MMA

Jon Jones vs. Glover Teixeira in Baltimore

Jon Jones und Glover Teixeira werden am Samstag den UFC-Halbschwergewichtstitel unter sich ausmachen.

Lange Zeit galt Glover Teixeira als Geheimtipp der internationalen MMA-Szene, doch  in den knapp zwei Jahren seit seinem UFC-Debüt hat der Brasilianer sich nun bis zum Titelherausforderer vorgearbeitet und wird am Samstag seine Chance gegen Champion Jon Jones bekommen. Kann Teixeira den dominanten Weltmeister enttrohnen, oder wird Jones seinen Titel zum siebten Mal verteidigen?

Neben Jones und Teixeira gibt es bei UFC 172 einige weitere bekannte Gesichter zu sehen – im Co-Hauptkampf werden Phil Davis und Anthony Johnson aufeinandertreffen, nachdem bereits u.a. Luke Rockhold, Tim Boetsch und Jim Miller ins Octagon gestiegen sind.

UFC 172 kann live über ufc.tv verfolgt werden. Während für das Hauptprogramm einmalig 17,99 Euro bezahlt werden müssen, ist das Vorprogramm kostenlos über den UFC Fight Pass erhältlich.

Jon Jones (c) vs. Glover Teixeira
Jon „Bones“ Jones (19-1) ist momentan ein vielbeschäftigter Mann – gerade erst hat er seinen Titel gegen Alexander Gustafsson verteidigt und schon wächst die To Do-Liste für die kommenden Monate wieder auf ein extremes Maß an. Glover Teixeira, ein Rückkampf gegen Gustafsson, Daniel Cormier, jetzt auch Dan Henderson und ein möglicher Wechsel ins Schwergewicht sind seit Monaten für den 26-jährigen Halbschwergewichtschampion im Gespräch. Punkt eins dieser Agenda will „Bones“ am kommenden Samstag abhaken, wenn er in Baltimore auf Glover Teixeira (22-2) trifft.

Falls Jones den Brasilianer besiegen kann, würde dies seine siebte Titelverteidigung bedeuten, womit der junge New Yorker seinen Vorsprung auf den bereits übertroffenen Rekord von Tito Ortiz (5 Titelverteidigungen) noch weiter ausbauen würde. Seit seinem Titelgewinn im März 2011 gegen „Shogun“ Rua verwies Jones „Rampage“ Jackson, Lyoto Machida, Rashad Evans, Vitor Belfort, Chael Sonnen und Alexander Gustafsson mit einer Mischung aus athletischer Überlegenheit, hohem Kampf-IQ sowie einem gut abgerundeten und unvorhersehbaren Kampfstil auf die Plätze.

Gustafsson allerdings lieferte dem Champion im vergangenen September seinen bisher härtesten Kampf, ging mit Jones über die Distanz und sicherte sich in den Augen vieler Fans sogar die Punktentscheidung. Seit UFC 165 ist aus diesem Grund ein Rückkampf gegen den Schweden im Gespräch, des Weiteren werden Daniel Cormier und Dan Henderson bei UFC 173 im Mai gleich den nächsten Herausforderer unter sich ausmachen. Die Annahme, Jones sei nicht ganz auf den haushohen Underdog Teixeira fokussiert, liegt daher nahe, der Champion selbst jedoch streitet ab, den Brasilianer zu unterschätzen – stattdessen will er nach dem knappen Sieg gegen Gustafsson ein Statement setzen und in Baltimore einen imposanten Sieg einfahren.

