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Jones vs. Sonnen und Bisping vs. Belcher

Jon Jones kehrt zum ersten Mal seit seinem Sieg über "Shogun" Rua ins Prudential Center in Newark zurück.

Er hat es schon wieder getan: Chael Sonnen wird nach lautstarken Forderungen an diesem Wochenende ein weiteres Mal um einen UFC-Gürtel antreten dürfen - nachdem er im Mittelgewicht bereits zwei Mal gescheitert ist allerdings nun in der Halbschwergewichtsklasse gegen Jon Jones.

Der Kampf war im September bereits beinahe als kurzfristiger Ersatzkampf nach der Knieverletzung Dan Hendersons zustande gekommen, fiel dann nach Jones Absage scheinbar ins Wasser und tauchte nach dessen Sieg gegen Vitor Belfort plötzlich wieder auf, als Jones und Sonnen als Trainer für die 17. „Ultimate Fighter“-Staffel angekündigt wurden. Nun werden die beiden also doch aufeinandertreffen und dabei ein stark besetztes Programm im Prudential Center in Newark, New Jersey anführen: Unter anderem werden am Wochenende auch Michael Bisping, Alan Belcher, Roy Nelson, Phil Davis und Jim Miller in den Käfig steigen.

Das Hauptprogramm kann, wie gewohnt, auf ufc.tv verfolgt werden, genau wie der zweite Teil des Vorprogramms. Die ersten drei Kämpfe werden auf der offiziellen Facebook-Präsenz der UFC übertragen.

Jon Jones (c) vs. Chael Sonnen
Beinahe hätte diese Ansetzung bereits im September des vergangenen Jahres stattgefunden, als Dan Henderson kurz vor seinem Kampf gegen Jon „Bones“ Jones (17-1) wegen einer Knieverletzung absagte und Chael Sonnen (27-12-1) sich als kurzfristiger Ersatz anbot. Dana White, der eine derart zeitnahe Rettung in der Not wohl für ein Geschenk des Himmels gehalten haben wird, dürfte kurze Zeit später allerdings einen seiner berühmt berüchtigten Ausraster gehabt haben, denn nun war es sein Champion, der sich mit so wenig Vorbereitungszeit nicht auf einen neuen Gegner einstellen wollte und den Kampf ablehnte – der UFC blieb nichts anderes übrig, als die Veranstaltung schlicht und einfach abzusagen. Den Fans ging also eine komplette Show, den eingeplanten Kämpfern ihre Bezahlung und der UFC Einnahmen in Millionenhöhe durch die Lappen.

Jones musste in den folgenden Wochen eine Menge Kritik schlucken, stand jedoch zu seiner Entscheidung und bekam wenige Wochen später einen Kampf gegen Vitor Belfort, den er in der vierten Runde zur Aufgabe bringen konnte. Zu diesem Zeitpunkt lag Chael Sonnens T.K.o.-Niederlage gegen seine alte Nemesis Anderson Silva noch nicht einmal ein viertel Jahr zurück, dem großmäuligen Entertainer Sonnen gelang es jedoch, sich trotz alledem einen Platz als Trainer für die kürzlich abgeschlossene 17. Staffel der „Ultimate Figher“-Serie zu sichern. Als sein Gegenüber wurde Jon Jones angekündigt – damit war klar, dass Sonnen nach Ausstrahlung der Staffel doch noch seine Chance gegen den Weltmeister bekommen würde, und nicht Dan Henderson, Lyoto Machida oder Alexander Gustafsson.
Für Sonnen ist das damit die dritte Titelchance in seinen letzten fünf Kämpfen, was von einer Menge Fans eine Menge Kritik ausgelöst hat. Faktisch hat Sonnen seit dem Sieg über Nate Marquardt im Februar 2010 bei UFC 109, der ihm den ersten Titelkampf gegen Silva eingebracht hat, nur einen Kampf überzeugend gewonnen, und das war der vorzeitige Sieg gegen Brian Stann im Oktober 2011. Darüber hinaus hat Sonnen zwei Mal gegen Silva verloren, eine kontroverse Punktentscheidung gegen Michael Bisping gewonnen und, ganz nebenbei, seit Jahren nicht mehr bis 93 Kilo gekämpft. Ob er gegen den womöglich besten Kämpfer der Welt, der innerhalb der letzten zwei Jahre einen Top-Gegner nach dem anderen aus dem Weg geräumt hat, trotzdem Erfolg haben kann? Schon sehr bald werden wir es wissen.

