Allgemein

Hier wird Geschichte geschrieben

Ronda Rousey und Liz Carmouche werden den ersten Frauenkampf in der Geschichte der UFC bestreiten.

Es hört sich nach Klischee pur an, aber an diesem Wochenende wird im Honda Center in Anaheim tatsächlich Geschichte geschrieben. Mit Ronda Rousey wird zum ersten Mal überhaupt seit Gründung der UFC eine weibliche Championesse ins Octagon steigen, um dort ihren Titelgürtel zu verteidigen. Ihr gegenüber wird Liz Carmouche stehen, die laut UFC-Präsident Dana White die einzige Kämpferin war, die sich überhaupt an der schier übermächtigen Rousey versuchen wollte.

Aber auch abseits des vieldiskutierten Frauen-Bantamgewichtskampfes hat UFC 157 einiges zu bieten. Im Co-Hauptkampf kommt es zur Kollision zweier zukünftiger Hall of Famer, wenn Dan Henderson im Halbschwergewicht auf Lyoto Machida trifft. Zuvor werden Urijah Faber und Ivan Menjivar versuchen, auf Kosten des jeweils anderen wieder zurück an die Spitze der Bantamgewichtsklasse zu gelangen, nachdem Josh Koscheck den zurückkehrenden UFC-Veteranen Robbie Lawler erneut im Octagon begrüßt.

Das Hauptprogramm kann wie üblich kostenlos auf ufc.tv verfolgt werden. Die ersten drei Vorkämpfe werden via Facebook übertragen, bevor das restliche Vorprogramm ebenfalls auf ufc.tv gezeigt wird.

Ronda Rousey (c) vs. Liz Carmouche
Die Wahrscheinlichkeit, dass der groß angepriesene historische Moment an diesem Wochenende nach wenigen Minuten oder sogar Sekunden schon wieder vorbei ist, ist überwältigend hoch, wenn man die Buchmacher fragt. Das Ronda „Rowdy“ Rousey (6-0) sich Liz Carmouche (8-2) packt, mit einem Judo-Wurf auf die Matte befördert und kurz darauf versucht, ihren Arm abzureißen, bis dem Ringrichter die Streckung des Armes zu ekelerregend wird und er den Kampf abwinkt, scheint vielen Fans so selbstverständlich, dass die Diskussion sich auf die Frage verlagert, wann „Rowdy“ Rousey mit ihrer Gegnerin fertig ist und nicht, ob sie das überhaupt fertig bringt. Auf den ersten Blick ist ein Erstrundensieg via Armbar die einzige logische Möglichkeit, wie dieser Kampf ausgehen kann. Doch was passiert, wenn Rousey ihre Lieblingsaktion genau dieses Mal nicht gelingt? Schnell merkt man, wie die Fantasie an ihre Grenzen gerät: Könnte Rousey unaufmerksam werden und es Carmouche erlauben, sie im Stand auszuschalten? Kann Rousey den Kampf über die Distanz gewinnen, obwohl sie noch nie überhaupt eine Rundenpause erlebt hat? Wie kämpft sie überhaupt, wenn sie den Arm ihrer Gegnerin nicht zu packen kriegt oder sie erst gar nicht auf den Boden befördern kann? Wie stark hat die unglaubliche mediale Aufmerksamkeit Rousey beeinflusst und wie geht sie mit dem immensen Druck um? Eine Menge Fragen stehen noch über dem Kampf der ehemaligen Olympionikin und ihrer Kontrahentin, und wenn eine der beiden mit dem Gürtel über der Schulter das Octagon verlässt, geht es direkt weiter. Wie reagieren die Fans auf Frauen in der UFC, nachdem der erste Kampf ausgetragen wurde? Wie viele von ihnen haben Geld für die Pay per View-Übertragung ausgegeben? Möglicherweise lässt Rousey auch an diesem Abend mit wenigen Handgriffen die meisten Antworten im Dunkeln schmoren, vielleicht kann oder muss sie sie sich aber auch jeder einzelnen Variable stellen. Was auch immer passieren wird, auf den historischen Moment darf man sich wohl ohne schlechtes Gewissen freuen.

