MMA

Hendricks vs. Lawler, Condit vs. Woodley

Johny Hendricks und Robbie Lawler werden am Samstag Georges St-Pierres Gürtel unter sich ausmachen.

Das hat es lange nicht gegeben –zum ersten Mal seit sieben Jahren steht nicht nur kein Georges St-Pierre an der Spitze des Weltergewichts, die traditionell hart umkämpfte 77-Kilo-Klasse hat seit dem Rücktritt des langjährigen Titelträgers im Dezember gar keinen Champion mehr.

Das wird sich an diesem Wochenende im American Airlines Center in Dallas ändern. Mit Johny Hendricks und Robbie Lawler hat die UFC zwei der schlagstärksten Weltergewichte gegeneinander angesetzt, von denen einer das Octagon als Champion verlassen wird. Der nächste Herausforderer könnte dann bereits feststehen, denn zuvor werden mit Carlos Condit, Tyron Woodley, Jake Shields und Hector Lombard weitere Top-Kämpfer in den Käfig steigen.

Der Event kann in Deutschland über den neuen UFC Fight Pass verfolgt werden, der zum monatlichen Preis von 7,99 Euro über ufc.tv im Abo erhältlich ist. Das Vorprogramm ist nach der Registrierung kostenlos, das Hauptprogramm dagegen wird zum Preis von 17,99 Euro (HD) bzw. 15,99 Euro (SD) angeboten.

Johny Hendricks vs. Robbie Lawler
Auf den ersten Blick könnte diese Ansetzung einfach eine weitere wie jede andere sein, wenn auch mit Potential auf einen Kracher. Tatsächlich geht es im Duell zwischen Johny „Big Rigg“ Hendricks (15-2) und Robbie „Ruthless“ Lawler (22-9) aber um den Weltergewichtsgürtel, der seit 2008 eigentlich untrennbar zu Georges St-Pierre zu gehören schien.

Nach zehn Siegen in elf UFC-Kämpfen, u.a. gegen Jon Fitch, Josh Koscheck, Martin Kampmann und zuletzt Carlos Condit, bekam Johny Hendricks im vergangenen Jahr endlich den langersehnten Titelkampf gegen Georges St-Pierre. Hendricks lieferte sich im November bei UFC 167 ein fünf Runden langes und extrem knappes Duell mit dem Champion, an dessen Ende ein Punktrichter den Kampf an Hendricks gab, die anderen beiden dagegen an St-Pierre. Hendricks schien am Boden zerstört; über das Ergebnis wurde online noch monatelang diskutiert. Einige Wochen lang schien Hendricks nächster Schritt unsicher, dann trat St-Pierre zurück und hinterließ eine klaffende Lücke an der Spitze der Gewichtsklasse, deren Gürtel Hendricks sich um ein Haar gesichert hätte. Das erste Puzzleteil zur Schließung dieser Lücke war dann auch schnell gefunden – Hendricks hatte im Anschluss an seine kontroverse Niederlage zunächst hartnäckig für einen Rückkampf plädiert, die Ungewissheit um St-Pierres Zukunft und schließlich dessen Rücktritt ließen die Zukunft für „Big Rigg“ jedoch weit offen. Nun bekommt Hendricks tatsächlich die Chance, sich zum UFC-Champion zu krönen, darüber hinaus auch noch in seinem Heimatstaat.

Ihm gegenüber wird in Dallas jemand stehen, der noch vor wenigen Jahren als abgehalfterter Ex-Star galt, dessen Karriere sich langsam aber sicher dem Ende zuneigte. Robbie „Ruthless“ Lawler (22-9-0(1)) war noch 2012 so weit von einem UFC-Titel entfernt, dass ein Kampf wie dieser wie reines Hirngespinst schien. Nach einigen guten Kämpfen in den ersten Jahren der Zuffa-geführten UFC folgten vorzeitige Niederlagen gegen Nick Diaz und Evan Tanner, die Lawler aus der Organisation kegelten. Zunächst hatte „Ruthless“ in den kleineren Organisationen quer durch die USA ansehnlichen Erfolg, allerdings nur gegen wenige bekannte Gegner.

