MMA

„Ich glaube daran, dass Gott alles in der Hand hat!“ – Teil 1

Nick Hein feiert seinen Sieg bei Respect.FC 9. (Foto: Nazariy Kryvosheyev/Groundandpound.de)

Nick Hein (7-1-1-1) gehört zu Deutschlands MMA-Veteranen und steht momentan auf Platz sechs der German-Top-Ten im Weltergewicht. Jetzt steht der 29-Jährige vor seinem nächsten Kampf bei Respect.FC 10. Wir haben mit dem Kölner ein detailliertes Interview geführt, von dem wir euch nun den ersten Teil präsentieren.

Wie hat alles begonnen im Hause Hein? Welche Personen haben das Judo-Ass auf seinem Weg nach ganz oben in die deutsche Rangliste begleitet? Warum ist Hein ein sehr gläubiger Mensch? Das und vieles mehr erfahrt ihr hier.

Groundandpound.de: Wie kamst du mit Kampfsport in Kontakt?
Nick Hein: Also es gibt da zwei Versionen. Meine ist die, dass ich Bruce Lee im Fernsehen gesehen habe und Karate machen wollte, in Elsdorf gab es aber kein Karate sondern nur Judo.

Meine Mutter behauptet aber, dass ich ein Mädchen im Kindergarten toll fand, das Judo gemacht hat. Ich befürchte, meine Mutter hatte Recht (lacht).

Wie fandest du dann den Weg zum MMA?
Über einen damaligen Freund habe ich ein Video in die Hand gedrückt bekommen, von der UFC. Ich war total baff, dass es so etwas gibt, und war mir sicher, dass ich das auch könnte. Das Samenkorn war gesetzt.

Mit der Zeit machte mir Judo immer weniger Spaß und ich habe öfter darüber geredet MMA kämpfen zu wollen. Ich erinnere mich an zwei Erlebnisse, die mich geprägt haben. Als ich einem Freund von meinen Plänen erzählte, meinte er leicht überheblich, dass ich nicht hart genug dafür wäre. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir so etwas zu Herzen nehme. Wenn mir jemand sagt, dass ich etwas nicht kann, dann will ich es erst recht.

Das zweite Erlebnis war 2009 in Sao Paulo. Ich war zu dieser Zeit mit einem Judo-Team drüben. Ihr müsst euch vorstellen, Sonne, schöne Menschen, jeden Tag zweimal Training und geiles Essen. Trotzdem bin ich jeden Tag unglücklich aufgewacht. Ich erinnere mich, dass irgendwann die Frage in meinem Kopf auftauchte: „Was mache ich hier eigentlich? Ist es das, was mich glücklich macht?“

Einen Monat später habe ich mich bei meinem damaligen Verein Combat Club Cologne angemeldet. Ein Jahr später habe ich komplett mit Judo aufgehört.

Hast du nach dem Gewinn der Judo-EM den Weg gen Olympia gewählt?
Ja, das habe ich, aber es sollte nicht sein. Zum einen war ich nicht unbedingt der Liebling der Verantwortlichen, zum anderen muss ich gestehen, dass mein damaliger Konkurrent Ole Bischof einfach solidere Leistungen auf internationalem Terrain gebracht hat. Er ist ja dann auch der Olympiasieger geworden.

Lass uns zurück zum MMA kommen. Wie zufrieden bist du mit der deutschen MMA-Entwicklung über die letzten Jahre?
Ich finde die Entwicklung toll, wenn nicht sogar aufregend. Wer auf der letzten Respect.FC 9-Veranstaltung war, hat gesehen, auf welchem Niveau sich Deutschlands Premiumveranstaltung bewegt. Wir kommen dem Boxspektakel der privaten Sender immer näher.

Groundandpound hat durch die letzten Jahre mit seiner unermüdlichen Präsenz dafür gesorgt, dass MMA immer omnipräsenter wird. MMA ist geil und wird von geilen Typen gemacht. Und wenn die Medien das gecheckt haben, dann werden MMA-Kämpfer endlich als würdige Werbeträger angesehen und somit auch angemessen bezahlt.

