MMA

Henderson, dos Anjos und Carmont bei der UFC Fight Night 49

Ben Henderson will sich am Samstag mit einem Sieg gegen Rafael dos Anjos zurück in Titelnähe kämpfen. (Foto: Zuffa LLC)

Übersättigung, irgendjemand? Zum dritten Mal in drei Monaten dehnt die UFC ihre Ressourcen und veranstaltet zwei Events an einem Wochenende auf zwei entgegengesetzten Seiten der Welt.

Im Gegensatz zur 48. Ausgabe der Fight Night-Serie, die wegen der Zeitverschiebung in Deutschland bereits zur Mittagszeit beginnt, stehen in Tulsa, Oklahoma für Nummer 49 allerdings ein paar bekannte Gesichter mehr auf dem Programm. Neben den Hauptkämpfern , Ben Henderson und Rafael dos Anjos, werden wir aus dem BOK Center im mittleren Westen der USA neben vielen anderen Mike Pyle, Jordan Mein, Francis Carmont, Thales Leites und Max Holloway in Aktion zu sehen bekommen.

Der Event kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab monatlich 5,99 Euro auf ufc.tv erhältlich ist.

Ben Henderson vs. Rafael dos Anjos
Armer Ben Henderson (21-3): „Smooth“ kann so ziemlich jedes Leichtgewicht dieser Welt schlagen, hat aber zwei große Probleme: Zum einen ist der aktuelle Champion seit über einem Jahr verletzt und wird nicht vor Dezember in den Käfig zurückkehren, wobei sein nächster Gegner bereits feststeht, zum anderen wurde Henderson von Titelträger Anthony Pettis bereits zwei Mal geschlagen. Dem 30-Jährigen aus Arizona bleibt also kaum etwas anderes übrig, als die Leiter ganz langsam wieder aufzusteigen und sich eines meist allgemein unterschätzten Top Ten-Gegners nach dem anderen zu entledigen.

Als nächstes steht Rafael dos Anjos (21-7) auf dem Programm: der 29-jährige Brasilianer ist bereits seit 2009 Teil der UFC;  mit einer mitleiderregenden K.o.-Niederlage gegen Jeremy Stephens startete seine Karriere im Octagon bei UFC 91 jedoch mit einem Desaster. Ein halbes Jahr später ging es mit einer Punktniederlage gegen Tyson Griffin nur unwesentlich besser weiter, bevor dos Anjos seinen Rhythmus fand und nacheinander Rob Emerson, Kyle Bradley und Terry Etim schlug. Mit Ausnahme einer durch einen gebrochenen Kiefer verursachten Niederlage gegen Clay Guida und einer knappen Punktniederlage gegen Gleison Tibau konnte dos Anjos seitdem sechs von sieben Kämpfen gewinnen, u.a. gegen Anthony Njokuani, Mark Bocek, Evan Dunham und Donald Cerrone.

Nun wird ihm jedoch in Form von Ben Henderson die wohl größte Herausforderung seiner Karriere gegenübertreten – der Ex-Champion hat in sechzehn WEC- und UFC-Kämpfen lediglich zwei Mal gegen Anthony Pettis verloren: das erste Mal nahm Pettis ihm seinen WEC-Gürtel per knappem Punktentscheid ab, das zweite Mal seinen Titel in der UFC durch Aufgabe in der ersten Runde. Einen Rückkampf gegen „Showtime“ zu bekommen, dürfte also schwer werden für Henderson, der momentan so etwas wie der Junior dos Santos des Leichtgewichts ist. Im Unterschied zum ehemaligen Schwergewichtschampion konnte „Smooth“ seinen Leichtgewichtstitel allerdings einige Male verteidigen und könnte sich nach Erfolgen gegen Josh Thomson und Rustam Khabilov mit einem dritten Sieg in Folge möglicherweise schon wieder in die Nähe der Spitzenplätze bewegen.

