MMA

Goran Reljic: Ich will um den KSW-Titel kämpfen!

Goran Reljic (l.) beim Wiegen gegen Karol Celinski bei KSW 26. (Foto: Dorian Szücs/Groundandpound.de)

Der kroatische MMA-Veteran Goran „Ghost“ Reljic befindet sich momentan in einer interessanten Situation – nachdem er zu Beginn seiner Karriere durch die europäische Szene gefegt ist, unterzeichnete er 2008 bei der UFC. Nach drei Niederlagen im Octagon wurde er vom Marktführer jedoch vor die Tür gesetzt und kehrte in die europäische Szene zurück.

Nachdem er dort drei Gegner nacheinander überzeugend schlagen konnte, trat Reljic im März 2013 um den prestigeträchtigen Halbschwergewichtsgürtel der polnischen Organisation KSW an, allerdings war Jan Blachowicz an diesem Abend einfach zu viel für den „Ghost“. Reljic jedoch ließ sich von diesem Rückschlag nicht seine Träume zerstören, und nachdem er in den vergangenen sechs Monaten Nikolay Osokin und Karol Celinski schlagen konnte, will der Kroate nun eine zweite Chance auf den Gürtel, den er seiner Meinung nach schon seit einem Jahr sein Eigen hätte nennen können:

Grounandpound.de: Wie sieht deine vertragliche Situation momentan aus? Stehst du bei KSW unter Vertrag, oder kämpfst du dort nur in unregelmäßigen Abständen und verhandelst für jeden Kampf neu?
Goran Reljic: Ich habe einen Vertrag über mehrere Kämpfe bei Martin Lewandowski unterschrieben, als er vor etwa einem Jahr wollte, dass ich gegen Jan Blachowicz antrete.

Aber du darfst in der Zwischenzeit auch anderswo antreten?
Ja.

Ziehst du eine Situation wie diese, in der du deine Karriere gewissermaßen selbst lenken kannst, einem festen Vertrag mit einer einzigen Organisation vor, obwohl du dann nicht für andere Promotionen kämpfen dürftest?
Ich würde lieber bei einer einzigen Organisation unter Vertrag stehen, aber dazu bräuchte es einen guten Vertrag, der mir einige Garantien liefern müsste. Zum Beispiel, dass ich alle zwei oder drei Monate in den Ring steigen könnte. Es würde mein Training vereinfachen, wenn ich es so organisieren könnte.

Ist es für dich schwierig, Kämpfe zu finden?
Auf jeden fall, es ist in Europa schwer für mich, Gegner zu finden.

Wie bewertest du deine Erfahrungen mit KSW? Kannst du sie mit anderen Organisationen vergleichen?
Meine Erfahrungen mit KSW sind tatsächlich die besten, die ich je mit einer MMA-Organisation machen durfte. Die Menschen in Polen sind wunderbar, genau wie ihre Gastfreundschaft – die ist eine der besten, die ich bisher erfahren durfte. Alles läuft korrekt ab, alles ist pünktlich. Diese Leute behandeln mich wirklich gut und ich hoffe, wieder für sie kämpfen zu können. Es ist eine wunderbare Show, und sie sehen dich nicht nur als ein Stück Fleisch, wie einige andere Organisationen. Sie wollen, dass du dich gut fühlst.

Das hört man von vielen Kämpfern, die bereits in der UFC waren und dann für KSW gekämpft haben. Was genau sind die Unterschiede dort im Vergleich mit der UFC?
Es ist eine andere Sprache, eine andere Umgebung. Ich denke, die UFC ist die prestigeträchtigste Organisation da draußen, und es war eine großartige Erfahrung, für sie kämpfen zu dürfen. Vielleicht werde ich eines Tages dorthin zurückkehren, das weiß ich nicht. Ich fühle mich momentan sehr, sehr wohl bei KSW, die Leute dort behandeln mich mit Respekt. Das Ganze hat eine Seele. Ich bin nicht der einzige Kämpfer, der das sagt. Ich fühle den Spirit, wenn ich dort bin. Die Leute sind sehr nett, genau wie der Geschäftsführer.

Was sind deine Ziele bei KSW, nachdem du deinen ersten Sieg dort eingefahren hast?
Mein letzter Kampf war gegen Karol Celinski, einen sehr guten Gegner. Jetzt möchte ich vor allem um dem KSW-Titel kämpfen, den Halbschwergewichtsgürtel. Ich wollte eigentlich noch einmal gegen Jan Blachowicz kämpfen, aber er hat bei der UFC unterschrieben, weshalb das fürs Erste nicht möglich sein wird – aber früher oder später werde ich noch einmal gegen ihn kämpfen, das garantiere ich Euch. Ich habe in meinem (letzten) Kampf keine besonders gute Leistung gebracht, weil Karol Celinski ein technisch sehr versierter Gegner war: im Stand war er viel besser als erwartet, (er hatte) außerdem ein tolles Team hinter sich stehen. Daher wirkte der Kampf vielleicht etwas langweilig, aber es war ein technischer Kampf. In Zukunft würde ich gerne gegen jemanden mit einem sehr aggressiven Kampfstil antreten, weil dann die beste Seite meiner Fähigkeiten herausgekitzelt wird.