Die Qualität seiner Kontrahenten änderte sich, als Lawler 2009 bei Strikeforce anheuerte, wo im Gegenzug dann jedoch schnell der Erfolg ausblieb. Letztendlich verließ Lawler die Organisation nach deren Schließung mit einer Bilanz von drei Siegen und fünf Niederlagen, zuletzt gegen Lorenz Larkin, Tim Kennedy und „Jacare“ Souza. Viel mehr als einen spannenden Kampf erwartete daher kaum jemand, als der Veteran Anfang 2013 gegen Josh Koscheck in die UFC zurückkehrte. Lawler sorgte jedoch mit einem Erstrundenknockout für eine milde Überraschung, die ihm einen Platz auf dem Hauptprogramm der achten UFC on Fox-Veranstaltung im Juli 2013 einbrachte. Dort traf er auf Bobby Voelker, den er vor ca. 2 Millionen Fernsehzuschauern spektakulär mit einem Headkick auf die Bretter schickte. Trotz der beiden beeindruckenden Leistungen hatten wenige den harten Puncher auf der Rechnung, als Lawler im November bei UFC 167 auf Rory MacDonald traf. In einem hart umkämpften Duell gelang es Lawler jedoch, die besseren Treffer zu landen und das kanadische Talent sogar niederzuschlagen, was ihm eine geteilte Punktentscheidung und letztlich diese riesige Chance auf den Weltergewichtsgürtel der UFC einbrachte.

Carlos Condit vs. Tyron Woodley
Noch bevor Johny Hendricks und Robbie Lawler den neuen Weltergewichtschampion unter sich ausmachen, wird sich im American Airlines Center der erste Herausforderer präsentieren. Zumindest, wenn Carlos „The Natural Born Killer“ Condit (29-7) in Dallas Tyron “T-Wood” Woodley (12-2) schlagen kann; andernfalls könnte die Suche noch etwas weitergehen.

Condit ist seit Jahren eines der beliebtesten und populärsten Gesichter in der UFC, und das nicht ohne Grund – 30 seiner 36 Profi-Kämpfe haben vorzeitig geendet, und meist war es Condit, der auf höchst spektakuläre Weise Fäuste, Schienbeine, Knie oder Ellbogen in den Gesichtern seiner Gegner versenkt hat. Nachdem er zwischen 2009 und 2012 Jake Ellenberger, Rory MacDonald, Dan Hardy, Dong Hyun Kim und Nick Diaz bezwingen konnte, trat er bei UFC 154 im November 2012 gegen Georges St-Pierre um den Weltergewichtstitel an. Zwar musste Condit sich nach 25 Minuten nach Punkten geschlagen geben, seine beherzte Leistung und ein Headkick, der ihm beinahe den Sieg gesichert hätte, brachten dem „Natural Born Kille“ aber eine Menge neue Fans ein. Den gleichen Zweck erfüllte sein Kampf gegen Johny Hendricks einige Monate später. Drei Runden lang lieferten die beiden sich einen hochspannenden Kampf, in dem Condit immer wieder gute Treffer landen konnte, Hendricks dagegen mit Takedowns punktete, die ihm nach 15 Minuten eine hauchdünne Punktentscheidung einbrachten . Im August bog Condit dann mit einem T.K.o.-Sieg gegen Martin Kampmann wieder auf die Siegerstraße ein, die ihn nun mit einem weiteren Sieg zu einem zweiten Titelkampf führen soll.

In Dallas wird Tyron Woodley im Octagon auf ihn warten. Der erfolgreiche College-Ringer wird auch mit einem Sieg voraussichtlich nicht um den UFC-Titel antreten dürfen, kann sich mit einem Erfolg aber in eine sehr gute Position vorarbeiten. In der UFC sah Woodley bisher zwei Mal überragend und ein Mal durchschnittlich aus. Nach einem 36-Sekunden-K.o. gegen Jay Hieron gab „T-Wood“ bei UFC 161 im Juni des vergangenen Jahres eine unspektakuläre, geteilte Punktentscheidung an Jake Shields ab, bevor er im November mit einem krachenden Knockout gegen Josh Koscheck auf die Siegerstraße zurückkehrte. Die Krux für Woodley wird es an diesem Samstag sein, Condit auf dem Boden zu halten und dort genug Schaden anrichten zu können, um den Kampf zu beenden oder eine Punktentscheidung einzufahren. Im Stand ist Woodley dank seiner explosiven Schlagkraft immer gefährlich, allerdings hat Condit in der Vergangenheit ein extrem gutes Kinn bewiesen und u.a. Johny Hendricks gefürchtete Linke mehrfach scheinbar unbeeindruckt geschluckt.