An diese Art des Siegens ist auch Glover Teixeira mittlerweile gewöhnt – bereits 2006 trat der Brasilianer drei Mal in der WEC an, wo er zwei Mal durch Knockout und ein Mal durch Aufgabe in Runde eins gewann. Kurze Zeit später jedoch stellte sich heraus, dass es Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung des Trainingspartners von Chuck Liddell gab; Teixeira musste das Land verlassen. Knapp drei Jahre sollte es dauern, bis der Brasilianer zurück in die Staaten durfte – drei Jahre, in denen Teixeira sich in seinem Heimatland eine Bilanz aufbaute, die ihm nach Beilegung der Visa-Probleme einen Vertrag mit der UFC einbrachte. Bei UFC 146 im Mai 2012 startete Teixeiras Route zum Titel mit einem Aufgabe-Sieg gegen Kyle Kingsbury, dem seither vorzeitige Siege gegen Fabio Maldonado, James Te Huna und Ryan Bader folgten sowie ein Punktsieg gegen Quinton „Rampage“ Jackson. Am Samstag sieht sich der schlagstarke American Top Team-Kämpfer nun seinem größten Test entgegen, der allerdings auch die größten Lorbeeren verspricht: den Weltmeisterschaftsgürtel der UFC.

Phil Davis vs. Anthony Johnson
Bevor Glover Teixeira seine Chance gegen Jones bekommt, könnte sich in der Baltimore Arena ein weiterer Kämpfer als zukünftiger Herausforderer hervortun: Mit Phil „Mr. Wonderful“ Davis (12-1-0(1)) und Anthony „Rumble“ Johnson (16-4) hat die UFC zwei bekannte Gesichter aufeinander angesetzt, die ihrer Chance auf den Titel seit längerem nachjagen.

Davis steht momentan an einer etwas ungewöhnlichen Position – zwar wurde er in seiner Karriere bisher erst ein Mal besiegt, die verlorene Punktentscheidung gegen Rashad Evans aus dem Januar 2012 zeigte aber deutlich die Grenzen von „Mr. Wonderful“ auf. An diesen wird der gelernte Ringer seitdem sicherlich gearbeitet haben, jedoch fehlt ihm immer noch ein imposanter Sieg, der den Durchbruch an die Spitze bringen könnte. Im vergangenen August hatte „Mr. Wonderful“ nach Siegen gegen Wagner Prado und Vinny Magalhaes diese Chance gegen Lyoto Machida – zwar gewann Davis eine geteilte Punkentscheidung, der Großteil der Zuschauer hatte jedoch den Brasilianer als Sieger gesehen.

Vor Kurzem äußerte UFC-Präsident Dana White dann auch noch harsche Kritik an der Selbst-Promotion seines Halbschwergewichts. Davis erscheine ihm nicht als der Typ Kämpfer, der einen Titelkampf um jeden Preis will. Dieser nahm sich die Kritik zu Herzen und nahm die Trash Talk-Taktik in sein Marketing-Arsenal mit auf – bei der offiziellen Presse-Telefonkonferenz am Montag gab Davis sein Bestes, um Jon Jones mit provokanten Bemerkungen aus der Ruhe zu bringen. Ein Blick auf die Rangliste verrät, dass Davis sicherlich in greifbarer Nähe einer Titelchance steht, aller Trash Talk und vergangene Siege werden jedoch umsonst sein, wenn Davis am Samstag nicht an Anthony Johnson vorbeikommt.

Für Johnson markiert der Kampf am Samstag ein lang erwartetes Comeback – „Rumble“ war bereits zwischen 2007 und 2012 Teil der UFC und konnte in dieser Zeit einige Erfolge feiern. Zwar streute er hin und wieder Rückschläge ein, u.a. gegen Josh Koscheck und Rich Clementi, meist aber endeten seine Kämpfe spektakulär durch (T.)K.o. – sein Debüt gewann er gar in nur 13 Sekunden, womit er sich in beinahe rekordverdächtige Territorien wagte. Überschattet wurde Johnsons UFC-Karriere aber immer durch die Frage, ob er beim Einwiegen das Weltergewichtslimit von 77 Kilo schaffen würde. Der muskelbepackte 1,88 Meter-Mann sieht ganz und gar nicht wie ein Weltergewicht aus, und die Ergebnisse auf der Waage haben diesen Eindruck mehrfach bestätigt. Zuletzt verpasste Johnson gegen Vitor Belfort das Limit – wohlgemerkt in einem Mittelgewichtskampf – um knackige fünf Kilogramm. Obendrein verlor er einen Tag später durch einen Rear Naked Choke, was ihn zunächst aus der UFC kegelte.

