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Jones vs. Gustafsson in Toronto

Jones wird mit Gustafsson erstmalig auf einen Gegner treffen, der größer als er ist.

Es ist wieder soweit: Das Octagon öffnet seine Pforten, und mit Jon Jones, Alexander Gustafsson, Renan Barao, Eddie Wineland und vielen anderen Hochkarätern, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag hindurchspazieren werden, ist Action garantiert.

Zusammen mit einem interessanten Vorprogramm, auf dem u.a. der Österreicher Nandor Guelmino zu sehen sein wird, könnte UFC 165 damit zu einem der potentiell besten Events der vergangenen Monate werden. Ab Mitternacht deutscher Zeit werden wir herausfinden, ob die Kämpfe ihr Potential erfüllen können.

Der Event kann in Deutschland, wie gewohnt, zum Teil via ufc.tv (Hauptprogramm und zweiter Teil Vorprogramm) sowie über Facebook (erste vier Vorkämpfe) verfolgt werden.

Jon Jones (c) vs. Alexander Gustafsson
Zum dritten Mal gastiert die UFC am Wochenende im Air Canada Centre, und zum dritten Mal steht Jon „Bones“ Jones (18-1) dort im Hauptkampf. Lyoto Machida und Vitor Belfort konnte der Halbschwergewichtschampion im Schatten des CN Towers schon bezwingen, auf der anderen Seite allerdings waren gerade dies die Kämpfe, in denen er die meisten Schwierigkeiten hatte – nachdem Machida bei UFC 140 die erste Runde gegen Jones gewann, beendete Vitor Belfort bei UFC 152 den Kampf beinahe mit einem Armbar.

Letztendlich schlug Jones jedoch beide überzeugend, und polsterte damit eine beeindruckende Siegesserie weiter aus, die mittlerweile außerdem Erfolge gegen Rashad Evans, Chael Sonnen, „Shogun“ Rua u. A. beinhaltet. Den unvergleichlichen Erfolg verdankt Jones seiner unschlagbar erscheinenden Mischung aus einer immensen Reichweite und dem Wissen, wie sie genutzt wird; darüber hinaus einem riesigen Arsenal der verschiedensten Techniken, großem Selbstbewusstsein und einem hoch spezialisierten Trainerteam, das Jones innerhalb von fünf Jahren vom UFC-Debütanten zum Spitzenkandidaten der Pound-for-Pound-Ranglisten geführt hat.

Am kommenden Samstag wird „Bones“ auf Alexander Gustafsson treffen. Gustafsson ist ein 24-Jähriger Schwede, der seit Ende 2009 in der UFC schnell solchen Erfolg hatte, dass er in San Diego beim renommierten Alliance MMA-Team neben Phil Davis, Brandon Vera, Ross Pearson u. A. trainieren durfte. Die hochkarätigen Trainingspartner sorgen seitdem dafür, dass der „Mauler“ sich in beängstigendem Tempo weiterentwickelt, was im Laufe der letzten drei Jahre zu Siegen gegen James Te-Huna, Thiago Silva, „Shogun“ Rua u.v.a. geführt hat.

Eigentlich hätte der Schwede im April auf Gegard Mousasi treffen sollen, nur Tage vor dem Event in Stockholm zog Gustafsson sich allerdings einen Cut zu, der ihn aus dem Kampf kegelte. Damals ein äußerst bitterer Rückschlag, stellte sich das Unglück im Nachhinein möglicherweise als Segen heraus, denn an diesem Wochenende bekommt der junge Schwede die Chance, als erster europäischer UFC-Champion Geschichte zu schreiben.

Renan Barao (ic) vs. Eddie Wineland
Ein weiterer Titelkampf, wenn auch offiziell nur um den Interims-Gürtel, wird ebenfalls in Toronto stattfinden. Das Bantamgewicht ist seit Oktober 2011 theoretisch kaltgestellt, denn seitdem muss Champion Dominick Cruz wegen schwerwiegender Knieverletzungen aussetzen.

Mitte 2012 wurde aus diesem Grund ein Interims-Gürtel ausgerufen, den sich Renan „Barao“ Pegado (30-1-0(1)) nach einem einstimmigen Punktsieg gegen Urijah Faber um die Hüften schnallen durfte. Im vergangenen Februar verteidigte Barao seinen Gürtel erstmalig gegen Michael McDonald und wurde damit in den Augen vieler Fans zum wahren Champion.