Dan Henderson vs. Lyoto Machida
Ein Teil der Zuschauer, die den Event vor dem Fernseher verfolgen werden, wird die Übertragung nach diesem Kampf abschalten. Als das Programm für UFC 157 bekanntgegeben wurde, war der Aufschrei vieler Hardcore-Fans groß, denn mit Dan Henderson (29-8) und Lyoto „The Dragon“ Machida (18-3) wurden zwei Top-Kämpfer zur zweiten Geige gemacht, damit Rousey und Carmouche die höchste Position auf dem Programm einnehmen konnten. Für einige Fans eine vollkommen unverständliche Entscheidung, doch letztendlich hätte dieser Kampf auch im Vorprogramm stattfinden können, die Bedeutung bleibt dieselbe: Wer auch immer diesen Kampf gewinnt, wird dadurch zum nächsten Herausforderer auf Jon Jones Halbschwergewichtstitel. Zumindest laut Dana White, und im Hinblick auf die Tatsache, dass auch dem jungen Schweden Alexander Gustafsson eine Chance auf den Gürtel eingeräumt wurde, sollte er im April an Gegard Mousasi vorbeikommen, braut sich am Horizont doch noch einiges zusammen.

Unabhängig von der Bedeutung für die Ranglisten ist dieser Kampf aber auch stilistisch interessant. Dan Hendersons gefährlichste Waffe ist seine berühmte „H-Bomb“, die hammerharte Rechte, die u.a. Michael Bispings Wahrnehmung für einige Minuten ins Nirgendwo geschickt hat. Falls er mit diesem Schlag durchkommen sollte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch Machida sich für einige Minuten verabschieden wird. Sich nicht von Schlägen im Gesicht treffen zu lassen, ist andererseits die Spezialität Machidas, wie er in der Vergangenheit immer wieder bewiesen hat. Zuletzt musste das Ryan Bader herausfinden, der bei UFC on Fox 4 in der zweiten Runde genug davon hatte, Löcher in die Luft zu hauen und beim ersten verzweifelten Versuch, doch noch einen harten Schlag durchzubringen, prompt von Machidas Faust aufgehalten wurde. Machida sicherte sich mit diesem Sieg den ersten Erfolg seit einer Niederlage gegen Champion Jon Jones, und falls er eine ähnliche Leistung auch gegen Dan Henderson abrufen kann, könnte er in einigen Monaten erneut auf den Champion treffen.

Auch Henderson hat diese Aussicht als Motivation. Eigentlich hätte er bereits bei UFC 151 nach einem Sieg im Kampf des Jahres 2011 gegen Shogun Rua auf Jones treffen sollen. Wenige Wochen vor dem Kampf verletzte sich „Hendo“ allerdings am Knie, und eine Reihe von unglücklichen Umständen führte letztlich zur Absage des gesamten Events. Wenn der mittlerweile 42–Jährige also gegen Machida in den Käfig steigen wird, wird sein letzter Kampf  ganze 15 Monate her sein.

Urijah Faber vs. Ivan Menjivar
Der dritte Hauptkampf des Abends ist im Schatten der beiden Hauptkämpfe mehr oder weniger untergegangen. Das ist eigentlich schade, denn mit Urijah „The California Kid“ Faber (26-6) und Ivan „The Pride of El Salvador“ Menjivar (25-9) werden sich zwei Top-Bantamgewichtler im Honda Center gegenüberstehen.

Außerdem dürfte der Ausgang dieses Kampfes eine nicht unerhebliche Bedeutung für die mittelfristige Zukunft der Gewichtsklasse haben, denn niemand weiß so wirklich, wann Champion Dominick Cruz nach Ausheilung seiner Knieverletzungen wieder in den Käfig steigen kann. Da Cruz schon seit Oktober 2011 nicht mehr aktiv war, wurde im vergangenen Jahr ein Interimstitel ins Leben gerufen, den „Ersatzchampion“ Renan Barao am letzten Wochenende bereits zum ersten Mal verteidigt hat. Das Problem an der Sache: Gewonnen hat Barao den damals vakanten Titel mit einem Sieg gegen genau den Urijah Faber, der an diesem Wochenende gegen Ivan Menjivar ins Octagon steigen wird. Sollte Faber gewinnen, stände er wohl oder übel erneut ganz oben in den Rankings, und ein nicht wirklich interessanter Rückkampf gegen Barao wäre wohl die einzige logische Möglichkeit, um den Betrieb der 135-Pfünder nicht gänzlich einschlafen zu lassen.

Für die Gewichtsklasse wäre also ein Sieg Menjivars wünschenswert, der seine Statistik in der UFC damit auf fünf Siege bei einer Niederlage ausbauen würde. Die einzige Niederlage musste er im vergangenen Sommer gegen Mike Easton nach Punkten hinnehmen, der ihn zurück auf das Vorprogramm katapultierte. Dort bewies er gegen den UFC-Debütanten Azamat Gashimov allerdings ein weiteres Mal, dass er dem Groß der Kämpfer seiner Gewichtsklasse überlegen ist und sicherte sich nach weniger als drei Minuten den Bonus für die „Submission of the Night“ mit einer spektakulären Armbar. Faber wird der 30-Jährige, der übrigens einen Vollzeitjob als Sicherheitsbeamter am Montrealer Flughafen hat, vermutlich nicht derartig überrennen können. Falls er es aber irgendwie trotzdem schafft, den populären Ex-Champion auszuhebeln, könnte er wieder etwas Perspektive in die etwas chaotische Situation im Bantamgewicht bringen.

