MMA

Joanna Jedrzejczyk: „UFC wollte Esparza nicht als Champion!“

Joanna Jedrzejczyk mit ihrem UFC-Gürtel.

Joanna Jedrzejczyk ist gelungen, woran Alexander Gustafsson und Dan Hardy gescheitert sind: Sie ist zum erst dritten europäischen UFC-Champion geworden und tritt damit in die Fußstapfen von Bas Rutten und Andrei Arlovski. Mit dem dominanten Sieg gegen Carla Esparza bei UFC 185 Mitte März hat die polnische Thaibox-Expertin das Sahnehäubchen auf einen ohnehin schon beeindruckend schnellen Aufstieg gesetzt – der Knock-out in Kombination mit einer offenherzigen Persönlichkeit haben sie über Nacht zu einem Publikumsliebling gemacht.

„Ich bin sehr glücklich, das bedeutet mir wirklich sehr viel“, so die neu gekrönte Championesse über ihren Titelgewinn. „Ich habe gesagt, dass ich das tun würde, und dann habe ich es auch wirklich getan. Ich habe mich selbst gepusht und meinen Job erledigt.“

Das hat sie tatsächlich, indem sie Esparza in weniger als zehn Minuten abfertigte. Esparza, die den Gürtel erst im Dezember gewonnen hatte, nachdem sie zuvor bereits im „Ultimate Fighter“-Haus überzeugen konnte, galt dank eines starken Ringer-Hintergrunds allgemein als Favoritin. Jedrzejczyk allerdings scherte sich nicht allzu sehr um die Qualifikationen ihrer Gegnerin, ließ deren Takedown-Versuche ins Nichts laufen und zwang den Ringrichter schließlich mit einem Bombardement unbeantworteter Schläge, den Kampf abzuwinken: „Also direkt nach dem Kampf konnte ich es gar nicht glauben, weil das alles so schnell passiert ist. Ich bin glücklich, ich habe den ganzen Tag lang ein Lächeln auf dem Gesicht. Meine Familie und Freunde sind hier und ich genieße einfach diese ganze Situation.“

Jedrzejczyk hat definitiv jede Menge Gründe für ihre gute Laune – als sie ein paar Tage nach ihrem Sieg in Dallas wieder in Polen landete, wurde sie am Flughafen bereits von Freunden, Familie, Fans und jeder Menge Kameras erwartet. Hat sie mit einem derartigen Empfang gerechnet? „Nein, das hatte ich nicht erwartet, aber ich genieße es. Es macht Spaß, das war eine schöne Überraschung und danach habe ich das gleiche noch einmal in meiner Stadt erlebt. Meine Eltern und viele Freunde waren da, das war wirklich schön.”

Die überwältigende Reaktion mag schlicht und einfach damit begründet sein, dass wohl kaum jemand damit gerechnet hatte, plötzlich einen polnischen UFC-Champion zu haben. Während sowohl die Fans als auch Jedrzejczyk vor einiger Zeit noch nicht erwartet hatten, dass der Gürtel sich so schnell auf den Weg nach Polen machen würde – dies war erst Jedrzejczyks dritter UFC-Kampf – vom Ergebnis des Kampfes selbst ist die neue Championesse nicht allzu überrascht: „Wir hatten schon erwartet, dass sie die Distanz überbrücken und versuchen würde, sich meine Beine zu packen. Wir waren auf sie vorbereitet.“

Esparzas Leistung als auch ihr Auftreten vor dem Kampf ließen bereits erahnen, dass sie, die den Gürtel selbst erst knapp drei Monate zuvor gewonnen hatte, von Druck und Verantwortung ihrer neuen Position überfordert war – Esparza selbst bestätigte diesen Anschein im Anschluss an ihren Kampf. Ihre Nachfolgerin allerdings glaubt nicht, dass ihr der Titel derartig zu Schaffen machen wird. Und überhaupt, findet sie, bietet sie der UFC ohnehin mehr Material für gute PR: „Ich denke, dass die UFC Carla nicht als Champion haben wollte. Sie wollten mich und ich habe das für sie erledigt. Ich werde diesen Gürtel für lange Zeit behalten. Ich werde immer und immer mehr trainieren.“

