MMA

GnP-Prognosen für UFC on FOX 16

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC on FOX 16 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den vier Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben der Stellv. Chefredakteur Elias Stefanescu, die Redakteure Kai Ruhle, Florian Sädler und Kolumnist Alexander Petzel-Gligorea ihre Prognosen ab:

TJ Dillashaw (11-2 MMA, 7-2 UFC) vs. Renan Barao (33-2 MMA, 8-1 UFC)

Elias: Man darf sich zurecht fragen, ob Dillashaw auch im Rückkampf eine so starke Leistung abliefern kann, wie im ersten Aufeinandertreffen der beiden Bantamgewichte. Barao spricht in den Videos davon, in der Form seines Lebens zu sein - doch was soll er auch anderes sagen? Ich schätze, dass wir tatsächlich eine Wiederholung der ersten Begegnung sehen werden. Dillashaw wird versuchen das Duell auf den Beinen zu halten und mit schnellen und unvorhersehbaren Attacken zu punkten. Diese konditionell enorm starke "Beschäftigungstherapie" war es, die Barao völlig überforderte. Ob der Brasilianer eine Lösung dafür hat? Ich befürchte (für ihn) nicht. Ich rechne mit einem Punktsieg für den US-Amerikaner, wenn auch Barao zäher sein wird, mit der Hoffnung auf eine Revanche. T.J. Dillashaw nach Punkten

Kai: Ein Titelkampf, der Spannung verspricht. Ich denke Dillashaw wird alles dran setzen den Kampf im Stehen zu halten. Der im ersten Kampf von den meisten Experten als chancenlos eingestufte Dillashaw zeigte bei seiner Titelverteidigung gegen Soto eine gute Leistung. Barao wird hoffentlich aus dem ersten Kampf der beiden seine Lehren gezogen haben und sich nicht im Stand dominieren lassen. Falls es doch so kommt, wird es ein Abbild des ersten Kampfes werden. T.J. Dillashaw nach Punkten

Alexander: Ich sehe den zweiten Kampf noch einseitiger verlaufen als das erste Aufeinandertreffen. Während Barao gegen Gagnon langsamer als gewohnt aussah, konnte sich Dilllashaw quasi mit seinem Privattrainer Duane Ludwig vorbereiten und wird den Brasilianer erneut mit seiner starken Fußarbeit im Stand frustrieren. Für Barao sehe ich die Chance nur über Takedowns, aber auch hier hat er in Dillashaw einen guten Ringer gegenüber stehen. Der Titel bleibt in Sacramento. T.J. Dillashaw via T.K.o. in Runde 3

Florian:
Hatte Barao einen schlechten Tag oder ist Dillashaw einfach der bessere Kämpfer? Für beide Kämpfer steht hier extrem viel auf dem Spiel, obwohl das allgemeine Interesse an diesem Duell gering ist. Das ist nicht verwunderlich angesichts des einseitigen ersten Kampfes der beiden, man sollte aber nicht die Auswirkungen verkennen, die das Ergebnis des Rückkampfes auf das Bantamgewicht haben könnte. Entweder wird Dillashaw sich endgültig als neue Macht an der Spitze etablieren, oder der ehemals so dominante Barao macht dort weiter, wo er mit seinem Erstrunden-Knockout gegen Urijah Faber Anfang 2014 aufgehört hat.

Ich denke, dass Dillashaw seine Chance nutzen wird, um die Barao-Ära im Bantamgewicht endgültig zu beenden. Die Fortschritte, die er in relativ kurzer Zeit vor seinem Titelgewinn gemacht hat, sind beeindruckend, und jetzt hatte er fast ein Jahr, um mit Coach Duane Ludwig weiter an Feinheiten zu schrauben und sich so richtig in seinen eigenen Stil einzufinden – der Mix aus aktiver Beinarbeit, Geschwindigkeit, intelligenten Angriffen und seinem Ringer-Hintergrund hat das Potential, aus ihm mit der Zeit einen absolut elitären Kämpfer zu formen. Gleichzeitig stand Dillashaw seit dem ersten Barao-Kampf nur ein Mal gegen den völlig unbekannten Newcomer Joe Soto im Octagon, wirklich im Scheinwerferlicht beweisen muss der neue Champion sich also immer noch.

