MMA

Jagd auf die Champions

Im Visier von Vielen: Anderson Silva und Georges St.Pierre.

„Champion werden ist nicht schwer“, sagen die Amerikaner. „Champion sein dagegen sehr.“ So sind die Titelträger einer jeden Sportart, ganz besonders aber im enorm physischen Geschäft des Kampfsports, die Zielscheiben unzähliger aufstrebender Heißsporne. Dass diese jedoch oftmals scheitern, wenn sie ihren Traum endlich verwirklicht sehen und mit dem Besten der Besten in den Ring steigen dürfen, ist vor allem in der UFC ein trauriger Fakt. Die Dominanz von Champions wie Anderson Silva und Georges St. Pierre muss hier kaum erläutert werden. Allerorts werden Lobgesänge auf diese beiden „unbesiegbaren“ Kämpfer angestimmt.

Seit sechs Kämpfen und zweieinhalb Jahren ist der Frankokanadier GSP bereits ungeschlagen, konnte während seiner Regentschaft Kämpfer wie B.J. Penn, Josh Koscheck, Thiago Alves und Jon Fitch besiegen. Doch ausgerechnet die drei Letztgenannten sind es, die sich momentan um eine Chance auf seinen Weltergewichtstitel streiten. Koscheck machte nach seinem Sieg über Anthony Johnson, bei UFC 106, durch spitze Kommentare über Dan Hardy, den derzeitigen Titelherausforderer Nummer eins, auf sich aufmerksam, brachte sich so erneut ins Gespräch. Und auch Jon Fitch nutzt die Medien um sich ins Titelgeschehen einzubringen.  In der amerikanischen TV-Sendung „Inside MMA“ äußerte er sich folgendermaßen zu seinem geplanten Kampf gegen Thiago Alves, bei UFC 111:

Jon Fitch nach GSP-Fight."Wenn ich ihn vorzeitig besiege, können sie mir die Titelchance gar nicht mehr verweigern“, so Fitch. „Wir wollen beide einen Kampf gegen GSP, es geht also um etwas Großes.“  Fitch und Alves waren die Einzigen, die fünf Runden im Octagon mit GSP überstehen konnten. Doch rechtfertigt dies eine erneute Chance? Eine erneute Abreibung? Nur weil der UFC die ernsthaften Herausforderer ausgehen, sollte man den Champions keine Männer entgegenstellen, die, volle Distanz oder nicht, in ihren Kämpfen maßlos überfordert waren.

Das wissen um diese Tatsache hindert diese Kämpfer jedoch nicht daran, sich immer wieder ins Gespräch zu bringen, selbst nach bisher zweifelhaften Leistungen. Chael Sonnen zum Beispiel. Nach seinem Wechsel zur UFC verlor der begnadete Ringer sein dortiges Debüt gegen Grappling-Magier Demian Maia. Zwar besiegte er danach Dan Miller und Yushin Okami, doch ist er für einen Titelkampf ganz sicher noch nicht reif. Man sollte meinen, dass er mit seinem Kampf gegen Nate Marquardt (bei UFC 109) genug zu tun hätte, doch weit gefehlt! Auch Sonnen instrumentalisiert die Medien um dem Champion seiner Gewichtsklasse unter die Haut zu gehen. So beschuldigte er Anderson Silva kürzlich, die Medien zu hassen und daher trotz perfekter Englischkenntnisse nur gebrochen Englisch oder gänzlich Portugiesisch zu sprechen.

Siegessicher? Chael Sonnen bringt sich ins Gespräch.„Es ist die blanke Ironie, dass alle Medien diesen Kerl loben und aus mir unverständlichen Gründen ständig erzählen, wie toll er eigentlich ist, er die Medien aber so hasst, dass er nicht mal vernünftig mit ihnen spricht, obwohl er es könnte“, so Sonnen. Silvas Manager Ed Soares schien die Masche allerdings schnell zu durchschauen und konterte gelassen: „Chael Sonnen ist nicht blöd. Er ist sogar sehr clever. Er sollte sich jedoch eher auf sein Training konzentrieren, vor allem auf sein Standup, als auf die Englischkenntnisse von Anderson.“

Ist es der Wille sich selbst zu testen oder wollen es manche einfach nur nicht wahr haben? Wer glaubt denn wirklich, dass ein Koscheck, ein Marquardt, ein Fitch oder ein Alves in einem Rematch eine größere Chance gegen Georges St. Pierre haben würden? Und rechnet jemand einem Chael Sonnen eine ernsthafte Chance gegen einen Anderson Silva aus? Die UFC würde gut daran tun, den Absichten GSPs, die Gewichtsklasse zu wechseln, Futter zu geben und einen Showdown mit Anderson Silva möglichst schnell zu promoten. Der könnte danach ins Halbschwergewicht wechseln, wo er bis zu seinem Karriereende noch die eine oder andere ernsthafte Herausforderung finden wird. Im Mittelgewicht bliebe jedoch alles beim Alten: Man hätte einen unbesiegbaren Champion, an dem sich die Herausforderer nach und nach, wieder und wieder die Zähne ausbeißen würden. Lediglich der Name dieses Champions wäre ein Anderer.

Nun, wenigstens im Weltergewicht hätte man dann an der Spitze wieder Platz für spannende Fights.