MMA

Mahic: "Wir werden auf jeden Fall nach Deutschland kommen"

Ruy Drever und Zlatko Mahic freuen sich auf die anstehende Zusammenarbeit. (Foto: World Freefight Challenge).

Jahrelang galt die World Freefight Challenge (WFC) als eine der europäischen Top-Organisationen. Paul Daley, Nandor Guelmino, Dennis Siver oder Pascal Krauss sind nur einige der hierzulande bekannten Namen, die im Laufe der Zeit in Slowenien in den Ring gestiegen sind und damit den Grundstein für erfolgreiche Karrieren gelegt haben.

Vor kurzem wurde die Organisation von der brasilianischen MMA-Bekleidungsmarke Pretorian gekauft. Seitdem hat Pretorian-Geschäftsführer Ruy Drever zusammen mit WFC-Präsident Zlatko Mahic große Pläne entworfen, wie der Sport und ihre Marke auch in Europa nach vorne gebracht werden sollen. Wir haben uns mit Mahic über diese Zukunftspläne unterhalten:

Groundandpound.de: Wie ist dieser Deal zustande gekommen und wie zufrieden bist du mit den bisherigen Ergebnissen?
Zlatko Mahic: Er (Ruy Drever, Anm. d. Red.) hat mich über LinkedIn kontaktiert. Auf den ersten Blick dachte ich, er würde Witze machen, aber kurze Zeit später war ich schon in Sao Paulo in Brasilien und habe ihn getroffen, und es war tatsächlich so. Er ist ein sehr netter Kerl und ein guter Geschäftsmann, also haben wir uns über seine Pläne unterhalten. Ich meine, er hat fünf Unternehmen in völlig verschiedenen Geschäftsfeldern. Er hat anfangs Leute in der UFC gesponsert, sich dann jedoch mit der UFC überworfen und jemanden in Europa gesucht. Er mochte die WFC, also haben wir geredet und jetzt starten wir unsere Zusammenarbeit. Wir haben alles bereits in Brasilien geklärt, samt Anwälten, Notaren, Geschäftsplänen und so weiter.

Was hat sich seit der Übernahme schon alles bei der WFC geändert, seit ihr von Pretorian gekauft wurdet?
Wir werden große Events veranstalten, und zwar im Käfig. Wir werden in den brasilianischen Markt einsteigen. Hier in Europa wird es eine gute Sache für aufstrebende Kämpfer sein. Aber auch generell für das MMA, für die Fans, für Promoter, für Marken oder Nachrichten-Webseiten wie Euch – alle werden davon profitieren.

Ihr habt also auch vor, auf verschiedene Kontinente zu expandieren?
Ja, (Pretorian) ist sehr smart – sie wissen, welche Märkte wachsen und wo es Potential gibt. Sie wissen, dass Brasilien wächst, dass Amerika und Asien wachsen. Sie wissen auch, dass Slowenien zu klein ist; wir haben hier nur knapp zwei Millionen Menschen und können hier daher kein Geld machen. In Amerika leben um die 100 Millionen Menschen, die alle Englisch sprechen. Hier dagegen gibt es überall verschiedene Sprachen und Kulturen und verschiedene TV-Netzwerke. 

Warum, glaubst du, waren sie ausgerechnet an der WFC so interessiert und nicht an irgendeiner anderen europäischen Organisation?
Ich weiß es nicht. Vielleicht haben ihnen unsere Events gefallen, aber eigentlich kann ich es wirklich nicht sagen.

Steht Deutschland auch auf euren Expansionsplänen?
Deutschland fand ich schon immer interessant, ich habe jedoch nie dort veranstaltet. Ich weiß selber nicht, wieso ich es nicht getan habe. Wir werden aber definitiv nach Deutschland kommen, denn mir gefällt der Markt dort. Dort leben 80 Millionen Menschen, das ist eine Menge Potential. Die Schweiz, Deutschland und Österreich – diese drei Länder sind für uns interessant für Live-Events. Österreich wird als nächstes drankommen und dann Deutschland. Nicht mehr Slowenien, nicht mehr der Balkan oder andere europäische Länder. Nur noch Österreich, die Schweiz und Deutschland.

Habt ihr schon einen ungefähren Zeitplan, wann es losgehen soll?
Wir hatten eigentlich bereits eine Pressekonferenz abhalten wollen, die wir jedoch absagen mussten. Es dauert alles seine Zeit, ich will nichts überstürzen. Wir müssen es langsam angehen und lokale Kämpfer aufbauen. ‚From Zero to Hero’, sozusagen. Es wird auch nicht nur MMA-Events geben, wir werden auch andere Sport-Events ausrichten. Pretorian will europäische Sportler sponsern. Nicht nur Kämpfer, sondern auch Läufer, Boxer, Judoka, Skateboarder…

Wie wollt ihr eure Marke langfristig positionieren? Was sollen die Leute denken, wenn sie „WFC“ hören?
Sie sollen es als Sport- und Entertainment-Event sehen. Nicht nur Kämpfe. Es soll etwas sein, wo du mit deiner Ehefrau oder mit deinen Freunden hingehen kannst. Du schnappst dir eine Tüte Popcorn, eine Cola und genießt einfach die Show – das kann dann auch ein Kampfsport-Event sein. Wir werden in dem Bereich aber nur noch MMA machen, kein Kickboxen oder ähnliches. Und ich werde nur noch gute, technisch versierte Kämpfer annehmen und Leute, die sich verkaufen können; keine Möchtegern-Kämpfer mehr.
Die anderen Events könnten so etwas sein wie Pretorian Survival Running, etwas in Richtung eines Marathons. Wir werden auch ein großes Gym eröffnen und dort Meisterschaften im Armdrücken abhalten – solche Sachen. 

Die UFC expandiert momentan sehr stark in Europa, allein in diesem Jahr sind sechs Events angesetzt. Glaubst du, dass dieser Wettbewerb euch auch zugute kommen kann oder hättest du es lieber, wenn die UFC jetzt nicht so oft hier auftauchen würde?
Ich sehe die UFC nicht als Wettbewerber. Es ist eher so, dass ich von ihnen lerne. Sie haben den Sport groß gemacht, sie sind die besten in der Szene. Ich mag das, was sie machen. Ich denke auch, dass Europa noch eine Art Grauzone für sie ist, die wir mit unseren Events ausfüllen und damit Erfolg haben können. Ich habe keine Angst vor ihnen – ich denke, dass sie auch für uns gut sind. Wir werden eine Liga für junge Kämpfer sein, die eines Tages in der UFC antreten wollen. Leuten wie Piotr Hallman, Pascal Krauss, Paul Daley oder Igor Pokrajac konnten wir damit schon helfen.

Gibt es noch irgendetwas, das du loswerden möchtest?
Ich würde den deutschen Fans noch gerne mitgeben, dass sie die Show nicht verpassen sollten, wenn wir zu euch kommen – ihr werdet nicht enttäuscht sein. Und an die Kämpfer: Folgt euren Träumen – wir können euch helfen, sie Wirklichkeit werden zu lassen!