Angesichts von Baraos eher unspektakulärem Sieg gegen Mitch Gagnon im Dezember gehe ich davon aus, dass Dillashaws Fortschritt – von dem man an diesem Punkt nur ausgehen kann – kombiniert mit dem Selbstbewusstsein, seinen Gegner bereits ein Mal nach Strich und Faden dominiert zu haben, genug sein wird, um auch den Rückkampf überzeugend zu gewinnen. T.J. Dillashaw via T.K.o. in Runde 3

Miesha Tate (16-5 MMA, 3-2 UFC) vs. Jessica Eye (11-2 MMA, 1-1 UFC)

Elias: Miesha Tate ist die bessere Ringerin der beiden und wird die Begegnung meiner Meinung nach mit einem Mix aus aggresivem Boxen und Takedowns kontrollieren. Jessica Eye ist sehr zäh und kann hart zuschlagen, darf somit nicht unterschätzt werden. Sie sieht ihre große Chance auf ein Duell gegen Ronda Rousey und wird alles daran setzen diesen Kampf zu gewinnen. Chancen dazu sehe ich allerdings nur im Stand. Tate wird darauf vorbereitet sein und durch Takedowns den Punktsieg sichern. Miesha Tate nach Punkten

Kai: Es ist eine Ansetzung, deren Siegerin auf Rousey treffen wird. Tate hat das „Momentum“ auf ihrer Seite mit drei Erfolgen in Serie. Außerdem gibt es kaum eine Komponente, wo ich Jessica Eye im Vorteil sehe. Tate ist schneller, kräftiger und kann besser boxen. Alleine Eyes Takedown-Verteidigung sehe ich als etwas besser an gegenüber Tate. Trotzdem wird es schnell vorbei sein und Tate die klare Siegerin. Miesha Tate via T.K.o in Runde 1

Alexander: Der inoffizielle Contender-Kampf der Damen und Jessica Eye ist eine Protagonistin. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht und ich denke auch nicht, dass Miesha Tate große Probleme mit Eye haben wird. Tate wird ihrem früheren Spitznamen "Takedown" gerecht werden und den Kampf größtenteils auf die Matte verlagern, wenn ihre minderbemittelten Betreuer ihr nicht wieder eine komplett sinnfreie Taktik mitgeben. Eye wird versuchen, auf den Beinen zu bleiben, aber ich bezweifle, dass ihr das gelingen wird. Miesha Tate nach Punkten

Florian:
Kämpft die Siegerin aus diesem Kampf als nächstes um den Titel? Die Chance besteht offenbar, die Frage ist eher, wie viele Fans das wirklich sehen wollen? Sowohl Tate als auch Eye haben zu wenig getan, um einen Kampf gegen Ronda Rousey wirklich interessant erscheinen zu lassen, dafür haben sie heute die Chance, diese Sichtweise mit einem spektakulären Sieg zu ändern. Müsste ich wetten, würde ich darauf setzen, dass Tate sich am Samstag ihren Rückkampf sichert.

Abgesehen davon, dass sie es mit bereits drei Siegen in Folge rein vom Leistungsvolumen mehr verdient hätte als Eye mit lediglich einem, halte ich sie für die größere Gefahr für Rouseys Gürtel. Eye ist aggressiv und zäh, dabei aber ab und an etwas zu unbedacht, während Tates strukturierter Kampfstil mitsamt Ringer-Hintergrund meiner Meinung nach das größere Problem für die meisten Gegnerinnen darstellt. Darüber hinaus hat sie bereits gezeigt, dass sie Rousey zumindest ansatzweise in Bedrängnis bringen kann, wenn sie intelligent kämpft – wenn sie genau das tut, sollte sie sich zumindest heute gegen Jessica Eye den Sieg holen und sich die Chance auf Revanche gegen ihre alte Erzrivalin sichern. Miesha Tate nach Punkten