Diego Sanchez vs. Myles Jury
Diese beiden Leichtgewichte sind ein gutes Stück weiter von einem Titelkampf entfernt als die Weltergewichte, die nach ihnen ins Octagon steigen werden, dafür werden Diego „The Dream“ Sanchez (24-6) und Myles „Fury“ Jury (13-0) den Zuschauern in der Halle vor den beiden Hauptkämpfen aller Voraussicht nach noch einmal richtig einheizen.

Diego Sanchez gehört in der UFC mittlerweile zum Mobiliar – der wohl leidenschaftlichste Kämpfer des gesamten, knapp 400 Mann starken Kaders schrieb bereits 2005 als Sieger der ersten „The Ultimate Fighter“-Staffel Geschichte und hat seitdem konstant für höchst unterhaltsame Kämpfe gesorgt. Dabei war der kürzlich zum „Dream“ mutierte „Nightmare“ zwar nicht immer erfolgreich, aber stets spektakulär anzusehen. Egal, ob er sich mit Clay Guida minutenlang Fäuste und Schienbeine um die Ohren haut, rundenlang von BJ Penn verprügelt wird oder sich Schlachten mit Gegnern weit oberhalb seines natürlichen Kampfgewichts liefert - Teil der Faszination Diego Sanchez ist die Tatsache, dass man nie wirklich weiß, welche Version seiner selbst auftaucht. Zuletzt war es ein fokussierter und austrainierter „Dream“, der nach einigen schwabbeligen und wenig ergiebigen Jahren im Weltergewicht im Leichtgewicht wieder eine bessere Figur gemacht hat. Zwar gab er im Oktober bei UFC 166 eine Punktentscheidung an Ex-Strikeforce-Champion Gilbert Melendez ab, auch dieser Kampf nahm in den meisten Kandidatenlisten für den Kampf des Jahres 2013 aber eine Spitzenposition ein.

Am Samstag wird ihm in Form von Myles Jury ein wenig bekannter, aber nichtsdestotrotz harter Gegner bevorstehen. Für „Fury“ Jury ist dies die größte Chance seiner bisherigen Karriere, denn einen Kämpfer vom Rang und Namen eines Diego Sanchez hat er bisher noch nie vor die Fäuste bekommen. Verdient hat der erst 25-Jährige sich diese Chance aber allemal, denn weniger als zwei Jahre nach seinem UFC-Debüt hat der Team Alliance-Kämpfer aus San Diego mit seinem gut ausgewogenen Kampfstil bereits vier Siege im Octagon eingefahren. Nach einem Aufgabe-Sieg gegen Chris Saunders punktete Jury im Dezember 2012 bei UFC 155 den favorisierten Michael Johnson aus, bevor er einige Monate später Ramsey Nijem mit einem einzigen Schlag ausknockte. Bei UFC 165 im vergangenen September folgte dann Sieg Nummer vier, als Jury sich nach drei Runden gegen Mike Ricci eine geteilte Punktentscheidung sicherte.

Jake Shields vs. Hector Lombard
Jake Shields (29-6-1) und Hector “Lightning” Lombard (33-4-1) sind nicht ganz so nah am Weltergewichtsgürtel dran wie Hendricks, Lawler oder Condit, könnten sich mit einem imposanten Sieg am Samstag aber selbst in eine gute Position bringen, kurz bevor die Hackordnung an der Spitze der Gewichtsklasse ordentlich durchgerüttelt wird.

BJJ-Ass Shields hat eines der besten Resümees des gesamten Sports – Siege gegen Kämpfer wie Yushin Okami, Carlos Condit, Robbie Lawler und Dan Henderson lassen unschwer erkennen, dass er an große Erfolge gewöhnt ist. Das interessante an Shields ist allerdings die Tatsache, dass er auf den ersten Blick die meisten seiner Kämpfe verlieren müsste. Seine Fähigkeiten am Boden sind unbestritten, im Stand wirkt der Kalifornier aber auch nach Jahren im Gym bzw. Käfig noch unsicher und steif, und auch auf den Boden kann Shields seine Gegner meist nur mit Mühe verfrachten. Trotzdem gelingt es ihm immer wieder irgendwie, das Octagon als Sieger zu verlassen. Lediglich einen Titelkampf gegen Georges St-Pierre und im Anschluss daran gegen Ellenberger hat Shields in den letzten Jahren eindeutig verloren, wobei drei Wochen vor dem Ellenberger-K.o. Shields Vater und Manager verstorben war.