Mike Pyle vs. Jordan Mein
Ursprünglich hätten an dieser Stelle Thiago Alves und Jordan „Young Gun“ Mein (28-9) aufeinandertreffen sollen. Wie so oft bei auf dem Papier spannenden Ansetzungen machte jedoch das Verletzungspech dem Spaß einen Strich durch die Rechnung und zwang Alves zu einer Operation, genau wie den Ersatz, Brandon Thatch. Die neue Ansetzung ist allerdings nicht großartig schlechter, denn mit Mike „Quicksand“ Pyle (26-9-1) hat die UFC einen stets gefährlichen Veteranen gefunden, der nicht zum ersten Mal ein aufstrebendes Talent ausbremsen würde. In seinem wohl beeindruckendsten Sieg bisher dominierte „Quicksand“ den Briten John Hathaway 2010 in London nach Strich und Faden. Zwar wurde er seitdem mit Rory MacDonald und Matt Brown von zwei Top-Kämpfern der Gewichtsklasse (T.)K.o. geschlagen, konnte aber auch sechs weitere Siege einfahren, vier davon selbst durch (technischen) Knockout.

Nun wird er mit Jordan Mein erneut auf ein hoch gehandeltes Talent treffen – obwohl er erst 24 Jahre alt ist, stand der Kanadier bereits 37 Mal im Ring oder Käfig und konnte 28 seiner Kämpfe gewinnen, vier davon bei Strikeforce bzw. in der UFC. Nachdem er in seinem Octagon-Debüt im März 2013 Dan Miller technisch K.o. schlagen konnte, rannte er wenig später in Form von Matt Brown bereits einmal gegen eine Wand und muss gegen Pyle nun beweisen, dass er auch gegen die besseren Kämpfer seiner Gewichtsklasse bestehen kann.

Francis Carmont vs. Thales Leites
Ebenfalls in Tulsa wird der in der UFC seltene Fall eintreten, in dem ein Kämpfer mit sechs aufeinanderfolgenden Siegen im Rücken auf einen mit zwei aufeinanderfolgenden Niederlagen trifft. Francis „Limitless“ Carmont (22-9) eröffnete seine UFC-Karriere selbst mit sechs Siegen in Folge, wurde in diesem Jahr allerdings nacheinander von „Jacare“ Souza und in Berlin von C.B. Dollaway ausgepunktet. Zwar ist der Tristar-Kämpfer in keinem der beiden Duelle untergegangen, gegen Thales Leites (23-4) muss für den französischstämmigen Wahl-Kanadier nun aber trotzdem wieder ein Sieg her.

Noch vor wenigen Jahren hätte das als sehr machbare Aufgabe gegolten, im Gegensatz zu vielen anderen Kämpfern, die ihren 30. Geburtstag bereits hinter sich haben, ist das brasilianische BJJ-Ass aber mit der Zeit stärker geworden. Nach einer unspektakulären Punktniederlage in einem Titelkampf gegen Anderson Silva und einer weiteren gegen Alessio Sakara wurde Leites 2009 zunächst von der UFC entlassen, gewann danach aber sechs von sieben Kämpfen, was ihm im vergangenen Jahr die Rückkehr ins Octagon bescherte. Dort konnte Leites bisher Tom Watson, Ed Herman und Trevor Smith schlagen, wobei vor allem der Erstrunden-T.K.o. gegen Smith zeigt, dass Leites mittlerweile nicht mehr nur auf der Matte, sondern auch auf den Beinen eine Gefahr darstellt.

Max Holloway vs. Clay Collard
Mit Max “Blessed” Holloway (9-3) und Mirsad Bektic hätten hier am Samstag eigentlich zwei äußerst talentierte und sehr unterhaltsame Federgewichts-Hoffnungen gegeneinander antreten sollen, Bektic verletzte sich jedoch im Training und wurde von Clay „Cassius“ Collard (13-4-0(1)) ersetzt.

Holloway debütierte im Februar 2012 mit nur vier Profi-Kämpfen auf dem Buckel in der UFC – „damals“ eine absolute Rarität. Der Kampf gegen Dustin Poirier verlief dann auch nicht ganz so wie geplant, als Holloway in der ersten Runde zur Aufgabe gezwungen wurde. Seitdem hat der erst 22-Jährige sich allerdings in der UFC etabliert – fünf Siege hat er seit der Debüt-Niederlage angesammelt, u.a. gegen Leonard Garcia und Andre Fili. Nach Punktniederlagen gegen Dennis Bermudez und Conor McGregor im vergangenen Jahr will „Blessed“ diese Negativserie nun mit seinem dritten Sieg in Folge endgültig hinter sich lassen

Collard aus dem Pit Elevated Team, in dem u.a. auch Court McGee und Ramsey Nijem unter der Leitung von Chuck Liddell-Trainer Jon Hackleman trainieren, ist seit 2011 so gut wie ungeschlagen. Neben einem No Contest wegen eines positiven Drogentests hat Collard in diesem Zeitraum lediglich gegen UFC-Veteran Justin Buchholz verloren, den er ein Jahr später in einem Rückkampf schlagen konnte.