Wie du schon gesagt hast, hast du letzes Jahr gegen Blachowicz verloren. Was würde in einem Rückkampf anders laufen?
Viele Dinge würden anders laufen. Er ist ein sehr guter Gegner, der mich vor interessante Probleme stellt. Er ist körperlich sehr stark und auf dem Boden ist er sehr gut, genau wie im Stand. Seine Taktik für unseren Kampf war ebenfalls sehr gut. Als ich gegen ihn angetreten bin, habe ich alles alleine gemacht, ich hatte tatsächlich nicht einmal einen Trainer, um mich vernünftig vorzubereiten. Ich bin einfach in den Ring gestiegen, um zu kämpfen, und so funktioniert MMA nicht auf einem hohen Level. Jetzt ist alles anders. Ich habe jetzt einen tollen Trainer und tolle Sparringspartner; ich investiere viel Geld in meine Trainingscamps – die ganze Situation ist nicht vergleichbar. Das ist der Grund, warum ich mich in einem Rückkampf als Sieger sehe, weil ich überall versierter bin als früher. Ich will unbedingt gegen ihn kämpfen, weil ich denke, dass ich in einigen Bereichen besser bin. Es wäre immer noch ein harter Kampf, aber das ist auch der Grund, warum ich gegen ihn kämpfen will. Für mich ist er die Nummer eins in Europa.

Da einige Leute deinen letzten Kampf als langweilig bezeichnet haben – warst du selbst zufrieden mit deiner Leistung?
Nein, überhaupt nicht. Ich war vor allen Dingen nicht aggressiv genug, und das ist es, was die Leute sehen wollen. Das Ding ist allerdings, dass ich gar nicht aggressiver sein konnte, weil Karol sehr technisch versiert ist. Mit derart technischen Fähigkeiten im Stand kann man ihn nicht unterschätzen und überrennen, weil er ein sehr guter Konterkämpfer ist. Deswegen musste ich etwas vorsichtiger sein. Trotzdem möchte ich so nicht kämpfen. Ich hätte aggressiver mit meinen Takedowns und meinem Ringen sein sollen. Das werde ich das nächste Mal definitiv machen. Ich werde den Kampf beenden.

Hast du dir mit dem Sieg gegen Karol Celinski einen Titelkampf verdient?
Was immer sie sagen, werde ich tun. Es liegt nicht an mir, das zu sagen. Ich will nur kämpfen, das ist mein Ziel. Wenn sie mir den Titelkampf anbieten – ich denke, ich bin bereit. Ich trainiere momentan sehr hart – ich trainiere viel, esse, schlafe und trainiere wieder. Das ist alles, was ich mit mienem Leben tun will. Ich bin an einen Punkt gelangt, an dem ich realisiert habe, dass ich kein bisschen meiner Energie auf irgendetwas anderes verschwenden will. Ich bin viel erwachsener als früher. Ich achte auf meine Ernährung, wann ich ins Bett gehe, wann ich aufstehe, wie ich trainiere, mit wem ich trainiere – nur das interessiert mich momentan. Ich bin 30 Jahre alt; ich denke wirklich, dass ich jetzt in der besten Form meines Lebens bin – ich will so viel kämpfen, wie möglich. Wenn du mich fragst, würde ich alle zwei Monate kämpfen.

Hast du den Unterschied in deinen Fähigkeiten direkt nach den Umstellungen in deinem Training gespürt, oder war das ein etwas längerfristiger Prozess?
Tatsächlich war meine Niederlage sehr gut für mich, sie war ein Weckruf. Ich habe realisiert, dass ich einige Dinge ändern musste. Ich habe realisiert, wofür MMA tatsächlich steht, wie viel ich bereits dafür geopfert hatte, wie engagiert ich sein musste, wie viel mehr Fokus ich brauchte. Da steckt eine Menge mehr hinter als die Leute denken.

Hat dich schon jemand wegen eines neuen Kampfes kontaktiert? Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?
Um ehrlich zu sein, noch nicht. Aber ich möchte eine Nachricht an alle Halbschwergewichte da draußen schicken – ich kämpfe gegen jeden. Lass und kämpfen. Ich nehme auch kurzfristig Kämpfe an, ich bin jederzeit in Topform.

Wie sehen deine langfristigen Pläne aus? Den KSW-Titel gewinnen, ihn ein paar Mal verteidigen und dann zurück in die UFC kommen, oder etwas ganz anderes?
Ich würde wirklich gerne um den Gürtel kämpfen, das bringt eine Menge Promotion mit sich. Am Ende des Tages ist das aber deren Entscheidung. Ich habe bereits einmal um den Titel gekämpft und verloren. Sie haben kürzlich ein paar sehr gute Kämpfer verpflichtet, einer davon ist Virgil Zwicker. Ich würde wirklich gerne gegen ihn kämpfen.

Wenn du als 80-Jähriger auf dein Leben zurückblickst – was müsstest du in deiner Karriere noch erreichen, um zufrieden zu sein?
Ich will etwas Großes erreichen. Ich bin noch weit weg von der Rente; ich will bis mindestens 40 kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass das Beste erst noch kommt. Trotzdem bin ich glücklich mit all dem, das ich getan habe. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich nur eine Sache anders machen, und zwar würde ich verantwortungsbewusster sein. Ich würde einige Menschen besser behandeln und vielleicht einige Fehler beheben, die mir Leid tun.

Hast du noch eine Nachricht an KSW, die UFC, die Fans oder potentielle Gegner?
Ja, ich kämpfe wirklich gerne für KSW. Zwei Tage nach meinem Kampf war ich schon wieder am Trainieren. Das hätte es früher nicht gegeben. Ich will nur sagen, dass das jetzt mein Aufstieg ist, zu hundert Prozent. Ich will kämpfen, dass ist momentan mein einziger Wunsch.