MMA

"Ich kann in meiner Gewichtsklasse jeden schlagen"

Vaughan Lee will 2014 zum besten Jahr seiner bisherigen UFC-Karriere machen. (Foto: Franz Schwerdtmann/Groundandpound.de)

Vaughan Lees Karriere in der UFC folgt bisher einem frustrierenden Schema – einem Sieg folgt mit entmutigender Präzision eine Niederlage. Am 31. Mai will „Love“ diesen Kreislauf durchbrechen und nach seinem imposanten Sieg gegen Nam Phan im März ein großartiges Jahr 2014 in der UFC fortführen.

Nach Kämpfen in China, Japan, Brasilien, den USA und England verschlägt es den Briten dabei nun zum ersten Mal nach Deutschland. Lee hat hier zwar in der Vergangenheit u.a. bereits die FIBO besucht und schöne Eindrücke mitgenommen, am 31. Mai wird er jedoch rein geschäftlich in Berlin sein – mit dem beeindruckendsten Sieg seiner Karriere im Rücken wird er in Form des Brasilianers Yuri Alcantara auf eine knackige Herausforderung treffen. Alcantara ist ein überall versierter und brandgefährlicher Veteran, der je 12 Kämpfe durch Aufgabe und K.o. gewonnen hat, u.a. konnte er in der WEC bereits Ricardo Lamas auf die Bretter schicken. In der UFC gelang es bisher nur Hacran Dias und Urijah Faber, ihn nach Punkten zu schlagen, Lee jedoch rechnet sich trotz seines Status als haushoher Underdog gute Chancen aus, ohne sich zu sehr auf eine starre Strategie festzulegen: „Ich gehe nie mit einer Strategie in einen Kampf. Ich passe mich dem Kampfverlauf an. Ich versuche, seine Techniken zu kontern, schneller zu sein als er und meine Stärken durchzusetzen.“

Für Lee würde ein Sieg in Berlin den vorläufigen Höhepunkt einer ereignisreichen Reise bedeuten, die bereits im Kindesalter begann. Ursprünglich ging es Lee darum, sich durch Kampfsporttraining gegen die Schikanen älterer Mitschüler wehren zu können. Das harte Training ließ ihn allerdings nicht mehr los, und nach Abstechern u.a. ins Kung Fu, Wing Chun und Jeet Kune Do fand der junge Engländer seine Berufung im MMA, wo er mit erst 19 Jahren seinen ersten Profi-Kampf bestritt: „Damals gab es keine wirkliche Amateur-Szene, also legte ich direkt bei den Profis los“, erklärt Lee seine Entscheidung, direkt bei den ganz harten Jungs einzusteigen. In der Nacht nach seinem ersten Kampf, den er in der zweiten Runde durch technischen Knockout verlor, mag das zunächst wie eine schlechte Idee gewirkt haben, auf lange Sicht aber hat es sich gelohnt: „Es war eine beängstigende Sache. Ich wusste nicht, was ich erwarten sollte. Ich hatte ziemliche Angst, war aber auch ein kleines bisschen selbstbewusst. Ich hatte nie gelernt, mein Adrenalin zu kontrollieren, was mir ein bisschen in die Quere kam”, erklärt Lee, bevor er mit einem Lachen hinzufügt: “Es war aber eine lehrreiche Erfahrung.”

Acht Jahre verbrachte Lee in der britischen Szene, bestritt mal fünf, mal gar keine Kämpfe im Jahr und hatte mal mehr und mal weniger Erfolg, bevor er 2011 einen groß angelegten Anlauf in Richtung der internationalen Bühne der UFC nahm – bei den Castings zur 14. „The Ultimate Fighter“-Staffel beeindruckte er Dana White und co. während der Grappling-Kämpfe mit vier Aufgabegriffen innerhalb von nur zwei Minuten. Zwar sollte es für Lee trotzdem nicht bis ins TUF-Haus reichen, dafür stellten ihm die Verantwortlichen eine andere Karriereoption in Aussicht. „Meine Bilanz war nicht allzu beeindruckend. Sie sagten mir, ich solle noch ein paar Kämpfe gewinnen und vielleicht würden sie mich dann unter Vertrag nehmen.”

Die UFC klopft an
Genau das tat Lee, sobald er zurück in seiner Heimat war. Zwei Siege später klopfte die UFC tatsächlich bei ihm an, gerade rechtzeitig zu einem Event in Lees Heimatstadt Birmingham. Lee legte sich ins Zeug, reiste zum Training nach Thailand und setzte alles daran, den wichtigen ersten Auftritt im Octagon mit einem Sieg abzuschließen; der WEC- und UFC-Veteran Chris Cariaso war bei UFC 138 aber einfach ein kleines Stückchen zu stark und abgebrüht für den Debütanten. “Das war ziemlich frustrierend, ich hatte wirklich hart dafür trainiert”, erinnert sich Lee. “Auf der ganz großen Bühne zu kämpfen, vor allem in meiner Heimatstadt, das war das Größte, was ich je getan habe und da ist mir wohl ein bisschen das Flattern gekommen. Ich will dadurch aber nicht Chris Cariaso schlechtmachen.”