Erst, nachdem er vor seinem ersten Kampf für Titan FC abermals das Gewicht nicht schaffte, zog „Rumble“ seine Konsequenzen und tritt seitdem im Halbschwergewicht an, wo er u..a D.J. Linderman, Jake Rosholt und Mike Kyle ausknocken konnte. Am 26. April wird er mit Davis einem anderen Kaliber gegenüberstehen, das Risiko kann sich aber im Erfolgsfall durchaus bezahlt machen.

Luke Rockhold vs. Tim Boetsch
Dieser Mittelgewichtskampf hätte eigentlich bereits vor einem halben Jahr bei UFC 166 stattfinden sollen, damals verletzte Luke Rockhold (11-2) sich jedoch, sodass Tim „The Barbarian“ Boetsch (17-6) auf CB Dollaway traf.

Für Rockhold hätte der Kampf gegen Boetsch der erste Sieg in der UFC sein sollen, nachdem er im Mai 2013 höchst spektakulär per Spinning Heel Kick von Vitor Belfort ausgeknockt wurde. Dieser Rückschlag markierte die erste zweite Niederlage in der Karriere des Kaliforniers, der zuvor bei Strikeforce den Mittelgewichtstitel gegen „Jacare“ Souza gewann und ihn gegen Keith Jardine und Tim Kennedy verteidigen konnte. Im Januar fuhr der sowohl im Stand als auch am Boden und im Ringen versierte Kalifornier aus der American Kickboxing Academy seinen ersten Sieg in der UFC ein, als er Costa Philippou in der ersten Runde mit einem Kick zur Leber auf die Bretter schickte.

Auf den ersten Blick ist dies kein gutes Zeichen für Tim Boetsch, der Philippou Ende 2012 durch T.K.o. unterlag. Dieser Niederlage folgte eine weitere gegen Mark Munoz, die das Momentum des 33-Jährigen völlig zerstörte, der sich zuvor mit Siegen gegen Kendall Grove, Nick Ring, Yushin Okami und Hector Lombard einen Namen in der Mittelgewichtsklasse der UFC gemacht hatte. Der Kampf gegen einen zuletzt meist sehr überzeugenden Rockhold ist daher ein gefährlicher Zug für Boetsch, im Falle eines Sieges würde er dafür wieder dort weitermachen können, wo er vor eineinhalb Jahren aufgehört hat.

Jim Miller vs. Yancy Medeiros
Dieser Leichtgewichtskampf sollte eigentlich gar nicht stattfinden. Ursprünglich hatte Matchmaker Joe Silva Bobby Green auf Jim Miller (23-4-0(1)) angesetzt, der nach Siegen gegen Jacob Volkmann, James Krause und Pat Healy eine Menge Momentum in den Kampf bringen sollte. Nachdem Green jedoch eine knappe Woche vor dem Event verletzt absagen musste, wurde kurzerhand Yancy „Frisson“ Medeiros (9-1-0(1)) von seinem Kampf gegen Joe Ellenberger im Vorprogramm abgezogen.

Auf den ersten Blick ist diese neue Situation natürlich ein Geschenk für den etablierten Miller, tatsächlich aber bedeutet der Gegnerwechsel jedoch ein hohes Risiko bei wenig Gegenleistung, denn von Miller wird nun nichts Geringeres als ein spektakulärer Sieg erwartet. Der 30-Jährige aus New Jersey hat die Fähigkeiten, beinahe jedes Leichtgewicht in der UFC überzeugend zu besiegen, allerdings hat Yancy Medeiros bisher noch keinen großen Namen in der UFC und ist trotzdem gefährlich. Statt dem Jim Miller, der von Pat Healy per Rear Naked Choke Schlafen geschickt, von Nate Diaz zur Aufgabe gezwungen und von Ben Henderson im Stand verprügelt wurde, muss am Samstag die Version seiner selbst auflaufen, die Melvin Guillard und Fabricio Camoes zum Abklopfen zwang, Joe Lauzon dominierte und Kamal Shalorus ausknockte.

