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Heute Nacht: Henderson vs. Diaz um den Titel, Siver vs. Phan

Ben Henderson und Nate Diaz kämpfen um den Leichtgewichtstitel.

Obwohl auch hier das UFC-Unwort des Jahres 2012 in verschiedenen Auslegungen, von Verletzung über Krankheit bis hin zu in-der-Sauna-ausrutschen von der ersten bis zur letzten Minute wieder zugeschlagen hat und statt 13 nun nur elf Kämpfe in der Key Arena in Seattle stattfinden werden, erwartet uns in der Nacht von Samstag auf Sonntag der wohl meist erwartete Event der letzten Monate, vielleicht sogar des ganzen Jahres.

Die Vorfreude ist nicht ohne Grund enorm, denn neben einem Titelkampf zwischen Ben Henderson und Nate Diaz wird es außerdem wichtige Kämpfe im Halbschwer- und Weltergewicht zu sehen geben, wenn Mauricio „Shogun“ Rua und Alexander Gustafsson sowie BJ Penn und Rory MacDonald gegeneinander antreten werden. Außerdem wird im Vorprogramm Dennis Siver seine unfreiwillige Auszeit beenden und gegen Nam Phan zum zweiten Mal im Jahr 2012 ins Octagon steigen.

In Deutschland kann der gesamte Event bis auf die erste Ansetzung unter ufc.tv kostenlos und in HD verfolgt werden. Den Eröffnungskampf zwischen Scott Jorgensen und John Albert kann man auf der Facebook-Präsenz der UFC anschauen.

Benson Henderson vs. Nate Diaz
Als Sahnehäubchen des vielgelobten Events hat die UFC den amerikanischen Zuschauern auf Fox den ersten national ausgestrahlten Titelkampf seit der Schwergewichtskollision zwischen Cain Velasquez und Junior Dos Santos spendiert. Mit Benson „Smooth“ Henderson (17-2) und Nate Diaz (16-7) werden zwei der besten Leichtgewichtler der Welt den neuen oder alten Weltmeister unter sich ausmachen.

Für Henderson ist der Kampf am Samstag die Gelegenheit, um sich in den Köpfen der Fans endgültig als veritabler Leichtgewichtschampion festzusetzen. Die fehlende Anerkennung ihm gegenüber stammt vornehmlich aus seinen beiden Titelkämpfen gegen Ex-Champ Frankie Edgar, dem er im Februar dieses Jahres den Titel im Zuge einer knappen Punktentscheidung abnahm und gegen den er den Gürtel im vergangenen August über eine noch knappere Entscheidung zum ersten Mal verteidigte. Neben den Kämpfen gegen Edgar gingen auch Hendersons restliche Kämpfe in der UFC über die volle Distanz – eine Angewohnheit, die schnell die Gunst der Fans rauben kann, wie schon Georges St. Pierre im Laufe der letzten Jahre schmerzhaft feststellen musste. Auf der anderen Seite richtet Henderson für gewöhnlich deutlich mehr Schaden an, als St-Pierre in einigen seiner Kämpfe aus den vergangenen Jahren.

Jim Miller beispielsweise verließ den Käfig noch nie so demoliert und vom eigenen Blut verschmiert, wie nach seinem Kampf gegen Henderson. Generell geht Miller eher selten als Verlierer aus seinen Kämpfen; neben zwei weiteren Punktentscheidungen hat der zähe Ringer aus New Jersey nur ein einziges Mal vorzeitig verloren – und zwar gegen Nate Diaz; den Mann, der Henderson am Wochenende gegenüberstehen wird. Im Mai gelang es dem Stocktoner Bad Boy, Miller mit einem Guillotine Choke in der zweiten Runde zur Aufgabe zu zwingen und sich so seine aktuelle Titelchance zu verdienen.

Vor etwa eineinhalb Jahren schien der Stern von Nate Diaz dagegen noch auf dem absteigenden Ast zu sein. Zu dieser Zeit noch im Weltergewicht unterwegs, unterlag er sowohl Dong Hyun Kim als auch Rory MacDonald eindeutig nach Punkten. Der darauffolgende Wechsel zurück ins Leichtgewicht entpuppte sich jedoch als die wahrscheinlich beste Entscheidung seines Kämpfer-Lebens. Siege gegen Takanori Gomi, Donald Cerrone und Miller haben gezeigt, dass Diaz mit der Elite der 70 Kilo-Kämpfer nicht nur mithalten, sondern sie sogar scheinbar problemlos bezwingen kann. Falls ihm gegen Henderson am Samstag eine ähnlich beeindruckende Vorstellung gelingen sollte, könnte er zum ersten UFC-Champion unter Cesar Gracie gekrönt werden.