Michael Bisping vs. Alan Belcher
Auch der Co-Hauptkampf hat einige Bedeutung für das Titelgeschehen, hier allerings in der Mittelgewichtsklasse: Sowohl Michael „The Count“ Bisping () als auch Alan „The Talent“ Belcher () standen Ende des letzten Jahres kurz vor einem Titelkampf, beide verloren allerdings einen wichtigen Kampf und wurden in der Rangliste zurückgeworfen.

Für Bisping ist dieser Kampf ein hohes Risiko. Vor knapp drei Monaten wurde er von Vitor Belfort per Headkick hart auf die Bretter geschickt und musste seine Titelträume damit ein weiteres Mal begraben. Die Niederlage war bitter, denn der Brite war erneut kurz vor dem Ziel, einem Kampf gegen Anderson Silva, spektakulär gescheitert. Gleichzeitig hat der „Count“ bisher nur gegen die Elite der UFC verloren, für Belcher ist dieser Kampf also ein guter Test, um seine eigene Position zu definieren, nachdem er im Dezember gegen Yushin Okami verlor. Zuvor konnte er nacheinander Patrick Coté, Jason MacDonald und Rousimar Palhares schlagen und sich damit selbst an den Rand des Titelgeschehens bringen.

Wo der Sieger dieses Kampfes sich in den kommenden Wochen einordnen wird, kann man schwer absehen. Tatsache ist allerdings, das es neben Chris Weidman, der im Juli gegen Silva kämpfen wird, zurzeit kaum vermarktbare Herausforderer auf den Gürtel des Brasilianers gibt – höchstwahrscheinlich wird einer der beiden demnächst also nur noch ein oder zwei Siege von einer Titelchance entfernt sein.

Roy Nelson vs. Cheick Kongo
Vor den beiden Mittelgewichtlern wird es im Schwergewicht zur Sache gehen: Mit Roy „Big Country“ Nelson (18-7) und Cheick Kongo (18-7-2) wurden von Joe Silva zwei schlagstarke Veteranen aufeinander angesetzt, die für einen spannenden Kampf sorgen könnten.

Nelson hat zurzeit mit Siegen gegen Miko CroCop, Dave Herman und Matt Mitrione einen beeindruckenden Lauf. Dieser Kampf ist für ihn eine Chance, endgültig zu beweisen, dass er entgegen aller Kritik an seiner Ernsthaftigkeit dem Sport gegenüber und gelegentlichen Niederlagen doch in die obere Gegend der Schwergewichtsklasse gehört. Kongo dagegen muss zeigen, dass er dort noch nicht komplett herausgerutscht ist, denn seine letzten Kämpfe haben mal mehr, mal weniger deutlich in diese Richtung gedeutet.
Zuletzt konnte sich der Franzose zwar gegen Shawn Jordan durchsetzen, der recht ereignislose Kampf war allerdings alles andere als überzeugend und folgte auf eine K.o.-Niederlage gegen Mark Hunt. An sich ist es natürlich keine Schande, von Hunts Zement-Fäusten Schlafen geschickt zu werden, Kongo wirkte allerdings schon vor dem Knockout seltsam uninspiriert – ein Symptom, das sich auch schon in seinem vorherigen Kampf gegen Matt Mitrione gezeigt hat. Dieser Kampf folgte seinerseits auf die berühmt-berüchtigte Beinahe-K.o.-Niederlage gegen Pat Barry und ein Unentschieden gegen Travis Browne. Tatsächlich hat Kongo also im Jahr 2010 das letzte Mal wirklich überzeugt. An diesem Wochenende bekommt er die Chance, sich gegen einen gefährlichen Gegner von seiner besten Seite zu zeigen.