James Vick vs. Valmir Lazaro
Von James „The Texecutioner“ Vick (5-0) wurde nicht viel erwartet, als er 2012 in der ersten Runde der „The Ultimate Fighter: Live“-Staffel gegen Daron Cruiskshank antrat. Als Cruickshank jedoch just dann zu einem Takedown ansetzte, als Vick gerade einen Kick landen wollte, trafen sich Cruickshanks Kinn und Vicks Knie in der Mitte, was ersteren umstandslos zu Boden gehen ließ. Einen weiteren Sieg gegen Joe Proctor später beendete der schlussendliche Sieger, Michael Chiesa, allerdings den Weg zum Staffelsieg. Nach einer längeren Verletzungspause stieg der „Texecutioner“ im August 2013 zum ersten Mal ins „echte“ Octagon, wo er Ramsey Nijem nach nur 58 Sekunden der ersten Runde mit einem Guillotine Choke zum Abklopfen zwang.

Nun wird er, fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Sieg gegen Nijem, auf den UFC-Neuling Valmir „Bidu“ Lazaro (12-2) treffen. Lazaro verlor zwei seiner ersten drei Profi-Kämpfe, hat seitdem aber elf Kämpfe nacheinander gewonnen und konnte dabei acht seiner Gegner ausknocken. Zwar schmückt auch der eine oder andere Erstkämpfer dieses Gegner-Resümee, ebenso sind in seiner Bilanz aber auch der UFC-Veteran Chris Wilson sowie einige andere solide Gegner zu finden. Nun bekommt der Nova Uniao-Kämpfer seine langersehnte Chance im Octagon – man darf gespannt sein, ob James Vick das zwölfte Opfer von „Bidus’“ aktueller Siegesserie werden wird.

Chas Skelly vs. Tom Niinimäki
Im Federgewicht werden zwei weitere Kämpfer mit Talent aufeinandertreffen, die allerdings ihren jeweils letzten Kampf verloren haben und daher am Samstag unter Zugzwang stehen. Chas „Scrapper“ Skelly (11-1), ein Trainingspartner von Weltergewichtschampion Johny Hendricks, hat seinem Spitznamen bisher alle Ehre gemacht und acht seiner elf Siege vorzeitig eingefahren, sechs davon durch Aufgabe. Sein UFC-Debüt im April lief dann allerdings nicht ganz so wie geplant, als Mirsad Bektic ihn nach drei Runden knapp nach Punkten schlug.

Niinimäki gab sein Debüt im vergangenen November in Las Vegas, als er mit einem Punktsieg gegen den talentierten Grappler Rani Yahya ein Ausrufezeichen setzte und sich als vielversprechender Newcomer präsentierte. Unglücklicherweise nutze am 31. Mai in Berlin der Schwede Niklas Bäckström dieses Momentum für sich selbst aus, als er Niinimäki in der ersten Runde zur Aufgabe zwang. Ein enttäuschendes Ergebnis für „Stoneface“, der sich nun gegen Skelly wieder zurück auf die Erfolgsstraße kämpfen will.

Vorprogramm:
Im letzten Kampf des Vorprogramms werden Schlagkraft und Momentum aufeinandertreffen: Neil Magny (11-3) stand zu Anfang des Jahres kurz vor seiner Entlassung aus der UFC, konnte seit Februar aber drei Siege in Folge gegen Gasan Umalatov, Tim Means und Rodrigo de Lima einfahren und wird damit mit einer Menge Selbstbewusstsein und Routine in seinen Kampf gegen Alex „The Dominican Nightmare“ Garcia (12-1) gehen. Garcia ist kämpferisch das genaue Gegenteil von Magny, einem schlaksigen und ausdauernden Kämpfer. Garcias Arme sind ungefähr so dick wie Magnys Oberschenkel und seine Fäuste um einiges gefährlicher, dafür geht dem Wahl-Kanadier gerne die Luft aus, wenn der Kampf nicht vor Ende der zweiten Runde vorbei ist. Bisher ist der Tristar-Kämpfer damit gut durchgekommen, mit Magny steht ihm nun jedoch der wohl bisher fähigste Gegner gegenüber, der eine solche Schwäche gnadenlos ausnutzen könnte.