Edson Barboza (15-3 MMA, 9-3 UFC) vs. Paul Felder (10-0 MMA, 2-0 UFC)

Elias: Eine Partie, die das Potential zum Kampf des Abends hat. Beide Kämpfer sind enorm schlagstark und immer für einen spektakulären K.o. gut. Zudem werfen beide eingedrehte Angriffe von sich, die Kontrahenten stets überraschen. Barboza hat die besseren Kicks in dieser Partie, jedoch gehe ich davon aus, dass Felder das bessere Boxen besitzt - besonders im Infight. Hier ist alles möglich, zudem spielen auch Nehmerqualitäten eine wichtige Rolle. Während Felder sich bisher als sehr robust erwies, konnte Barbozas Kinn nicht immer überzeugen. Auch wenn dadurch die Gefahr auf eine K.o.-Niederlage sehr plausibel ersheint, gehe ich davon aus, dass der Brasilianer sein Können am Boden zu Hilfe ziehen wird, sofern es auf den Beinen zu gefährlich für ihn wird. Edson Barboza nach Punkten

Kai: Barboza trifft auf einen ungeschlagenen Gegner. Felder kriegt seinen ersten Prüfstein auf dem Weg nach oben in den UFC-Ranglisten. Es treffen zwei sehr gute Kicker aufeinander. Barboza wird wahrscheinlich den Kampf in der Distanz halten, weil er den klaren Reichweitenvorteil besitzt. Im Clinch sehe ich beide gleichstark. Es wird ein spannendes Duell. Edson Barboza nach Punkten

Alexander: Das beste Matchup im Hauptprogramm findet im Leichtgewicht statt.
Ich freue mich riesig auf dieses Duell und erwarte wirklich ein Feuerwerk im Stand. Beide können mächtig austeilen und haben ein immenses Arsenal an Techniken dabei. Auch wenn Felder noch ein wenig die Unbekannte in dieser Gleichung ist, tippe ich auf ihn. Mir kommt es oft so vor, als ob Barboza im Käfig mental nicht immer voll bei der Sache ist, vor allem, wenn er früh Treffer nehmen muss, was bei seiner Defensive schnell passiert. Ich traue ihm nicht zu, auf Knopfdruck sein volles Offensiv-Potenzial abzurufen, weswegen ich heute den Zuschlag an Paul Felders Muay Thai gebe. Paul Felder nach Punkten

Florian: Was für ein Kampf. Das Duell zwischen Barboza und Felder ist mehr oder weniger zufällig durch mehrere verletzungsbedingte Wechsel entstanden, stilistisch gibt es momentan im Leichtgewicht aber kaum etwas, das mehr nach hochwertiger Action schreit.   

Barboza ist technisch eine Wucht, hat blitzschnelle und extrem gefährliche Schläge und Kicks. Felder dagegen bringt vielleicht keine ganz so weit entwickelte Variabilität mit in den Käfig, ist dafür aber der körperlich wuchtigere Kämpfer. Der Newcomer ist für die Gewichtsklasse groß, stämmig und sorgt in Kombination mit seinem physisch präsenten, aggressiven und furchtlosen Kampfstil dafür, dass man sich jeden Meter und jede gewonnene Situation hart erkämpfen muss. Auf der anderen Seite weiß man von Felder noch nicht viel, außer, dass er definitiv Potential hat – Edson Barboza dagegen kennt man nach fünf Jahren in der UFC mit seinen Stärken und Schwächen. Leztztlich wird es in Chicago wahrscheinlich darauf ankommen, ob Felder seinen Willen gegen Barboza genauso durchsetzen kann, wie er es in seinen ersten zwei UFC-Kämpfen getan hat.

