MMA

Mark Hunt gegen Roy Nelson u.v.m. bei UFC Japan

Das Duell zwischen Mark Hunt und Roy Nelson verspricht spektakuläre Feuerwerke (Foto: Zuffa LLC).

Zum fünften Mal in diesem Jahr wird die UFC am Wochenende in Asien Halt machen, dabei 2014 erstmalig in Japan. In der historischen Saitama Super Arena, ehemals Heimatbasis von Pride FC, hat die Organisation für ihre 52. UFC Fight Night ein äußerst solides Programm aufgeboten.

Mark Hunt, Roy Nelson, Myles Jury, Takanori Gomi, Miesha Tate, Yoshihiro Akiyama. Das sind nur einige der Namen, die den dritten Besuch der UFC vor den Toren von Tokyo zu einem Event machen, das man nicht verpassen sollte. Ob die Kämpfe ihren Vorschusslorbeeren auch gerecht werden können, ist eine andere Sache, zumindest die Hauptkämpfer Mark Hunt und Roy Nelson aber müssten schon beide einen verdammt schlechten Tag erwischen, damit diese Ansetzung etwas anderes als hochexplosiv wird.

Die UFC Fight Night 52 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab monatlich 5,99 auf ufc.tv zu haben ist. Aufgrund der Zeitumstellung beginnen die ersten Kämpfe hierzulande bereits um 6:30 Uhr.

Mark Hunt vs. Roy Nelson
Dieser Schwergewichtskampf ist auf 25 Minuten angesetzt, ein Blick auf Kampfstil und Bilanz von Mark „The Super Samoan“ Hunt (9-8-1) und Roy „Big Country“ Nelson (20-9) aber reicht aus, um festzustellen, dass die japanischen Fans in diesem Jahr wohl keine fünf Runden in der UFC am Stück zu sehen bekommen werden: Während Hunt sechs seiner neun Siege durch K.o. eingefahren hat, musste Nelson in 20 Siegen nur zwei Mal über die volle Distanz.

Wer Hunt dieser Tage in prestigeträchtigen Hauptkämpfen sieht und die Laufbahn des „Super Samoan“ seit einigen Jahren verfolgt hat, kommt nicht umhin, sein Karriere-Comeback zu bestaunen. Tatsächlich hätte Hunt eigentlich nie Teil der UFC werden sollen. Nach seinen Kämpfen bei Pride noch vertraglich an die Eigentümer der UFC gebunden, bot Dana White ihm 2010 an, ihn gegen eine Abfindung aus seinem Vertrag zu entlassen. Hunt jedoch weigerte sich und bestand darauf, zu Kämpfen. Keine gute Idee, hat sich wohl jeder Beobachter gedacht und konnte sich danach auf die Schulter klopfen, als Sean McCorkle den „Super Samoan“ im ersten Vorkampf von UFC 119 nach einer knappen Minute zur Aufgabe zwang.

Auch Niederlage Nummer sechs allerdings konnte Mark Hunts Willen nicht brechen. Sein Erfolgsgeheimnis kennt wohl nur Hunt selbst, aber seit Mitte 2010 hat der mittlerweile 40-Jährige vier von sechs Kämpfen gewonnen, meist spektakulär durch Knockout. In der UFC sind dabei bereits Chris Tuscherer, Cheick Kongo und Stefan Struve unter Hunts Schlägen eingebrochen, Ben Rothwell unterlag ihm überdies nach Punkten. Im Mai des vergangenen Jahres bereitete Junior dos Santos Hunts kurzzeitigen Titelträumen zwar mit einem spektakulären Spinning Wheel Kick ein Ende, trotzdem bleibt der „Super Samoan“ ein absoluter Fanliebling, vor allem nach seiner Fünf-Runden-Schlacht gegen Antonio Silva Ende letzten Jahres, die in einem Unentschieden endete.

