the fight he was hoping to be his big comeback, but one that represents his ticket into a future as a part of the UFC – probably a one-way-ticket: “I’m so over the regional shows”, Johnson describes his desire to limit his steel cage visits to the UFC’s famous octagon. So in case he loses a couple and gets booted from the UFC – is he going to call it quits altogether? “I would really have to think really hard about that, I have no idea. I don’t see any other option than the UFC at this point.”

Letting a UFC contract slip through his fingers, however, is not what Johnson has his eyes on anyway. For him, his career goals are much loftier: “I’m 30 now, so I’ll have to be the champ – the UFC champ that means, which is the only belt that really means something to me anyway – by the time I’m 35 or 36. Unless I’m close by that time, then I’ll keep fighting. But if I have no shot, I’d like to retire between 35 and 37.”

Marching to the top
After experiencing the effects of discrimination against first nations, breaking most of the bones in his head at least once, not being able to find fights to pay his bills with and therefore living in the gym for more than a year, Johnson feels he is ready for whatever might be thrown at him as a part of the most prestigious professional fighting organization in the world. In order to find out what that could be, though, Johnson has to get past his debut in Vancouver.

To support himself during the fight, make a lasting impression and just to create a memorable moment, Johnson recently asked his first nations fans to bring hand drums to the event and provide a unique soundtrack when he steps into the cage: “It’s a traditional heart beat. I’m really hoping this happens and they won’t disallow this at security because it will be epic and I’m all about life’s epic moments.”

Another epic moment could materialize on the same night if “Ragin” can defeat Tae Hyun Bang in front of a hometown crowd. Johnson, though, doesn’t plan on letting monumental daydreams of triumph cross his plans of experiencing a night worth all the pain he has had to suffer in the past three years – the number one priority is putting away Tae Hyun Bang: “I think he’s good. Very experienced, very durable and heavy handed. I can’t predict the future so I don’t know what will happen but I believe I have weapons both on the ground and standing that can finish him.”

However that fight may end, Johnson plans on delivering fireworks for the audience while taking the first step on his road to becoming a UFC Champion: “I’ll never be in a boring fight. If I can be myself, I don’t think anybody can beat me. So I don’t really worry about the opponent too much, I just focus on myself.”