MMA

Herb verliert knapp, Österreicher überzeugen beim "Bash at the Beach"

Gregor Herb (Foto via rtvslo)

Bei großartiger Stimmung und sommerlichen Temperaturen fand am 31. Juli in der slowenischen Hafenstadt Portoroz die elfte Veranstaltung der World Freefight Challenge statt. Im gut gefüllten Avditorij, einer dem antiken Theater nachempfundenen Halle, die von mehreren Seiten offen war, wurden die Urlauber und Kampfsportfans von insgesamt neun Kämpfen im MMA und K-1 bestens unterhalten.

Mit dabei war auch ein Deutscher, der Freiburger Bodenkampfspezialist Gregor Herb. Er hatte sich fest vorgenommen, seinen ersten Sieg in diesem Jahr einzufahren, doch wie schon im April bei Backstreet Fights blieb die Nr. 2 im Mittelgewicht auch in Slowenien vom Glück verlassen. Gegen den nach wie vor unbesiegten Dragan Tesanovic, Serbiens bestes Mittelgewicht, setzte es für Herb eine ebenso knappe wie umstrittene Punktniederlage.

Gregor Herb (Foto via Breda Krajnc)Die erste Runde begann mit einer längeren Abtastphase im Stand. Tesanovic konterte einen Lowkick Herbs mit seiner Linken und beförderte ihn dadurch auf den Boden. Herb klammerte sich an ihm fest und stand wieder auf. Erneut tasteten sich die beiden ab, ehe Herb in den Clinch ging. Tesanovic verteidigte den Wurf mit Schlägen, während Herb dessen Körper zudem mit kurzen Haken und Kniestößen bearbeitete.

Der Knackpunkt war die zweite Runde. Die erste Aktion kam von Tesanovic, der Herb beim Vorwärtsgehen wieder mit seiner Linken erwischte. Zwei Takedownversuche von Herb wehrte Tesanovic ab, doch aller guten Dinge sind drei und so verfrachtete Herb den schlaksigen Serben auf den Boden und in die Side Control. Herb kontrollierte Tesanovic und arbeitete vereinzelt mit Schlägen. Tesanovic konnte wieder aufstehen und verhinderte ein erneutes Takedown, indem er in die Seile griff. Die Runde endete mit beiden Kämpfern im Clinch. Die einzige Offensivaktion Tesanovics war ein Treffer zu Beginn mit seiner Linken. Anschließend war er nur noch darum bemüht, Herbs Aktionen zu verhindern.

In der dritten Runde verbrachten Herb und Tesanovic die Anfangsphase im Clinch, Herb ständig auf der Suche nach dem Takedown. Schließlich war er erfolgreich und landete in der Half Mount. Herb brachte einige Schläge durch, bis Tesanovic einen Escape zeigte. Kaum hatte sich Tesanovic befreit, beförderte Herb ihn mit einem Sweep aus der Half Butterfly Guard wieder in Rücklage. Aus der Side Control kam Herb in die Mount. Er setzte Tesanovic mit Ground and Pound zu und nutzte einen Fluchtversuch zum Armhebel aus, aus dem sich Tesanovic im letzten Moment befreite.

Im Ausland gilt anscheinend die Regel: Im Zweifel immer für den Einheimischen bzw. für den Kämpfer, der vom Veranstalter gemanagt wird. So ist es angesichts dieser knappen zweiten Runde nicht verwunderlich, dass die slowenischen Punktrichter für Tesanovic gewertet haben – welcher seinen Sieg selbst kaum glauben konnte.

Einen besonders gelungenen Abend hatten hingegen die MMA-Kämpfer aus Österreich. Nandor Guelmino vom Team Stockmann aus Wien stand Ben Smith gegenüber und machte dem Hype um das englische Kraftpaket schnell ein Ende. Der Ultimate Challenge Schwergewichtschampion rannte zu Beginn des Duells wie ein wilder Stier auf Guelmino zu und hätte ihn beinahe durch die Ringseile gestoßen. Das nächste Takedown wehrte Guelmino ab und bestrafte Smith mit Schlägen aus der Back Mount.

Nandor Guelmino (Foto via zurnal24)Smith war ständig auf der Suche nach dem Takedown, doch Guelmino machte es ihm ziemlich schwer, ihn von den Beinen zu holen. Als es Smith dann doch wieder gelang, führte Guelmino einen Kimura-Sweep aus. Dem Ground and Pound aus der Mount konnte Smith entkommen, aber dann schlug Guelmino aus der Back Mount weiter auf ihn ein. Anschließende musste Smith Soccerkicks einstecken, die ihn zum Single-Leg-Takedown verleiteten. Smith brachte Guelmino zu Boden, doch landete er direkt im Triangle Choke. Guelmino zog zu und zwang Smith damit zur Aufgabe. Dies war bereits sein zweiter Erstrundensieg in diesem Jahr.