Am Samstag wird Hunt auf Roy Nelson treffen, der einen sehr ähnlichen Kämpfertypen verkörpert – auch ihm schwappt das Fett kiloweise aus dem Hosenbund, auch er hat Nehmerfähigkeiten für zwei und auch dort, wo er hinschlägt, wird erstmal für lange Zeit kein Gras mehr wachsen. Zwar kann „Big Country“ im Stand nicht die Erfahrung und Expertise eines Mark Hunt vorweisen, kann sich dafür aber stets auf seinen rechten Dampfhammer sowie einen Schwarzgurt im Brazilian Jiu Jitsu verlassen, obwohl er letzteren im Octagon bisher kaum zur Anwendung gebracht hat.

Knockout-Siege gegen Brendan Schaub, Stefan Struve, Mirko „CroCop“, Dave Herman, Matt Mitrione, Cheick Kongo und zuletzt Rodrigo Nogueira sprechen ihre eigene Sprache, allerdings auch Niederlagen gegen viele Top-Kämpfer der Gewichtsklasse. Junior dos Santos, Fabricio Werdum, Stipe Miocic und Daniel Cormier hatten allesamt recht leichtes Spiel mit Nelson, solange sie seinen wilden Bomben ausweichen konnten. Zum Glück von Fans rund um die Welt ist das allerdings nicht Mark Hunts Stil. Am Samstag kann man also ein spektakuläres Feuerwerk erwarten, man sollte lediglich versuchen, die Augen nicht vom Bildschirm wegzubewegen, denn dieser Traum-Kampf könnte in einem Sekundenbruchteil schon wieder vorbei sein.

Myles Jury vs. Takanori Gomi
Im Co-Hauptkampf könnten wir am Wochenende den nächsten Schritt der Wachablösung im Leichtgewicht sehen oder einen nostalgischen Flashback in alte Pride-Zeiten erleben, wenn mit Myles „The Fury“ Jury (14-0) und Takanori „The Fireball Kid“ Gomi (35-9-0(1)) eines der vielversprechendsten Talente der Gewichtsklasse auf einen der kultigsten Veteranen trifft.

Schon vor vier Jahren tauchte Jury in Jeremy Stephens’ Video-Blogs auf, in denen der UFC-Veteran ihn als den nächsten großen Star ankündigte. Jury bekam dann auch tatsächlich seine Chance in der „The Ultimate Fighter“-Serie, musste jedoch frühzeitig mit einer Knieverletzung nach Hause. Seine zweite Chance dagegen nutzte er im Zuge der 15. Staffel, verdiente sich einen Platz in der UFC und konnte dort bisher Chris Saunders, Michael Johnson, Ramsey Nijem, Mike Ricci und Diego Sanchez überzeugend besiegen.

Gomi dagegen hatte in der UFC bisher gemischten Erfolg. Nach einer spektakulären Karriere bei Pride FC und Shooto, während der er die Leichtgewichtsgürtel beider Organisationen gewinnen konnte, gab er Anfang 2010 sein Octagon-Debüt gegen Kenny Florian und wurde prompt zur Aufgabe gezwungen. Vorzeitige Niederlagen gegen Nate Diaz und Clay Guida ließen anschließend beinahe jegliche Hoffnung an ein ein Karriere-Comeback dahinfließen, bevor Gomi Eiji Mitsuoka, Mac Danzig und Isaac Vallie-Flagg schlug und währenddessen lediglich von Diego Sanchez kontrovers nach Punkten bezwungen wurde.

Yoshihiro Akiyama vs. Amir Sadollah
Ein fette Brise Sex-Appeal wird am Wochenende durch die Saitama Super Arena wehen, wenn Yoshihiro Akiyama (13-5-0(2)) zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren wieder ins Octagon steigt. Der auch als „Sexyama“ bekannte Kämpfer/Sänger/Model/Schauspieler ist in Asien seit langem ein Star, sein Popularitäts-Vorstoß in der westlichen Welt ist bisher aber nicht vom gleichen Erfolg gekrönt gewesen wie in seiner Heimat. Nach einer ganzen Reihe Siegen für Promotionen wie Dream, Hero’s und K-1, u.a. gegen Dennis Kang und Melvin Manhoef, debütierte Akiyama bei UFC 100 im Octagon. Alan Belcher schlug er an diesem Abend zwar noch knapp nach Punkten, anschließend verlor er jedoch vier Kämpfe nacheinander.

