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"Ich würde mein altes Selbst im Käfig zerstören"

Tom Breese ist zuversichtlich vor seinem Comeback im Käfig. (Foto: Florian Sädler/Groundandpound.de)

Es lief ohnehin schon ziemlich gut für Tom Breese – sechs Profi-Kämpfe, sechs Siege, sechs Mal Aufgabe oder Knockout. Als dann aber noch eine Einladung Georges St-Pierres ins Haus flatterte, ihm bei der Vorbereitung für seinen Kampf gegen Nick Diaz zu helfen, schien der Karrieredurchbruch in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Der 23-jährige Engländer war ohnehin gerade in Montreal um zu trainieren und wurde nach einer Woche im Tristar Gym von St-Pierre gebeten, noch etwas zu bleiben. Breese nahm an und wurde somit in das Trainingscamp für den Blockbuster-Kampf bei UFC 158 eingebunden. Das Training lief gut – so gut sogar, dass Breese wenig später schon wieder im Tristar Gym auf der Matte stand und dieses Mal, um zu bleiben. Zumindest war das der Plan, denn das Training unter Headcoach Firas Zahabi mit Weltklasse-Trainingspartnern trug schnell seine Früchte. Bevor er diese jedoch im Käfig vorzeigen konnte, funkte ihm das Schicksal dazwischen – ein Kreuzbandriss im Sparring brachte ihm zunächst einmal nur ein Flugticket zurück nach England ein: „Ich bin ungünstig auf meinem Bein gelandet und habe ein hässliches Geräusch in meinem Knie gehört. Ich habe erst einmal weitergemacht, aber das Bein war einfach nicht stabil.“

Während der langwierigen Reha in seiner Heimat hielt sich Breese als Personal Trainer über Wasser und konnte dabei sogar noch genug Geld zur Seite legen, um einen weiteren Trip nach Amerika zu finanzieren und sich dort auf sein Comeback vorzubereiten. Seit Juli kann Breese nun wieder vollends trainieren und hat in den wenigen Monaten das Beste daraus gemacht. Nach einem Abstecher nach Kalifornien, u.a. ins Reign Training Center von Mark Munoz, ist er knapp zwei Monate vor seiner Rückkehr nach London für einen Kampf bei Cage Warriors 74 wieder im Tristar Gym untergekommen. Mit der geballten Wissens-Ladung der besten Teams Nordamerikas im Rücken kann man ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass am 15. November in der Londoner Copper Box Arena ein Tom Breese 2.0 auflaufen dürfte – was die Frage nach dem ganzen Potential des jungen Talents aufwirft, das schon von Haus aus eine ungeschlagene Bilanz mit sechs vorzeitigen Siegen in Folge mitbringt?

Den ersten Test für Breese hätte am kommenen Samstag Philip Mulpeter darstellen sollen. Der Ire und Trainingspartner von Conor McGregor musste jedoch wenige Tage vor dem Kampf wegen eines Cuts absagen und wurde durch den Franzosen Thibaud Larchet ersetzt. Mit sechs Siegen und einer Niederlage kann er eine bessere Bilanz vorweisen als Mulpeter mit 7-4. – der perfekte Gegner für ein Comeback mit Ambitionen. Breeses lange Verletzungspause jedenfalls könnte sich als Nach- anstatt als Vorteil für seinen Gegner entpuppen, der lediglich auf zwei Jahre altes Videomaterial zurückgreifen kann. „Ich habe mich als Kämpfer seitdem vollkommen gewandelt“, so Breese über die Entwicklung seit seinem letzten Kampf im Dezember 2012. „Das hier ist, was ich in meinem Leben tun will – ich setze alles, was ich habe, hierauf. Und es hat funktioniert, ich bin überall einige Level besser geworden, und zwar in sämtlichen Bereichen. Ich fühle mich körperlich besser als je zuvor, mental bin ich so stark wie eh und je. Wenn ich jetzt gegen den Tom Breese aus meinem letzten Kampf antreten würde, würde ich ihn in der ersten Runde zerstören.“

