MMA

Gunnar Nelson, Rick Story und Dennis Siver bei UFC Schweden

Gunnar Nelson wird am Samstag seinen ersten UFC-Hauptkampf gegen Rick Story bestreiten (Foto: Zuffa LLC).

Zum dritten Mal wird die UFC am kommenden Samstag in Skandinavien Halt machen – kurzzeitig war vor einigen Monaten die Idee im Gespräch, den ursprünglich geplanten Rückkampf zwischen Jon Jones und Alexander Gustafsson in Schweden abzuhalten, letztlich ist es nun aber doch nur eine Fight Night geworden.

Ein weiteres Mal veranstaltet die Organisation dabei zwei Events an einem Tag auf unterschiedlichen Kontinenten – nur wenige Stunden nach UFC Stockholm werden sich auf der anderen Seite des Atlantiks im kanadischen Halifax die Pforten des Octagons öffnen.

Die UFC Fight Night 53 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der im Abo ab monatlich 5,99 Euro auf ufc.tv erhältlich ist.

Gunnar Nelson vs. Rick Story
Mixed Martial Arts sind in Island immer noch verboten, laut eigener Aussage halten sich die Insel-Bewohner daher gerne an ihre schwedischen (Fast-) Nachbarn, wenn es um professionelle Kämpfe im Käfig geht. Etwas ironisch also, dass der Vorreiter des isländischen MMA am kommenden Wochenende die dritte UFC-Show des skandinavischen Landes anführen wird. Für Gunnar „Gunni“ Nelson (13-0-1) wird sein Kampf gegen Rick „The Horror“ Story (17-8) der erste Hauptkampf seiner immer noch recht jungen UFC-Laufbahn sein.

„Gunni“ debütierte im September 2012 bei UFC Nottingham im Octagon, wo er eigentlich auf Pascal Krauss treffen sollte, der jedoch mit einer Schulterverletzung absagen musste. Stattdessen trat Nelson gegen DaMarques Johnson an und fertigte den „The Ultimate Fighter“-Veteranen in nur dreieinhalb Minuten durch Aufgabe ab. Es folgten zunächst ein Punktsieg gegen Jorge Santiago und anschließend eine über einjährige, verletzungsbedingte Pause. Seitdem Nelson im März dieses Jahres wieder aktiv ist, konnte er dafür jedoch noch stärker überzeugen als zuvor – Aufgabe-Siege gegen Omari Akhmedov und Zak Cummings haben dem BJJ-Ass und Karate-Schwarzgurt nun seinen ersten Hauptkampf und damit einhergehend die meiste Aufmerksamkeit seiner bisherigen Karriere eingebracht.

Dieses Momentum wird Rick Story versuchen zu stehlen. Der 30-Jährige debütierte 2009 in Köln in der UFC, wo er eine Punktentscheidung an John Hathaway abgeben musste. Seitdem lief es mal besser und mal schlechter für den Ringer-Experten, der sich im Laufe von 16 Kämpfen aber Siege u.a. gegen Thiago Alves, Brian Ebersole und den aktuellen Champion Johny Hendricks sichern konnte. In Stockholm will Story seine Aggressivität, Zähigkeit und die harten Fäuste dazu nutzen, um den Hype um Nelson ins Stocken und sich selbst in eine Top-Position in der Gewichtsklasse zu bringen. Ob diese Attribute für einen Sieg reichen werden, bleibt abzuwarten – dass Nelson alle Hände voll zu tun haben wird, ist aber wohl unumgänglich.

Akira Corassani vs. Max Holloway
Im Co-Hauptkampf hätte der Schwede Hamid “Akira” Corassani (12-4-0(1)) eigentlich auf den „Korean Zombie“, Chang Sung Jung treffen sollen. Der größte Name auf dem Programm musste jedoch mit einer Schulterverletzung absagen. An seine Stelle rückte Max „Blessed“ Holloway (10-3), ein mit 22 Jahren immer noch sehr junger Kämpfer, der 2012 mit nur vier Kämpfen auf dem Buckel in die UFC kam und sich dort in bisher neun Auftritten schon so etwas wie einen Veteranenstatus erarbeitet hat. Nach einer Niederlage gegen Dustin Poirier in seinem kurzfristig gebuchten Debüt verlor „Blessed“ dabei bisher lediglich nach Punkten gegen Dennis Bermudez und Conor McGregor, konnte darüber hinaus aber sechs Siege einfahren, u.a. gegen Leonard Garcia und Andre Fili. Geholfen hat ihm dabei vor allem sein technisch sauberes Thaiboxen, das mit fortschreitender Zeit von stets besser werdenden Fähigkeiten am Boden und im Ringen abgerundet wird.

