MMA

„Krieger Vater König“ feiert Filmpremiere in München

Ismail Cetinkaya beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in München.

In diesem Jahr wird das Internationale Dokumentarfilmfestival München, kurz „DOK.fest“, 30 Jahre alt und präsentiert zu dem Anlass zehn ganze Tage dokumentarisches Kinoerlebnis mit 140 Filmen und Gästen aus der ganzen Welt an elf Spielorten in der Stadt. Beim renommierten Filmfestival steht besonders ein Werk im Fokus für Kampfsportfans: „Krieger Vater König“ mit Ismail Cetinkaya und Carlos Eduardo Rocha in den Hauptrollen.

Bei der Doku von Julian Reich handelt es sich um ein intimes Porträt zweier MMA-Kämpfer. „Sie sind jung, männlich, Migranten und leben für Mixed Martial Arts. Das Porträt zweier Kampfsportkünstler schafft es, den Spagat zwischen brutalem Sport und verletzlichen Gefühlswelten zu zeigen. Carlos und Ismail sind unbesiegbar. Sie sind auch verletzlich, zart besaitet, sehnsuchtsvoll und auf der Suche nach Liebe und Normalität. Sie sind moderne Gladiatoren: Mixed Martial Arts ist ihr Leben. Für eine gute Performance im Ring nehmen sie mit äußerster Disziplin Verzicht und Einsamkeit in Kauf. Ist ihre Inszenierung als Krieger Kompensation für ihre Rollen als Kinder aus ärmlichen Verhältnissen und als Migranten in Deutschland? Hautnah zeigen die ruhigen und kraftvollen Bilder Lebens- und Gefühlswelten, die sonst ein mediales Schattendasein führen. Eine erfrischend andere Perspektive, die mit dem Vorurteil des aggressiven Kampfsportlers bricht“, so die offizielle Filmbeschreibung auf der DOK.fest-Webseite. Das Werk ist bietet in der Originalfassung türkisch, portugiesisch, englisch und deutsch an und wird mit englischen Untertiteln ausgestrahlt.

„MMA ist nicht nur ein Sport, es ist eine Lebensphilosophie“, verriet uns Cetinkaya im Gespräch. „Es war uns wichtig zu zeigen, was hinter einem Kämpfer steckt. Dass man trotz der Herkunft, Problemen, Diskriminierung oder Niederlagen stark bleibt und weitermacht. Das Leben ist ein Kampf.“

Ismail Cetinkaya spricht über „Krieger Vater König“.

Nicht nur Besucher des Filmfestspiels in München sollen in den Genuss der Doku kommen. Der Film wird Ende 2015 auch Bundesweit zu sehen sein. „Am Jahresende ist der Film in den deutschen Kinos“, versicherte uns Cetinkaya.

Unsere Kollegen von wesbound.de über die Premiere bei den Filmfestspielen:
Kämpfen als spiritueller Weg, als ultimativer Ausdruck dessen, was wir alle in diversen Abstufungen erleben: Es geht um’s Überleben. “Es ist Krieg”, schärft Ismail seinem Freund und Kollegen Carlos ein bevor der in den Käfig geht. Später hört Ismail von einem Kampfsport-Promoter den Satz: “Du hast nur ein einziges Mal diese eine Chance. Nutze sie!”

Und dann die Szene, als Ismail einer verarmten Fünfjährigen irgendwo in Afghanistan ein Glas Wasser für ein kleines Taschengeld abkauft – um sie zu unterstützen, die wiederum keine andere Option auf Leben hat als allein am Rand der Straße zu sitzen und selbst für ihr Leben zu sorgen. Da ist er auch wieder, der Kampf – und Ismail fühlt sich an seine eigene Kindheit erinnert: “Ich habe gearbeitet, den ganzen Tag, oft barfuß. Habe Obst und Gemüse verkauft. Ich war sechs oder sieben.” Und später im Frage-Antwort-Teil nach dem Film: “Wenn ich ein Kind ansehe, sehe ich mich selbst in ihm.” Auf seiner Facebook-Seite schreibt er: “Wer Kinder nicht mag, mag sich selbst nicht.” Direkter, schonungsloser und ehrlicher kann man den Überlebenskampf, aber auch das Bemühen um die Wahrung der eigenen Menschlichkeit wohl kaum ausdrücken. Oder leben. “Wovon haben Sie Ihre Reise nach Afghanistan finanziert?”, will eine Besucherin wissen. “Von meiner Kampfgage”, antwortet Ismail. “Die war nicht hoch und den Rest habe ich dort ausgegeben – den Kindern, deren Blicke ich nicht vergessen kann. Aber ich freue mich, wenn ich mit dem Geld, das ich durch das Kämpfen verdiene, anderen eine Freude machen kann.”

Den Trailer findet ihr anbei: