MMA

„Ich glaube daran, dass Gott alles in der Hand hat!“ – Teil 2

Gut gelaunt: Nick Hein. (Foto: Elias Stefanescu/Groundandpound.de)

Im ersten Teil des ausführlichen Interviews mit Nick Hein sprachen wir über seine MMA-Anfänge, seine Passion für Judo, die deutsche MMA-Entwicklung aus seiner Sicht sowie über sein altes Gym, dem Combat Club Cologne. Im zweiten Teil gehen wir auf seinen neuen Trainingsverein (Eisenmeister), seinen Beruf als Polizeibeamter, den TV-Auftritt bei ZDF Neo in der Serie "Diese Kaminskis - Wir legen sie tiefer!“ und vieles mehr ein.

Groundandpound.de: Weshalb kam der Wechsel zum Eisenmeister?
Nick Hein: Zum einen, weil er für mich der beste Box- und Fitnesstrainer der Welt ist und zum anderen, weil eine Kooperation mit dem Combat Club nicht möglich war. Ich entscheide immer auch nach Bauchgefühl und auch wenn die Eisenmeister kein MMA-Verein im herkömmlichen Sinn sind, fühle ich mich dort sehr gut aufgehoben. Außerdem ist mein Jiu-Jitsu Verein Clube do Leao mit Harun Ucal mit von der Partie. Wir haben alle recht schnell gemerkt, dass wir ähnlich ticken und die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos.

Du trainierst dort seit einigen Monaten. Was sind deine persönlichen Highlights?
Die Sprüche von Frank und Haruns Magnum Schnäuzer. Aber am meisten freue ich mich über die Herzlichkeit des Teams. Es macht einfach Spaß mit solchen Jungs.

Die Arnie-Parodien von Tom oder Stefan Henks übermenschlich schmerzvolle Umarmungen. Wenn wir nach dem Training im bei Khadir essen gehen, oder dass mein Manager Sven verblüffende Ähnlichkeit mit einem Schauspieler hat, der schon zweimal bis Unendlichkeit gezählt hat, sind Dinge die ich nicht mehr missen möchte. Schön ist auch, dass mich mein Ringertrainer Max Schwindt in dieses Projekt begleitet. Einfach eine geile Truppe.

Nick Hein mit seinem Team

Welcher Kampf war dein schwerster?
Der Kampf mit mir selbst nach meiner Niederlage und der darauf folgenden Pechsträhne.

Willst du irgendwann einen Rückkampf mit Sebastian Risch, der dir deine einzige Niederlage zugefügt hat, oder gibt es einen Gegner, den du unbedingt im Ring treffen willst?
Ja, mit Sebastian ist noch eine Rechnung offen und ich glaube dass die Fans das auch wollen. Der erste war der "Kampf des Jahres 2011". Aber mein derzeitiger Fokus gehört jetzt meinem Gegner bei Respect.FC 10.

Die Gegenfrage – welcher war dein Lieblingsfight?
Mein diesjähriger Kampf gegen Robert Pastuch. Weil Siege bei denen man schon vorher abgeschrieben wird, im Angesicht der Zweifler und Neider doppelt schön sind!

Die Kaminskis: David Scheller, Nick Hein und Steffen Will (v.l.n.r.). (Foto: ZDF Neo)

Jetzt machst du das, was viele Sportler versuchen -  den Weg ins Fernsehen suchen. Du spielst eine Hauptrolle in der ZDF-Serie „Diese Kaminskis – Wir legen sie tiefer!“ (GnP berichtete). Wie kam es dazu?
Thorsten Fraundorf, auch bekannt als Fifty Sven, der für dieses Projekt geschrieben hat, rief mich an und meinte, dass er zusammen mit einem Freund (Sven Nagel) eine Sendung produzieren möchte und es da eine Rolle gäbe, die für mich wie geschaffen wäre.

Also bin ich zum Casting gegangen (mit einem Tag Vorbereitung), habe meine Rolle gespielt und das gefilmte Material wurde ans ZDF geschickt. Dort fiel die Entscheidung auf mich und ich war dabei.

Erzähle uns, worum es in der Serie geht.
Eine an die heutigen Doku-Soaps angelehnte Satire über drei Halbbrüder, die sich als Bestatter versuchen. Ihre Unfähigkeit wird nur noch von ihrer Dummheit übertroffen und sie schlittern von einem Fehltritt in den nächsten. Ich spiele Marko Kaminski, dem laut Drehbuch testosterongeschwängerten Allroundlaien. In der Sendung bin ich eigentlich nur am Trainieren, oder ich belästige Witwen, wenn ich nicht grade Streit suche.

Welches Erlebnis war besonders witzig/skurril/toll im Laufe der Dreharbeiten?
Ich erinnere mich an ein besonders lustiges Erlebnis. Am letzten Drehtag hingen wir Brüder in einer Drehpause müde im “Bestatterladen”(unser Set in Nippes) und schauten auf die Straße. Weil es Samstagabend war und direkt neben dem Set eine Dönerbude gerade Stoßzeit hatte, tummelten sich einige Jungs aus der Kölner Türsteher-Szene vor unserem Schaufenster. Ziemlich stabile Jungs, die kurz vor der Arbeit noch einen Döner futterten. Als die Gruppe immer großer wurde, machte sich mein Schauspielkollege Steffen Will, der den Bernd spielt, einen Spaß daraus, mich ein wenig zu provozieren. “Komm Nick, zeig doch mal was du kannst. Mach mal Platz, die stören doch den Dreh. Ich denke du machst Kampfsport!”

Was die Kollegen aber nicht wussten: Ich kannte ein paar von den Jungs. Irgendwann als der Steffen wieder anfing, stand ich wortlos auf und ging vor die Tür. Meine Kollegen schauten mir überrascht nach. Sie konnten alles live sehen aber nicht hören über was wir redeten. Draußen hab ich mich dann mit den Jungs ganz normal unterhalten und wir haben eine Weile gequatscht, bis sie dann weiter zur Arbeit mussten. Wir haben uns dann freundlich verabschiedet und sie gingen weg. Als die Straße wieder leer war ging ich wieder in den Laden und an meinen perplexen und entgeisterten Kollegen vorbei mit den Worten:” Meine Stadt”. Ich bin sofort weitergegangen und hab mich grade so in die Toilette retten können, bevor ich mich totlachen musste!

Kamst du gut zurecht, oder anders gefragt, würdest du dir eine Zukunft im Film-Business vorstellen/zutrauen?
Ja, mir fällt das wirklich nicht schwer. Ich hab Bock auf die Kamera und könnte mir das gut vorstellen. Außerdem sagt mein Trainer, dass ich der größte Schauspieler wäre, den er kennt.
Aber irgendwie habe ich das Gefühl, er meint das anders.

Du bist im „wahren Leben“ Polizeibeamter. Was ist das Besondere an deinem Beruf und macht er dir nach all den Jahren immer noch Spaß?Nick Hein im Alltagsberuf. (Foto: Bundespolizei)
Ja, ich hatte immer schon als Kind den Wunsch und ich sage auch heute, dass ich stolz bin, die Uniform zu tragen. Ich habe der Bundespolizei sehr viel zu verdanken und ich muss mich auch einmal bei meinen Chefs bedanken, die mir immer den Rücken freigehalten haben und mich unterstützt haben, wo sie nur konnten, ob bei der Dienstplanung, internen Angelegenheiten, oder meinem Sport.

Kannst du uns an ein-zwei erinnerungswürdige Storys teilhaben lassen, die du auf Streife erlebt hast?
Wir mussten mal jemanden festnehmen, der dann ausgeflippt ist und auf mich losging. Ich habe ihn dann unangespitzt in den Boden eingepflanzt. Mit der Aktion bin ich dann sogar in die Polizeipresse gekommen. Der Typ hat sich nach der Aktion aber wieder erholt und wir haben sogar noch ein paar freundliche Worte gewechselt.

Die zweite Geschichte ist da schon viel nervenaufreibender. Wir haben leider am Bahnhof viele Gepäckstücke, die unachtsam liegen gelassen werden, und auf Grund der Vergangenheit (Kofferbomben in Köln und Bonn HBF), müssen wir diese mit aller Ernsthaftigkeit begutachten und anschließend entscheiden, ob wir „Entschärfer“ anfordern oder nicht. Diese Aufträge sorgen bei mir immer für besonderes Unbehagen.

Irgendwann wurden wir zu einem Geschäft gerufen, wo eben so ein Koffer an der Kasse stehen gelassen wurde. Ich hatte schon so ein seltsames Gefühl beim Öffnen, als mir so ein komischer Geruch entgegen kam, aber was ich dann zu sehen bekam, übertraf all meine Erwartungen. High Heels, ein Dildo, Kondome, Handschellen und ein Paddel, kürzlich benutzt. Ich wache heute noch manchmal schweißgebadet auf.

Wird Deutschland jemals so weit sein, das ein Kämpfer vom MMA-Sport allein leben kann? Was muss sich dafür ändern?
Ja, weil MMA bereits von vielen jungen Menschen praktiziert wird. Vor allem auch im Breitensportbereich. Diese Generation wird irgendwann wichtige Positionen, zum Beispiel in den Medien, übernehmen und dann wird es der Sport wesentlich leichter haben. Dann werden auch die einzelnen Sportler entsprechend ihrer Leistung bezahlt werden.

[...]

Morgen folgt der dritte und letzte Teil des ausführlichen Interviews mit Nick Hein, in dem der Kölner über seine Rolle als Vater spricht, seinen Glauben an Gott, seinen nächsten MMA-Kampf bei Respect.FC 10 und vieles mehr. Stay tuned!