Barboza hat die Werkzeuge, um beinahe jedes Leichtgewicht zu besiegen, ist allerdings auch anfällig für Treffer und kann unter Druck einbrechen. Felder muss Barboza im Stand zusetzen und darf ihn dann nicht mehr vom Haken lassen – gegen Danny Castillo hat der Brasilianer gezeigt, dass er in der Lage ist, zurückzukommen und den Kampf noch zu drehen, wenn man den Sack nicht sofort zumacht. Barboza kann diesen Kampf definitiv gewinnen, ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass Felder oft genug durchkommt, um dessen Stärken nicht zum Zuge kommen zu lassen. Paul Felder via T.K.o. in Rd. 2

Joe Lauzon (24-10 MMA, 11-7 UFC) vs. Takanori Gomi (35-10 MMA, 4-5 UFC)

Elias: Takanori Gomi ist nicht mehr der Alte. In seinen letzten Kämpfen wirkte er unmotiviert, während seine einzige gefährliche Waffe der wilde Schwinger zu sein scheint, der ihn bei Pride FC berühmt machte. Jeder Gegner ist darauf vorbereitet, so auch Joe Lauzon. Ich gehe nicht davon aus, dass Lauzon sich lange im Stand messen will, sondern seine Vorteile im BJJ nutzen wird und somit auf den Boden will. Der Boden ist gleichzeitig Gomis große Schwäche, so dass ich hier keine Chance für ihn sehe, außer einen K.o. durch "Lucky Punch". Joe Lauzon via Submission in Runde 1

Alexander: Puh. Es scheint nicht mehr viel übrig vom einstigen Fireball Kid Takanori Gomi. Gegen Myles Jury sah er in seinem letzten Kampf einfach furchtbar aus und auch wenn Lauzon ebenfalls eine Packung erhielt, weiß ich nicht, ob Gomi überhaupt noch irgendwas in der UFC reißen kann. Lauzon wurde zuletzt hauptsächlich von technisch sauberen Standkämpfern mit starker Athletik besiegt, die seine Takedowns abwehren konnten. Auch wenn Gomi immer noch ordentlich Power in den Fäusten hat, scheint er schlechter gealtert zu sein als Lauzon, weswegen ich bezweifle, dass die notwendige Takedown-Defense beim Japaner noch vorhanden ist. Lauzon wird Gomi immer wieder auf die Matte zwingen und irgendwann wird dann auch der Choke kommen. Joe Lauzon via Submission in Runde 2

Kai: Beide Kämpfer sind meiner Meinung nach solide Kickboxer, was den Kampf interessant macht sind ihre Fähigkeiten auf der Matte. Joe Lauzon konnte bereits 17 Mal durch Aufgabe gewinnen und Gomi ist bekannt anfällig für Aufgabegriffe. Sechs seiner zehn Niederlagen kamen durch Aufgabe. Sollte der Kampf von Lauzon auf die Matte gebracht werden, dürfte er zumindest die Vorteile auf seiner Seite haben. Ich denke, dass der Kampf aber zu den weitesten Teilen im Stand stattfindet, weil Gomi  im Schnitt zwei von drei Takedown-Versuchen abwehrt. Zudem ist seine letzte Niederlage durch Aufgabe knapp vier Jahre her. Takanori Gomi nach Punkten

Florian: Vor ein paar Jahren hätte dieser Kampf noch echte Auswirkungen auf das Titelgeschehen im Leichtgewicht der UFC gehabt. Mitte 2015 allerdings kämpfen Lauzon und Gomi maximal noch um mittelfristige Relevanz als Gatekeeper. Die beiden sind zwar noch nicht völlig am Ende, sodass man sich ernsthafte Sorgen um ihre Gesundheit machen müsste, haben aber in den letzten Jahren gezeigt, dass es nach zig Ring-Schlachten einfach nicht mehr gegen die Elite reicht. Lauzon kann immer noch eine Menge einstecken und selbst in chaotischen Kämpfen mit Blitz-Submissions gefährlich bleiben, während Gomi auch siebzehn Jahre nach seinem MMA-Debüt immer noch auf seine harten Fäuste zählen kann. Ich denke, dass Lauzons Chancen besser stehen, etwaige Treffer des Japaners zu überstehen und irgendwann im richtigen Moment einen Griff anzusetzen, als Gomis, seinen Gegner im Stand zu zermürben oder gar bewusstlos zu schlagen. Joe Lauzon via Submission in Runde 2