Diese Verbesserungen sind ein Produkt völligen Fokus’: Breese hat sich zu hundert Prozent dem Sport verschrieben. Alkohol, Feiern, sogar eine Freundin oder gelegentliche Fast Food-Abstecher sind tabu für den 23-Jährigen, Ablenkung wird konsequent aus dem Alltag entfernt. Stattdessen stehen üblicherweise zwei Trainingseinheiten am Tag auf dem Programm, zur Entspannung geht es höchstens hin und wieder mal ins Kino. „Ich versuche, wirklich alles innerhalb meiner Möglichkeiten zu tun, um der beste Kämpfer zu werden, der ich sein kann.“ 

Seine Möglichkeiten hat Breese durch das Sparen während seiner Reha beachtlich erweitert – ein Zimmer im Tristar Dormitory, direkt neben dem berühmten Tristar Gym, macht das Trainieren und Fokussieren etwas einfacher – karge Einrichtung und klare Regeln lassen wenig Raum für Ausrutscher, die nicht in ein Trainingscamp gehören. Alles dreht sich dort um den Sport. Wenige Wochen nach seinem Kampf wird Breese aus diesem Grund auch wieder dort einziehen, um seine Entwicklung weiter voranzutreiben, obwohl es sich sicherlich auch einfacher leben ließe: „Die Dorms sind toll, aber natürlich nicht das, was man sich langfristig als sein Zuhause vorstellen würde. Es ist aber das, was für meine Karriere am besten ist, und deshalb habe ich keinerlei Probleme damit.

„Mein Gegner lebt ein anderes Leben. Er ist zuhause in seiner Komfortzone, hat wahrscheinlich eine Freundin und sein ganzes Umfeld ständig bei sich. Ich dagegen habe hier nur den Sport, auf den ich mich jeden Tag zu hundert Prozent fokussiere. Es gibt kaum einen Moment, in dem ich nicht über den Kampf nachdenke, ich habe mein Ziel ständig vor Augen.“

Das langfristige Ziel ist dabei, es in die UFC zu schaffen und sich eine eigene Wohnung in Montreal finanzieren zu können – um noch besser trainieren zu können. Angesichts der Europa-Expansion der UFC und einer Menge weniger erfahrener Kämpfer, die die Organisation in letzter Zeit verpflichtet hat, dürften die Chancen des erst 23-Jährigen auf einen Platz im Kader nicht allzu schlecht stehen. Anstatt so schnell wie möglich seine Unterschrift unter einen Vertrag zu setzen, nimmt Breese sich jedoch Zeit, um vollends bereit zu sein, wenn die Chance schließlich kommt: „Wenn ich diesen Kampf gewinne, würde ich gerne nächsten Februar noch einmal kämpfen. Und wer weiß, was dann passiert, vielleicht steht dann die UFC an? Ich glaube nicht, dass ich allzu weit davon entfernt bin. Vor allem, wenn ich meine nächsten Kämpfe vorzeitig beende.“

Und das ist genau das, was Breese am 15. November in London vorhat: „Wenn ich in die UFC will, muss ich meine jetzigen Gegner zerstören, um zu zeigen, dass ich bereit bin. Ich will diesem Kampf daher in der ersten oder zweiten Runde ein Ende setzen. Ich werde ein Statement setzen.“


Cage Warriors 74 findet am 15. November in der Londoner Copper Box Arena statt. Der Event kann live im Stream bei den amerikanischen Kollegen von MMAJunkie verfolgt werden.

 

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„I’d kill the old version of myself in the cage”
A new and improved Tom Breese plans on getting a big win at Cage Warriors with the help of GSP.

Things were going pretty good anyway in Tom Breese’s young MMA career – six pro fights, six wins, six Knockouts or Submissions. But when Georges St-Pierre reached out to ask if he could help him out with his training for Nick Diaz, the breakthrough he had been working so hard for seemed to become reality.

