MMA

„Ich gebe 110 Prozent“

Kamila Porczyk ist bereit für ihr MMA-Debüt. (Foto: Bernd Czabaun/olimp-supplements.com)

Am 15. Juni gibt die fünffache Fitness-Weltmeisterin Kamila Porczyk gegen die ehemalige Big-Brother-Bewohnerin Jana Wagenhuber ihr MMA-Debüt auf der Mix Fight Gala XIV in Darmstadt. Groundandpound.de hatte kurz vor dem Kampf die Möglichkeit, sich mit der gebürtigen Polin zu unterhalten. Dabei stellte Porczyk unmissverständlich klar: Es handelt sich hier um keine Show. Zu 110% zeigte sie sich fokussiert auf den Kampf. Dabei soll es sich um kein einmaliges Gastspiel handeln. Auch für ihre Gegnerin hatte Porczyk noch ein paar Worte übrig.

Kamila, am 15. Juni triffst du bei der Mix Fight Gala XIV in deinem MMA-Debüt auf das ehemalige Big-Brother-Girl Jana Wagenhuber. Wie laufen die Vorbereitungen?
Ich denke gar nicht so sehr an den 15. Juni, sondern noch weiter in die Zukunft. Das ist ja mein erster Kampf und ich bereite mich so gut wie möglich darauf vor, aber das große Ziel nächstes Jahr ist Respect und vielleicht – großes vielleicht – in Polen bei KSW. Meine Vorbereitung geht also über die Mix Fight Gala hinaus, darum investiere ich 110%. Mein erstes Ziel ist es, den Kampf zu gewinnen. Mein zweites Ziel ist es, zu zeigen, welche Fähigkeiten und Talente ich habe. Ich will mein Gym und meine Trainer nicht enttäuschen, aber vor allem will ich meine Fans nicht enttäuschen. Ich trainiere seit November mit Mohammed Ouali, es gab nur eine Woche Unterbrechung, weil ich krank war. Wenn ich mich selbst nicht gut genug vorbereitet fühlen würde oder meine Trainer denken würden, dass die Vorbereitungszeit nicht reicht, würde ich nicht kämpfen. Und es ist völlig wurscht, ob Jana Montana meine Gegnerin ist oder irgendeine andere. Mein Ziel ist es, mich selbst von meiner besten Seite zu zeigen. Die Vorbereitung läuft sehr gut, mal abgesehen von einer kleinen Angina, die mich zwischendrin quälte, aber ansonsten ist alles gut und wie geplant.
Kamila, Fedor Emelianenko & Bernd Czabaun. (Foto: Bernd Czabaun/olimp-supplements.com)
Du kommst aus dem Fitness-Bereich und Jana aus dem Kraftsport-Segment. Wer hat die größeren Vorteile auf deiner Seite?
Fitness, Kraftsport oder auch Akrobatik, da gibt es wenig, was wirklich einen Vorteil bringen könnte. Das Training unterscheidet sich komplett von dem Training, das ich vorher absolviert habe, egal in welchem Bereich, ob es um Ausdauer, Kraft oder irgendetwas anderes geht. Alles, was ich vorher gemacht habe, das hilft mir vielleicht mental. Auch die Disziplin, die ich mir angeeignet habe, hilft sicherlich. Aber ansonsten ist alles anders. Ich habe jetzt viel mehr Muskeln und die müssen natürlich mit ausreichen Sauerstoff versorgt werden. Also muss ich viel mehr für meine Kondition tun usw. usw. Mariusz Pudzianowski aus Polen ist wirklich ein starker Mann, aber sein erster Kampf war furchtbar. Er hatte nicht genügend Kondition, nicht weil er faul gewesen wäre, nein, das ist wirklich ein langer und großer Prozess, das passiert nicht von heute auf morgen. Darum ist es für mich wirklich nicht einfach, meine Kondition zu verbessern. Wie Jana es im Interview gesagt hat: Muskeln sind nicht ausschlaggebend. Das, worauf es ankommt, sind Technik, Kampfgeist, Kondition, Schnelligkeit, Explosionskraft, aber ganz sicher nicht die Muskelmenge.