Ungewöhnlich dabei ist, dass er mit Chris Leben, Michael Bisping und Vitor Belfort stets stärkere Gegner vorgesetzt bekommen hat als nach der letzten Niederlage. Auch ein Wechsel vom Mittel- ins Weltergewicht hat nicht geholfen – im Februar 2012 gewann Jake Shields ihren Kampf nach Punkten. Zweieinhalb Jahre später wird „Sexyama“ in der gleichen Arena ins Octagon zurückkehren, nachdem Verletzungen und seine vielfältigen anderweitigen Beschäftigungen ihn so lange daraus ferngehalten haben.

Nachdem Kyle Noke verletzt absagen musste, wird er nun auf Amir Sadollah (6-4) treffen, der seinerseits 2012 zum letzten Mal aktiv war. Der US-amerikanische Amateur Muay Thai Champion hat jeden seiner MMA-Profikämpfe in der UFC bestritten, nachdem Siege u.a. gegen CB Dollaway und Matt Brown ihm 2008 den Sieg der achten „The Ultimate Fighter“-Staffel eingebracht haben. Seitdem musste Sadollah zwar Niederlagen u.a. gegen Dong Hyun Kim, Dan Hardy und Johny Hendricks einstecken, konnte mit einer Mischung aus technischem Thaiboxen und gutem BJJ aber auch u.a. CB Dollaway, Phil Baroni und Peter Sobotta besiegen. Nach der Punktniederlage gegen Hardy im September 2012 musste Sadollah mit einer Reihe verschiedener Verletzungen aussetzen, bekommt dafür aber nun mit diesem Kampf eine perfekte Möglichkeit geboten, um mit einem Knall zurückzukehren.

Miesha Tate vs. Rin Nakai
Auch Miesha „Cupcake“ Tate (14-5) ist in Japan mit von der Partie. Die ehemalige Titelherausfordererin und Erzrivalin von Ronda Rousey will sich ihren dritten Kampf gegen die scheinbar unbesiegbare Bantamgewichts-Championesse verdienen und muss dazu an Rin Nakai (16-0-1) vorbei.

Die ehemalige Strikeforce-Championesse steht dabei unter gehörigem Erfolgsdruck, denn in der UFC hat „Cupcake“ bisher nicht immer so überzeugt, wie es von ihr erwartet wurde. Im April 2013 verlor sie zunächst ihr Debüt gegen Cat Zingano durch T.K.o. bevor sie durch eine Verletzung Zinganos einen Platz als „TUF“-Coach gegenüber Rousey und damit auch als nächste Herausfordererin auf ihren Gürtel bekam. Rousey jedoch stopppte sie im Rückkampf ihres Strikeforce-Titelduells erneut mit ihrem patentierten Armbar. Zwar lieferte Tate im zweiten Anlauf über weite Strecken einen besseren Kampf ab als in ihrem ersten Aufeinandertreffen, trotzdem stand sie zu Beginn dieses Jahres mit einer 0-2-Bilanz da, bevor sie im April mit einem Punktsieg gegen Liz Carmouche das sinkende Schiff rettete.

Nun wird sie in Japan auf Rin Nakai treffen. Die extravagante 27-Jährige ist bisher in 17 Kämpfen ungeschlagen und könnte sich mit einem Sieg gegen ihre populäre Gegnerin gleich einen Namen in der UFC machen. PR-technisch hat Nakai ihre Klasse bereits ein ums andere Mal bewiesen – u.a. mit auffälligen Kostümen bei diversen Presse-Terminen hat sie einen Großteil der Aufmerksamkeit bereits im Vorfeld auf sich gezogen. Ein Blick auf ihre Bilanz macht jedoch klar, dass derartige Aktionen nicht nur heiße Luft sind – dank ihres langjährigen Judo-Hintergrundes ist Nakai körperlich äußerst stark für ein Bantamgewicht und kann viele Gegnerinnen allein dadurch in Schach halten. Ob ihr das auch gegen Tate gelingen wird, bleibt abzuwarten – am Samstag werden wir es erfahren.