Mauricio Rua vs. Alexander Gustafsson
Im Co-Hauptkampf wird es auf Fox voraussichtlich um den Status des nächsten Pflichtherausforderers im Halbschwergewicht gehen. Obwohl diese Belohnung in jüngerer Vergangenheit so einigen Kämpfern für einen Sieg versprochen wurde, haben sowohl Mauricio „Shogun“ Rua (22-6) als auch Alexander „The Mauler“ Gustafsson (14-1) gute Aussichten darauf, in näherer Zukunft um den Titel kämpfen zu dürfen. 

Rua dagegen hat als ehemaliger Champion und Legende des Sports allein deshalb eine privilegierte Position im Wettrennen um Titelkämpfe. Mit einem schnellen K.o.-Sieg gegen Forrest Griffin, einer Jahrhundertschlacht über fünf Runden gegen Dan Henderson und einem ebenfalls sehr spannenden T.K.o.-Sieg gegen Brandon Vera im vergangenen August hat er allerdings auch immer wieder Akzente gesetzt, auf denen man eine erneute Titelchance aufbauen könnte. Der Haken daran: Bevor Rua gegen die drei Genannten in den Käfig stieg, verlor er seinen Halbschwergewichtstitel gegen den Mann, der ihn bis heute hält – die T.K.o.-Niederlage gegen Jon Jones im März 2011 war wohl eine der eindeutigsten in Titelkämpfen in den letzten Jahren, weshalb es kaum jemanden gibt, der Rua ohne Not erneut mit Jones in einem Octagon sehen wollen würde. Unabhängig von den gemischten Ergebnissen waren Ruas Kämpfe aber seit jeher immer eines, nämlich von der ersten bis zur letzten Minute ausgesprochen unterhaltsam.

Genau so einen Kampf darf man auch am Samstag erwarten, wenn Rua auf den schwedischen Jungspund Alexander Gustafsson trifft. Gustafsson war zuletzt in seinem Heimatland Schweden zu sehen, wo er die erste UFC-Veranstaltung in der Geschichte des skandinavischen Landes anführte und Thiago Silva nach Punkten bezwang. Vor diesem Durchbruch fielen außerdem Vladimir Matyushenko, Matt Hamill, James Te-Huna und Cyrille Diabaté dem „Mauler“ zum Opfer, nachdem dieser seinerseits bei UFC 112 im Jahr 2010 von Phil Davis die bisher einzige Niederlage seiner Karriere zugefügt bekommen hatte. Nun ein Trainingspartner von Davis, kann man bei Gustafsson mittlerweile in jedem Kampf Fortschritte in allen Bereichen beobachten – auch in den knapp acht Monaten seit dem Silva-Kampf wird sich der schlaksige Schwede wieder ein paar neue Überraschungen ausgedacht haben, die wir wohl in der Nacht von Samstag auf Sonntag bewundern dürfen.

BJ Penn vs. Rory MacDonald
Bereits vor den beiden Hauptkämpfen erwartet uns hier eine Ansetzung, die an anderen Tagen selbst ganze Veranstaltungen anführen könnte. Mit BJ „The Prodigy“ Penn (16-8-2) und Rory „Ares“ MacDonald (13-1) wird die recht klassische Ansetzung „Legende“ gegen „Jungspund“ auf ein ganz neues Level gehoben.

Der ehemalige Leicht- und Weltergewichtschampion Penn hatte sich nach einer eindeutigen Punktniederlage gegen Nick Diaz im Oktober 2011 in die Rente verabschiedet, an die allerdings von Anfang an von vielen Fans nicht so recht geglaubt wurde. Die Niederlage gegen Diaz war für ihn nämlich das vermeintliche Ende einer längeren Serie von Misserfolgen, die nicht seinen eigenen Ansprüchen an sein Vermächtnis als einer der besten Kämpfer der Welt genügten. Weniger als ein Jahr nach dem Kampf gegen Diaz machte dann schließlich auch die Meldung die Runde, dass Penn die Herausforderung Rory MacDonalds annehmen und in seinem Comeback-Kampf gegen ihn antreten würde.

Trotz des riesigen Erfahrungsunterschiedes könnte MacDonald sehr gut die größte Herausforderung Penns seit einiger Zeit darstellen. Kritiker mögen zwar behaupten, dass der erst 23-Jährige Kanadier noch keine wirklich großen Namen besiegt hat, der Hype um ihn resultiert allerdings auch eher aus der Art, wie er seine bisherigen Gegner aus dem Weg geräumt hat. Ob dominant nach Punkten wie gegen Nate Diaz, durch schnellen T.K.o. wie gegen Mike Pyle oder über gnadenloses Ground and Pound wie zuletzt gegen Che Mills – MacDonald strahlt in jedem seiner Kämpfe eine Sicherheit und Kaltblütigkeit aus, die nicht vielen Kämpfern zu eigen ist, vor allem nicht in seinem Alter. Falls er auch Penn auf eine der genannten Arten oder, besser noch, auf eine völlig andere Weise abfertigen kann, dürfte das seinen Status in der Gewichtsklasse endgültig untermauern.