In seinem ersten Co-Hauptkampf wird der Hawaiianer nun hinter feindlichen Linien auf Akira Corassani treffen. Corassani ist langjährigen UFC-Fans seit der 14. TUF-Staffel ein Begriff, in der er sich mit einer großen Klappe nicht nur Fans machte. In die UFC kam er trotzdem, und dort hatte der 32-Jährige bisher auf dem Papier weitaus mehr Erfolg als die meisten Beobachter im Vorfeld erwartet hätten. Drei Siegen gegen Andy Ogle, Robbie Peralta und Maximo Blanco, steht lediglich eine Niederlage gegen Dustin Poirier gegenüber, wobei die Punktentscheidung gegen Ogle bestenfalls fragwürdig war und der Sieg gegen Blanco durch Disqualifikation zustande gekommen ist. Somit muss sich Corassani immer noch beweisen, und die perfekte Chance dazu wird er am kommenden Wochenende bekommen.

Ilir Latifi vs. Jan Blachowicz
Im Halbschwergewicht wird es in Stockholm zu einem europäischen Duell mit hoher Relevanz kommen, wenn Ilir „The Sledgehammer“ Latifi (9-3) versuchen wird, seinen dritten UFC-Sieg gegen den bisherigen KSW-Champion Jan Blachowicz (17-3) zu sichern, der hier sein UFC-Debüt geben wird. Mit Latifi bekommt er dabei aber keineswegs einen Aufbaugegner. Der Schwede mit albanischen Wurzeln gab 2013 ein erinnerungswürdiges UFC-Debüt – eine Woche vor dem Event stand Latifi noch nicht einmal bei der UFC unter Vertrag. Wenige Tage vor Alexander Gustafssons Kampf gegen Gegard Mousasi verletzte sich der schwedische Superstar jedoch und Latifi sprang als Ersatz ein. Drei Runden lang konnte er letztlich zwar kaum etwas gegen Mousasi ausrichten, zeigte aber Herz und eroberte sich so einige neue Fans. Nach einer beinahe einjährigen Pause kehrte Latifi in diesem Jahr ins Octagon zurück und zeigte seitdem, was wirklich in ihm steckt: Weder Cyrille Diabaté noch Chris Dempsey konnten seinem Ansturm widerstehen und verloren jeweils in Runde eins durch Aufgabe bzw. K.o.

Nun Sieg Nummer drei her, eine leichte Aufgabe wird dieser Kampf aber nicht, obwohl er mit Blachowicz hier gegen einen UFC-Debütanten antreten wird. Der 31-Jährige war Titelträger und mehrfacher Turniersieger der polnischen Premium-Organisation KSW und hat in seinen letzten vier Kämpfen vier UFC-Veteranen ausgeschaltet: Gegen Rameau Thierry Sokoudjou gewann er zunächst den KSW-Halbschwergwichtsgürtel, bevor er ihn gegen Mario Miranda, Houston Alexander und zuletzt Goran Reljic drei Mal verteidigte. Der Sieg gegen Reljic ist mittlerweile allerdings eineinhalb Jahre her und seitdem hat Blachowicz verletzungsbedingt nicht mehr im Käfig gestanden – am Tag seines letzten Kampfes hat Georges St-Pierre seinen Weltergewichtstitel gegen Nick Diaz verteidigt und Anderson Silva schien auf absehbare Zeit der dominanteste Mittelgewichtschampion in der Geschichte der UFC zu bleiben. Nun ist es für Blachowicz also an der Zeit, seine eigene Geschichte weiterzuschreiben.

Niklas Bäckström vs. Mike Wilkinson
Eröffnet wird das Hauptprogramm von einem Kampf im Federgewicht. Mit Niklas Bäckström (8-0-0(1)) wird dabei eines der interessantesten jungen Talente der Federgewichtsklasse vor heimischem Publikum seinen zweiten UFC-Kampf bestreiten. Nach sieben Siegen in der europäischen Szene, zuletzt einem 15-Sekunden-Knockout gegen den Frankfurter Max Coga, sprang Bäckström im Mai mit nur wenigen Wochen Vorbereitungszeit für den verletzten Thiago Tavares gegen den Finnen Tom Niinimäki ein. Lediglich knapp vier Minuten brauchte der Debütant an jenem Abend in Berlin, um seinen favorisierten Gegner mit dessen eigenen Waffen zu schlagen und ihn per Headlock zur Aufgabe zu zwingen.