Kiichi Kunimoto vs. Richard Walsh
Zuvor wird im Weltergewicht mit Kiichi „Strasser“ Kunimoto (17-5-2(1)) ein Japaner mit einer Menge Potential seinen Auftritt haben, der sich angesichts seines Alters von 33 Jahren jedoch sputen muss, wenn er auch in der UFC zu einem bekannten Gesicht werden will. Im Januar debütierte Kunimoto, der erst im Alter von 24 Jahren mit dem MMA-Training begann, nach einer erfolgreichen Karriere bei Pancrase im Octagon, wo er Luiz Dutra Jr. durch Disqualifikation besiegte, nachdem dieser einige illegale Ellbogenstöße auf Kunimotos Hinterkopf losgelassen hatte. Frustriert von diesem Ergebnis machte der Kämpfer aus dem Cobra Kai-Team diesen Kampf wieder gut, indem er Daniel Sarafian bei UFC 174 nach nicht einmal drei Minuten per Rear Naked Choke zur Aufgabe zwang. 

Richard „Filthy Rich“ Walsh (8-1) dagegen ist UFC-Fans bisher lediglich aus der „The Ultimate Fighter: Nations“-Staffel bekannt, die Anfang des Jahres ein Länderduell zwischen Kanada und Australien gezeigt hat. „Filthy Rich“, der bis dahin lediglich in australischen Ligen angetreten war, dominierte dort zunächst Matt DesRoches zwei Runden lang, bevor er vom späteren Finalisten Olivier Aubin-Mercier zur Aufgabe gezwungen wurde. Seinen Platz in der UFC sicherte er sich dennoch durch einen Punktsieg auf der Final-Veranstaltung gegen seinen TUF-Teamkollegen Chris Indich.

Kyoji Horiguchi vs. Jon Delos Reyes
Ein weiteres japanisches Talent wird am Wochenende seinen großen Auftritt bekommen, wenn Kyoji “The Supernova” Horiguchi (13-1) im Fliegengewicht auf Jon „The Heat“ Delos Reyes (7-3) trifft. Horiguchi gab sein UFC-Debüt im vergangenen Oktober bei UFC 166, als er Dustin Pague in der zweiten Runde T.K.o. schlug. Im Mai folgte Sieg Nummer zwei, indem er Darrell Montague drei Runden lang auspunktete.

In seiner Heimat wird Horiguchi nun auf Jon Delos Reyes treffen, der erst einen Kampf im Octagon vorzuweisen hat. Im Januar musste der 27-Jährige aus Guam in der ersten Runde in Dustin Kimuras Armbar abklopfen. Zuvor hatte er vier Kämpfe nacheinander vorzeitig gewonnen, zwei davon durch Aufgabe und zwei durch technischen K.o.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 52: Hunt vs. Nelson
Samstag, 20. September 2014
Saitama Super Arena in Saitama, Japan

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Mark Hunt vs. Roy Nelson
Myles Jury vs. Takanori Gomi
Yoshihiro Akiyama vs. Amir Sadollah
Miesha Tate vs. Rin Nakai
Kiichi Kunimoto vs. Richard Walsh
Kyoji Horiguchi vs. Jon Delos Reyes

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Alex Caceres vs. Masanori Kanehara
Katsunori Kikuno vs. Sam Sicilia
Hyun Gyu Lim vs. Takenori Sato
Michinori Tanaka vs. Kyung Ho Kang
Kazuki Tokudome vs. Johnny Case
Maximo Blanco vs. Dan Hooker