Auf welchen Kampf glaubst du, wirst du dich einstellen müssen und was könnte für dich der Schlüssel zum Sieg sein?
Ha, das würdest du jetzt gerne hören, aber das werde ich natürlich nicht verraten (lacht). Wir haben eine Strategie entwickelt, klar. Das Wichtigste für mich ist, auf meinen Trainer zu hören, vorm Kampf und während des Kampfes. Es nützt nichts, wenn der Trainer sagt, keine Kicks, keine Kicks, aber der Kämpfer tut's trotzdem. Ich kann mich gut konzentrieren und höre zu, was mir der Trainer sagt, ich denke auch, dass ich das im Ring gut kann. Wir haben einen Plan und ich muss diesen nur noch während des Kampfes in die Tat umsetzen. Das ist mein Schlüssel zum Sieg. Und der Plan ist gut, er ist wirklich gut. (lacht)

Machen wir es kurz: Kamila Porczyk besiegt Jana Wagenhuber weil…?
Weil ich besser bin. Ich bin besser, habe die besseren Trainer und das bessere Gym zum Trainieren, ich bin mental stärker und ich bin die geborene Siegerin. Wie kann ich da verlieren? (lacht)
Macht auch außerhalb des Käfigs eine gute Figur. (Foto: Bernd Czabaun/olimp-supplements.com)
In Frankfurt bereitest du dich beim MMA Spirit auf den Kampf vor. Wie genau sieht dein Trainingspensum aus und wer gehört dabei alles zu deinem Trainerteam?
Die meiste Zeit verbringe ich mit Mohammed Ouali beim Training. Ich trainiere natürlich auch am Boden, mache viel Jiu-Jitsu mit Niels vom MMA Spirit, der mir sehr hilft. Und ich trainiere auch mit Roberto Pastuch, der gut im Brasilianischen Jiu-Jitsu ist. Hinzu kommt noch das Wrestling-Training. Ich habe also von drei Seiten Training: Jiu-Jitsu, Striking, Wrestling. Hinzu kommt natürlich Konditionstraining und auch die richtige Diät und gute Sportlernahrung durch Olimp Nutrition, damit ich nicht müde oder hungrig werde. Dafür habe ich einen Mann, der mich schon bei Fitness-Wettbewerben gecoacht hat. Also ich bin umgeben von richtig guten Leuten, die ihr Handwerk verstehen.

Jetzt gibt es ja auch noch Leute, die glauben, dass euer Duell mehr Show als ernster Kampf ist. Wie ernst nimmst du die ganze Sache tatsächlich?
Ich bin eine Sportlerin und nehme das alles sehr ernst. Ich gebe 110%. Du kannst bei diesem Kampf natürlich noch keine UFC-Klasse erwarten, aber ich tue alles, um im Kampf meine Klasse und meine Stärke unter Beweis zu stellen. Ich möchte zeigen, dass mit mir zu rechnen ist. Was meine Gegnerin macht, das ist ihre Sache. Sie kann im Ring tanzen, ist mir egal. Ich werde kämpfen und ich werde gewinnen. Klar sagen manche: "Was kann schon dabei herauskommen, wenn ein Big-Brother-Star gegen eine Fitness-Weltmeisterin antritt? Ist doch zum Totlachen!" Aber ich sage, ich gebe 110%, denn dieser Kampf ist eine Episode in meiner Laufbahn als Kämpferin – von einer Karriere mag ich noch nicht sprechen –, aber es ist ein weiterer Schritt auf meinem Weg dorthin.

Bei Respect.9 seit ihr euch zum ersten Mal im Ring begegnet und du hast dabei Jana als „Skandalnudel“ bezeichnet. Freunde werdet ihr wohl nicht mehr werden, oder?
Ja, ich sage, was ich denke. Für mich ist sie eine Skandalnudel und darum nenne ich sie auch so. Jana Wagenhuber muss nicht meine Freundin werden, ich habe genügend Freunde. Und ich brauche sie nicht, um glücklich zu sein. Sie ist meine Gegnerin im Kampf, mehr nicht.