An diesem Wochenende wird der 26-Jährige Brasilianer den Interimsgürtel nun bereits zum zweiten Mal verteidigen und, aller Voraussicht nach, zum letzten Mal. Sollte Dominick Cruz Anfang des nächsten Jahres zurückkehren können, wird Barao gegen ihn um den „echten“ Titel antreten. Falls der Champion dann jedoch nicht fit sein sollte, dürfte das Wort „Interim“ aus Baraos Titelbezeichnung gestrichen werden. Mittlerweile wird er von großen Teilen der MMA-Gemeinde ohnehin als König der Bantamgewichtsklasse gesehen, und das nicht unverdient: Cole Escovedo, Brad Pickett, Scott Jorgensen, Urijah Faber und zuletzt McDonald fielen Barao nacheinander zum Opfer.

Mit einem Sieg gegen Eddie Wineland (20-8-1) könnte er seine Reputation weiter stärken: Wineland debütierte nach vielen Kämpfen bei der WEC im Co-Hauptkampf von UFC 128 im Octagon - an diesem Abend verlor er allerdings nach Punkten gegen Urijah Faber, bevor ihm einige Monate später gegen Joseph Benavidez das gleiche Schicksal widerfuhr. Gegen Scott Jorgensen stand er im Juni 2012 daher mit dem Rücken zur Wand, zeigte allerdings keinerlei Nerven und knockte Jorgensen aus - das hatte zuvor noch niemand geschafft, auch nicht Barao, der mit „Scotty“ einige Monate früher über die volle Distanz gehen musste. Ein weiterer Sieg, bei UFC 155 gegen Brad Pickett, brachte Wineland später diesen Titelkampf ein.

Brendan Schaub vs. Matt Mitrione
Vor den beiden Titelkämpfen steigt im Schwergewicht ein Kampf, der eher in die Kategorie der „fun fights“ einzuordnen ist. Sowohl Brendan „The Hybrid“ Schaub (9-3) als auch Matt „Meathead“ Mitrione (6-2) werden in näherer Zukunft wohl nicht um einen Titel antreten, sind aber oft in unterhaltsame Kämpfe verwickelt.

Die beiden haben sich im Vorfeld außerdem ein unterhaltsames Twitter-Duell geliefert und sich gegenseitig die verschiedensten Dinge vorgeworfen. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass die (angeblich ehemaligen) Freunde, die während der zehnten TUF-Staffel Teamkollegen waren, einfach nur ihren Kampf pushen wollen.

Wie auch immer, die Ansetzung könnte für reichlich Action sorgen. Schaub ist am Boden versiert und hat im Laufe seiner Karriere zwar reichlich K.o.-Power, aber gleichzeitig auch ein fragwürdiges Kinn bewiesen. Das könnte Mitrione in die Karten spielen, der ebenfalls ordentlich Dampf in den Fäusten hat. Auf der anderen Seite gibt „Meathead“ aber offen zu, nicht der beste Grappler zu sein und hat mit Schaub einen BJJ-Braungurt vor den Fäusten, der darüber hinaus Golden Gloves Box-Champion war. Wie sich diese Kombination letzten Endes ausspielen wird und ob die beiden wirklich eine Abneigung gegeneinander entwickelt haben, wird sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag zeigen.

Costa Philippou vs. Francis Carmont
An diesem Abend könnte es außerdem einer dieser beiden Mittelgewichtler schaffen, einen großen Schritt in Richtung Spitze hinter sich zu bringen. Sowohl Constantinos „Costa“ Philippou (12-2-0(1)) als auch Francis „Limitless“ Carmont (21-7) hatten zuletzt beachtlichen Erfolg im Octagon und stehen kurz vor dem Durchbruch in die wirklich relevanten Regionen der Gewichtsklasse.

Philippou schaffte es als Teilnehmer der elften TUF-Staffel nicht ins Haus, bekam dann aber wegen einer Verletzung eines anderen Kämpfers die Möglichkeit, kurzfristig bei UFC 128 gegen Nick Catone in die UFC zu kommen. Philippou nahm an, wurde verprügelt und gab hinterher zu Protokoll, genau das erwartet zu haben. Sein Plan war, auf einen weiteren Kampf zu spekulieren und diesen dann zu gewinnen. Gesagt, getan, und so besiegte der gebürtige Zypriote bei UFC 133 den Veteranen Jorge Rivera nach Punkten. Dabei sollte es aber nicht bleiben; seitdem fielen ihm nacheinander Jared Hamman, Court McGee, Riki Fukuda und zuletzt Tim Boetsch zum Opfer.