Trotz der geteilten Punktniederlage hatte Lee an diesem Abend einiges an Potential gezeigt – zweieinhalb Jahre später jedoch steht er immer noch ein gutes Stück außerhalb der Top Ten im Bantamgewicht, obwohl sich Chancen zum Durchbruch durchaus geboten haben. Was ist schief gelaufen?

Zunächst gar nichts – Lee reiste im Frühjahr 2012 nach Japan, um dort als Underdog gegen den ehemaligen japanischen Superstar Norifumi Yamamoto ins Octagon zu steigen. Lee schlug „Kid“ nieder, ließ die Legende im Armbar abklopfen und sicherte sich damit den mit Abstand größten Erfolg seiner Karriere. Einige Monate später stand er bereits auf dem Hauptprogramm einer Fight Night in San Jose, wo er mit TJ Dillashaw einen Finalisten der TUF-Staffel, in die Lee nicht aufgenommen wurde vor die Fäuste bekam. Lee brachte den gelernten Ringer in der ersten Runde mehrfach in Bedrängnis, wurde dann jedoch unvorsichtig und fand sich kurze Zeit später im Rear Naked Choke wieder: “Um ehrlich zu sein, habe ich Dillashaw vielleicht etwas auf die leichte Schulter genommen“, gibt er im Rückblick zu. „Ich habe einfach irgendwelche Techniken versucht, zum Beispiel undurchdachte Headkicks. Ich dachte, er wäre keine allzu große Gefahr für mich. Dann hat er mich im Rear Naked Choke erwischt und ich dachte nur: Mist (lacht).”

Dillashaw hat sich mit drei weiteren Siegen mittlerweile an die Spitze katapultiert – eine Woche vor Lees Kampf in Berlin wird er in Las Vegas um den Bantamgewichtstitel antreten. Lee dagegen gewann nach ihrem Duell einen Kampf, wurde dann aber im Juni 2013 von Raphael Assuncao zur Aufgabe gebracht. Anstatt direkt einen weiteren Kampf anzunehmen, gönnte sich Lee eine Pause, trainierte in den verschiedensten Winkeln der Welt und bekam vor allem seinen Kopf frei, bis er sich Anfang dieses Jahres bereit fühlte, wieder in den Käfig zu steigen.

Das nächste Kapitel
Gegen den Veteranen Nam Phan demonstrierte Lee im März eine Leichtigkeit und Variabilität, die in seinen vorherigen Kämpfen vereinzelt aufgeblitzt war, die er aber nie konstant abrufen konnte. Präzise Schläge und Tritte aller Art, punktgenaue Beinarbeit und dynamische Ausweichbewegungen ließen Phan drei Runden lang keine Chance und brachten Vaughan Lee den überzeugendsten Sieg seiner UFC-Karriere ein. „So trainiere ich im Gym”, erklärt der 31-Jährige. “Das aber in den tatsächlichen Kampf zu übertragen, auf der großen Bühne: das war die Herausforderung; die richtige Mentalität zu haben. Mich einfach im Käfig ausdrücken zu können, ohne mir Sorgen darüber zu machen, was alles passieren könnte”, bevor er mit einem Lachen hinzufügt: “Oder darüber, vor der ganzen Welt wie ein Idiot dazustehen.”

Diese Gefahr besteht gegen einen Kämpfer vom Kaliber Alcantaras immer, Lee jedoch ist zuversichtlich, ihn schlagen zu können und in einigen Jahrzehnten auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken zu können: “Ich habe immer gesagt, dass ich jeden in meiner Gewichtsklasse schlagen kann, wenn ich die richtige Mentalität habe. Ich habe das Gefühl, dass ich langsam dort hinkomme. Ich will einfach wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe und die Ziele erreichen konnte, die ich mir als Kind gesetzt habe: Ein großartiger Kämpfer zu sein. Einer der besten.”

Wer Vaughan Lee in Aktion erleben will, bekommt die Gelegenheit dazu am 31. Mai bei der UFC Fight Night: Munoz vs. Mousasi. Tickets erhältlich unter http://on.ufc.com/1ol2O9s


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“I can beat anyone in my weight division”
We talked to Vaughan Lee before his fight at UFC Berlin.

Vaughan Lee’s UFC career so far is following a frustrating pattern – after a win, he loses his next fight. On May 31st, “Love” is eager to break this routine and make 2014 an awesome year after already spectacularly defeating Nam Phan in March.

Following trips to China, Japan, Brazil, the USA and England, the Brit is set to compete in Germany for the first time. Lee has visited the country before and got some nice impressions, but on May 31st, it will be all about business in Berlin – coming off his most convincing victory to date, he will get a tough challenge in the form of Brazil’s Yuri Alcantara. Alcantara is a well rounded and extremely dangerous veteran who has won twelve fights each by Submission and Knockout. In the WEC, he once send Ricardo Lamas crashing to the canvas and in the UFC, so far only Hacran Dias and Urijah Faber have been able to defeat him by points. Lee, though, heads into the fight confident and without being too focused on a certain strategy: „I don’t go in with a gameplan, into any fight. I just go with the flow of the fight. I’ll try to counter his moves, be faster than him, quicker than him and play the fight to my strengths rather than his strengths, really.”