Was willst du noch erreichen?
Alles! Ich glaube daran, dass Gott alles in der Hand hat. Das heißt, dass jeder Plan von mir umsonst wäre. Das heißt aber auch, dass jede Grenze, die ich mir setze, Schwachsinn ist. Wer mich vor einem Jahr gesehen hat, weiß, dass ich ein Schatten meiner selbst war. Nach einer guten Lehrstunde vom lieben Gott und meiner Einsicht, dass man manchmal loslassen muss, sieht es nun wieder ganz anders aus und ich bin sehr glücklich.

Um trotzdem etwas konkreter zu werden: Mich haben immer schon Multitalente fasziniert. Ich finde Schwarzenegger einfach geil. Bester Bodybuilder seiner Zeit, bester bezahlter Schauspieler seiner Zeit und zuletzt Gouverneur von Kalifornien.

Alles ist möglich.

Nick Hein im Kampf gegen Roberto Pastuch. (Foto: Uwe Tersek/YouTe.info)

Du bist bekannt für eine solide Leistung im Ring. Manche Kritiker werfen dir aber gleichzeitig vor, der neue George St. Pierre Deutschlands zu sein, quasi das große Risiko zu meiden und den sicheren Punkterfolg anzustreben. Was hast du diesen Leuten zu sagen?
Nach drei unglücklichen Kämpfen war mein Selbstbewusstsein ziemlich im Keller. Statt aufzugeben, habe ich mich aber wieder zurückgekämpft und mir Stück für Stück mein Selbstbewusstsein zurückgeholt. Einen großen Anteil daran hat mein Trainer Frank Lubitz, der mir in vielen Gesprächen gezeigt hat, worauf es ankommt.

Für die Kritiker habe ich nur eine Antwort: “Abwarten!” Abgesehen davon glaube ich zu wissen, dass GSP der amtierende Weltergewichtschampion der UFC ist (lacht). Einen Haken hat die Sache aber: Mein Trainer Harun Ucal hat gesagt, dass er sich erst wieder den Schnauzbart abrasiert, wenn ich einen Submissionsieg hole. Das Ding auf seiner Oberlippe sieht aber total steil aus und bringt mich in einen Gewissenskonflikt (lacht).

Du hast eine erfolgreiche Zeit beim Combat Club Cologne gehabt. Was hast du beim CCC alles gelernt? Besonders in deinem letzten Kampf für den Club, gegen Roberto Pastuch, konntest du ein extrem vielfältiges Boxarsenal präsentieren. War in dem Kampf die Hand von Standup-Coach Raphael Wohlgemuth zu sehen, oder schon der Einfluss deines neuen Teams „Eisen Meister“?
Ich freue mich, dass du diese Frage stellst, denn jetzt kann ich endlich mit einer Sache aufräumen, die mich schon eine Weile verfolgt. Ich habe beim Combat Club Cologne meine ersten Schritte gemacht und sie haben mich auf den Weg geschickt. Bei Raphael habe ich meine ersten Thai-Schoner angezogen und mit Mike (Cüppers) das erste Mal gegrappelt.

Wenn du aber auf Respect.9 zu sprechen kommst, ist alles, was du da an Boxen gesehen hast, die Arbeit von Frank Lubitz. Ebenso hat er meine physische Vorbereitung im Alleingang übernommen. Ich habe mir damals gewünscht beide Seiten vereinbaren zu können, aber es hat nicht geklappt. Nach drei Monaten “Exil” habe ich eine Entscheidung getroffen und bin zu den Eisenmeistern gewechselt. Der Combat Club und ich haben uns im Frieden getrennt.

Fasse bitte ein paar der wichtigsten und schönsten Momente dort für deine Fans zusammen.
Als ich 2011 einen Tag vor Weihnachten von Köln nach Elsdorf umgezogen bin, waren so viele Leute aus dem Verein da, um mir zu helfen. Neben Raphael plus Mika und Mike waren so viele spontan gekommen. Ich erinnere mich an Zia, Aitek, Mick und David. Aber auch Silke und Jens. Ich weiß sogar noch wer welchen Schrank auseinander gebaut hat - das ist eine sehr schöne Erinnerung!

Der Kampf bei Respect 4 mit Kamil (Lipski) ist auch so ein Highlight.

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Morgen folgt der zweite Teil des ausführlichen Interviews mit Nick Hein, in dem der Kölner über den Wechsel zum Eisenmeister eingeht, seinem Beruf als Polizeibeamter, den TV-Auftritt bei ZDF Neo in der Serie "Diese Kaminskis - Wir legen sie tiefer!“ und vieles mehr.