Nach einer makellosen Karriere, die zwei Siege bei Strikeforce beinhaltet, begann Yancy Medeiros’ UFC-Laufbahn vor einem Jahr unglücklich mit einer T.K.o.-Niederlage gegen Rustam Khabilov, nachdem Medeiros sich am Daumen verletzt hatte. Sein zweiter Kampf verlief weitaus besser für den Hawaiianer, der im November Yves Edwards in der ersten Runde K.o. schlug. Als einige Zeit später jedoch Spuren von Marijunaa in Medeiros Dopingtest gefunden wurden, wurde das Ergebnis in einen ‚No Contest’ geändert, sodass Medeiros technisch noch keinen Sieg im Octagon vorweisen kann. Das soll sich in Baltimore ändern, wo Medeiros mit Miller jedoch den härtesten Test seiner bisherigen Karriere vor den Fäusten hat.

Max Holloway vs. Andre Fili
Eröffnet wird UFC 172 im Federgewicht mit einem Duell zweier junger Kämpfer, die die hohe Aufmerksamkeit ihrer Position auf dem Hauptprogramm nutzen wollen, um dem Ziel eines Titelkampfes einen weiteren Schritt näher zu kommen.

Max „Blessed“ Holloway (8-3) debütierte im Februar 2012 als kurzfristiger Ersatz und mit nur vier Kämpfen auf dem Buckel gegen Dustin Poirier in der UFC, der den Thaiboxer in der ersten Runde per Triangle Armbar zum Abklopfen zwang. Einige Monate später konnte Holloway dafür zeigen, was tatsächlich in ihm steckt, indem er zunächst Pat Schilling drei Runden lang im Stand auseinandernahm, bevor er das Hauptprogramm von UFC 150 mit einem beeindruckenden T.K.o. gegen Justin Lawrence eröffnete. Bei UFC 155 schloss Holloway sein erstes Jahr in der UFC mit einem Punktsieg gegen Leonard Garcia ab. 2013 verlief weniger erfolgreich für den Hawaiianer, der zunächst eine hauchdünne Punktentscheidung an Dennis Bermudez abgab und dann drei Runden lang von Conor McGregor ausgepunktet wurde. Im Januar kehrte „Blessed“ mit einem T.K.o.-Sieg gegen Will Chope auf die Siegerstraße zurück.

Andre „Touchy“ Filis (13-1) Debüt im Octagon ergab sich ebenfalls sehr kurzfristig, als Jeremy Larsen nach Charles Oliveiras Absage bei UFC 166 einen neuen Gegner brauchte. Die Chance, endlich in der UFC zu kämpfen, bedeutete natürlich auch für Fili einen wahr gewordenen Traum, auf der anderen Seite hätte der Anruf Joe Silvas zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können – Fili hatte zwei Wochen vor dem Kampf ungefähr das Gewicht eines Weltergewichtes auf den Rippen. Das Gewichtslimit verpasste „Touchy“ dann auch, was ihm angesichts der Umstände jedoch von der UFC verziehen wurde. Die Gunst der Bosse holte Fili dann am Kampftag gänzlich zurück, indem er Larsen T.K.o. schlug. Nun mit einem vollen Trainingscamp im Rücken, will Fili gegen Holloway beweisen, dass er auch in Zukunft auf das Hauptprogramm gehört.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 172: Jones vs. Teixeira
Samstag, 26. April 2014
Baltimore Arena in Baltimore, Maryland, USA

Halbschwergewichtstitelkampf (ufc.tv)
Jon Jones (c) vs. Glover Teixeira

Hauptprogramm (ufc.tv)
Phil Davis vs. Anthony Johnson
Luke Rockhold vs. Tim Boetsch
Jim Miller vs. Yancy Medeiros
Max Holloway vs. Andre Fili

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Joseph Benavidez vs. Tim Elliott
Takanori Gomi vs. Isaac Vallie-Flagg
Jessamyn Duke vs. Bethe Correia
Vagner Rocha vs. Joe Ellenberger

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Danny Castillo vs. Charlie Brenneman
Chris Beal vs. Patrick Williams