MMA

Henderson war seit drei Wochen verletzt

(Foto: runnerspace.com)

In den letzten 36 Stunden überschlugen sich die Meldungen rund um Dan Henderson, Jon Jones, und die Absage von UFC 151. Nun wurde bekannt, dass Henderson sich die Verletzung, welche ihn letztlich aus dem Titelkampf gedrängt hat, bereits vor drei Wochen zugezogen hat. Eine brisante Information, die der Frage nach der Verantwortung für die aktuelle Misere eine neue Facette gibt, und außerdem einen unschönen Verdacht aufwirft.

Eins steht fest: Dan Hendersons Muay Thai-Trainer Daniel Wiorin versteht nichts von Pressearbeit. Wenn er das täte, dann hätte er im Interview mit Fighter’s Only nämlich brav genickt, sein Mitleid für alle Beteiligten bekundet, und es bei den üblichen Floskeln belassen. Hat er aber nicht. Stattdessen gab Wiorin ein Detail preis, über dessen Tragweite er sich möglicherweise selbst nicht im Klaren war: Dass nämlich Hendersons Verletzung bereits drei Wochen zurück liegt. "Hendo" habe sich Anfang des Monats beim Sparring verletzt, dann jedoch Zeit nehmen wollen, um zu sehen, ob sein Knie möglicherweise rechtzeitig heilen würde. Erst am 23. August habe er sich entschlossen, die UFC zu informieren.

Diese zeitliche Abfolge wirft ein völlig neues Licht auf die Verteilung der Verantwortlichkeit im gegenwärtigen Fiasko. Hendersons Entscheidung, zunächst Stillschweigen zu bewahren, hat die UFC wertvolle Zeit gekostet – Zeit, in der sie möglicherweise einen anderen Gegner für Jones hätte finden, oder sonst einen adäquaten Ersatzkampf hätte buchen können. Zudem gibt es absolut keine rational nachvollziehbare Begründung für Hendersons Verhalten: Er war ja nicht gezwungen, augenblicklich abzusagen, hätte aber zumindest kommunizieren müssen, dass die Möglichkeit besteht, dass er nicht wird kämpfen können.

Bereits auf Grundlage dieses Umstandes kann die Informationspolitik aus Hendersons Camp nur als in höchstem Maße unprofessionell bezeichnet werden. Bezieht man jedoch die folgenden Gesichtspunkte mit ein, so entsteht ein noch weitaus unschönerer Verdacht:

Chael Sonnen hat mit Dan Henderson für dessen Kampf mit Jones trainiert; er ist zudem privat mit Henderson befreundet. Man kann daher mit durchaus hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Sonnen über Hendos Verletzung bereits seit deren Entstehung Bescheid wusste. Diese Annahme ist vor allem deshalb bedeutsam, weil Sonnen ungefähr zu jener Zeit – also vor etwa zwei bis drei Wochen – anfing, Jon Jones auf Twitter zu provozieren und herauszufordern. Die Fans gingen damals davon aus, dass dies „nur“ Sonnens übliche Masche sei, die er zuvor ja schon gegen Anderson Silva zur Anwendung gebracht hatte.

Doch möglicherweise steckt in diesem Fall mehr dahinter. Wenn Sonnen um Hendersons Verletzung wusste, dann wusste er auch, dass evtl. ein Ersatzgegner nötig werden würde, und begann deshalb schnellstmöglich, sich als solcher in Position zu bringen. Und falls dem tatsächlich so sein sollte, dann hat sich Sonnens Vorbereitung höchstwahrscheinlich nicht nur auf Twitter & Co, sondern auch auf seinen eigenen Körper erstreckt. Sonnen, der bisher als allzeit bereiter Retter in der Not gefeiert wurde, hatte also womöglich schon drei Wochen Zeit, um sich in Form zu bringen, die Stärken und Schwächen von Jones zu studieren und den Gewichtsunterschied zum Champion wenigstens ansatzweise auszugleichen.

Dies ist, wie gesagt, bloße Vermutung. Aber es ist eine Vermutung, die unter den gegebenen Umständen (Sonnens und Hendersons gemeinsames Training, Sonnens Attacken gegen Jones zum Zeitpunkt von Hendersons Verletzung) durchaus nicht unplausibel wirkt. Und es ist eine Vermutung, die womöglich auch Jon Jones bzw. Meisterstratege Greg Jackson angestellt haben werden. Doch alle Spekulationen beiseite, steht wenigstens eines fest:

Hinter Dan Hendersons sträflich langsamer Informationspolitik, Dana Whites chaotisch-cholerischer Krisenkommunikation und der von Anfang an katastrophal schwachen Kampfkarte von UFC 151 belegen Jones und Jackson im "blame game" um die Absage von UFC 151 nur noch einen weit abgeschiedenen vierten Platz.