Mike Swick vs. Matt Brown
Abgerundet wird das Hauptprogramm mit diesem Kampf zwischen zwei Weltergewichtlern, die zwar in nächster Zeit wohl keinen Titelkampf bekommen werden, dafür aber immer für einen sehr unterhaltsamen Kampf zu haben sind. Mike „Quick“ Swick (15-4) war ein Mitglied der mittlerweile beinahe legendären ersten „Ultimate Fighter“-Staffel und kämpft demnach bereits seit dem Jahr 2005 im Octagon der UFC. Zu Anfang noch als Mittelgewicht unterwegs, ist Swick nun in der Weltergewichtsklasse zuhause. Die Gewichtsreduktion war jedoch zum Teil ungeplant und unfreiwillig, da Swick an einer Magenkrankheit leidet, die ihm die Nahrungsaufnahme zeitweise unmöglich macht. Diese Krankheit und mehrere schwere Verletzungen sorgten dann über weite Teile der Jahre 2010, 2011 und 2012 dafür, dass Swick das Octagon in dieser Zeit nicht mehr von innen sah. Es ist also verständlich, dass er nach dem K.o.-Sieg gegen DaMarques Johnson in seinem langerwarteten Comeback im vergangenen August so schnell wie möglich wieder zurück ins Geschehen will.

Genau dort wird Matt „The Immortal“ Brown (15-11) auf ihn warten. Brown stand im Sommer 2011 noch kurz vor der Entlassung aus der UFC und hätte mit einer Niederlage gegen John Howard bei UFC on Versus 5 wohl seine Sachen packen müssen. Er besiegte Howard jedoch, und nach einem Rückschlag später im selben Jahr gegen Seth Baczinsky lieferte Brown im laufenden Jahr mit drei beeindruckenden Siegen innerhalb von etwa vier Monaten das wohl erfolgreichste Jahr seiner Karriere ab – ein Sieg gegen Mike Swick wäre also nicht nur der größte Erfolg in Browns bisheriger Karriere, sondern auch der nötige Anstoß, um aus einem guten Jahr ein großartiges zu machen. 

Dennis Siver vs. Nam Phan
Für den bekanntesten Deutschen in der UFC, Federgewichtler Dennis Siver (20-8), waren die letzen Wochen und Monate eine einzige Achterbahnfahrt. Nachdem er mit einem einstimmigen Punktsieg gegen Diego Nunes im April noch erfolgreich in seiner neuen Gewichtsklasse, dem Federgewicht, durchgestartet war, hielt die Folgezeit einige hauptsächlich unangenehme Überraschungen bereit. Der Kampf gegen Yagin, dem Siver wegen der fehlenden Bekanntheit seines Gegners sowieso schon etwas skeptisch gegenüberstand, wurde durch die Absage von UFC 151, wo der Kampf eigentlich stattfinden sollte, zunächst ein viertel Jahr nach hinten verschoben. Als Yagin sich dann einige Wochen vor dem Kampf zu allem Überfluss auch noch verletzte, sah es kurzzeitig so aus, als müsste Siver das Jahr 2012 mit einem einzigen Kampf in der Statistik beenden – mit Nam Phan (18-10) fand sich jedoch noch rechtzeitig ein Ersatzgegner, der darüber hinaus im Duett mit Siver auch für einen sehr unterhaltsamen Kampf sorgen könnte. Phan hat in seiner mittlerweile zwei Jahre andauernden UFC-Karriere zwar gegen Mike Brown und Jimmy Hettes kaum Land gesehen, überzeugte dafür allerdings zwei Mal gegen Leonard Garcia und zuletzt auch gegen Cole Miller.

Vorprogramm (ufc.tv)
Ursprünglich ganze neun Kämpfe stark, wurde das Vorprogramm der Veranstaltung in den letzten Wochen durch verletzungs- bzw. krankheitsbedingte Ausfälle von Lavar Johnson und Mike Chiesa durchgerüttelt, die dadurch auch ihre jeweiligen Gegner von dem Event abgezogen und die Kampfordnung geändert haben. Letztendlich sind aber immer noch sieben interessante Ansetzungen übrig geblieben, die zum Großteil auf dem amerikanischen Sender Fuel TV übertragen werden und in Deutschland via ufc.tv live ansehbar sind.