For Lee, being victorious in Berlin would be the temporary Highlight of an adventurous journey that started when he was a kid. Originally, Lee began training in combat sports to be able to defend himself and others from bullies at school, but the hard training soon became his thing. Following stints in Kung Fu, Wing Chun and Jeet Kune Do, among others, the young Brit found his passion in Mixed Martial Arts and at only 19 years of age, he competed in his first pro fight: „Back then, there weren’t really that much amateur fights around, so I just went straight to pro“, Lee explains his decision to jump head first into a shark tank. The night after his first fight, which he lost by second round technical Knockout, that might have seemed like a bad idea but in the long run, it proved to be a good decision: „It was a scary experience. I didn’t know what to expect. I was very afraid, but a little bit confident as well. I had never learned to control my adrenaline, so that kind of got the best of me, I think”, he explains before adding with a laugh: “But it was a learning experience.”

For eight years, Lee was a part of the British scene, sometimes fighting five times a year, sometimes not competing at all, always with mixed results. In 2011, he started a rally to get onto the big international stage of the UFC – during tryouts for the 14th season of “The Ultimate Fighter”, Lee impressed by submitting his opponent four times within two minutes. Still, it wasn’t enough to get his spot in the TUF house, but officials teased him to another career option: „My record at the time wasn’t that impressive, to be honest. They told me to get some more wins and maybe they would consider signing me.”

To the UFC
That’s exactly what Lee did as soon as he got back home. Three wins later, the UFC did in fact knock on his door, just in time for an event in his hometown of Birmingham. Lee got to work, travelled to Thailand to train and did everything in his power to leave the Octagon with a win in the always important first showing. Still, WEC and UFC vet Chris Cariaso proofed to be a bit too much for Lee on this particular night. “It was pretty frustrating, I had trained really hard for that”, Lee remembers. “Fighting on the big stage, especially in front of my home crowd, it was the biggest thing I had ever done and nerves kind of got to me there. Not taking anything away from Chris Cariaso.”

Despite losing by split decision, Lee had showed quite some potential that night – two and a half years later, though, there is still some space left between him and the bantamweight Top Ten, even if the opportunities to get into that territory have presented themselves in the meantime. What went wrong?

At first: nothing, at all. In spring of 2012, Lee travelled to Japan to face former japanese superstar Norifumi Yamamoto inside the Octagon. Lee went into that fight as the underdog, but he managed to knock “Kid” down, put him into an armbar and that way secured the biggest win of his career. A few months later, he already found himself on the main card of a San Jose Fight Night, where he faced TJ Dillashaw – a finalist of the very same TUF season that Lee was denied access to just a year before. Lee had the standout wrestler in some trouble early, but got a little too careless and had to submit to a Rear Naked Choke: “To be honest, against Dillashaw, I actually took it a bit too lightly“, Lee admits, looking back. „I was just throwing random stuff, random head kicks. I didn’t think he was that much of a threat to me and then I got caught with a Rear Naked Choke and I was like….gutted (laughs).“

Dillashaw has secured himself a title fight with three more victories after their fight – a week before Lee’s fight in Berlin, he will compete against Renan Barao in Las Vegas. Lee has since outpointed Motonobu Tezuka, but also lost to Raphael Assuncao via submission in June of last year. Instead of trying to get another fight as soon as possible, Lee decided to step back, train in different parts of the world and, most importantly, clear his head. At the beginning of 2014, he felt ready again.

The next chapter
Against Veteran Nam Phan, Lee in March demonstrated a fluency and variety that had shined through before, but that he was never able to consistently fall back on in his first few UFC fights. Precise punches and kicks of all sorts, on-point footwork and dynamic head movement didn’t leave Phan any chance at all – their bout ended with Lee earning his most convincing UFC win to date. „That’s how I train in the gym”, the 31-year-old explains. “Crossing over to the actual fight, doing that on the big stage: that was the challenge. Just having my mind set, the way I think. Just be free to express myself in the cage without worrying about what’s going to happen”, before adding with a laugh: “Or without looking like an idiot in front of the world.”

That danger is certainly always there when facing a fighter of Alcantara’s calibre. Lee, though, is confident to be able to get the win and look back on a successful career in a few decades: “I’ve always been saying that if I can get my mind right, I can beat anyone in the Octagon in my weight division. I think I’m kind of getting that now. I just want to think that I tried my best and I achieved the goals that I set out to when I was a kid, really. Be a great Martial Artist. One of the best.”


Watch Vaughan Lee in action at UFC Fight Night Berlin: Munoz vs. Mousasi on Saturday May 31st. Tickets now on sale here:

German: http://on.ufc.com/1ol2O9s
English: http://on.ufc.com/1fFjgIu