Francis Carmont ist in der UFC noch ungeschlagen. Die Karriere des gebürtigen Franzosen plätscherte mit elf Siegen und sieben Niederlagen vor sich hin, bis er im Tristar Gym in Montréal unterkam, wo Firas Zahabi und co. dafür sorgten, dass er sein volles Potential ausnutzen konnte. Die harte Arbeit hat offensichtlich Früchte getragen, so konnte „Limitless“ seit Ende 2011 fünf Mal im Octagon gewinnen, u.a. gegen Chris Camozzi, Tom Lawlor und Lorenz Larkin.

Pat Healy vs. Khabib Nurmagomedov
Eröffnet wird das Hauptprogramm in Toronto im Leichtgewicht – mit Pat „Bam Bam“ Healy (29-16-0(1)) und Khabib „The Eagle“ Nurmagomedov (20-0) hat die UFC dabei zwei Hochkaräter aufeinander angesetzt.

Healy hat seit Sommer 2006 erst ein Mal für die UFC gekämpft, dafür aber umso öfter für Strikeforce, bevor Anfang des Jahres in der ehemaligen UFC-Tochterorganisation der Vorhang fiel. Als ehemaliger Titelherausforderer, der im Laufe seiner Karriere u.a. Paul Daley, Dan Hardy und Carlos Condit bezwingen konnte, wurde ihm mit Jim Miller gleich ein harter Brocken vorgesetzt, den einige für zu groß hielten.

Healy jedoch legte bei UFC 159 den „Fight of the Night“ hin, bevor er Miller mit der „Submission of the Night“, einem Rear Naked Choke, Schlafen schickte. Zusammen ergab das eine monströse Bonuszahlung von 130.000 Dollar, die Healy jedoch nie überwiesen werden sollte. Kurz nach dem Event stellte sich nämlich heraus, dass Healys Drogentest auf Marihuana angeschlagen hatte, womit sowohl Sieg als auch Bonuszahlung futsch waren. Ein extrem bittere Entwicklung für „Bam Bam“, der am Wochenende daher trotz der imposanten Leistung seines letzten Kampfes einiges zu beweisen hat, wenn er gegen Khabib Nurmagomedov ins Octagon steigt.

Nurmagomedov ist ein aufstrebendes Talent aus Dagestan, einer Republik im Süden Russlands. Der erst 24-Jährige Sambo-Spezialist kann neben einem beeindruckenden Resümee in der russischen Kampfsportart einen Schwarzgurt im Judo und K.o.-Power in den Fäusten vorweisen. Diese explosive Mischung sorgte dafür, dass er nach 16 Siegen in Osteuropa auch seine ersten vier UFC-Kämpfe gewann und am kommenden Wochenende die Chance auf einen fünften Erfolg bekommt.

Ein Sieg gegen Pat Healy auf dem Hauptprogramm einer großen Veranstaltung wäre zweifellos das Highlight der bisherigen Karriere des „Eagle“ und würde das Jahr 2013 perfekt abschließen – innerhalb der vergangenen neun Monate schlug er bereits Thiago Tavares K.o., bevor er mit 21 Takedowns im Kampf gegen Abel Trujillo einen UFC-Rekord aufstellte.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 165: Jones vs. Gustafsson
Samstag, 21. September 2013
Air Canada Centre in Toronto, Ontario, Kanada

Halbschwergewichtstitelkampf (ufc.tv)
Jon Jones (c) vs. Alexander Gustafsson

Bantamgewichts-Interimstitelkampf (ufc.tv)
Renan Barao (ic) vs. Eddie Wineland

Hauptprogramm (ufc.tv)
Brendan Schaub vs. Matt Mitrione
Costa Philippou vs. Francis Carmont
Pat Healy vs. Khabib Nurmagomedov

Vorprogramm (ufc.tv)
Mike Ricci vs. Miles Jury
Ivan Menjivar vs. Wilson Reis
Chris Clements vs. Stephen Thompson
Mitch Gagnon vs. Dustin Kimura

Vorprogramm (Facebook)
John Makdessi vs. Renee Forte
Jesse Ronson vs. Michel Prazeres
Roland Delorme vs. Alex Caceres
Nandor Guelmino vs. Daniel Omielanczuk