Wie ist es eigentlich überhaupt dazu gekommen, das du dich im MMA-Sport probieren möchtest?
Da sind ein paar Dinge zusammengekommen. Ich bin mit Bernd Czabaun (Olimp Supplements) verheiratet, der schon lange ein Größe im Kampfbereich ist. Als ich noch jünger war, hat er schon Kämpfe bestritten und jede Menge Kampfsport gemacht. Darum kann er mir jetzt wertvolle Tipps geben. Na ja, und weil er mein Mann ist, habe ich ihn natürlich zu Events begleitet. So bin ich immer mehr mit Kampfsport in Berührung gekommen, also quasi reingerutscht. Hinzu kommt, dass Bernd der Sportdirektor der Condition-Kampagne ist und als Sponsor viele Veranstalter unterstützt, was uns natürlich noch mehr mit MMA in Berührung bringt. Dann hat es zum zweiten Mal Klick gemacht, als wir bei einer Veranstaltung in Russland waren. Es war eine wunderbare Veranstaltung. Sehr schönes Ambiente, tolle Musik, gute Atmosphäre, ein paar tausend Zuschauer, jede Menge Promis in der ersten Reihe. Putin war dort. Und als der Moderator einen Kämpfer interviewte, fragte mich mein Mann: "Kannst du dir vorstellen, da zu kämpfen? Wow, das wäre was." Und ich habe gesagt: "Ja Ja, ich im Ring... vergiss es." Auf dem Rückweg zum Hotel hatten wir richtig gute Laune, im Taxi gab's schöne Musik. Tja und als wir ankamen, sagte ich: "Vielleicht kann ich das ja mal ausprobieren." Einfach um zu hören, ob ich das weitermachen soll oder ob ich lieber zuhause Geschirr spüle. (lacht) Tja, und dann stellte sich heraus, dass ich es wohl tatsächlich kann. Inzwischen bin ich "infiziert" (lacht). Ich liebe es, zu kämpfen, ich liebe den Adrenalin-Kick. Das war der dritte Kick in diese Richtung. Weißt du, im Fitnessbereich habe ich alles erreicht, was sich erreichen lässt. Ich habe alles gewonnen, was ich gewinnen wollte. Es gibt dort nichts mehr für mich zu tun. Also ein weiterer Grund, etwas anderes zu machen. Und ich denke, MMA ist keine schlechte Idee.
Kamila Porczyk & MMA-Legende Wanderlei Silva. (Foto: Bernd Czabaun/olimp-supplements.com)
Was reizt dich am MMA-Sport?
Also für mich ist das vor allem eine psychologische Sache. Wie soll man kämpfen, welches Spiel spielt man, wie überrascht man einen Gegner...? Eine Sache ist es, die verschiedenen Techniken zu lernen. Aber viel spannender ist es, wie du diese Techniken in deinem Spiel anwendest. Die psychologische Seite ist also für mich die größte Herausforderung dabei. Dann kommt natürlich hinzu, dass ich den Adrenalin-Kick mag. Und drittens gab's im polnischen Internet jede Menge lausiger Kommentare, das seien Kämpfe für Freaks, das sei alles Bullshit. Und ich möchte beweisen, dass das nicht so ist. Das reizt mich ebenfalls an MMA.

Gehen wir mal davon aus das du den Kampf gegen Jana Wagenhuber gewinnen wirst, wie sehen deine weiteren Ziele aus? Ich meine, mit Respect.FC und KSW hast du ja schon zwei sehr interessante Themen zu Beginn angeschnitten.
Es heißt nicht, "was wird sein", sondern "es wird sein". Ich bin absolut sicher, dass ich gewinnen werde, da gibt's noch nicht mal ein vielleicht. Also: Nach diesem Sieg werde ich erneut gewinnen, und zwar bei Respect (lacht). Und mit diesen zwei Siegen im Gepäck werde ich dann bei KSW antreten. Das ist ein guter Plan und ich hoffe, dass er aufgeht. Also, wie ich schon sagte, das nächste Ziel ist Respect.10 im September in Wuppertal. Außerdem gibt's schon Gespräche mit dem Präsidenten von KSW für die Veranstaltung in Polen. Das ist zwar noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber es sieht sehr gut aus. Als ich ihm meine Videos vom Training gezeigt habe, war er sehr positiv überrascht. Und ich glaube, das wird eine tolle Sache, wenn es heißt, die Ex-Weltmeisterin im Fitness wird bei KSW kämpfen.

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Du bist gut, hier kennen mich noch nicht viele Leute (lacht). Die meisten Fans habe ich in Polen. Aber es wäre schön, wenn ihr mir hier in Deutschland die Daumen drückt, und wenn viele Leute zu MMA-Veranstaltungen kommen, um den Sport zu unterstützen und mich (und die anderen Kämpfer) anzufeuern. Wenn ihr nicht nach Darmstadt zur Mix-Fight-Gala kommen könnt, dann schaut euch die Veranstaltung im Internet an. Es wird einen Live-Stream geben. Außerdem könnt ihr unsere Seite auf Google besuchen und ich werde natürlich jede Menge auf meiner Facebook-Seite posten. Drückt mir die Daumen. Es wäre toll, viele Fans in Deutschland zu haben. Das ist mein Traum, denn ich lebe inzwischen hier, ich arbeite und trainiere hier. Es ist vielleicht etwas schwieriger, deutsche Fans zu gewinnen, weil ich aus Polen stamme. Ich will kein internationaler Star werden, aber ich hoffe, dass in Zukunft auch die Menschen in Deutschland stolz auf mich sein werden, denn ich lebe und trainiere ja hier.
Jana Wagenhuber kann kommen. (Foto: Bernd Czabaun/olimp-supplements.com)
Möchtest du vielleicht noch Jana ein paar Worte mit auf den Weg geben?
Ich bin gut vorbereitet, dir einen Tritt in den Hintern zu verpassen, also nimm dich in Acht!

Kamila, ich danke dir für das Interview und wünsche dir alles gute für den Kampf gegen Jana Wagenhuber am 15. Juni auf der Mix Fight Gala XIV in Darmstadt.
Ich danke euch und ich freue mich, euch auf der Mix Fight Gala in Darmstadt zu sehen.