Court McGee vs. Josh Neer
Wie so oft an diesem Wochenende, könnte es für die beiden Teilnehmer dieses Kampfes um ihren Job in der UFC gehen.
Court „The Crusher“ McGee (13-3) hat eine gut dokumentierte Vergangenheit als Heroinabhängiger, der vor einigen Jahren um ein Haar an einer Überdosis verstorben wäre. Das Beinahe-Ende seines Lebens veranlasste McGee dazu, sein Leben umzukrempeln - mit den Mixed Martial Arts fand er seine Leidenschaft, arbeitete hart für den Erfolg und erfüllte sich im Jahr 2010 einen Traum, indem er die elfte „Ultimate Fighter“-Staffel gewann. Auf diesen noch einige Jahre zuvor nie für möglich gehaltenen Triumph folgten seitdem noch zwei weitere Siege gegen Chris Camozzi und Dongi Yang, die jedoch ihrerseits zwei Punktniederlagen gegen Costa Philippou und Nick Ring nach sich zogen. Und obwohl das Punktrichterurteil im Ring-Kampf äußerst kontrovers war, stehen bei McGee zurzeit zwei Niederlagen in Folge in der Statistik.

Genauso sieht es bei Josh „The Dentist“ Neer (33-12-1) aus. Der 29-Jährige, der bereits im Jahr 2006 in der UFC antrat und der aktuell seinen dritten Lauf in der Organisation hat, feierte Ende 2011 seine Rückkehr mit einem K.o.- und einem Aufgabesieg gegen Keith Wisniewski und Duane Ludwig. Seitdem lief es weniger gut für den Veteranen, denn in Kämpfen gegen Mike Pyle und Justin Edwards war es Neer, der in der ersten Runde abgefertigt wurde. Falls er die UFC also nicht zum dritten und wahrscheinlich letzten Mal verlassen will, sollte er besser an McGee vorbeikommen.

Josh Koscheck vs. Robbie Lawler
Die Hauptkämpfe werden in Anaheim von zwei Weltergewichtsveteranen eröffnet. Sowohl Josh Koscheck (17-6) als auch Robbie „Ruthless“ Lawler (19-9-0(1)) haben seit längerer Zeit nicht mehr gekämpft, und beide hatten zuletzt eher moderaten Erfolg. Koscheck, der im Dezember 2010 eine klare Punktniederlage im Titelkampf mit Champion Georges St-Pierre hinnehmen musste, schlug seitdem Matt Hughes K.o., schob sich per geteiltem Punktentscheid an Mike Pierce vorbei und verlor dann selbst via geteiltem Punktentscheid gegen Johny Hendricks. Das war im Mai 2012, und seitdem ist es recht still um den Bad Boy der ersten „Ultimate Fighter“-Staffel geworden. Gegen Lawler bekommt er nun die Chance, sich wieder etwas mehr Relevanz in der dicht besiedelten Weltergewichtsklasse zu erarbeiten.

Für Lawler wird es der erste UFC-Kampf seit Oktober 2004 sein. In der Zwischenzeit stand er u.a. bei Pride im Ring, kämpfe für EliteXC und sorgte bei Strikeforce für Furore, wo er jeden seiner Siege durch (T.)K.o. erzielte. Gleichzeitig erlitt er im SF-Hexagon allerdings fünf Niederlagen – eine denbkar ungünstige Ausgangsposition für das Debüt im Octagon.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 157: Rousey vs. Carmouche
23. Februar 2013
Honda Center in Anaheim, Kalifornien, USA

Frauen-Bantamgewichtstitelkampf (ufc.tv)
Ronda Rousey (c) vs. Liz Carmouche

Hauptprogramm (ufc.tv)
Dan Henderson vs. Lyoto Machida
Urijah Faber vs. Ivan Menjivar
Court McGee vs. Josh Neer
Josh Koscheck vs. Robbie Lawlor

Vorprogramm (ufc.tv)
Brendan Schaub vs. Lavar Johnson
Michael Chiesa vs. Anton Kuivanen
Dennis Bermudez vs. Matt Grice
Sam Stout vs. Caros Fodor

Vorprogramm (Facebook)
Kenny Robertson vs. Brock Jardine
Jon Manley vs. Neil Magny
Nah-Shon Burrell vs. Yuri Villefort