“Sie suchen nach den besten Kämpfern und sie wollen immer eine gute Show bieten. Die UFC will die Leute glücklich machen und die Kämpfer erledigen diesen Job, indem sie gute Kämpfe abliefern.“ Gleichzeitig ist sie sich aber auch bewusst, dass ihre neue Position eine Menge zusätzlicher Arbeit mit sich bringt und sie sich nicht leisten kann, Chancen außerhalb des Octagons verstreichen zu lassen: „Natürlich, natürlich. Es ist wichtig, gut zu kämpfen und es ist wichtig, seine Medien-Arbeit vernünftig zu machen, gute PR-Arbeit zu leisten.“

Die Frage, wie es jetzt weitergeht, kann Jedrzejczyk noch nicht ganz beantworten. In den wenigen Monaten seit der Einführung der Strohgewichtsklasse konnten sich natürlich noch nicht allzu viele wirkliche Titelherausforderer herauskristallisieren. Für die UFC ist es daher von Vorteil, dass ihre neue Championesse sich ohnehin nicht allzu sehr für bestimmte, potentielle Ansetzungen interessiert: „Ich kann gegen jeden kämpfen. Jessica Aguilar – sie ist nicht in der UFC – aber sie redet jetzt über einen Kampf mit mir. Als erstes sollte sie es überhaupt erst einmal in die UFC schaffen und dann kann sie über diesen Kampf reden. Es gibt aber auch eine Menge Leute, die mich gegen Jo Jo (Calderwood) sehen wollen oder noch einmal gegen Gadelha.“

Mit ihrem unterhaltsamen Mix aus einem spektakulären Kampfstil und einer selbstbewussten Persönlichkeit hat Jedrzejczyk das Potential, eines Tages ein echter Star in der UFC zu werden, dessen ist sie sich bewusst. Da sie in der UFC gleichzeitig die einzige weibliche Titelträgerin neben Ronda Rousey ist, drängt sich die Frage auf, ob sie einmal genauso populär werden könnte wie ihre Kollegin aus dem Bantamgewicht? „Ich weiß nicht recht“, tut Jedrzejczyk die Aussicht ab. „Ich mag sie, aber sie ist ein Superstar, sie ist einfach die Beste. Ich will einfach kämpfen, und zwar so gut wie möglich. Das ist alles: Den Gürtel behalten. Ronda macht alle möglichen Dinge neben dem Kämpfen, aber sie erledigt dabei auch immer noch ihren Job im Octagon. Sie ist unglaublich – sie macht die PR-Arbeit, sie macht Filme und ist dabei immer noch so dominant im Käfig.“

Und obwohl Joanna „Champion” nur einen Teil all dieser Dinge in ihrer Zukunft sieht, weiß sie, dass ihr ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Sympathie stets sicher ist, wenn sie einfach sie selbst bleibt: „Ich bin selbstbewusst und ich liefere gute Kämpfe ab. Meine Emotionen sind echt und ich verstelle mich nicht. Ich glaube, dass die Fans mich deswegen mögen. Es ist kein Spiel, das bin einfach ich.“



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Joanna Jedrzejczyk: „UFC didn’t want Esparza as champion“
The newly crowned champion talks about the month that made her a star.

Joanna Jedrzejczyk did what Alexander Gustafsson and Dan Hardy couldn’t: Become only the third European UFC champion in the organization’s history. By dominating and finishing off Carla Esparza at UFC 185 on March 14th, the polish Muay Thai expert capped of what had already been an impressively fast rise to stardom during the lead up to the fight – the second round T.K.o. stoppage in combination with her outspoken personality made her an instant fan favourite.