In seiner Wahlheimat Stockholm wird er nun auf den Engländer Mike „The Warrior“ Wilkinson (8-1) treffen. Die Ansetzung ist insofern etwas ungewöhnlich, als dass Wilkinson seinen letzten Kampf gegen Rony Jason in der ersten Runde durch Aufgabe verloren hat und seitdem eineinhalb Jahre lang nicht mehr im Octagon stand. Auf der anderen Seite hat der „Warrior“ zuvor acht Kämpfe am Stück gewonnen, sechs davon vorzeitig durch Aufgabe oder T.K.o. Mit Bäckström wird ihm am Samstag eine weitere große Herausforderung gegenüberstehen – im Falle eines Sieges kann Wilkinson dafür jedoch sowohl die bittere Niederlage als auch die lange Pause vergessen machen und mit einem Knall ins Rampenlicht zurückkehren.

Vorprogramm
Im letzten Kampf des Vorprogramms wird Mittelgewicht Magnus „Jycken“ Cedenblad (12-4) vor heimischer Kulisse den Schotten Scott Askham (12-0) testen, der hier sein UFC-Debüt geben wird. Cedenblad verlor in Stockholm im Frühjahr 2012 sein UFC-Debüt gegen Francis Carmont, konnte seitdem aber Jared Hamman und Krzysztof Jotko durch Aufgabe besiegen. Am Samstag wird er Askham in der UFC begrüßen – der Schotte ist mit 1,90m einerseits sehr groß für das Mittelgewicht, damit andererseits aber genauso hoch wie Cedenblad, womit beide auf einen ansonsten gewohnten Vorteil verzichten werden müssen. Askham ist momentan in sechs Amateur- und zwölf Profikämpfen ungeschlagen und konnte neben zwei Aufgabe-Siegen ganze sieben Kämpfe durch (T.)K.o. beenden – im Duett mit Cedenblad darf man sich am Samstag daher wohl auf Feuerwerke freuen.

Zuvor wird im Weltergewicht Nico Musoke (12-3) zum vierten Mal ins Octagon steigen. Vor einem knappen Jahr sprang der Schwede kurzfristig gegen den Veteranen Alessio Sakara ein und zwang den Veteranen bei UFC Manchester in der ersten Runde zur Aufgabe. Als „Dank“ durfte er wenige Monate später nach Brasilien reisen, um dort gegen den Lokalmatadoren Viscardi Andrade zu kämpfen. Entgegen der Quoten bezwang Musoke den Brasilianer jedoch nach Punkten, obwohl er zu Beginn des Kampfes beinahe ausgeknockt worden wäre.  Ähnliches ist ihm auch im Kampf gegen Sakara passiert, man sollte in der Anfangsphase des Kampfes gegen Alexander „Bad Boy“ Yakovlev (21-5-1) also aufmerksam zuschauen. Der gebürtige Russe debütierte im Mai als kurzfristiger Ersatz gegen den stark favorisierten Demian Maia in der UFC und gab nach drei Runden eine klare Punktentscheidung ab – in den Kampf gegen Musoke wird er also vermutlich mit einer Menge zusätzlicher Motivation gehen.

Zehn Monate lang saß Dennis Siver (21-9) gezwungenermaßen auf der Ersatzbank, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er vor seinem letzten Kampf, einem einstimmigen Punktsieg gegen Manny Gamburyan bei UFC 168, eine verbotene Substanz zur Steigerung der Testosteronproduktion eingenommen hatte. Eigentlich hätte der Kickbox-Experte aus Mannheim nach Absitzen der Sperre am Samstag auf Robert Whiteford treffen sollen, der Schotte sagte jedoch verletzt ab und wurde zunächst durch den Franzosen Tyler Lapilus ersetzt. Dieser wurde jedoch kurze Zeit später von der Swedish Mixed Martial Arts Federation (SMMAF) aufgrund fehlender Erfahrung unter dem international gültigen MMA-Regelwerk für untauglich erklärt und seinerseits durch den American Top Team-Kämpfer Charles Rosa (9-0) ersetzt. Der 28-jährige Amerikaner hat jeden seiner Kämpfe vorzeitig gewonnen und wird in Stockholm versuchen, Dennis Sivers Namen für seine eigene Karriere zu nutzen. Siver dagegen ist nach der Umwandlung seines Sieges in einen No Contest offiziell in seinen letzten zwei Kämpfen sieglos und wird seinerseits nach der Zwangspause hochmotiviert in den Käfig steigen.