Angeführt wird das Vorprogramm von einem Kampf zwischen Jeremy „Lil Heathen“ Stephens (20-8) und Yves „Thugjitsu Master“ Edwards (41-18-1), der eigentlich schon vor zwei Monaten hätte stattfinden sollen, durch einige verrückte Umstände allerdings nach hinten verschoben wurde. Eine Klage gegen Stephens, die aus einem nicht geklärten Streit aus dem Jahr 2011 resultierte, sorgte für die vorläufige Festnahme des 26-Jährigen, die auch Dana White trotz harter Verhandlungen nicht mehr kurzfristig rückgängig machen konnte. Am Ende des Tages saß Edwards also fertig bandagiert im Umkleideraum des Target Center von Minneapolis und Stephens einige Kilometer weiter in einer Gefängniszelle, was dazu führte, dass die Ansetzung während des Vorprogramms abgesetzt wurde.

Ebenfalls im Leichtgewicht wird TUF-Finalist Ramsey „Stripper“ Nijem (6-2) gegen Joe Proctor (8-1) antreten, der auch im Ultimate Fighter-Haus zu sehen war. Nijem verlor seinen Finalkampf gegen Tony Ferguson, hat seitdem aber Siege über Danny Downes und C.J. Keith eingefahren. Proctor schied gegen James Vick im Viertelfinale der 16. TUF-Staffel aus, sicherte sich mit einem Erstrunden-T.K.o. gegen Jeremy Larsen im Juni allerdings einen Platz in der UFC.

Zuvor werden mit Mike „The Hulk“ Easton (13-1) und Raphael Assuncao (17-4) zwei etablierte Bantamgewichtler aufeinandertreffen. Easton konnte seit seinem UFC-Debüt im Oktober 2011 drei Kämpfe gewinnen und zuletzt Ivan Menjivar in die Schranken weisen, während Assuncao sein Debüt gegen Erik Koch verlor, sich inzwischen mit Erfolgen gegen Johnny Eduardo und Issei Tamura aber wieder rehabilitiert hat.

Im Leichtgewicht wird es zu einem Duell zwischen TUF-Veteran Daron Cruickshank (11-2) und Henry „Sicario“ Martinez (9-2) kommen. Cruickshank kam mit einigen Erwartungen in die 15. „Ultimate Fighter“-Staffel, schied aber in seinem ersten Kampf gegen James Vick aus und bekam auf der Finalveranstaltung im Juni eine zweite Chance, die er mit einem Punktsieg gegen Chris Tickle nutzte. Henry Martinez brauchte ebenfalls zwei Anläufe, um in der UFC zu gewinnen – nach einer knappen Punktniederlage gegen Matt Riddle in seinem Debüt wechselte er zurück in seine eigentliche Gewichtsklasse und setzte sich dort ebenso knapp gegen Bernardo Magalhaes durch.

Eigentlich hätte Tim Means hier gegen Abel „Killa“ Trujillo (9-4) antreten sollen, rutschte jedoch beim Gewichtmachen in der Sauna aus und schlug sich dadurch selbst K.o. Marcus LeVesseur (22-6), der eigentlich gegen den ebenfalls kürzlich ausgefallenen Mike Chiesa hätte antreten sollen, steht nun wieder auf dem Programm und wird Means ersetzen.

Vorprogramm (Facebook)
Im ersten Kampf des Abends treffen zwei Bantamgewichtler aufeinander, von denen einer nach der Veranstaltung höchstwahrscheinlich seine Entlassungspapiere ausgehändigt bekommen wird - sowohl Scott Jorgensen (13-6) als auch John „Prince“ Albert (7-3) haben die meisten ihrer letzten Kämpfe verloren und dürften sich damit auf die Abschussliste von Joe Silva und Co. manövriert haben.

Anbei das gesamte Programm:

UFC on Fox 5: Henderson vs. Diaz
Sa., 8.12.2012
Key Arena in Seattle, Washington, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Benson Henderson ( c) vs. Nate Diaz
Mauricio Rua vs. Alexander Gustafsson
BJ Penn vs. Rory MacDonald
Mike Swick vs. Matt Brown

Vorprogramm (ufc.tv)
Yves Edwards vs. Jeremy Stephens
Raphael Assuncao vs. Mike Easton
Ramsey Nijem vs. Joe Proctor
Daron Cruickshank vs. Henry Martinez
Tim Means vs. Abel Trujillo
Dennis Siver vs. Nam Phan

Vorprogramm (Facebook)
Scott Jorgensen vs. John Albert