„I’m very happy, it’s a big deal to me”, the newly crowned champion says about winning the UFC’s strawweight belt. “I said I was going to do it and I did it, you know? I pushed myself and I did my job.”

She indeed did just that when she dismantled Esparza in less than ten minutes. The “Cookie Monster”, who had won the belt in December after tearing through the “Ultimate Fighter” house, was favoured by most observers due to her strong wrestling pedigree. Jedrzejczyk, however, didn’t seem so impressed by her opponent’s credentials and shrugged of the takedown attempts, ultimately forcing the referee to stop the bout with a barrage of unanswered punches: “You know what, after the fight I couldn’t believe that it happened because I didn’t expect it to happen so fast. I’m happy, I’m smiling the whole time, I’m around my family and friends and I’m just really enjoying all this.

Jedrzejczyk definitely has a lot of reasons to smile from ear to ear – when she touched down in Poland a few days after her win in Dallas, the airport was filled with friends, family and fans, along with plenty of press cameras. Did she expect a hero’s welcome of that kind? “No, I didn’t expect it but I’m enjoying it. It’s fun, it was a nice surprise and after that I had the same situation in my city. My parents came and lots of friends. It was nice, I liked it so much.”

The outpouring of support may have been a product of the general surprise that suddenly, Europe had a UFC champion. While fans and fighter alike might not have expected the belt to head to Poland so quickly – this was only Jedrzejczyk’s third fight in the UFC, going up against a heavy betting favourite – the new champ isn’t shocked about the result of the actual fight: “We expected her to go inside and she was trying to shoot into my legs. We were ready for her.”

Esparza’s performance as well as her demeanour going into the bout suggested to some that the now former champ, who herself had only been carrying the crown for a mere three months, had been somewhat overwhelmed by the pressure and responsibilities that come with being at the top of a whole weight class in the UFC – an observation that Esparza confirmed after losing her title to Jedrzejczyk. Her successor, however, doesn’t think that the belt will have such an effect on her and feels that she can offer more promotional material for the organisation to work with anyway: “I think the UFC didn’t want Carla as a Champion. They wanted me and I did it for them. I’m going to keep it for a long time. I’ll train more and more.

“They want to have the best fighters and they want to bring the show up, you know what I mean? The UFC wants to make the people happy and the fighters are doing this job, giving them good fights.” Still, she realizes that her new position brings added work with it and that she can’t afford to let opportunities outside the octagon slip by: “Of course, of course. It’s important to fight good and do good media to promote the show.”

As far as her future goes, Jedrzejczyk isn’t really sure what might be next. In the few months since the women’s strawweight division was introduced, obviously not too many viable challengers have emerged so it’s probably a good thing that the new champ doesn’t care too much about specific matchups anyway: “I can fight with everyone. Jessica Aguilar, she’s not in the UFC, but she is now talking about fighting me. First, she should get into the UFC and then she can talk about this fight. Lots of people are also talking about me fighting Jo Jo (Calderwood), or Gadelha again.”

With her entertaining mix of a spectacular fighting style and an outspoken personality, Jedrzejczyk knows that she has the potential to become a real star in the UFC. Being the organization’s only female champ besides Ronda Rousey, the question comes up if one day she might be able to match the bantamweight champ’s fame and stardom? “I don’t know”, Jedrzejczyk shrugs off the thought. “I like her but she’s a superstar, she’s simply the best. I just want to fight and fight good, that’s all. Keep the belt. Ronda, she’s doing all the other things outside of fighting but she’s still doing her job in the octagon, you know what I mean? She’s amazing. She’s doing media, movies and she’s still so dominant in the octagon.”

And while Joanna “Champion” doesn’t see all of these things in her future right now, she knows she can count on getting a certain amount of spotlight and sympathy simply by being herself: “I’m confident and I’m fighting well. My emotions are real and I’m natural, I think that’s why (the fans) like me. It’s not a game, it’s me.”