Am Wochenende wird er einmal mehr auf ein vermeintliches stilistisches Problem stoßen – Ex-Bellator-Champion und Judo-Olympionike Hector Lombard braucht dank 19 (T.)K.o.-Siegen in seiner Bilanz keine weiteren Argumente, um zu verdeutlichen, dass er einer der schlagkräftigsten Kämpfer in der Weltergewichtsklasse der UFC ist. Darüber hinaus hilft ihm sein Judo auf olympischen Level gegen Takedownversuche seiner Gegner, was sich besonders nach seinem Wechsel aus dem Mittel- ins Weltergewicht als Vorteil erweisen sollte.

Bis 85 Kilo hatte „Lightning“ in der UFC zunächst gemischten Erfolg – einer recht ereignislosen und knappen Punktniederlage gegen Tim Boetsch in seinem Debüt folgte ein K.o. gegen Rousimar Palhares, dann allerdings eine weitere unspektakuläre Punktniederlage gegen Yushin Okami. Der anschließende Wechsel ins Weltergewicht kann nach erst einem Kampf zwar noch nicht allzu gut ins Verhältnis gesetzt werden, der Erstrunden-K.o. gegen Nate Marquardt aus dem vergangenen Oktober ist jedoch schon einmal als gutes Zeichen zu werten.

Ovince St. Preux vs. Nikita Krylov
Der erste Kampf des Hauptprogramms wird im Halbschwergewicht ausgetragen – Ovince „OSP“ St. Preux (14-5) und Nikita „Al Capone“ Krylov (16-3) bekommen die Chance, sich vor ungewohnt großem Publikum zu präsentieren.

St. Preux gab nach einer erfolgreichen Karriere bei Strikeforce bei UFC 159 vor einem knappen Jahr sein Octagon-Debüt. Das Ende dieses Kampfes kam vorzeitig, aber unter unglücklichen Umständen zustande, als Gian Villante nach einem unbeabsichtigten Fingerstich ins Auge nicht mehr weitermachen konnte. Der Kampf wurde als technische Punktentscheidung den Punktrichtern überlassen, die das Duell an St. Preux gaben. „OSPs“ zweiter Kampf war dafür alles andere als kontrovers, als der 30-Jährige Cody Donovan im vergangenen August nach nur zwei Minuten K.o. schlug.

Seitdem hat St. Preux nicht mehr gekämpft – Nikity Krylov dagegen gab eine Woche später im Alter von nur 21 Jahren sein UFC-Debüt. Der Kampf gegen Soa Palelei verlief jedoch ganz und gar nicht so, wie die beiden es sich gewünscht hätten. Zwar landeten eine Menge Fäuste in den zwei Gesichtern, allerdings reichte die Luft bei den beiden Debütanten nur für wenige Minuten – danach entwickelte sich das Duell zu einem höchst unansehnlichen Kampf gegen die Erschöpfung, der im Anschluss jede Menge Kritik von allen Seiten auslöste. Sowohl Palelei, der im Dezember Pat Barry in Runde eins ausknockte, als auch Krylov haben ihre suspekte Leistung aus dem August mittlerweile jedoch vergessen machen können. „Al Capone“ traf Walt Harris im Januar nach nur 25 Sekunden des ersten Durchgangs mit einem Headkick, der seinen Gegner auf die Bretter schickte. Nun steht der junge Ukrainer in Dallas vor einer Chance, die er sich noch vor wenigen Monaten nicht hätte Träumen lassen.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 171: Hendricks vs. Lawler
Samstag, 15. März 2014
American Airlines Center in Dallas, Texas, USA

Weltergewichtstitelkampf (UFC Fight Pass)
Johny Hendricks vs. Robbie Lawler

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Carlos Condit vs. Tyron Woodley
Diego Sanchez vs. Myles Jury
Jake Shields vs. Hector Lombard
Ovince St. Preux vs. Nikita Krylov

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Kelvin Gastelum vs. Rick Story
Raquel Pennington vs. Jessica Andrade
Dennis Bermudez vs. Jimy Hettes
Sean Spencer vs. Alex Garcia

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Renee Forte vs. Francisco Trevino
Will Campuzano vs. Justin Scoggins
Robert McDaniel vs. Sean Strickland
Daniel Pineda vs. Robert Whiteford