Der zweite MMA-Kämpfer aus Österreich, Tamerlan Burujev von MMA Vienna, konnte sich ebenfalls über einen glänzend herausgearbeiteten Sieg freuen. Der Slowene Edvin Ramdedovic machte es ihm jedoch nicht leicht. Nachdem Burujev den Kampf auf den Boden verlagerte, musste er sich gegen Triangle Choke, Armhebel und Kimura verteidigen. Zurück im Stand gab es einen Schlagabtausch. Burujev zog ein Takedown durch, aber Ramdedovic war mit einem Sweep erfolgreich und schloss die Runde mit Ground and Pound aus Burujevs Guard ab.

Burujev begann die zweite Runde mit einem Trip-Takedown in die Half Guard, doch Ramdedovic sweepte und setzte zum Fußhebel an. Burujev befreite sich und landete wieder in der Half Guard. Ramdedovic holte sich die Guard zurück, doch als er einen Triangle Choke versuchte, kam Burujev in die Side Control. Erneut holte sich Ramdedovic die Guard. Anschließend nahm er Burujev in den Arm Triangle Choke. Der befreite sich allerdings gekonnt, stand auf und beendete den Kampf mit verheerenden Stomps an Ramdedovic Kopf.

Tamerlan Burujev (Foto via zurnal24)Aleksandar Radosavljevic, Serbiens bestes Halbschwergewicht, feierte gegen den Holländer Andre Fyeet seinen vierten Sieg bei der WFC. Radosaljevic beförderte Fyeet schnell zu Boden und führte bereits nach einer knappen Minute mit seinem Ground and Pound das Ende herbei.

Ebenfalls kurzen Prozess machte der Kroate Antun Racic mit dem Slowenen Lemmy Krusic. Nach einer Abtastphase im Stand warf Racic Krusic auf den Boden. Racic fing mit Ground and Pound an und passierte dann die Guard. Einen Befreiungsversuch von Krusic nutzte Racic für die Back Mount und den Rear Naked Choke.

Ähnlich lief der Kampf des Slowenen Bor Bratovz gegen den kroatischen Karateka Nenad Sancic ab. Als Bratovz ein paar Schlagkombinationen ins Ziel brachte, entschied sich Sancic für einen Guard Pull. Bratovz passierte die Guard, woraufhin Sancic seinen Rücken freigab. Der Rear Naked Choke war anschließend nur noch Formsache.

Der WFC Mittelgewichtschampion im K-1, Miran Fabjan, setzte seine Erfolgsserie auch gegen den Bosnier Mesud Selimovic fort. Fabjan, der slowenische „Rocky“, landete etliche gute Treffer mit seinen Händen und Knien, musste im Gegensatz jedoch auch den einen oder anderen Schlag wegstecken. In der Pause von der ersten zur zweiten Runde musste Selimovic schließlich aufgeben. Für seine Leistung bekam Fabjan einen goldenen Ring im Wert von 3000 Euro als „Kämpfer des Abends“ verliehen.

Im Hauptkampf der Veranstaltung setzte sich der Slowene Jasmin Becirovic in einem relativ engen Duell gegen den in Österreich trainierenden Armenier Grigor Aschugbabjan durch. Und der Bosnier Muamer Tufekcic unterlag dem Kroaten Igor Jurkovic knapp nach Punkten. Jurkovic gelang in Runde eins ein Niederschlag, doch Tufekcic fand im zweiten Durchgang mit harten Bodykicks in den Kampf zurück. In einer weitestgehend ausgeglichenen dritten Runde war Tufekcic dann nicht dominant genug, um den Kampf noch einmal zu drehen.

WFC 11 – „Bash at the Beach“
31. Juli 2010
Avditorij in Portoroz, Slowenien


Jasmin Becirovic bes. Grigor Aschugbabjan nach Punkten
Nandor Guelmino bes. Ben Smith via Triangle Choke in Rd. 1
Igor Jurkovic bes. Muamer Tufekcic nach Punkten [K-1]
Aleksandar Radosavljevic bes. Andre Fyeet via TKO in Rd. 1
Miran Fabjan bes. Mesud Selimovic via Aufgabe in Rd. 1 [K-1]
Bor Bratovz bes. Nenad Sancic via Rear Naked Choke in Rd. 1
Tamerlan Burujev bes. Edvin Ramdedovic via TKO in Rd. 2
Antun Racic bes. Lemmy Krusic via Rear Naked Choke in Rd. 1
Dragan Tesanovic bes. Gregor Herb nach Punkten