Phil Davis vs. Vinny Magalhaes
Eine Gewichtsklasse tiefer, im Halbschwergewicht, warden mit Phil “Mr. Wonderful“ Davis (10-1-0(1)) und Vinny Magalhaes (10-5-0(1)) zwei hoch gehandelte Talente kollidieren. Dieser Kampf hätte beinahe schon bei UFC 155 im vergangenen Dezember stattgefunden, nachdem Forrest Griffin seinen Kampf gegen Davis absagen musste und Magalhaes als Ersatz vorgeschlagen wurde. Der Brasilianer lehnte jedoch mit der Begründung ab, das Gewichtslimit nicht so kurzfristig erreichen zu können. Das kam bei „Mr. Wonderful“ nicht besonders gut an, und trat eine lange Kette an gegenseitigen Beleidigungen und Diffamierungen auf Twitter los.

Nach einem knappen halben Jahr bekommen die beiden Streithähne nun also die Chance, ihre Differenzen im Octagon beizulegen und gleichzeitig die Ranglisten im Halbschwergewicht weiter emporzusteigen. Beiden fehlen nach guten Leistungen in ihren letzten Kämpfen nicht mehr allzu viele Stufen bis in die oberen Gefilde, dieser Kampf könnte also immense Bedeutung für ihre jeweiligen Karrieren haben.

Jim Miller vs. Pat Healy
Schon zu Beginn des Programms erwartet uns aus New Jersey ein Kampf zweier absoluter Hochkaräter aus der Leichtgewichtsklasse. Mit Jim Miller (22-4) und Pat „Bam Bam“ Healy (29-16) stehen sich zwei Veteranen gegenüber, die trotz einiger Hoch- und Tiefpunkte immer noch hochrelevant sind und sich mit einem Sieg an diesem Wochenende abermals eine sehr gute Position in der mittlerweile wieder sehr offenen Top 5 des Leichtgewichts sichern könnten.

Miller kämpfte sich im Lauf seiner UFC-Karriere mit Siegen gegen Mark Bocek, Gleison Tibau, Mac Danzig, Melvin Guillard u.A. an den Rand einer Titelchance, wurde dann jedoch von Ben Henderson und Nate Diaz wieder am hinteren Ende der Leichtgewichts Top-Ten platziert. Ein Punktsieg nach einem spektakulären Kampf gegen Joe Lauzon brachte Miller wieder ins Gedächtnis, auch an diesem Wochenende braucht der aus New Jersey stammende Veteran allerdings einen möglichst überzeugenden Sieg, um wieder ernsthaft ins Gespräch um einen Titelkampf zu kommen.

Leicht wird diese Aufgabe allerdings nicht, denn mit Pat Healy steht ihm in Newark extrem zäher Veteran gegenüber, den man einfach nicht so ohne weiteres hinter überrent. Healy, der zu Anfang seiner Karriere u.a. Dan Hardy, Paul Daley und Carlos Condit schlagen konnte, debütierte im Jahr 2010 bei Strikeforce, musste sich jedoch Josh Thomson per Aufgabe geschlagen geben. Seitdem drehte er allerdings auf und sicherte sich sechs Erfolge nacheinander, u.a. gegen Maximo Blanco und Caros Fodor. Falls er auch Miller schlagen sollte, würde ihm das direkt einen Einstieg weit oben in den Leichtgewichts-Ranglisten bescheren. 

Anbei das gesamte Programm:

UFC 159: Jones vs. Sonnen
Samstag, 27. April 2013
Prudential Center in Newark, New Jersey, USA

Halbschwergewichtstitelkampf (ufc.tv)
Jon Jones (c) vs. Chael Sonnen

Hauptprogramm (ufc.tv)
Michael Bisping vs. Alan Belcher
Roy Nelson vs. Cheick Kongo
Phil Davis vs. Vinny Magalhaes
Jim Miller vs. Pat Healy

Vorprogramm (ufc.tv)
Rustam Khabilov vs. Yancy Medeiros
Gian Villante vs. Ovince St. Preux
Sara McMann vs. Sheila Gaff
Bryan Caraway vs. Johnny Bedford

Vorprogramm (Facebook)
Leonard Garcia vs. Cody McKenzie
Nick Catone vs. James Head
Steven Siler vs. Kurt Holobaugh