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Lombard, Marquardt, Boetsch u.v.m. in Houston

Im Houstoner Toyota Center hat Matt Serra im April 2007 bei UFC 69 Georges St-Pierre K.o. geschlagen (Foto: Betp/Creative Commons).

Mehr als zwei Jahre hat es gedauert, doch am kommenden Wochenende wird die UFC zum ersten Mal seit UFC 136 wieder nach Texas zurückkehren. Die Heimat von Kämpfern wie Johny Hendricks hat in der Vergangenheit Kulisse für so einige historische Momente gestanden und wird am Samstag erneut Gastgeber eines hochkarätigen Events spielen.

Bevor auf dem Hauptprogramm der dritte Kampf zwischen Schwergewichtschampion Cain Velasquez und Herausforderer und Ex-Champion Junior dos Santos eine epische Trilogie zum Abschluss bringt und mit Daniel Cormier, Roy Nelson, Gilbert Melendez oder Diego Sanchez weitere Top-Kämpfer in das Rampenlicht wagen, dürfte es allerdings auch auf dem Vorprogramm zur Sache gehen.

Mit Namen wie Tim Boetsch, Nate Marquardt, Sarah Kaufman, George Sotiropoulos oder Hector Lombard sind die ersten acht Kämpfe besser besetzt als so manche Fight Night und dürften das noch stärker besetzte Hauptprogramm würdig einleiten.

Der Event kann in Deutschland, wie gewohnt, über ufc.tv (Hauptprogramm und erster Teil des Vorprogramms) sowie die offizielle Facebook-Präsenz der UFC (Erste vier Vorkämpfe) verfolgt werden.

Tim Boetsch vs. C.B. Dollaway
Die letzten beiden Kämpfe des Vorprogramms hätten ohne weiteres auch auf dem Hauptprogramm ihren Platz gefunden, auf diese Art sollen sie dagegen wohl die amerikanischen Zuschauer dazu zu verleiten, das dort kostenpflichtige Hauptprogramm zu ordern. Eine schlechte Wahl hat UFC-Matchmaker Joe Silva damit jedenfalls nicht getroffen, denn die letzten zwei Ansetzungen haben durchaus das Potential, Feuerwerke zu zünden.

Tim “The Barbarian” Boetsch (16-6) brachte es innerhalb eines Jahres von einem recht unbekannten Kämpfer auf dem Vorprogramm zu einem potentiellen Kandidaten für die Top 5. Nach einer mehr oder weniger erfolgreichen Laufbahn im Halbschwergewicht, an deren Ende eine einseitige Niederlage gegen Phil Davis ihn zum Wechsel ins Mittelgewicht veranlasste. Dort lief es gleich viel besser für den „Barbarian“, der zunächst Kendall Grove aus der UFC kegelte, bevor er Nick Ring dominierte und damit einen Kampf gegen Yushin Okami bekam, der damals gerade aus seiner verlorenen Titelchance gegen Anderson Silva kam. Okami schien nichts anbrennen zu lassen und dominierte den schlagkräftigen Ringer nach Strich und Faden in allen Aspekten des Kampfes. Eine Runde vor Schluss fasste Boetsch sich jedoch ans Herz, machte seinem Spitznamen alle Ehre und schaffte es, Okami mit einer wilden Attacke aus Headkicks und Aufwärtshaken zu Boden zu zwingen. Mit einem knappen Sieg gegen Hector Lombard machte Boetsch seinen Namen noch bekannter, bevor er von Costa Philippou und Mark Munoz bezwungen wurde.

Eigentlich hätte Boetsch auf Luke Rockhold treffen sollen, der in seinem UFC-Debüt gegen Vitor Belfort verlor und ebenfalls einiges zu beweisen hatte. Rockhold verletzte sich jedoch und wurde von C.B. „The Doberman“ Dollaway (13-4) ersetzt, der nach einem Sieg gegen Daniel Sarafian im Januar zum zweiten Mal in diesem Jahr ins Octagon steigen wird. Vor dem „Fight of the Night“-Sieg gegen Sarafian verlief Dollaways UFC-Karriere etwas holprig. Überzeugenden Siegen gegen Mike Massenzio, Jay Silva und Jason „Mayhem“ Miller stehen bittere Misserfolge gegen Amir Sadollah, Tom Lawlor und Mark Munoz gegenüber. Mit dem Kampf gegen Boetsch bekommt er hier eine wertvolle Chance, dem „Barbarian“ seinen neunten Platz in der UFC-Mittelgewichts-Rangliste streitig zu machen.