The 23 year old Englishman was training at Tristar Gym anyway and was asked after one week of being there if he could stay for a little longer. Breese accepted and got integrated into St-Pierres training camp for the UFC 158 blockbuster fight. The training would go well – so well that Breese was actually back in Montreal just weeks after the event, this time for more than a few weeks. At least that was the plan since the training under Firas Zahabi and with world class training partners soon paid its dividends. Before he could show these improvements inside the cage, though, destiny messed that plan up for him – a torn ACL in Sparring sent him on a flight back home to England: “I landed on my leg in a weird way and I heard a pop in my knee. I continued at first but my leg was just unstable.”

During the lengthy rehabilitation back home, Breese made ends meet as a personal trainer and even managed to earn enough money to finance another trip across the pond to prepare for his comeback fight. Since July Breese is able to train again and has made the best of those few months. After a trip to California where he trained at Mark Munoz’s Reign Training Center, among others, he returned to Tristar for the last two months of his camp preparing for Cage Warriors 75 on November 15th. Now possessing top notch knowledge of multiple world class gyms, you can assume that at London’s Copper Box Arena, Tom Breese 2.0 will show up. Which makes you wonder how big the young talent’s potential might really be, given that he already brought a 6-0 record into his new training homes?

Breen’s first chance to answer that question should have come in the form of Philip Mulpeter on November 15th. The fighter from Ireland and training partner of Conor McGregor however had to withdraw from the bout just days before the event because of a cut and was replaced by Frenchman Thibaud Larchet. With six wins and one loss, Larchet brings a better record to the table then 7-4 Mulpeter – the perfect opponent for an ambitioned comeback. Breese’s long injury hiatus might even turn out to be his advantage at Cage Warriors 74 since the most recent tape of him is almost two years old by now. “I’ve completely changed as a fighter since then”, Breese says about his development since his last fight in December of 2012. “This is what I want to do with my life, I’m putting everything into the sport and it has worked. I’ve made big leaps in my game, in all areas of the sport. Physically, I feel better then I’ve ever felt and mentally I’m as strong as always. If I fought the version of myself that showed up for my last fight I’d destroy that guy in the first round.”

Those improvements are a product of complete focus: Breese has dedicated himself to Mixed Martial Arts a hundred percent. Alcohol, partying, even a girlfriend or the occasional junk food is a no go for the 23-year-old – distractions are constantly being eliminated from everyday life. Instead, his usual routine consists out of two training sessions a day with, if anything, an occasional trip to the movies providing a bit of out-the-norm relaxation. “I’m trying to do everything I can to become the best fighter that I can possibly be.”

His possibilities have grown during the past few years thanks to saving money during rehabilitation – a room at the Tristar Dormitory, directly next to famous Tristar Gym makes training and focussing a little easier – despite or maybe especially because of the somewhat trashy setting and clear rules that don’t leave a lot of room for things that don’t belong in fight camp anyway. Everything there is about Mixed Martial Arts, and for that reason, Breese actually plans to move back in there a few weeks after his bout. To make more improvements, even though there would certainly be more comfortable ways to get some training in: “The Dorms are great but obviously it’s not a place where you want to live forever. But it is what’s best for my career, so I don’t have any problems with it.

„My opponent is living a completely different live. He’s at home in his comfort zone, probably has a girlfriend and his whole surrounding close to him. Me, on the other hand, I only have the sport that I focus on every day to a hundred percent. I’m constantly thinking about the fight, I just have my eyes on the goal constantly.”

The long term goal of the whole thing is to make it to the UFC and being able to get an own place in Montreal to be able continue stepping his game up there. Since the UFC is currently expanding in a big way in Europe and has signed plenty of less experienced fighters in the past few years, the 23-year-old’s chances don’t seem to be so bad. Instead of trying to put his signature under a contract as fast as possible, though, Breese is taking his time to be totally ready when the time finally comes: “If I win this fight, I’d like to fight again in February. And who knows what’s going to happen then, maybe the UFC? I don’t think I’m too far away from a contract, especially if I finish my next opponents.”

That is exactly what Breese plans for November 15th: “If I want to be in the UFC I have to destroy these guys now to show that I’m ready. I want to stop him in the first or second round and just put on a classy performance. I will make a statement.”


Cage Warriors 74 is set to take place on November 15th from London's Copper Box Arena. The event will be streamed live via MMAJunkie.