In seinem UFC-Debüt zu beeindrucken, ist nicht wirklich leicht, Beneil Dariush (7-1) allerdings hat es im Januar so aussehen lassen – nach nicht einmal zwei Minuten der ersten Runde schlug er den Veteranen Charlie Brenneman, der in der UFC u.a. Rick Story besiegt hatte, nieder und ließ ihn in einem Rear Naked Choke abklopfen. Perfekter hätte dieser Abend nicht ausgehen können, nur drei Monate später jedoch folgte gegen Ramsey Nijem das böse Erwachen, als dieser Dariush seinerseits in der ersten Runde durch T.K.o. abfertigte. Nun muss der 25-Jährige wieder zurück auf die Siegerstraße finden – ein Ziel, das auch Tony Martin (8-1) verfolgt. Das Leichtgewicht aus dem American Top Team gewann seine ersten acht Profi-Kämpfe in weniger als zwei Jahren, wurde im Februar jedoch bei UFC 169 von Rashid Magomedov ausgepunktet.

Ebenfalls am Samstag wollen Matt „The Crowbar“ Hobar (8-2) und Aaron „The Model“ Phillips (5-1) ihre erfolglosen UFC-Debüts vergessen machen und im zweiten Anlauf endlich den ersten Sieg im Octagon einfahren. Phillips gewann seine ersten fünf Profi-Kämpfe, drei davon durch (T.)K.o., bevor er im Mai bei UFC 173 von Sam Sicilia ausgepunktet wurde. Hobar dagegen stand vor seinem Octagon-Debüt bereits neun Mal im Käfig, hatte dann jedoch das zweifelhafte Vergnügen, gegen den hoch talentierten Pedro Munhoz antreten zu dürfen, der ihn in der ersten Runde technisch K.o. schlug.

Im Weltergewicht wird ein für langjährige Fans vielleicht noch bekanntes Gesicht sein Comeback feiern: Ben „Killa B“ Saunders (16-6-2) hat bereits zwischen 2007 und 2010 in der UFC gekämpft und war u.a. Teil des Vorprogramms von UFC 99, dem ersten Besuch des Octagons auf deutschem Boden. Diesen Kampf im Sommer 2009 verlor er jedoch durch technischen Knockout gegen Mike Swick, und auf einen K.o.-Sieg gegen Marcus Davis folgten später weitere Niederlagen gegen Jon Fitch und Dennis Hallman, die Saunders letztendlich seine Entlassungspapiere bescherten. Seitdem hatte „Killa B“ bei Bellator sieben Kämpfe gewonnen und kehrt nun mit nur wenigen Wochen Vorbereitungszeit an seine alte Arbeitsstätte zurück. Ihm gegenüber wird dabei Chris „Stump“ Heatherly (8-1-0(1)) stehen, der bisher in zehn Kämpfen nur ein Mal von Alex Garcia besiegt wurde und die Hälfte seiner Siege durch Aufgabe eingefahren hat. Mit Saunders steht dem Debütanten dabei ein Veteran mit einem, wenn auch nicht mehr überaus bekanntem, Namen gegenüber – ein Sieg wäre für Heatherly am Samstag also doppelt lohnend.

Im ersten Kampf des Abends wird der Brasilianer Wilson Reis (17-5) auf den Debütanten Joby Sanchez (6-0) treffen. Reis’ eigenes Debüt ist noch kein Jahr her – bei UFC 165 in Toronto bezwang er den Veteranen Ivan Menjivar nach Punkten, bevor er selbst eine knappe Entscheidung an Yuri Alcantara abgab und sein Glück nun in der Fliegengewichtsklasse suchen wird. Dort will es auch Joby Sanchez zu etwas bringen, nachdem der Greg Jackson-Protegé jeden seiner sechs bisherigen Profi-Kämpfe durch T.K.o. oder Aufgabe gewinnen konnte.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 49: Henderson vs. dos Anjos
Samstag, 23. August 2014
BOK Center in Tulsa, Oklahoma, USA

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Ben Henderson vs. Rafael dos Anjos
Mike Pyle vs. Jordan Mein
Francis Carmont vs. Thales Leites
Max Holloway vs. Clay Collard
James Vick vs. Valmir Lazaro
Chas Skelly vs. Tom Niinimäki

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Neil Magny vs. Alex Garcia
Beneil Dariush vs. Tony Martin
Aaron Phillips vs. Matt Hobar
Ben Saunders vs. Chris Heatherly
Wilson Reis vs. Joby Sanchez