Cathal „The Punisher“ Pendred (14-2-1) gilt als einer der vielversprechendsten MMA-Kämpfer Irlands, hatte zuletzt aber stärker zu kämpfen als erwartet. Der Teamkollege von Gunnar Nelson, Conor McGregor und Paddy Holohan stieg mit sieben Siegen in seinen letzten acht Kämpfen im Rücken in der UFC ein, schied während der 19. TUF-Staffel jedoch gegen den späteren Gewinner Eddie Gordon aus. In seinem eigentlichen UFC-Debüt im Juli in Dublin gelang es Mike King darüber hinaus beinahe, Pendred auszuknocken, der den frühen Ansturm jedoch überstand und den Kampf durch Aufgabe beendete. All dem Drama soll nun gegen Gasan „Cobra“ Umalatov (15-3) ein glasklarer und restlos überzeugender Sieg folgen, der 31-jährige Russe will jedoch selbst auf seinen ersten UFC-Sieg aufbauen. Nach einer Niederlage gegen Neil Magny in seinem Debüt punktete Umalatov im Mai den brasilianischen Veteranen Paulo Thiago in dessen Heimatland aus.

Für Tor „The Hammer“ Troeng (16-6-1) wird es am Samstag um seinen Verbleib in der UFC gehen. Der Bibliothekar galt während der 17. TUF-Staffel als eine Art Geheimfavorit, konnte sein Potential dort und später in der UFC aber nie so wirklich realisieren. Nach dem Aus in der Reality-Serie verlor 31-Jährige zwei seiner bisher drei Kämpfe gegen Rafael Natal und Travis Smith. Gegen Krzysztof Jotko (14-1) muss daher dringend ein Sieg her, auch der 25-jährige Pole steht allerdings etwas unter Druck. Zwar konnte er sein UFC-Debüt im vergangenen Dezember mit einem Punktsieg gegen Bruno Santos gewinnen, verlor aber im Mai in Berlin durch Aufgabe gegen Magnus Cedenblad. 

Im Leichtgewicht wird der Wahl-Wiener Mairbek „Beckan“ Taisumov (21-5) versuchen, seine erste Karriere-Niederlage vergessen zu machen, indem er dem Polen Marcin „Bomba“ Bandel (13-2)  sein UFC-Debüt versaut. Taisumov, der mittlerweile meist im Tiger Muay Thai Gym in Thailand trainiert, gab seinen eigenen UFC-Einstand im Januar, als er den koreanischen Thaiboxspezialisten Tae Hyun Bang nach Punkten schlug. Darauf folgte jedoch eine etwas überraschende Punktniederlage gegen Michel Prazeres, weshalb in Stockholm nun wieder ein Sieg her muss. Im Ericsson Globen wird „Beckan“ jedoch auf seine Beine Acht geben müssen, denn auf die wird es Marcin Bandel mit einiger Sicherheit abgesehen haben. Der polnische BJJ-Experte, der sich auf Beinhebel spezialisiert hat und damit bisher sechs Gegner bezwingen konnte, lebte und trainierte einige Zeit lang in Halle an der Saale beim La Familia Fightclub und gewann 2013 den Mittelgewichtstitel von GMC.

Im ersten Kampf des Abends wird im Federgewicht Zubaira „Warrior“ Tukhugov (16-3) auf Ernest „EJ“ Chavez (7-1) treffen. Tukhugov hat sieben Kämpfe nacheinander gewonnen, u.a. sein UFC-Debüt im Februar in Brasilien gegen den Lokalmatadoren Douglas Silva de Andrade. Chavez debütierte im Februar ungeschlagen in der UFC und setzte seine Siegesserie mit einem geteilten Punktsieg gegen Yosdenis Cedeno bei UFC 170 fort, verlor jedoch im Mai durch Aufgabe gegen Elias Silveiro.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 53: Nelson vs. Story
Samstag, 4. Oktober 2014
Ericsson Globe Arena in Stockholm, Schweden

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Gunnar Nelson vs. Rick Story
Akira Corassani vs. Max Holloway
Ilir Latifi vs. Jan Blachowicz
Niklas Bäckström vs. Mike Wilkinson

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Magnus Cedenblad vs. Scott Askham
Nico Musoke vs. Alexander Yakovlev
Dennis Siver vs. Charles Rosa
Cathal Pendred vs. Gasan Umalatov
Tor Troéng vs. Krzysztof Jotko
Mairbek Taisumov vs. Marcin Bandel
Zubaira Tukhugov vs. Ernest Chavez