Nate Marquardt vs. Hector Lombard
Wenn alles nach Plan geht, könnte es hier ordentlich knallen. Sowohl Nate „The Great“ Marquardt (32-12-2) als auch Hector „Lightning“ Lombard (32-4-1) kommen aus dem Mittelgewicht, für das sie damals schon recht gut gebaut waren. An Schlagkraft mangelt es den beiden jedenfalls nicht, wie (T.)K.o.-Siege gegen Martin Kampmann, Demian Maia und Tyron Woodley (Marquardt) oder Trevor Prangley, Jay Silva und zuletzt Rousimar Palhares (Lombard) eindrucksvoll beweisen.

Trotz aller Power stehen in Houston jedoch beide mit dem Rücken zur Wand, denn beide haben innerhalb eines Jahres je zwei wichtige Kämpfe verloren. Marquardt, der zwischen 2005 und 2011 schon ein bekanntes Gesicht im Octagon war, wurde von UFC-Präsident Dana White gefeuert, nachdem er eine Testosteron-Ersatztherapie nicht ordnungsgemäß angemeldet hatte und der Hauptkampf von UFC on Versus 6 aus diesem Grund einen Tag vor dem Event abgesagt werden musste. „The Great“ verschwand daraufhin für über ein Jahr von der Bildfläche, da angekündigte Kämpfe für andere Organisationen abgesagt werden mussten und der Weg zurück in die UFC versperrt war. Schließlich kam Marquardt aber bei Strikeforce unter, sicherte sich mit einem beeindruckenden K.o.-Sieg gegen Tyron Woodley deren Weltergewichtstitel und bahnte sich auf diese Art einen Weg zurück in die UFC. Den Titel allerdings wurde er vorher noch los – der belgische Standkampf-Experte Tarec Saffiedine verwandelte Marquardts Oberschenkel über fünf Runden mit unzähligen Lowkicks im letzten Strikeforce-Kampf der Geschichte in ein blau-lilafarbenes, angeschwollenes Stück nutzloses Fleisch und nahm dem haushohen Favoriten damit den Gürtel ab. Marquardt wollte das nicht auf sich sitzen lassen, nahm für März kurzfristig einen Kampf gegen Jake Ellenberger an und wurde in seiner Rückkehr zur UFC prompt in der ersten Runde ausgeknockt.

Auf die Bretter geschickt wurde Hector Lombard nicht, zumindest nicht im wortwörtlichen Sinn. Der kubanische Knockout-Spezialist ist eigentlich dafür bekannt, seine Gegner selbst ins Land der Träume zu schicken, in der UFC gelang ihm das bisher allerdings nur in einem von drei Kämpfen, als er Rousimar Palhares im vergangenen Dezember eindrucksvoll in Runde eins aus dem Kampf nahm. Zuvor verlor er in seinem mit Spannung erwarteten UFC-Debüt einen extrem knappen, gleichzeitig aber auch extrem ereignislosen Kampf gegen Tim Boetsch, bevor er in seinem letzten Auftritt drei Runden lang von Yushin Okami kontrolliert wurde. Der für eine große Stange Geld von Bellator ins Octagon gewechselte Lombard konnte die immensen Erwartungen also so gut wie gar nicht erfüllen und sollte gegen Marquardt wieder einen imposanten Sieg einfahren, wenn er langfristig mit der UFC planen will.

Sarah Kaufman vs. Jessica Eye
Nur ein Frauenkampf steht bei UFC 166 auf dem Programm, der hat es dafür in sich. Mit Sarah Kaufman (16-2) wird eine ehemalige Strikeforce-Bantamgewichtschampionesse zum ersten Mal ins Octagon steigen. Die 28-Jährige Kanadierin gewann den Titel im Februar 2010 geegn Takayo Hashi und verteidigte ihn ein Mal gegen die in der aktuellen „Ultimate Fighter“-Staffel zu sehende Roxanne Modafferi, bevor Marlos Coenen ihr den Gürtel abnahm. Seitdem hat Kaufman nur ein einziges Mal verloren, und zwar per Armbar gegen Ronda Rousey, was wohl kaum eine Schande ist. Abgesehen von diesen zwei Misserfolgen konnte Kaufman jeden ihrer Kämpfe gewinnen und im Laufe ihrer bisherigen Karriere u.a. Alexis Davis, Liz Carmouche und Miesha Tate bezwingen.

Jessica „Evil“ Eye (10-1) wird ebenfalls zum ersten Mal ins Octagon der UFC steigen. Die 27-Jährige aus Ohio verlor lediglich ein Mal in ihrem vierten Profi-Kampf und konnte seitdem sieben Kämpfe in Folge für sich entscheiden. Bei Auftritten für beispielsweise Bellator bezwang sie u.a. Zoila Gurgel und Carina Damm, was ihr einen Vertrag bei der UFC einbrachte. Falls sie am Samstag Kaufman besiegen sollte, wäre das ein mehr als gelungenes Debüt, das sie direkt in eine gute Position in der noch nicht wirklich stark besetzten Bantamgewichtklasse der Frauen manövrieren würde.

George Sotiropoulos vs. KJ Noons
In diesem Kampf treten zwei solide Leichtgewichtler gegeneinander an, die allerdings zuletzt wenige Erfolge zu feiern hatten und mit einer weiteren Niederlage vor die Tür gesetzt werden könnten. George „G-Sots“ Sotiropoulos (14-5) schien nach seiner Zeit im TUF-Haus mit riesen Schritten ein heißer Kandidat für einen Titelkampf zu werden, indem er sieben Kämpfe nacheinander gewann, u.a. gegen Joe Stevenson, Kurt Pellegrino und Joe Lauzon. Als er in seinem Heimatland Australien allerdings im Februar 2011 auf Dennis Siver traf, begann ein schmerzhafter Absturz. Der verbesserten Takedown-Verteidigung des Mannheimers hatte BJJ-Experte Sotiropoulos nichts entgegenzusetzen und wurde stattdessen im Stand dominiert und mehrmals zu Boden geschlagen. Ein halbes Jahr später folgte mit einer schnellen K.o.-Niederlage gegen Rafael dos Anjos dann ein weiterer, bitterer Misserfolg, nach dem „G-Sots“ eineinhalb Jahre wegen diverser Verletzung aus dem Käfig ferngehalten wurde. Als er schließlich zurückkehrte, wurde er von Ross Pearson zwei volle Runden lang vorgeführt, bevor der schlagstarke Engländer ihn zu Beginn des dritten Durchgangs endgültig auf die Bretter schickte. Eine vierte Niederlage kann Sotiropoulos sich nicht leisten, gegen den ehemaligen (Kick-) Boxer KJ "King" Noons (11-7) muss also um jeden Preis ein Sieg her.

Für Noons wird es der zweite Kampf in der UFC sein, im Falle einer Niederlage könnte es aber auch gleichzeitig auf absehbare Zeit der letzte sein. Der 30-Jährige hat im Laufe seiner mittlerweile elf-jährigen Karriere fast nur gegen Hochkaräter gekämpft, was ihm einerseits wertvolle Erfahrungen eingebracht, andererseits aber auch dafür gesorgt hat, dass er von seinen letzten sechs Kämpfen nur einen gewinnen konnte. Das war im Jahr 2011 in einem Strikeforce-Kampf gegen Billy Evangelista, der von Niederlagen gegen  Nick Diaz, Jorge Masvidal, Josh Thomson und Ryan Couture eingerahmt wird. Obwohl besonders die Niederlage gegen Couture höchst umstritten war, steht der Kampf als Niederlage in seiner Bilanz, auf den ein weiterer Misserfolg gegen Donald Cerrone folgte, als Noons bei UFC 160 im vergangenen Mai sein Octagon-Debüt gab.

Vorprogramm (Facebook)
Vier weitere Kämpfe werden exklusiv auf der offiziellen Facebook-Präsenz der UFC zu sehen sein. Mit TJ Waldburger (16-7) und Adlan „Borz“ Amagov (12-2-1) sind dort auch gleich zwei vielversprechende Weltergewichtler zu sehen, die ihre letzten Kämpfe überzeugend gewinnen konnten. Boden-Spezialist Waldburger kämpft seit 2010 in der UFC und konnte seitdem vier seiner bisher sechs Kämpfe gewinnen. Lediglich eine Punktentscheidung gegen Brian Ebersole musste er abgeben, nachdem ihm Anfang 2011 höchst spektakulär von Johny Hendricks Linken die Lichter ausgeknipst wurden. Seine Nehmerfähigkeiten scheinen die größte Schwäche des 25-jährigen Texaners zu sein, der bei UFC 166 zum ersten Mal seit drei Jahren wieder in seinem Heimatstaat kämpfen wird – fünf seiner sieben Niederlagen kamen vorzeitig durch (T.)K.o. zustande. Das könnte gegen Amagov zu seinem Problem werden, denn der Greg Jackson-Schützling hat Dampf in den Fäusten, wie sieben (T.)K.o.-Siege beweisen. Im April feierte Amagov darüber hinaus ein erfolgreiches UFC-Debüt, als er den Schweden Chris Spang vor heimischem Publikum in Stockholm drei Runden lang dominierte.

Zuvor wird ein TUF-Gewinner in den Käfig zurückkehren, in dem er seit eineinhalb Jahren nicht mehr zu sehen war. Wenn Tony „El Cucuy“ Ferguson (13-3) am Samstag gegen Mike Rio (9-2) ins Octagon steigt, wird er eine beinahe ebenso lange Zwangspause hinter sich haben, wie Weltergewichts-Champion Georges St-Pierre zwischen 2011 und 2012. Der Grund für die Pause war Fergusons Arm, den Michael Johnson in ihrem Kampf im Mai 2012 mit einem Kick brach. Ferguson machte weiter, verlor nach Punkten und musste sich nach dem Kampf einem frustrierenden Heilungsprozess unterziehen, der nun scheinbar abgeschlossen ist. Bei UFC 166 wird „El Cucuy“ versuchen, mit einem Sieg gegen Rio wieder auf sich aufmerksam zu machen, nachdem er über ein Jahr lang in der Versenkung verschwunden war. Vor dem Kampf gegen Johnson sicherte sich TUF 13-Sieger Ferguson mit aufeinanderfolgenden Siegen gegen Ramsey Nijem, Aaron Riley und Yves Edwards schrittweise eine Menge Respekt, bis der schicksalhafte Kampf gegen Johnson seine Karriere im großen Stil ins Stocken brachte.

Den Job, das zu verhindern, hat am Wochenende Mike „The Wolverine“ Rio (9-2). Der 32-Jährige aus Florida löste ebenfalls via TUF sein Ticket ins Octagon, obwohl er in der Vorrunde der 15. Staffel gegen Andy Ogle ausschied. Mit einem Aufgabe-Sieg gegen John Cofer sicherte Rio sich eine zweite Chance, verlor im Mai allerdings gegen Francisco Trinaldo und steht gegen Ferguson nun erneut unter Druck.

Jeremy Larsen (8-4) hat einige chaotische Wochen hinter sich. Zuerst sollte der Federgewichtler in Houston auf Matt Grice treffen, der sich allerdings bei einem Autounfall verletzte und den Kampf absagen musste. Danach wurde ihm Charles Oliveira vorgesetzt, nachdem dessen Gegner abgesagt hatte. Auch Oliveira verletzte sich aber schließlich, sodass UFC-Neuling Andre Fili (12-1) verpflichtet wurde. Von den drei Gegnern ist ein Debütant wohl der komfortabelste Kontrahent für Larsen, der am Samstag versuchen wird, seine UFC-Karriere nach zwei aufeinanderfolgenden (T.)K.o.-Niederlagen mit einem Sieg zu retten. Ein leichter Gegner wird der erst 23-Jährige Fili allerdings nicht werden, der neun seiner zwölf Profi-Siege vorzeitig einfahren konnte. Gegen Larsen wird Team Alpha Male-Kämpfer Fili versuchen, es seinen Trainingspartnern wie Urijah Faber und Chad Mendes gleichzutun und einen eindrucksvollen Lauf in der UFC zu starten.

Eröffnet wird der Event im Toyota Center im Bantamgewicht – Dustin „The Disciple“ Pague (11-8) steht dabei mit dem Rücken zur Wand und sieht sich seiner letzten Chance gegenüber, seine Karriere in der UFC zu retten, nachdem er zuletzt drei vier von fünf Kämpfen verloren hat. Der TUF 14-Teilnehmer wird auf den japanischen UFC-Debütanten und Shooto-Veteranen Kyoji Horiguchi (11-1) treffen, der acht seiner Siege vorzeitig einfahren konnte und seit fünf Kämpfen nicht mehr verloren hat.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 166: Velasquez vs. dos Santos III
Samstag, 19. Oktober 2013
Toyota Center in Houston, Texas, USA

Schwergewichtstitelkampf (ufc.tv)
Cain Velasquez (c) vs. Junior dos Santos

Hauptprogramm (ufc.tv)
Daniel Cormier vs. Roy Nelson
Gilbert Melendez vs. Diego Sanchez
Gabriel Gonzaga vs. Shawn Jordan
John Dodson vs. Darrell Montague

Vorprogramm (ufc.tv)
Tim Boetsch vs. C.B. Dollaway
Nate Marquardt vs. Hector Lombard
Sarah Kaufman vs. Jessica Eye
George Sotiropoulos vs. KJ Noons

Vorprogramm (Facebook)
TJ Waldburger vs. Adlan Amagov
Tony Ferguson vs. Mike Rio
Jeremy Larsen vs. Andre Fili
Dustin Pague vs. Kyoji Horiguchi